|
Frage gestellt, »ob man >II Principe< als revolutionäres politisches Manifest ansehen könne«, und strukturelle Ähnlichkeiten zwischen »Der Fürst« und dem »Kommunistischen Manifest« gefunden.
@@Beide Manifeste definieren das Politische als die Bewegung der Menge, und sie definieren als Ziel die Produktion des Subjekts aus sich selbst heraus.,@ (76)
Was dann bei H/N etwas schwammig artikuliert wird, ist bei Althusser (der seinerseits seine Gedanken an Gramscis Machiavelliabhandlungen» entwickelt) knallhart und klar. Der moderne Fürst ist die Partei, die Organisation der Avantgarde der Arbeiterklasse.-'2 Der »Fürst« als historisches Projekt definiert sich darin, dass er sich selbst seine historische Existenz gibt, sich selbst setzt und produziert, ob als absoluter Monarcli oder revolutionäre Partei (»celle d'une monarche absolu ou d'un parti revolutionnaire«) und sich aus sich heraus in den offenen und leeren (»vide«) historischen Raum entwirft, erschafft, konstituiert«, ein Akt theoretiscli-programmatischer und zugleich politischer Selbstschöpfung und Selbstsetzung. Von der Subjektivität der Klasse und ihren Kämpfen ist nicht die Rede, der Absolutismus des Fürsten, die Diktatur der Partei setzt sich selbst und beherrscht das Projekt. Hieraus bestimmen Fürst/Partei den Prozess, in dem sie Tabula rasa (»table rase«) mit den vorgefundenen Zuständen machen und dem gesellschaftlichen Material seine den historischen Kräften entsprechende Form geben (Nationalstaat bzw. das, was Altliusser unter »Sozialismus« versteht).-'"
Der alte »Fürst« aus der Feder Maciiiavellis nimmt den neuen der Partei auch in seinen Konzepten transformatorisclier Gewalt in der Obergangsphase vorweg: Ihre Kernagentur ist die Armee, die in Rekrutierung, Organisation und KriegsStrategien zum Entwicklungs- und Erziehungsapparat der neuen Ordnung, zur »Schule und zum Schmelztiegel des Volksganzen« gemacht wird.--' Und, so ist hinzuzufügen, die Verschmelzung und Homogenisie-
.si A. Gramsci, 11 moderno Principe, Quaderni del Carcere, 5. Aufl. Bd. 4, Einaudi 1964, S. 3. Althusser bedient sich bei Gramsci, auf die Differenzen (die sich vor allem an Gramscis Orientierung an Mosca und seinem wenig orthodoxen Hegemoniekonzept festmachen lassen) kann ich hier nicht eingehen.
52 E. Althusser, op. cit. S. 54, 63, 69. ebd. S. 63.
ebd. 1 loff.
ebd. Teil IV, S. 134 ff,
68
rung bedarf des Kriegs. Neben die nicht nur zerstörerische, sondern aufbauende Gewalt (auch der Grundgedanke der »schöpferisclien Zerstörung« im Umbruch zur Postmoderne, s.u.) als Medium der Transformation'6 tritt die Ideologiepolitik, die sich zweckorientiert zur Erfüllung der historischen Aufgabe der Manipulation von Basis- und Massenideologien bedient, inklusive List und Täuscliung." Und - hier wird es brisant - auch der Produktion des
Mythos:
» ... ein Manifest richtet sich immer an die Massen, um sie in eine revolutionäre Kraft zu sammeln. Anmerkung 1: Der Prinz von Machiavelli wäre als eine historische Illustration des sorelianischeil Mytho@ zu studieren, das heißt einer politischen Ideologie, die sich nicht als eine kalte Utopie oder doktrinäre Argumentation darbietet, sondern als Schöpfung einer konkreten Phantasie, die auf ein zerstreutes und pulverisiertes Volk wirkt, uni darin einen gemeinschaftlichen Willen zu erregen und zu organisieren (... ). Die Leidenschaft, aus dem Raisonnement über sich selbst, wird zur,effektiven Bewegung" zum Fieber, zum Fanatismus der
Aktion@,."
Wir wissen seit den Studien Zeev Sterhells", welche Rolle die Mythenpolitik Sorels mit seinem Kult der Energie und der Lebenskraft (61an vital) in der Formierung des französischen und italienischen Faschismus gespielt hat. Dazu weiter unten.
Nach dem Austlug in die Schriften Machiavellis und Althussers lichten sich die Dunstschwaden der (wohl in opportunistischer Vorsicht) nebulös gehaltenen Darstellungsweise H/Ns. Wir wissen präzise, welcher Diskurs- und Politiktypus IVN vorschwebt, wenn sie nach dem »Fürsten« für die postmodernen Konstitutionsprozesse suchen. Es ist die Selbstproduktion und -konstitution postmoderner Eliten von oben und »aus sich selbst heraus«, als Avantgarde eines langfristigen Prozesses der Formierung von »Menge« und Massen zum globalen postmodemen Produktiv-
ebd. S. 15 1.
ebd. S. 152 ff, unter dem Titel: Die politische Praxis des neuen Fürsten (La pratique politique du Prince Nouveau); Ideologie als unentbehrliche uiibewusste Struktur und ihre ideologieopolitische Bewirtschaftung hatte Althusser ja schon immer als notwendig in seinen »Marxismus« einbezogen. Vgl. ders., Positions, Paris 1976, S. 67 I'f., auch Für Marx, Frankfurt/M., 1968, S. 182.
" ebd. S. 68.
" Z. Sternhell, Naissance de l'iddologie fasciste, Paris 1989.
69
|