|
H/Ns »Einpire« ist durch und durch vom »Willen zur Macht« aus dein Geiste Nietzsclies geprägt. Nicht nur, dass sie mit voller Absicht in ihren Zitaten und Bezugnahmen dessen aggressive Energetik aufrufen. Im Kapitel »Virtualitäten« geht es nicht um Analyse, es geht um den Typus des Handelns in der Gestaltung der Zukunft. Sie propagieren den »Willen zur Macht« als Leitsclinur ihres Projekts zur globaleii DLirclisetzuiig der in den neuen Tecilnologiell iilkorporierteii Haiidluilgsinaclit, als dynamischen Kern der in der Arbeit verscliinolzenen Körper und Hiriie. Sie berufen sich auf ilin, sie nehmen diese Handlungsniaclit in Anspruch. Sie fordern dazu auf, es ihnen gleichzutun und sich der expaiisiven Macht der Menge anzuschließen. Sie rufen den Willen zu Macht
digina auf,
aus Nietzsclies Epoche nicht als Pililosophiegesclijciltliclies Para sondern als »Wiederkehr des gleichen«, als Ausdruck einer Zyklik. >Hindernis überwindeii« und »zerschmettern« im Prozess der »Expansion der Haiidlungsmacilt« und der Herstelluiig einer »expaiisive" Gemeinschaft« zur »Uinwertung« und »Zerstörung« alter und »Schaffung neuer Werte«, um »Die Krise Europas« züi überwiiideii: das ist Begriff für Begriff aus Nietzsclie zusammengesetzt. Wir duirfeii »Todkrieg«, »Vernichten«, »Vergewaltigeii«, »ÜberiiiellsC11« und sein Containment der »Herdenineiisclien« gleich ii'n Geiste initleseii.
Eine derartige Propaganda spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Inanspruchnahme Nietzsclies durch den NaziSMUS.87
sehe als »Vorläufer des Nazisi-nus« und den Nationalsozialismus Der amerikanische Plli]Osopliieliistoriker KLirt Fischer hat Nietz
als Nietzsclieaiiisclies »Experiment« dargestellt und seine Eiitnazifizieruiig als voreilig, George Liclitlieii-n hat Nietzsclie als Protofascliisteii gewürdigt, Uriel Tal, Conor Cruise O'Brien seinen Aiitiselnitisinus als PrOtOfascilistiscli. Die Eitiscliätzung von Lucäcs in seinem Buch über »Die Zerstörung der Vernunft« ist bekannte
-rassistisclie Form der Universalisieruiig stra sehr früti als nazistiscli L@viiias hat die Idee der Expansion und die Proplietie ii n Zaratliu-
gewertet, die sich in Abkehr vom Typ,s des liberalistischen Universalismus in Krieg und Eroberung, von Herren auf Sklaven propagiert. Dieser wenig bekannte Aufsatz ist in unserem Koiite,t
87
An dieser Stelle inuss der ausgezeichnete Oberbli,k Stevell Aschlleilns gellügeli, in: S.E.Asclih,i", Nietzsclie und die Deutsclien,Stuttgart 2000, Kap. @ und 9, Nachwort.
88
von Interesse, weil H/N gerade diesen Nietzscheanisclien Expansionismus für ihr Projekt in Anspruch nehmen. Jacques Derrida hat Nietzsches Energetik in der elementaren Politik des Gegensatzes Freund/Feind verortet und ihre Wirkungsgeschiclite in die nazistisclie Systet'natik der Feinderklärung bei Carl Scilmidt weiterverfolgt. Er hat die Frage nach dein Grund der Nazi-Politik als »einzige nietzsclieaniscli genannte Politik« in einer für das postrukturalistisclie Frankreich ungewöhnlichen Schärfe neu eröffnet."
HIN stoßen sich weder an Nietzsches Vernichtungspropaganda, noch seiner Inanspruchnahme für den NS, noch an seiner durchde in den von ihnen propagierten Moi-nenten. Sie fülireii Derrida aus geläufigen Bewertung als protonazistisclier Philosoph - gera-
für die französische Nietzsclie-Renaissance ins Feld und unterschlagen die neueren Arbeiten. Dasselbe gilt für Foucault, der ja Nietzsche benutzt hat, sich aber selbst im sozialen Antagonismus gegen-nietzscheaiiisch positioniert." Konfrontiert mit dem Rückgriff auf Nietzsche durch die Rechte, erklärt er kurz vor seinem
K.R. Fischer, Nizism as a Nietzschean »Experiment«, Nietzsche-Studien 6(77), 116; J, Derrida, Otobiograpiiicn, op.cit., S. 54; ders. Politiques de l'ai-niti@, Paris 1994, S 971'f., 131f1., E. Ldviiiis, Quelques rdflexions
George Bataille (Ocuvres dasscomp
s
sur la pliilosophie de l'hitl@risme, Esprit, 1.1 1.34, S. 199, hier : 207 f.
lätes Bd.1, P"iris 1970, S. 447, hier:
.461) hat sich von L@vinas sehr auf den Schlips seiner Nictzsclieverehrung getreten,gefülilt, zu Recht, wenn iniii seine fragwürdigen Vorkriegsaktivitite i mit Roger Caillois im f-@isciiistoiden Coll@ge de Sociologie in Betr-@icht ziclit. George Liclitlicim, Europe in tlietwentieth Century, 1972, S. 185; C, Cruise o'Brien,'llic Sicge.'I'he Sagi of Israel and Ziotiisin, London 1986, S. 59; U.'I'al, Cliristians and Jews in Germany, London 1973; vgl. auch S.E. Ascliheim, a.a.O.; D. H-@irtmaiin, Der rechte
Schriften nach 1968 so gründlich überselien wird (davor hat cr den Nietzsche op. cit.; ders., Das nähere Ciiinesentum, Konkret 10/20(X).
89 vgl. D. Hartinaiin, Der rechte Nietzsclie op. cit. Es liegt in den verschiedenen ideologischen Zug-@ingen begründet, dass dies für seine
Rückgriff auf Nietzsche ebcnso wie Batailic, Klossowski, Deleuze u.a.
für die Auseinandersetzung mit dem Strukturalismus genutzt). Die
Rechte nimmt nicht wahr, daß seine Initiativen sich auf dem von
Nietzsche eröffneten l'errain tut die Unterklassen gegen den Willen
der Herren zur Macht und ihre nach unten gerichtete Feinderklärung
richten. Die orthodoxe produktivistisch orientierte »Linke« operiert
insoweit auf derselben Basis, als sie wie der 'Teufel das Weihwasser
meidet, die so genannte »Gcbraucliswertseite« kritisch zu untersuchen
und die so genannt »fortschrittlichen« Potenzen der l'roduktivkräfte
89
|