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Dimensionen von Human-, Sozial-, Wissens- und Kulturkapital als Ressourcen von Aneignung und Produktivität erweitert. Die sogenannte »zweite Natur« erwies sich als Produkt kapitalistischer Unterwerfung. Eine »Philosophie« der Macht als Form der organisierten Selbstentfesselung elitärer und hegemonialer Energien enthüllte sich schon zu Beginn des tayloristischen Take-offs neben ideologischen Funktionen in seiner »produktiven« Bedeutung. »Produktiv« im Sinne einer materiellen Kraft inwertsetzender
Unterwerfung.
Die derzeitige Wiederkehr einer nietzscheanisch inspirierten Philosophie der »schöpferischen Zerstörung« und Entfesselung elitämrpotenzen greift auf diese »Philosophie der Macht« zurück. Sie gestaltet ihr »Remake« zu einer regelrecht technischen Operation aus. Was bei Nietzsche, Weber, Rathenau noch den Charme existenzieller Ursprünglichkeit haben mochte, gerinnt bei H/N zu einem technischen Menü. Das mag sie vielleicht zu einer erfolgreichen Bewerbung bei der Ethikabteilung eines transnationalen Konzerns oder der Weltbank befähigen, philosophisch ist es banal. So banal allerdings HIN und Sioterdijk jeder KennerIn der politischen Ökonomie und jeder LiebhaberIn der Philosophie erscheinen müssen, so interessant werden sie als Analysegegenstand im Kontext der materiellen sozial-technologischen Kräfte, die sich auf den neobarbarischen Weg postmoderner Gewalt machen. Als Linke werden wir wenig von ihnen lernen können, an ihnen um so
mehr.
Diese Analyse soll dazu beitragen, den Kampf bis in die philosophiepolitischen Stränge hinein besser zu begreifen. Zugleich soll sie helfen, die Kritik der politischen Philosophie als Thema einer Kritik der politischen Ökonomie auf die Höhe der Zeit zu tragen. Ich hoffe, die Diskussion bald um weitere Analysen zur Philosophie der Gewalt vertiefen zu können. Vor allem aber soll dieses Buch helfen, besser mit den Fallstricken des herrschaftlichen »Begehrens« im linken Selbst umzugehen, mit denen IUN hantieren.
»Wo sind die Barbaren des 21. Jahrhunderts?« Dies war die
Überschrift meines Essay zum »Sloterdijk-Skandal« vor drei Jah-
ren. Der Satz entstammt Nietzsches Vorarbeiten zum »Wille zur
Macht«, der Aufruf einer neuen Herrenrasse zur Erdherrschaft.
Das war sechs Monate vor Erscheinen von H/Ns »Empire«. Ich
war nicht schlecht erstaunt, als ich es in »Empire« wiederfand,
diesmal als Aufruf postmodemer Eliten - ins linke Spektrum und
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mit linker Tünche. Ich dachte mir, eine Stellungnahme dazu brauchst du dir nicht noch anzutun, die Linke wird das nicht fressen. Das war voreilig.
Für viele war zwar die Sache nach der postmodernen Souveränitätspropaganda schon im ersten Kapital klar. Viele haben sich aber vor allem durch die geschulte revolutionäre Rhetorik verunsichern lassen, die versclileiert, dass sie auf die Erneuerung der bürgerliclien Revolution abzielte. Vielleicht haben sich auch einige durch den Vorweis illustrerreferenzen aus zwei Jahrtausenden Pliilosophiegeschiclite beeindrucken und täuschen lassen. Der »revolutionäre Humanismus«, Spinoza, Althusser, Foucault, Derrida, Deleuze, Guattari, macht das nicht schon was her? Umso mehr, als ihre Verwendung für die Lerserlnnen kaum nachzuvollzielien und schwer zu überprüfen ist. Denn sie werden ohne Erläuterung und Zitat eingeführt, wie in jedem schlechteren Party-Talk unter den gebildeten Ständen. Aber leider ist es nicht nur Party-Talk. Es ist eine Soße von unverfrorenen Fälschungen, Manipulationen und bestenfalls Blendereien, die alle einem Zweck dienen: das »Begeliren« zur Teilhabe an der Macht in der krisengescliüttelten Linken zu fördern und ideologisch anzufüttern.
Eine meiner Aufgaben war es, dies zu belegen und für die Linke nachvol Iziehbar zu machen. Dazu reichte die einfache Richtigstellung oft nicht aus, denn da steht Darstellung gegen Darstellung, und das verunsichert noch mehr. Ich musste daher das nachholen, was HIN vermieden haben: belegen und zitieren, Althusser, Foucault, Nietzsclie, Deleuze, Guattari, Spinoza.
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