>Info zum Stichwort mügeln | >diskutieren | >Permalink 
Werni schrieb am 28.8. 2007 um 10:54:37 Uhr über

mügeln

Der latente Rassismus, vor allem unter Jugendlichen im Osten, ist seit Jahren gegenwärtig, aber wie üblich reagiert die bürgerliche Presse nur, wenn »richtig« was passiert und das Image der Republik schaden nimmt.

Dann folgen die üblichen Erklärungsmuster, gepaart mit billigen Ausflüchten. »Perspektivlosigkeit« ist sehr beliebt. Hierbei übersieht man, dass rassistische Täter aus allen Schichten kommen und häufig sogar einer Arbeit nachgehen. Mit dieser Begründung müsste Gelsenkirchen dann auch im Gegensatz zur Realität eine der gefährlichsten Städte für Ausländer sein - denn hier gibt es nicht nur hohe Arbeitslosigkeit, sondern auch eine wahrnehmbare Präsenz von Menschen ausländischer Herkunft, was man von Ost-Dörfern nun wahrlich nicht behaupten könnte.

Beliebt ist auch der Hinweis auf autoritäre Sozialisation in der Ex-DDR. Merkwürdig nur, dass die meisten der Täter diesen Staat gar nicht mehr kennen. Außerdem ging die DDR wesentlich härter gegen alte und neue Nazis vor als der Westen. Umgekehrt: Neonazis konnten dort verstärkt Fuß fassen, nachdem die DDR weg war und die Mentalität »Alles aus dem Westen ist gut« umging und alles aus dem Westen, also auch unser brauner Bodensatz, plötzlich hip war.

Nun will man die Gelder gegen Rechtsextremismus erhöhen. Was will man denn mit dem Geld machen? Jugendklubs errichten, wo sich der rechte Mob erst recht breit machen kann? Nein, der Kampf gegen Rechts muss in den Köpfen, bei der Erziehung anfangen. Und somit auch bei den Medien. Zu meiner Jugendzeit in den 70ern waren sowohl Filme über den Nationalsozialismus als auch eine Auseinandersetzung mit sozialen Fragen Gang und Gäbe. Heute wird man mit so etwas garantiert nicht mehr »belästigt«, notfalls schaltet man auf RTL und Co. um. In den Schulen hat kein Lehrer mehr was zu sagen, notfalls gibt's auf die Fresse. Aber selbst wenn - Vergangenheitsbewältigung in den Schulen ist aus der Mode gekommen, und selbst die Lehrer haben vom Nazionalsozialismus kaum noch Ahnung.

Die andere Frage ist, ob diese Auseinandersetzung überhaupt erwünscht ist, zumal auch die bürgerlichen Parteien CDU/CSU und, wie man am Beispiel des Herrn Deuse sieht, auch die FDP zu den Vordenkern dessen gehören, was hinterher tagtäglich auf den Straßen praktiziert wird.

Damit überhaupt etwas passiert, muss man sie alle an ihrer empfindlichsten Stelle packen, nämlich beim Image der Republik. Wenn keine Investoren und Touristen mehr kommen, dann werden sie etwas tun. Notfalls kann man ja noch Blauhelmsoldaten schicken, falls die örtliche Polizei mal wieder »überfordert« sein sollte. Es ist nämlich eine Schande, dass Deutschland in der ganzen Welt über Sicherheit und Menschenrechte großkotzig mitreden (und auch mitbomben) möchte, während es auf eigenem Terrain nicht einmal in der Lage ist, ausländische Bewohner zu schützen.


   User-Bewertung: -1
Oben steht ein nichtssagender, langweiliger Text? Bewerte ihn »nach unten«, wenn Du Bewertungspunkte hast. Wie geht das?.

Dein Name:
Deine Assoziationen zu »mügeln«:
Hier nichts eingeben, sonst wird der Text nicht gespeichert:
Hier das stehen lassen, sonst wird der Text nicht gespeichert:
 Konfiguration | Web-Blaster | Statistik | »mügeln« | Hilfe | Startseite 
0.0111 (0.0051, 0.0046) sek. –– 977587917