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wauz schrieb am 29.4. 2006 um 22:34:01 Uhr über

Liamara

Grüß Gott, Ihre Toilettenfrau

Von liamara
Vermischtes . 21:04 Uhr

Ich hab ja keinen Orientierungssinn. Früher pflegte ich zu sagen: Bin ja schon froh, dass ich nach Hause finde. Es ist zwar nicht ganz sooo schlimm, aber ich verlauf mich sogar im Breuninger (manche werden sagen, das ist keine Kunst, weil das Leitsystem so schlecht ist, aber das soll jetzt mal nicht unser Thema sein).

Jedenfalls, hab mir heute mal diese neuen Königsbau-Passagen angesehen. Sieht ja erst mal ganz nett aus, wenn man reinkommt. Hatte so ein bißchen Centro-Flair, nur in kleiner, und die Freßmeile fehlte. Dafür gibt es ja reichlich Möbelgeschäfte der (hust) gehobenen Art. Na ja, wenn man auf Furnier für 5000 Euro steht, bitte sehr.

Auf alle Fälle musste ich dann mal. Und abgesehen von dem real existierenden Bedürfnis weiß ich einfach gerne, wo die Toiletten sind. Darin bin ich wirklich gut, um mal wieder auf den nicht vorhandenen Orientierungssinn zurück zu kommen: Wenn ich nix weiß, aber ich weiß, wo das Klo ist. Ich bin, wenn man so will, eine Damentoilettenkennerin. Wenn mal in der Stadt einer muß, ich weiß schon wo man am besten hingeht. Gern würd ich sagen: ich hab sie alle gesehen; aber erstens stimmt das nicht, und zweitens gibt es welche, da geh selbst ich nicht rein, und dazu gehören grundsätzlich Bahnhofstoiletten und diese beklemmenden runden Dinger, wo man erst das Geld reinwirft. Wenn man nun da nicht mehr rauskommt? Dann erstickt man vermutlich am Klomief des Vorgängers. Oder am eigenen. Schlimme Vorstellung.

Wie dem auch sei, in dem neuen, hübschen Einkaufscenter packt mich also das menschlichste aller menschlichen Bedürfnisse und ich folge der Beschilderung. Einen Gang und noch einen Gang - ein bißchen erinnert mich das an meine Träume, ich träume nämlich oft von langen, langen Gängen mit vielen, vielen Türen. In diesen Träumen werde ich meist verfolgt und muß dann aus dem Fenster springen und wegfliegen, aber das hat ja hier jetzt nichts zu suchen. Obwohl, Fenster gab es auch. Jedenfalls kommt jetzt der Hammer: die Damentoilette. Nur ViER und ich wiederhole es gerne, VIER Toiletten in diesem großen, auf edel getrimmten Komplex. Wieviel Etagen gibt es, drei oder vier? Und dann nur VIER Toiletten. Natürlich gab es eine Schlange. Und heute ist Mittwoch. Wenn man sich vorstellt, wie das am Eröffnungstag gewesen sein muß, da wird es einem doch schwindelig.

VIER Toiletten. Und hinter der Tür krabbelt die ganze Zeit ein Kerl rum, der erst noch die Fliesen verfugen muß, oder sonst irgendeine handwerkliche Tätigkeit, die man natürlich mitten im Damenklo während der Öffnungszeiten erledigen muß. Als ich dann mal dran war und wieder gehe, sehe ich die Türen zum Wickelraum und zur Behindertentoilette. Da hingen Schilder dran. Defekt. DEFEKT! Ich wette, die waren auch noch nicht ganz fertig. Und das war ehrlich gesagt nicht das einzige, was noch nicht ganz fertig war. Trotzdem nett, dass so viele Leute auf das einsame Tellerchen bei den Waschbecken Kleingeld geworfen hatten. Eine Klofrau gab es nämlich nicht. Vielleicht sitzt die sonst draußen, da wo die Arbeiter standen und irgendwas in klebrigen alten Eimern verrührten.

Also: da muß man wohl noch mal dran arbeiten. Luxusmöbel sind ja schön und gut, aber die Luxusdamen müssen genauso aufs Klo wie das gemeine Volk. Aber - VIER Toiletten? Nee. Vielleicht hätte ich mir als Entschädigung bißchen Kleingeld mitnehmen sollen. Kann ja morgen noch mal hingehen. Hoffentlich muß ich dann nicht.


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