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Maximun schrieb am 9.8. 2026 um 23:55:29 Uhr über

CvN

Der dubiose Knabenchor »Bubenschrei« aus Oberhausen stand vor einem wirklich besonderen Ereignis, einem Ereignis das in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Dieser Chor wurde nämlich insgeheim von einem schrecklichen und mächtigen Diktator gefördert, natürlich nur insgeheim über Mittelsmänner. Doch heute hatte sich ein unglaubliches Ereignis angekündigt. Erst hatte es nur »Franziska«, das junge Fake-Mädchen, die eigentlich ein Junge war, bemerkt. Dann kamen die anderen Jungen dazu. Franziska hatte behauptet: Der Diktator wollte sie heute besuchen!

Alle lachten, denn sie kannten die Neigung von Franziska, unglaubliche Lügen zu verbreiten. Sie oder besser er hatte auch schon behauptet, dass Donald Trump kommen würde oder ein Gruseltunnel in der Nähe der örtlichen Sparkasse eröffnet werde. Doch dann trat der Chorleiter ein und verkündete feierlich: »Der Zaiser wird uns besuchen kommen! Es wird uns eine Ehre sein, ihn in unserer alten Fabrikhalle zu begrüßenSchon länger ging das Gerücht um, dass der Chorleiter eigentlich ein Agent des Regimes war, doch bisher hatte dies nur für amüsierte Blicke gesorgt. Nun jedoch herrschte eine fast greifbare Spannung im Raum.

Als der bewußte Tag gekommen war, betraten auf einmal finster aussehende Männer in grauen Anzügen die Fabrikhalle, die mit einer Präzision vorgingen, als hätten sie den Boden zuvor mit einem Zirkel vermessen. Sie trugen keine Waffen, aber sie hielten schwarze Ledermappen fest an sich gepresst, in denen vermutlich die exakten Protokolle für den Besuch des Zaisers steckten. Die Jungen des Chores standen in einer Reihe, die Hände nervös in den Falten ihrer viel zu großen weißen Anzüge mit den farbigen Gürteln, während die Luft in der Halle schwer von Staub und einer plötzlichen, beklemmenden Stille war.

Jetzt betraten einige »Soldaten« in historischen Fantasieuniformen und in einem albernen Stechschritt marschierend den Raum, um den Weg für das Hauptereignis freizumachen. Es war ein absurder Anblick; sie trugen goldene Epauletten und Helme, die so groß waren, dass sie ihnen tief ins Gesicht rutschten, doch ihr Gesichtsausdruck war todernst. Dann kam er: Mit einer arroganten und finsteren Mine betrat der Zaiser die Halle, in seinem üblichen Anzug und hinter ihm trugen einige Bedienstete ein paar Flaschen Wodka und eine große Plastikhaube. Die Flaschen wurden mit einer fast religiösen Andacht auf einem Holztisch positioniert und die Haube entfernt. Darunter war ein gewaltiger brauner Zupfkuchen, der so prachtvoll glänzte, dass er fast wie ein Kunstwerk wirkte.

Franziska, der in seinem weißen Kleid fast zu erstarrte, spürte, wie ihm der Schweiß an der Stirn herunterlief. Er hatte zwar behauptet, der Diktator würde kommen, doch die Realität war weitaus surrealer, als er es sich in seinen wildesten Fantasien ausgemalt hatte. Der Zaiser blieb vor dem Zupfkuchen stehen und betrachtete ihn mit einem Blick, der so analytisch war, als würde er eine militärische Landkarte studieren. Er sagte nichts, doch die Stille in der Halle wurde durch das rhythmische Ticken einer alten Wanduhr zerschnitten, die irgendwo im hinteren Teil der Fabrik an einem rostigen Nagel hing.

»Also Franziska, du machst den Anfangsagte der Chorleiter. »Du singst jetzt für unseren geliebten Zaiser das Begrüßungslied.« Franziska trat vor und war total nervös. Doch dann überkam ihn auf einmal der Mut der Verzweiflung. Der Junge der wie ein Mädchen aussah sang: »Und auch der Zaiser kommt uns besuchen, heute mit Wodka und Zupfkuchen! Das find ich spießig und ziemlich öd und dieser Zaiser ist doch eh blöd. Viel lieber mag ich die Tigerente, der olle Zaiser soll doch in RenteDer Chorleiter schaute entsetzt, die Männer in den grauen Anzügen starrten Franziska an und der Zaiser selbst starrte mit versteinertem Gesicht. Dummerweise hatte er jedes einzelne Wort verstanden.

»Was hast du da gesungen? Das ist Staatsverrat, dafür wirst du in den Kerker geworfenschrie der Chorleiter, dessen Gesicht nun eine Farbe angenommen hatte, die fast so intensiv war wie die rote Kirschfüllung des Zupfkuchens. Er stürzte auf Franziska zu, die Arme wild fuchtelnd, als wollte er die beleidigenden Worte physisch aus der Luft greifen und zurück in den Mund des Jungen stopfen...


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