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Die
japanische Kronprinzessin
Masako erwartet
möglicherweise ihr erstes Kind
und damit vielleicht einen
Thronerben. Die 37-jährige
Prinzessin habe Anzeichen für
eine Schwangerschaft und
solle von Ärzten untersucht
werden, teilte der Hof am Montag in Tokio auf einer
eilends einberufenen Pressekonferenz mit. Ein Termin
für die Untersuchung wurde nicht genannt. Der
Fernsehsender NHK berichtete unter Berufung auf
Palastkreise, das Kind könnte Anfang Dezember zur
Welt kommen. Masako, die seit fast acht Jahren mit
dem Thronfolger Prinz Naruhito verheiratet ist, hatte
1999 eine Fehlgeburt erlitten.
Die Prinzessin werde ihre öffentlichen Verpflichtungen
einschränken, teilte das Kaiserhaus mit. Die Medien
wurden zur Zurückhaltung aufgefordert. Masako
selbst hatte die Presse im Dezember wegen deren
Berichterstattung über ihre Schwangerschaft und
spätere Fehlgeburt kritisiert. Möglicherweise habe
darunter ihre Gesundheit gelitten, sagte Masako.
Zudem habe sie unter dem Druck gestanden, einen
Erben zur Welt zu bringen.
"Ich glaube, die Kronprinzessin ist diejenige, die am
meisten erleichtert ist", sagte eine 50-jährige Frau
vor dem Kaiserpalast. Sie habe viel Mitgefühl mit der
Prinzessin, weil die Erwartung der Öffentlichkeit so
hoch ist.
Sollte das Kind ein Junge sein, stünde es an zweiter
Stelle in der Thronfolge und wäre das erste männliche
Mitglied der kaiserlichen Familie seit 1965, als Prinz
Akishino, der jüngere Bruder Naruhitos, zur Welt kam.
Akishino ist Vater zweier Töchter. In Japan wird
deswegen spekuliert, ob die älteste Monarchie der
Welt möglicherweise gezwungen sein werde, ihre
Vorschrift zu ändern, die nur männliche Thronfolger
zulässt.
Mitglieder der Regierungs- wie auch der
Oppositionsparteien begrüßten die Nachricht über eine
eventuelle Schwangerschaft Masakos einmütig. "Es ist
wirklich ein glückliches Ereignis", sagte
Ministerpräsident Yoshiro Mori zu Journalisten in seiner
Residenz. "Wir habe so lange darauf gewartet. Ich bin
sehr erfreut", sagte Yukio Hatoyama, Chef der
Demokratischen Partei Japans. Der potenzielle
Nachfolger Moris, Junichiro Koizumi, sagte, er hoffe,
diese Nachricht werde einen Baby-Boom auslösen.
Eine Schwangerschaft der Kronprinzessin könnte
Börsenhändlern zufolge ein Lichtblick für die
angeschlagene japanische Wirtschaft bedeuten. Auf
Grund der Nachricht seien die Aktien von Firmen, die
Baby-Produkte vertreiben, an der Börse von Tokio um
50 Prozent und mehr gestiegen. Ein Anstieg im
Verkauf von Spielzeug und Baby-Kleidung könnte nach
Einschätzung von Händlern dem Wirtschaftswachstum
des Landes zusätzliche 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte
bescheren. Selbst der Yen profitierte nach
Händlerangaben kurzzeitig von den Aussichten auf die
Schwangerschaft.
Masako, die mehrere Sprachen beherrscht, wuchs als
Diplomatentochter in Moskau und New York auf. Vor
ihrer Heirat studierte sie an der Harvard Universität in
den USA und machte als Diplomatin Karriere.
Ursprünglich galt sie nicht als geeignete
Ehe-Kandidatin, da Masakos Großvater angeblich
Verbindungen zu einer Chemiefirma hatte, die in einen
Umweltskandal verwickelt war.
Masako selbst hatte offenbar starke Bedenken gegen
das Leben als Mitglied der kaiserlichen Familie.
Naruhito konnte Masako dennoch überzeugen, ihn zu
heiraten. "Ich habe mir Sorgen über das Leben im
Palast gemacht ... Aber seine Hoheit, der meine
Befürchtungen kannte, versprach mir, dass er mich
mit all seiner Kraft beschützen werde", sagte Masako
bei der Bekanntgabe ihrer Verlobung 1993.
Als Masako den Heiratsantrag des Kronprinzen
Naruhito annahm, hatten viele Japaner von Masako
erhofft, sie werde neuen Schwung in die sehr
traditionelle Monarchie bringen. Stattdessen
verwandelte sich die lebhafte Masako nach acht
Jahren Ehe in eine zurückhaltende stille Frau, die
stets drei Schritte hinter ihrem Ehemann geht.
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