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Der Teufel
LUZIFER
DIE GENESIS
Während der ersten Jahrhunderte des Christentums
wird Jesus Christus selbst als LUZIFER bezeichnet, als
»Bringer des Lichts« (vom lateinischen lux, Licht und
ferre, tragen). Erst seit dem Mittelalter gilt diese
Bezeichnung als Beiname des Teufels.
In den Bibeltexten der
Genesis, die uns die
traditionellen
Vorstellungen von den
Ursprüngen des
Universums und des
Menschen überliefert,
ist nur von der
Schlange die Rede, die
Eva verführt. Der
Name Satan oder
Luzifer erscheint
dagegen nirgends.
Im »Buch des Propheten Jesaja« jedoch findet man
folgende Verse (14; 12-15):
"Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner
Morgenstern! [...]
Gedachtest du doch in deinem Herzen:
‚Ich will in den Himmel steigen und meinen Stuhl [über
die Sterne Gottes] erhöhen; ich will mich setzen auf
den Berg der Versammlung [in der fernsten
Mitternacht; ich will über die hohen Wolken fahren] und
gleich sein dem Allerhöchsten.'
Ja, zur Hölle fährst du, zur tiefsten Grube."
Origines war in seinem Buch De principio der Erste, der
vermutete, dieser Abschnitt handele von Luzifer - dem
Morgenstern -, der in den Abgrund stürzte, weil er
Gott gleich sein wollte und durch seinen Fall zu Satan
(hebräisch » der Ankläger«) wurde, dem Versucher,
kurz, zum Teufel.
In der Folge wurde diese These von Tertullian und den
später heilig gesprochenen Kirchenvätern Cyprianus
und Ambrosius sowie vielen anderen weniger
berühmten Männern geteilt. Damit hat der Teufel erst
nach der Abfassung der ersten wirklich christlichen
Texte - den Evangelien - aufgrund der Interpretation
eines hebräischen Textes Einzug in die Theologie und
damit auch in die Genesis gehalten.
Die Exegeten der Moderne betrachten diese antike
Auslegung zwar als unzureichend, aber dennoch
zutreffend und räumen mittlerweile ein, dass es sich
bei dem Jesaja-Text um das älteste Zeugnis des
Sturzes des Erzengels, des Trägers des Lichts, in den
Abgrund der Finsternis handelt.
Dennoch muss angemerkt werden, dass für andere
Bibelinterpreten jener Text nichts anderes war als die
Vorhersage vom Sturz Babylons und seines letzten
Königs. Für diese Autoren gibt es also gar keinen
Teufel, weil man auch sonst nirgends in der Genesis
die geringste Spur von ihm findet.
DER SIEG DES TEUFELS
Seinen wirklichen Triumph
kann der Teufel erst im
Mittelalter feiern, denn dann
erst wird seine Existenz zum
Dogma des rechten, wahren
Glaubens [griech.
»katholikos«; Konfessionen
gab es erst später, nach der
Reformation, A.d.Ü.] und zu
einer "verkündeten
Wahrheit" erhoben. Dieses
Dogma legt überdies fest,
dass Luzifer, der Engel des
Lichts, nach seinem Sturz zu
Satan geworden ist, dem
Fürsten der Finsternis, zum
Teufel, und dass sein Sturz
ihn nicht in irgendeinen
Abgrund führte, sondern geradewegs in die Hölle.
Dieses Dogma wird in einer Zeit verkündet, die
obskurantistischen Spekulationen besonders
aufgeschlossen ist und geprägt wird von zahlreichen
Katastrophen (Seuchen, Kriege, Massaker,
Hungersnöte, Klimaschwankungen), die oft als Werke
des Teufels dargestellt werden.
Von nun an entsteht neben der Theologie, der Lehre
von Gott, eine Dämonologie, die Lehre von den
Dämonen.
Im Zeitalter Luthers und der Reformation, als das
gesamte weltliche Leben von einer tiefen religiösen
Krise überschattet wird, bekämpfen sich die großen
Konfessionen und versuchen, die Christen jeweils für
sich zu gewinnen.
Protestanten und Katholiken überbieten sich
gegenseitig mit Aussagen über den Teufel und
schreiben dem Herrn der Finsternis allmählich die Macht
zum Eingriff in mehr oder weniger alle Bereiche der
Existenz zu. Damit greifen sie auch ein neues
Phänomen auf, das am Ausgang des Mittelalters
erschienen war: den Glauben an Hexerei. Es handelt
sich dabei um ein Gespinst von Fantasien über eine
dämonische Sekte, von Menschen, die vom christlichen
Glauben abgefallen sind und sich an geheimen Orten
zusammen finden, um dort einen speziellen Ritus zu
zelebrieren, den [Hexen]-Sabbat, und die in ihrem
Umfeld so viel Böses wie möglich anrichten wollen.
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