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Eine Blume stand ganz verlassen und allein auf einem Feld. Sie hatte keine Freunde außer den Tieren in der Erde, die sie manchmal besuchten und die Sonne, die ihr Wärme und Licht gab. Trotzdem war sie oft allein, sie hatte keine Gleichgesellten. Überhaupt an Tagen, wo es heftig regnete und der Wind ihr entgegenpeitschte, fühlte sie sich traurig und verlassen. Nirgendwo konnte sie Schutz suchen, da sie fest mit ihren Wurzeln im Boden verankert war.
Als der Regen dann endlich aufgehört hatte, kamen auch die Tiere wieder vorsichtig auf ihrem Versteck. Die Sonnenblume jammerte vor sich hin: „Jetzt bin ich ganz nass, habe keine Freunde und noch nicht einmal einen Namen!“
Das hörten der Hase und der Maulwurf und kamen näher. Der Hase meinte: „He, du große schöne Blume, warum bist du denn so traurig?“ Da erzählte die Pflanze von ihren Sorgen. Plötzlich hatte der Maulwurf eine Idee. Er wollte mit dem Hasen losziehen und andere Blumen suchen, die so aussahen wie sie. Das machte die Pflanze glücklich und sie bedankte sich vielmals bei den beiden Tieren.
Der Hase und der Maulwurf mussten nicht weit gehen, schon nach zwei Stunden kamen sie zu einem Feld, auf dem hunderte von solchen Blumen wuchsen. Sie fragten die Blumen, ob sie denn einen Namen hätten und warum es so viele von ihnen gab. Sie schüttelten ihre Köpfe und behaupteten, sie hätten keinen Namen. So viele waren sie deshalb, weil sie sich jedes Jahr vermehrten und ihre Körner wieder zu neuen Blumen heranwuchsen. Die Tiere bedankten sich und machten sich auf den Heimweg.
Voller Freude berichteten sie der Blume von ihrer Begegnung. Die Pflanze konnte ihr Glück gar nicht fassen, so freute sie sich, nicht die Einzige zu sein. Doch leider hielt ihre Freude nicht lange an, denn bald kam der Herbst und das Jahr neigte sich dem Ende zu. Damit kam auch der tobende Sturm, der die Blätter von den Bäumen und Büschen wehte. Da wusste die Blume, dass ihr Leben nur noch von kurzer Dauer war und sie wünschte sich immer noch so sehr, einen Namen zu tragen.
Nun wurde es in den Nächten allmählich sehr kühl und deshalb war die Pflanze sehr froh, wenn der Tag wiederkam und die Sonne sie mir ihren Strahlen wärmte. Da richtete sie sich auf und wandte sich voll und ganz der Sonne zu.
Eines Tages kamen wieder Hase und Maulwurf zu Besuch und fanden sie auch diesmal wieder gar nicht glücklich vor. Als die Sonne aber zum Vorschein kam und sie durchflutete, blühte sie richtig auf. Auf einmal schrie der Hase in die Stille hinein: „Ich weiß es – du bist eine Sonnenblume, weil du dich der Sonne zuwendest!“ Da wollte die Sonnenblume am liebsten in die Luft springen! Endlich hatte jemand einen Namen für sie gefunden – und einen passenden noch dazu!
So war die Sonnenblume endlich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Als die Zeit der Ernte kam, schüttelte auch sie ihre Keimlinge in die Erde, bevor die Vögel sie alle aufgegessen hatten. Sie fühlte sich so glücklich wie nie zuvor.
Beim ersten Frost erfror die Sonnenblume dann, aber deshalb war sie nicht traurig oder bedrückt, sondern sie lebte in jedem einzelnen Keimling weiter!
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