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Charch schrieb am 16.5. 2001 um 20:28:27 Uhr über

Engel




GURJEWITSCH, AARON J.: "Das Weltbild des mittelalterlichen
Menschen";
Verlag C - H. Beck , München, 1989. z.B. S. 70/71, 85, 123.

Gurjewitsch meint:
Ausgehend von einer hierarchischen Weltanschauung, wurde
sowohl das kosmische (religiöse), als auch soziale und
ideologische Bild des mittelalterlichen Menschen, sozusagen
»einander angenähert«.
Ich möchte es so beschreiben:
Aus dem Erleben der ‚tatsächlichen' Realität wurden
Entsprechungen ins Transzendentale/ Übergeordnete, also
Religiöse, gefunden.

Na, dazu kann man denken, was man möchte.

Es ist jedenfalls klar, daß die gesellschaftliche Struktur ihre
»Spiegelung« in der Hierarchie der Engel wiederfand.
Wahrscheinlich entstand die Idee von der »Engelshierarchie« im 9.
Jahrhundert und basierte auf einem Traktat von >Pseudo
Dyonisios Aeropagita> .

Im Hochmittelalter - so verstehe ich es zumindest - wurde die
>Welt der Ideen> (des m.E. »spekulativen Denkens«) mit der "Welt
der Engel" gleichgesetzt.

Engel wurden für REAL gehalten, ebenso wie beispielsweise die
Hölle. Beide befinden sich, im Bewußtsein des mittelalterlichen
Menschen, einerseits NICHT in dieser Welt, man kann aber
ebenso Engeln im »Diesseits« begegnen, wie man zum Beispiel,
während der Reisen in die Fremde, in die Hölle gelangen konnte.

So, ich fahre fort mit Aussagen von

ANGENENT, ARNOLD: "Geschichte der Religiosität im
Mittelalter", Primus - Verlag, Wissenschaftliche
Buchgemeinschaft, Darmstadt, 2. überarbeitete Auflage, 2000.

Hier gibt es wirklich vielfältige Informationen zum Thema Engel.
Davon kann ich hier nur einen kleinen Überblick geben!

Der Engelbegriff in der »alten Kirche« d. h. in der Spätantike, bis
ca. Ende des 3. Jahrhundert), orientierte sich weitgehend am
Neuen Testament, so wurden Namen und hierarchische Strukturen
verwendet, wie sie im Kolosser-, Epheser- und dem 1.
Thessaloniker - Brief nachzulesen sind.
Unterteilt wurden die Engel in folgende »!Stände«:

1. Die höchsten Ränge, die »Throne« (Seraphim und Cherubim) ,
dienen am höfischen Thron

2. Die »Herrschaften« beaufsichtigen die Königreiche der Erde

3. Die »Kräfte« halten die Dämonen im Zaum und hemmen deren
Vernichtungswillen

4. Die »Mächte« zügeln die Planeten und Gestirne

5. Die »Fürstentümer« lenken das Wetter

6. Den »Erzengeln« ist das Leben der Schöpfung anvertraut

7. Die »einfachen Engel« widmen sich der Obhut der einzelnen
Menschen


Augustinus und Pseudo- Aeropagita schufen dann eine "Höhere
Angelogie" :
Demnach wurden die Engel als freie Geistwesen am zweiten
Schöpfungstag erschaffen. In ihrem Wesen sind sie »licht« und
durch Gottes Wort geheiligt, bedürfen also nicht der Erlösung. Die
Gotteserscheinungen des alten Testamentes wurden als
Erscheinungen der Engel umgedeutet.
In der Rebellion der Engel unter LUZIFER fiel ein Drittel der Engel
von Gott ab, sie wurden gestürzt und schädigten dabei Welt und
Menschheit. Das fehlende Drittel wurde durch MENSCHEN ersetzt
und am Ende werden die HEILIGEN wie Engel sein.
Diese Theologie wurde im Hohen und Späten Mittelalter von
Thomas von Aquin, Bonaventura und Duns Scotus, weitergeführt.


Die Engel nahmen in der mittelalterlichen Frömmigkeit einen
breiten Raum ein. Besonders im Mönchstum. Mönche wollten
bereits auf Erden ein »engelgleiches« Leben führen und mit denen,
die so leben, verkehren die Engel und tragen deren Gebete zu
Gott.(Siehe zum Beispiel die Erwähnung der Engel in der Regel
Benedikts).
Die Zisterzienser gaben ihren Klöstern häufig entsprechende
Namen, wie z.B. Engeltal, Engelszell, Engelpforten.

(Eng verbunden mit dem Wesen und Wirken der Engel ist das des
Teufels und der Dämonen.).

Engel treten im Mittelalter auf als BOTEN, als »BUCHFÜHRER«
(Gute Taten/ Sünden), als MITTLER, als SEELENBEGLEITER und
als ENGELSCHÖRE ( mit denen die Menschen einstimmen sollen),
in SCHUTZ- und STRAFFUNKTIONEN.

Mir persönlich fällt beim Thema ENGEL immer als erstes der
Erzengel Michael (»Drachentöter« ) als einer der drei
Schutzpatrone der Ritterschaft, ein.


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