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Die Muslime sind Teil der deutschen Gesellschaft. Der Zentralrat der Muslime in
Deutschland ist Partner im gesellschaftlichen Leben und der Politik. Der Zentralrat geht
den Weg des Miteinanders mit anderen Gruppen und Personen der Gesellschaft und
lehnt sowohl Abgrenzung als auch Ausgrenzung ab.
Für islamischen Belange ist er: Gesprächspartner, Anlaufstelle und ein einheitlicher
Ansprechpartner in Deutschland. Er nimmt Stellung zu wesentlichen Fragen der
Gesellschaft im Allgemeinen und der Muslime im Besonderen.
Ein Rückblick
Das deutsche Wirtschaftswunder zog viele ausländische Arbeitskräfte an. Mit den
sogenannten Gastarbeitern kamen auch viele Muslime ins Land. Spätestens seit den
sechziger Jahren ist der Islam in Deutschland nicht mehr wegzudenken. So, wie die
meisten Muslime in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben, ist auch der Islam
hier heimisch geworden. Mit einem Anteil von ungefähr drei Prozent an der
Gesamtbevölkerung sind wir zwar nur wenige. Hinter den Christen bilden wir aber die
zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Deutschland.
Aus den anfänglichen islamischen Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen bildeten sich
islamische Gemeinden. Der rasche Wandel der Anforderungen stellte sowohl für die
inneren Strukturen der Gemeinden als auch für die Gesellschaft, die Politiker und die
Verwaltung unüberschaubare Herausforderungen dar. Aus den Bedürfnissen von
»Hinterhofmoschee-Gemeinden«, die zunächst nur lokaler Natur waren, wuchsen
gemeinschaftliche islamische Belange, die die Grenzen der Kommunen und der
Bundesländer überschritten. Fragen, wie beispielsweise die Einführung eines
islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen, die Einrichtung eines
geregelten, veterinärmedizinisch überwachten Schlachtbetriebes nach islamischem
Ritus oder die Probleme der Muslime der zweiten und dritten Generation können nur
noch gemeinsam von den Muslimen angepackt werden.
Schwere Aufgaben
Unterdessen gibt es schätzungsweise mehr als hunderttausend deutschstämmige
Muslime. Immer mehr ausländische Muslime streben die deutsche Staatsbürgerschaft
an. Auch den Muslimen ist mit der Zeit bewußt geworden, daß der Islam eine dauerhafte
Religion in Deutschland geworden ist. Diese rasche Entwicklung bringt für alle
Beteiligten Probleme mit sich.
1986 trafen sich deswegen die Vertreter der großen islamischen Dachverbände,
Organisationen und Kulturzentren, um sich dieser gemeinsamen Aufgaben zu stellen.
Aus unverbindlichen Koordinierungs- und Gesprächskreisen entwickelte sich der
Islamische Arbeitskreis, aus dem im Dezember 1994 der "Zentralrat der Muslime in
Deutschland" hervorging.
Es ist sein Ziel, "den islamischen Gemeinschaften in Deutschland zu dienen, den
kulturellen und interreligiösen Dialog zu pflegen und sich für eine konstruktive
Kooperation zum Wohle der islamischen Gemeinschaft und der ganzen Gesellschaft
einzusetzen". (Aus der Präambel des Zentralrates der Muslime in Deutschland.)
Im Miteinander
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland versteht sich somit als integraler Bestandteil
der pluralistischen Gesellschaft Deutschlands. Er geht den Weg des Miteinanders mit
den anderen Teilen unseres Landes und lehnt deswegen Abgrenzungen und
Ausgrenzungen ab. Dies gilt sowohl für das Verhältnis des Zentralrates zu
nichtmuslimischen Gruppen, wie auch für islamische Gemeinden und Organisationen,
die nicht dem Zentralrat angehören.
In seiner breiten Vielfalt tritt der Zentralrat dem häufig den Muslimen gegenüber
erhobenen Vorwurf entgegen, daß sie keinen Ansprechpartner unter den Muslimen
finden und zu stark zersplittert seien.
Ethische Verpflichtungen
Der Zentralrat ist den ethischen Forderungen des Islams und seiner Lehre verpflichtet.
Zur Erfüllung seiner Aufgaben bemüht er sich nach bestem Kräften, sich an die Regeln
seiner Religion und Glaubensüberzeugung zu halten. Darüber hinaus sind sich alle, die
dem Zentralrat angeschlossenen Vereinigungen auch darin einig, ihre Religion auf dem
Boden und im Rahmen der bundesdeutschen Verfassung und im Einklang mit den
deutschen Gesetzen zu praktizieren.
Ein Zusammenwirken mit den anderen Gruppen und Institutionen der Gesellschaft ist
aber nur auf der Basis gegenseitigen Vertrauens und Achtung und mit beiderseitigem
Willen zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit möglich. Der Zentralrat ist hierzu bereit.
Um diese Basis zu schaffen, ist es erforderlich, daß sich beide Seiten besser verstehen
lernen. Der Zentralrat leistet deswegen Aufklärungsarbeit über den Islam und die
Muslime in der Öffentlichkeit - aber auch im Innenverhältnis gegenüber den Mitgliedern
über die deutsche Gesellschaft. Feindbilder müssen auf beiden Seiten abgebaut
werden.
In diesem Rahmen ist es ein Anliegen, des Zentralrates der Muslime in Deutschland, mit
allen Gruppen - insbesondere aber mit den Juden und Christen - in unserem Land einen
konstruktiven Beitrag zu leisten und am Aufbau einer neuen ethischen Kultur und eines
moralischen Grundgerüstes mitzuwirken. Wir denken konkret aber auch an die
Probleme der Jugend, der Arbeitswelt, der sozial Benachteiligten, der alten Menschen
oder die Bewahrung der Schöpfung; und es gilt ganz im Sinne unserer Religion, Frieden
zu stiften.
Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) ist ein Spitzenverband der
islamischen Dachorganisationen in Deutschland. Er versteht sich als Diskussions- und
Handlungsebene seiner Mitglieder und nimmt die Aufgabe eines Dialog- und
Ansprechpartners für den deutschen Staat, die Verwaltung und die anderen Gruppen
der Gesellschaft wahr.
Der Zentralrat will die Moscheegemeinden, islamischen Vereine, Verbände und
Dachorganisationen weder ersetzen noch mit ihnen konkurrieren, er will vielmehr ihre
gemeinsamen Interessen als Gesellschaftsgruppe vor den Behörden vertreten und die
Rechte, die ihnen als Religionsgemeinschaft zustehen, in ihrem Namen verlangen.
Dem Zentralrat gehören 19 Dachorganisationen mit vielen hunderten
Moscheegemeinden an, die eine breite Masse der Muslime in Deutschland vertreten.
Dazu gehören u.a. deutsche, türkische, arabische, albanische, bosnische und
persische Muslime.
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