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strafe schrieb am 3.5. 2014 um 17:36:39 Uhr über

Klopfpeitsche

In der Heimath führte der Ruf, den S. in Rom gewonnen hatte, da und dort, in München, Berlin, Stuttgart zu dem Gedanken, ihn in eine feste Stellung nach Deutschland zurückzurufen, aber er war, wie er öfter an die Geschwister und in einem geistvollen Brief vom December 1808 auch an den Philosophen Schelling schrieb, ein geschworener Feind der Akademien, die er „Kunstställe“ und „Treibhäuser“ schalt. Er zog es vor, mit Bildnißmalen, worin er einen immer größeren Namen gewann, sein oft durch die unkünstlerischen Zumuthungen der Besteller recht saueres Brod zu verdienen. Jedoch seine Gesundheit litt unter den übermäßigen Anstrengungen und immer häufiger werden in seinen Briefen die Anwandlungen von Trübsinn und Heimweh. Im scharfen Gegensatze zu dem Widerscheine reinen Glückes, der aus jedem Zuge seines Apollo-Bildes strahlt, wählte er im Herbst 1810 als Stoff für ein neues großes Bild: „Christus als Jüngling, der auf Wolken über der Erde in den Armen der Engel schlafend sehnsüchtig im Traume die Arme nach dem in einer Glorie über ihm schwebenden Kreuz ausstreckt“. (Ein Stich nach der Farbenskizze, welche die beginnende Erschöpfung Schicks in technischen Mängeln verräth, ist Beilage zu dem erwähnten Aufsatz von Fr. Eggers.) S. hatte neben den besprochenen religiösen Bildern früher schon auch ein kleineres Gemälde, „Die drei Marien am Grabe Christigemalt und außerdem in den letzten Jahren eineHimmelfahrt Christiin Oelfarben skizzirt. Aber der symbolisch-mystische Zug an dem Christus mit dem Kreuze überrascht doch. Es war eine neue Geistesströmung in die deutsche Welt gekommen, welcher sich unser Meister nach seiner entwicklungsfähigen Natur nicht entziehen konnte und wolltedie Romantik. Mit Schriftstellern dieser Richtung wie A. W. Schlegel, E. Platner und L. Tieck war er längst umgegangen, neuerdings auch mit Chr. Schlosser und Z. Werner; Schelling hatte er schon im April 1808 schreiben können, daß er seinen Bruno und anderes gelesen. Von Künstlern, welche zur Romantik neigten, hatten sich W. Schadow, der spätere Akademiedirector in Düsseldorf, J. Veit und die Brüder Riepenhausen an ihn angeschlossen. Als Frucht dieses Verkehres kann schon eine kleineHöllenfahrt Fausts“ (in stuttg. Privatbesitz) angesehen werden, welche S. im J. 1809 malte. Deutlicher tritt die katholisirende Richtung jenes Kreises zu Tage in zwei Entwürfen, welche sich in seinem Nachlasse fanden, einemh. Antonius am Tische seiner Elternund einerVerlobung der h. Katharina mit Christus“. Wer will sagen, wie weit S. seinen Freunden auf dieser Bahn noch gefolgt wäre, hätte ihm daß Schicksal nicht noch gerade vor dem Scheidewege Halt geboten? Eine durch manche Vorboten seit Jahren angekündigte Krankheit, die der Arzt für einen nervösen Rheumatisms hielt, warf ihn im Februar 1811 auf ein wochenlanges Krankenbett. Den nur halb Gknesenen zog es mit unwiderstehlicher Sehnsucht in die Heimath, welche er in Rom keinen Augenblick vergessen hatte. Im Anfang des September reiste er mit seiner Frau, zwei Knäbchen und seinem Apollo-Bilde von Rom ab und über die Schweiz nach Stuttgart. Wenige Tage nach der Ankunft bannte ihn die jetzt als Erweiterung der Herzschlagader erkannte Krankheit wieder an das Lager, von dem ihn am Himmelfahrtsfest 1812 der Tod erlöste.


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