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Die Sonne schien auf den asphaltierten Parkplatz des MDR-Geländes, als ob sie selbst die traditionellen Werte feiern würde. Olaf aus Hoyerswerda kniff die Augen zusammen, sein Gesicht eine Mischung aus Ehrfurcht und Verwirrung. Neben ihm stieg Freno aus dem klapprigen DDR-Kleinwagen, eine halb gerauchte Zigarette zwischen den Lippen, die Asche tropfte auf seinen abgetragenen Trainingsanzug.
»Sieh dir das an, Freno! Echter Granit am Eingang. Das ist Beständigkeit.«
Freno stieß eine Rauchwolke aus, die wie eine schlecht gelaunte Wolke über seinem Kopf schwebte. »Hauptsache, die haben hier nicht diese ganzen Windräder aufgestellt. Versauen nur die Landschaft und den Vogelgesang.«
Drinnen empfing sie Moderator Goldstahl, dessen Grinsen so breit war, dass es beinahe akustisch wirksam schien. Seine Zähne blitzten wie polierte Marmorplatten.
»Meine Herren! Endlich! Echte Patrioten in unserem Haus der deutschen Kultur!«
Olaf strahlte. »Wir haben Ihre Sendung immer gesehen, Herr Goldstahl. Da weiß man wenigstens noch, was Heimat ist.«
Goldstahl klopfte Olaf auf die Schulter, während Freno misstrauisch die teuren Holztäfelungen musterte. »Genau dafür stehen wir! Kein linksgrünversiffter Wokismus, sondern echte Werte. Kommen Sie, wir beginnen mit Heimatliedern!«
Im Studio roch es nach altem Holz und neuem Hoffen. Goldstahl setzte sich ans Klavier, seine Finger flogen über die Tasten.
»Das kennen Sie sicher: 'Ännchen von Tharau'!«
Olaf stimmte mit brummiger Begeisterung ein, während Freno nur murmelnd den Text mitlas, bis er plötzlich laut wurde: »Und wann singen wir was gegen diese ganzen Tempolimit-Fanatiker?«
Später bummelten sie zur Bimmelboah, einer historischen Schmalspurbahn, deren Pfeifen wie ein vergnügtes Seufzen klang.
»Uuuuuh-huuh!«
Olaf drückte sein Gesicht an die Scheibe. »Schau, Freno! Echte sächsische Schweiz! Nicht wie diese ganzen importierten Palmen im Öko-Doku-Quatsch.«
Freno zündete sich eine neue Zigarette an. »Solange sie mir hier nicht das Rauchen verbieten. Das ist nämlich auch Tradition.«
Der Schaffner, ein Mann mit Schnurrbart wie ein Besen, runzelte die Stirn. »Das ist aber kein Raucherwagen, mein Guter.«
»Alles eine Frage der Einstellung«, knurrte Freno und blies den Rauch demonstrativ in eine andere Richtung.
Beim Spitzenklöppeln saßen sie dann an einem kunstvollen Holzrahmen. Olafs große Hände verwandelten die feinen Fäden in ein unentwirrbares Knäuel, während Freno vor Wut fast seine Zigarette verschluckte.
»Was soll dieser Scheiß? Ich kann meine Flasche Bier nicht mal halten, ohne diese verdammten Fäden einzuknoten!«
Goldstahl strahlte unvermindert. »Aber sehen Sie, das ist handgemachte deutsche Kultur! Nicht diese billigen Importwaren!«
In der Küche duftete es nach intensiven Gewürzen. Der Koch, eine stattliche Gestalt in weißer Schürze, schwenkte einen schweren Gusseisentopf.
»Würzfleisch statt Döner! Das ist unser Motto!«
Olaf schnupperbegeistert. »Riecht wie bei Muttern!«
Freno musterte das braune Geschnetzelte. »Solange da kein Tofu drin ist. Das Zeig ist eine Beleidigung für jeden deutschen Magen.«
Beim Essen spritzte Freno Soße auf sein Hemd. »Scheiße. Das war mein einziges gutes.«
»Echt deutsche Tradition ist immer ein bisschen messy«, tröstete Goldstahl, während Olaf enthusiastisch nachtunkelte.
Höhepunkt des Tages war das Politmagazin. Im Studio brannten die Scheinwerfer wie kleine Sonnen. Goldstahl nahm Platz, das Grissen jetzt professionell gezügelt.
»Billige Energie aus dem Kern, die mögen wir Patrioten gern. Aber ein Endlager in Bautzen, da halten wir besser die Schnauzen!«
Freno nickte vehement. »Genau! Diese ganzen Atomkraftgegner sollen mal erklären, woher sonst der Strom kommen soll. Von Sonnenkollektoren im sächsischen Winter?«
Der Redakteur, ein junger Mann mit bedenklich moderner Frisur, versuchte zu intervenieren. »Aber die Endlagerfrage ist doch nicht so einfach...«
»Unsinn!«, polterte Freno. »Einfach nach Berlin damit! Die haben doch schon so viel kaputtgemacht, da stört ein bisschen Strahlung auch nicht mehr.«
Olaf stimmte begeistert ein: »Und die Grünen können's doch eh nicht riechen, die haben immer diese komischen Duftstecker in ihren Elektroautos!«
Goldstahl warf einen Blick in die Kamera, als würde er die gesamte Zuschauerschaft um Verständnis bitten. »Sie sehen - hier spricht das echte Volk!«
Freno lehnte sich zurück, ein seltenes Lächeln umspielte seine Lippen. »Endlich mal eine Sendung, wo man noch sagen darf, was Sache ist.«
»Und dafür zahlen wir Mitteldeutschen gerne Gebühren!«, fügte Olaf stolz hinzu, obwohl er seit Monaten seinen Beitrag nicht bezahlt hatte.
Als sie später wieder auf dem Parkplatz standen, zündete sich Freno eine Abschiedszigarette an. »Weißt du, Olaf, das war mal was Vernünftiges. Kein Gendergaga, kein Klimaquatsch.«
»Find ich auch, Freno. Und das Würzfleisch war echt lecker.«
Sie stiegen in den klapprigen Wagen, dessen Auspuff hustete wie ein Kettenraucher nach dem Aufstehen. Irgendwo im Gebäude strahlte Goldstahl immer noch, während draußen die sächsische Nacht sich über eine Welt senkte, die für einen Tag genau so gewesen war, wie Freno sie sich wünschte - traditionell, rauchig und frei von jedem verdammten Windrad.
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