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Der schicksalhafte Joint
Sehr oft lesen wir von dem erschreckenden, unaufhaltsamen Niedergang eines jungen Menschen, der nicht der Versuchung widerstehen konnte, seinen ersten Joint zu rauchen. In diesen Texten ist der warnend erhobene (wenn auch vor unterdrücktem Lachen leicht zitternde) Zeigefinger nicht zu übersehen: Die Tat ist kurz, die Reue lang. Und wie lang! Man denke mal an Eva und das bißchen Apfel.
Doch der Fehltritt hat auch unleugbare Vorteile, die meist schamhaft verschwiegen werden, die ich aber nicht verheimlichen will: Reue hin, Reue her - für uns ist viel wichtiger, daß die nicht wiedergutzumachenden Folgen des ersten Joints, den weiteren Drogenkonsum wenn schon nicht entschuldigen, so doch zwingend begründen. Anders gesagt: schön - wir stehen schuldbeladen da, wir hätten es damals besser wissen müssen, aber jetzt ist es zu spät. Damals sündigten wir, jetzt sind wir Opfer des eigenen Fehltritts.
Ideal ist das nicht. Suchen wir daher nach Verfeinerungen. Was ist, wenn wir am anfänglichen Ereignis unbeteiligt waren? Wenn wir am anfänglichen Ereignis unbeteiligt waren. Wenn uns niemand der Mithilfe beschuldigen kann?
dann sind wir reine Opfer. Und es soll niemand versuchen, an unserem Opfer-Status zu rütteln, oder gar erwarten, daß wir etwas dagegen unternehmen. Was uns Gott, Welt, Natur, Karma, Staat, Gesellschaft, Eltern, Verwandte, Lehrer, Polizei, Chefs, falsche Freunde und ihr Rauschgift
antaten, wiegt so schwer, daß die Idee, wir könnten etwas dagegen tun, eine Beleidigung ist. Außerdem ist sie unwissenschaftlich. Und Lehrbücher der Psychologie öffnen uns die Augen für das Festnageln der Persönlichkeit durch Ereignisse in der Vergangenheit, vor allem in der frühen Kindheit. Alle Kinder wissen, daß, was einmal geschah, nie mehr ungeschehen gemacht werden kann.
In den seltenen Fällen, in denen der Lauf durch Zeit, Geld und Welt ohne unser Zutun für die Enttäuschungen der Vergangenheit entschädigt und uns das Gewünschte (etwa den echten Freund) kostenlos in den Schoß legt, verzagt der Könner noch lange nicht. Die Worte »jetzt ist es zu spät, jetzt kann ich es nicht mehr glauben«, ermöglicht es ihm, unnahbar im Gefängnis seiner Traurigkeit zu bleiben und die von der Vergangenheit geschlagenen Wunden durch allzu eifriges Lecken am Heilen zu hindern.
Das Beste aber, das freilich Genialität voraussetzt, ist, die Vergangenheit auch für Gutes
verantwortlich zu machen und daraus gegenwärtiges Unglück zu gewinnen. Dem genialen Unglückswurm fällt es nämlich nicht schwer, frühere Jahre als unwiderbringlich verlorene Zeit zu sehen, während die Gegenwart nur noch Schlechtes gibt.
Genial ist das sture Festhalten an Verhaltensformen und Möglichkeiten, die irgendwann einmal ausreichend, erfolgreich, oder vielleicht die einzig möglichen waren. Das Problem dabei ist, daß die Welt sich ändert, und aus Gründen, die den Verhaltensforschern noch schleierhaft sind, neigen wir dazu, die zeitweise bestmöglichen Verhaltensmuster als die einzig möglichen anzugucken. Das macht uns blind für die tatsache, daß, was früher gut war, nun nicht mehr so gut ist, und daß es schon immer eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten gab oder jetzt gibt.Diese Blindheit macht uns immer erfolgloser und die Lage immer schwieriger, das führt zur scheinbar einzig logischen Schlußfolgerung, nämlich zu der Überzeugung, daß wir NUR NOCH kiffen können.
Abgeschrieben aus dem Buch »Anleitung zum unglücklich sein« von Paul Watzlawick
Tip von HP: wenn du ein paar Tage mit dem Kiffen aussetzt, wirkt das Hasch wieder.
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