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Borstenwurm schrieb am 15.7. 2004 um 12:49:49 Uhr über

traum

Diesen Traum hatte ich vor ein paar Jahren:

In der Dunkelheit der Nacht, lediglich beleuchtet vom fahlen Licht des Mondes stand ich alleine auf einem Hügel in der Nähe meiner Heimatstadt und sah mir die Natur an, so weit eben möglich.
Zu meiner Linken befand sich eine Spielstraße, welche sich entlang einer Reihe von Laternen durch das Neubaugebiet wandte. Rechts von mir war der Stadtwald, welcher in den nächsten Monaten wohl auch den Maschinen der Bauarbeiter zum Opfer fallen würde.
Die Stille des Augenblicks war unbeschreiblich. Nicht ein Laut war zu hören, und ich fühlte mich als wäre ich der einzige Mensch auf Erden, als ich einen Schatten unter einer der Laternen herwandern sah. Der Schatten hatte die Form eines Menschen und getrieben von Neugier lief ich den Hügel herab und bewegte mich schnell auf die Straße zu. Als ich sie erreicht hatte, und ihrem Verlauf folgte, war die Person schon mehrere Laternen von mir entfernt. Ich ging schneller um sie einzuholen, doch zu rufen getraute ich mich nicht. Noch immer hatte ich sie nicht eingeholt, und noch immer hatte ich von der Person nicht mehr gesehen als ihren Schatten, als sie plötzlich anhielt, sich jedoch nicht herumdrehte.
Ich beschleunigte meinen Schritt nochmals und bemerkte als ich ankam, dass sie direkt unter einer Straßenlampe zum Stehen gekommen war. Auch ich blieb stehen als ich auf ein paar Meter heran gekommen war und mich ebenfalls im Licht der Laterne befand.
Schon von hinten sah ich, dass es ein Mädchen war. Sie war nicht viel kleiner als ich und ihr Haar... Mein Gott ihr Haar war von einer Farbe, wie ich sie noch nie zuvor gesehen hatte. Auf den ersten Blick schienen die Haare schwarz, doch auf den zweiten zeigte sich mir eine bräunliche Färbung, welche wie von eigenem Willen immer wieder ihren Ton änderte.
Als ich das Mädchen stumm von der Seite betrachtete, drehte auch sie sich langsam zu mir um, und mir wurde der schönste Anblick zuteil, den ich in meinem doch noch ziemlich jungen Leben sehen durfte. Die wundersamen Haare fielen ihr jetzt in noch nie gesehenen Windungen über die Schultern, und ihr Gesicht bot mir ein Lächeln, an das selbst die Freude in Person sich nur in den seltensten Träumen zu erinnern wagte. Die kleinen, blauen Augen blickten stumm in die meinen und für einen Moment führten wir lautlose Kommunikation.
Eigentlich war nur sie am reden, und ich hörte stumm und mit offenem Mund vor Staunen zu. In meinem Kopf sah ich Gegenden so wunderschön, wie es sie auf unserer Erde nie gegeben haben konnte. Sonnenschein erfüllte mein Herz und geblendet von den überwältigenden Eindrücken glaubte ich, den Verstand zu verlieren. Ich glaube, in diesem Moment habe ich das Paradies gesehen. Das Paradies, oder den Himmel; etwas schöneres konnte nicht existieren.
Und dann gesellte sich zu dem Sichtbaren eine Stimme, so klar und engelsgleich, dass ich mich zusammenreissen musste, um nicht zusammenzubrechen. Meine Beine zitterten und eine Gänsehaut überzog meinen Körper von oben bis unten als sie sprach: »Lange ist es her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben, und vermutlich erinnerst du dich gar nicht mehr daran. Es war vor vielen Jahren und seit dem habe ich viele Dinge getan, die mir nun als falsch erscheinen. Doch da ich für dich nur eine fremde Person bin, will ich aufhören, deinen Geist zu verwirren. Von nun an will ich dir immer folgen; meine Gedanken waren fehlgeleitet in der letzten Zeit und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich nur dann weiterleben kann, wenn ich deinem Willen für immer gehorche und den meinen vergesse. So sei es nun. Ich tue, wie mir befohlen
Dies waren ihre letzten Worte und ehe ich bereit war, etwas auf diese sonderbare Rede zu antworten, drehte sie sich um und ging wieder die Straße entlang. Nach kaum drei Schritten war sie aus dem Licht verschwunden, und war nur noch eins mit dem Grau dieser dunklen Welt.
Ich wartete darauf, dass sie im Licht der nächsten Laterne wieder auftauchen würde, doch nichts dergleichen geschah. Es war, als hätte es sie nie gegeben.
Als ich noch immer da stand, unfähig auch nur einen Muskel zu bewegen, waren der einzige Beweis für ihre Existenz die noch immer in meinem Kopf widerhallenden Worte. »Von nun an will ich dir immer folgenhatte sie gesagt. »Ich tue, wie mir befohlen
Doch nichts dergleichen hatte ich gewollt. Nichts dergleichen hatte ich gedacht, als sie in ihrer vollen Schönheit vor mir stand.


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