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Schmidt schrieb am 13.3. 2011 um 15:22:04 Uhr über

Soziologie

Der Geruch in Feuchtgebieten hat etwas Faszinierendes. Gerade sah ich eine Katze die an einem Laternenpfahl schnüffelte. Im Zugehen auf die Katze machte ich einen harten Ton, einen Schnalzlaut, jede Katze schleicht sich dann, die aber blieb reglos und schnüffelte weiter. Als ich den Laternenpfahl dann passierte sah ich einen feuchten Fleck, ein Hund hatte wohl daran gepinkelt
Seit genau drei Jahren laufe ich nun diesen Weg regelmäßig. Heute spricht mich eine Frau aus einem Vorgarten an, ich seh sie immer laufen sagt sie, und drei vier Stunden später kommen Sie erst zurück.
Die Bahnhofsunterführung ist eine einzige Urinwolke. Die vier Telefonzellen beim Inder sind mit Dauertelefonierern besetzt. Einer der Säufer am überdachten Reweparkplatz hat einen Schlüssel zur Tür, wohl Geräteschuppen, Besenzimmer. Im Abfall an der Kirche zwei Halbliterbierflaschen. Der Rastafari der Lidlprospekte austrägt ruft mir hinterher, he Mann, alles OK ? Keine Reaktion. Die aushängende Speisekarte der neuen Vinothek ist zu kleingedruckt. Gleich zwei Autofahrer fragen nach dem Weg. Kloster Eberbach und Kloster Marienthal. Da lang sag' ich. Kloster Marienthal ist in der Nähe von wo ich heute hinwollte, im Auto ein älteres Ehepaar. Wenn Sie mich mitnehmen zeig' ich Ihnen den Weg. Der Mann antwortet, ich seh' nicht so gut, da nehm' ich ungern jemanden mit. Das muß man sich mal vorstellen. Wieder hat Hilfsanwärter Schmidt nicht rechtzeitig reagiert. Da wollen Sie Autofahren wenn sie nicht gut sehen. Stattdessen lasse ich ihn. Einer der vielen Kähne die durch das Rheintal schippern mit Kapitänen denen die Lizenz schon lange entzogen gehörte. Es ist Flohmarkt. Ich höre sagen, da hinten bei der Ostfrau. Die Ostfrau ist die Bestaussehendste auf dem Markt, reaktionsschnell und ein wenig schnippisch. Wenn man nicht kapiert ist man bald aussortiert, dann bekommt man keine Antwort mehr, wenn man aber zielstrebig ist und gezielt fragt ist sie freundlich. Kadertöchterlein, wie die Schnupse von Andreas. Die mit den Wollsocken von letzem Jahr erinnert sich, sie waren das mit den Strümpfen. Eine wie Mutter kramt in einem Topf Knöpfe. Das sind Knöpfe sagt sie. Ich frage nach dem Preis eines Schuhkartons voller Schuhbändel. Die wollte ich einzeln verkaufen. In der hintersten Ecke wo die Buben ab und zu Gras rauchen drückt sich einer in Kapuze rum, mit Handy. Heute ist gar nicht kalt draußen. Ein Eineinhalbjähriger mit sichtlicher Freude einen Fuß vor den Anderen zu setzen. Fast jeder Schritt ein Lacher. Und hoch das Bein, und platsch, da steh' ich wieder. Zum Glück neben einer erwachsenen Person die keine Eile zu haben scheint. Eines der Pferde hat nach der Mauser nun ein glänzendes Fell. Der Winterweizen ist stark verwurzelt und bekommt langsam gelbe Blätter. Mitte März, am Rand des Weinbergs ein größerer Silvesterknaller, mit intakter Zündschnur. Sein Freund wohnt in Japan. Ich habe nicht telefoniert. Irgendwann wird es heissen, ach übrigens, ihm ist doch nichts passiert. Der Geruch von Regen. Irgendwie ist er selten geworden.




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