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Männerarzt: Patienten müssen Dinge ansprechen können, die sie
sonst lieber verschweigen
Männerkrankheiten - hat sich die Medizin
darum zu wenig gekümmert?
Hamburg (jh). Dem Mann kann geholfen werden? - "Dem Mann
muß geholfen werden!" Davon ist Professor Heinrich M. Schulte
überzeugt. Der Hamburger Endokrinologe ist einer von drei
Initiatoren von »Hommage«, der ersten Gesellschaft für
Männergesundheit.
Die Medizin habe sich bisher zu wenig um Männer gekümmert, sagt er, ein
Grund, warum Männer früher sterben würden als Frauen. Schulte will
deshalb einem Männerarzt den Weg ebnen.
Der Startblock für Hommage, einem eingetragenen Verein, der von
Professor Rolf-Dieter Hesch von der Universität Konstanz und dem
Manager und Buchautoren Georg Kindel gegründet wurde, steht in einem
vierstöckigen, großzügiger Backsteinbau mitten im Hamburger Stadtteil
Altona. Hier residiert die Endokrinologische Praxisgemeinschaft Hamburg,
eines der größten Zentren für Hormon- und Fortpflanzungsmedizin in
Deutschland.
Allein die im zweiten Stock untergebrachte Gemeinschaftspraxis von
Schulte zählt fünf weitere Endokrinologen und Andrologen sowie 25
Mitarbeiterinnen. 15 000 Patienten und Patientinnen werden dort pro Jahr
diagnostiziert und behandelt - bei Hormonstörungen, Adipositas,
Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Stoffwechselstörungen,
Osteoporose, Nebennieren- und Hypophysenerkrankungen.
Gerade den Hormonstörungen wird nach Meinung von Schulte bei der
Behandlung von Männern zu wenig Beachtung geschenkt: "Bei Frauen ist
es selbstverständlich, daß der Gynäkologe Frauen von der Pille bis über
die Menopause hinaus behandelt. Bei Männern gibt es das nicht - und so
werden Krankheiten durch Hormonmangel praktisch nicht diagnostiziert."
Und daß, obwohl Übergewicht, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Osteoporose
und Demenz damit eng zusammenhingen.
Für den 47jährigen muß das Ziel deshalb sein, das Bewußtsein für
Männerkrankheiten zu ändern. Zuallererst bei den Ärzten: "Wir wollen, daß
Hormonexperten, Urologen, Internisten und Allgemeinmediziner enger als
bisher kooperieren, sich zum Thema Mann fortbilden und sich darauf
spezialisieren». Schon in den nächsten Monaten soll es «Hommage"-Praxen
mit entsprechend weitergebildeten Ärzten in jeder Großstadt geben. Dazu
entwickelt der Verein ein Curriculum, das an drei Wochenenden und einem
Tag abgearbeitet werden soll. Schon jetzt gibt es rund 40 Mediziner in
Deutschland, die einen ersten Intensivkursus über Männerkrankheiten
absolviert haben.
Zu dem, was ein künftiger Männerarzt wissen muß, gehört nach Meinung
von Schulte aber auch eine Art Lifestyle-Beratung. "Ein Männerarzt muß
seinem Patienten einfach klarmachen können, wie er in dem Alter, in dem
er sich gerade befindet, gesünder durch die Welt laufen kann". Kein Rat
zum Bodybuilding, sondern realistische, am Alltag orientierte Tips für eine
gesündere Lebensweise. Umgekehrt müßten Männer beim Männerarzt
Dinge ansprechen können, die sie beim Hausarzt lieber verschweigen - zum
Beispiel, wie es beim Sex läuft.
Daß Diagnostik und Therapie in diesem Sektor nicht immer von den
Krankenkassen bezahlt werden, sondern auf den IGEL-Katalog
hinauslaufen, ist dem Endokrinologen klar. "Aber es ist besser, diese
Fachgruppen machen so etwas in Kooperation, als wenn einzelne
Gynäkologen versuchen, die Männer ihrer Patientinnen in die Praxis zu
ziehen." Berufspolitische Absichten schließt Schulte dabei aus - es gehe
ausschließlich um eine bessere Zusammenarbeit.
Praktische Handlungsansätze gebe es zuhauf: "Wenn ein Urologe einem
Mann die Prostata befühlt, dann müßte er nur seinen Finger etwas länger
machen und in die andere Richtung drehen, schon könnte er ihn zugleich auf
Darmkrebs untersuchen - nur passiert das heutzutage nicht", sagt Schulte.
Darin sieht er gerade das Dilemma der männlichen Patienten - zu häufig
würden Chancen verpaßt, wichtige Vitalparameter gründlich und
regelmäßig zu checken. Mit wissenschaftliche Projekten will Hommage
seine Ziele überprüfen, aber gleichzeitig neue wissenschaftliche
Erkenntnisse hervorbringen, die dann in einer zentralen Datenbank für alle
Hommage-Ärzte zur Verfügung stehen. Außerdem will Schulte - seine
eigene Praxis wird übrigens nicht zum reinen Männerzentrum - künftigen
Hommage-Ärzten Beratungen in medizinischen Fragen anbieten. Ein Weg,
mit dem Schulte und seine Partner einige Erfahrung haben: Seit 1983
arbeitet unter dem Dach der Praxisgemeinschaft unter anderem das Institut
für Hormon- und Fortpflanzungsmedizin (IHF), inzwischen eines der
größten Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet in Deutschland.
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