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Die Augustiner - Eremiten
Kurze Geschichte
eines Bettelordens
im Mittelalter
von
Tommy Roehl
Das insgesamt wohl bekannteste Mitglied dieses Ordens, wurde nicht wegen seines Wirkens in einer der Kongregatitonen oder im Verbund, zur religions.- und kulturhistorisch bedeutenden Persönlichkeit, sondern eher umgekehrt, wegen seines Bruches mit der Ordensregel, wegen seines Austrittes, und vor allem natürlich wegen den, größtenteils »radikalen« Änderungen, die er - wenn nicht beabsichtigte - so doch mit bewirkte und die heute mit dem Stichwort REFORMATION zusammengefaßt werden:
MARTIN LUTHER 1!
Die Augustiner - Eremiten im Mittelalter
Die Augustiner - Eremiten standen aber in der Tradition von anderen, m. e. ebenso bedeutenden Reformbestrebungen im Hochmittelalter, nämlich der ARMUTSBEWEGUNG, im frühen 13. Jahrhundert, die zum Einen über die Ketzerbewegung, zum anderen über die Heiligen Franziskus von Assisi und Dominikus und deren Ordensgründungen, ganz weite Teile der Gesellschaft, ergriffen hatte. So auch den Hochadel, was zum Beispiel die - aus heutiger Sicht - tragische Geschichte, der Elisabeth von Thüringen, sehr anschaulich belegt 2.
Die Augustiner - Eremiten zählen, neben den Franziskanern, den Dominikanern und den Karmeliten, zu den vier bedeutenden Bettelorden, die im Hochmittelalter entstanden sind.
Im Vergleich zu den Franziskanern und den Dominikanern, war die Entstehung und Entwicklung des Augustiner - Eremiten - Ordens weniger geradlinig und klar: (Zitat:) »Dieser Orden, durch Zusammenschluß verschiedener italienischer Eremitenkolonien entstanden, war ganz und gar das Werk der päpstlichen Kurie. Hier fehlte die große Stiftergestalt!« 3
Die Geschichte des Ordens begann 1256, als Papst Alexander IV. 4, den Zusammenschluß mehrerer italienischer Eremitengemeinschaf-ten, »zwangsweise«5, durch die päpstliche Bulle Licet ecclesiae catholicae, verfügte.
Diese ersten, dazugehörenden Eremitengemeinschaften, lebten seit 1243 nach der Augustinus - Regel 6 .
Das Eremitentum hatte, im Zuge von reformerischen Erneuerungs-bestrebungen, im 10. und 11. Jahrhundert eine »Wiederbelebung« erfahren und hatte zunächst Einfluß auf die Benediktiner genommen.
Selbstständige Formen des Eremitentumes entwickelten sich zunächst in Regionen, in denen östliche Traditionen aus der Spätantike und dem Frühmittelalter, noch relativ lebendig waren, wie zum Beispiel in Süditalien.
Wie bereits oben erwähnt, entwickelten sich die Augustiner - Eremiten, wie gesagt, ebenfalls im Rahmen von Reformbestrebungen,
nämlich der hochmittelalterlichen Armutsbewegung des 12. und 13. Jahrhunderts.
Die Augustiner - Eremiten als mittelalterlicher Bettelorden
Bereits im 13. Jahrhundert galten die Augustiner - Eremiten als BETTELORDEN, obwohl er erst 1567, von Papst Pius V., als Bettelorden offiziell anerkannt wurde 7.
Hier seien kurz die, meines Erachtens wesentlichen, Merkmaler der Bettelorden, zusammengefaßt.
· Der Verzicht auf gemeinsamen Besitz
· Sie lebten vom Lohn für ihre Arbeit
· oder erbettelten ihren Lebensunterhalt, was zum Bettelordenbegriff, bzw. zum Begriff Mendicanten - Orden führte
(Mendikant = Bettler, von mendicitas = die Bettelarmut)
· weitgehender Verzicht auf die stabilitas loci (Ortsgebundenheit),
wie sie den kontemplativen Orden auferlegt war
· Hauptaufgabe der Bettel.- oder Mendikantenorden, war die Seelsorge, die durch mehrere päpstliche Entscheidungen genehmigt worden war, aber bereits von Anfang an zu vielen Auseinandersetzungen mit dem Weltklerus geführt hat
· Bettelorden siedelten ihre Konvente ausschließlich in Gemeinden an, meistens in Städten
Betrachtet man diese kurzgefaßten Merkmale, und führt sich vor Augen, daß der Auftrag zur öffentlichen Predigt, bereits von Alexander IV., in der oben erwähnten Bulle gegeben wurde, wird klar ersichtlich, daß (Zitat): »...die Erinnerung an ihren eremitischen Ursprung, nur noch im Namen ...« 8 bewahrt wurde.
Von Italien breitete sich der Orden schnell aus, so daß (Zitat): »...die deutschen Ordensprovinzen am Ende des 13. Jahrhunderts, bereits 80 Konvente zählte.« 9.
Der weibliche Ordenszweig -
Die Augustiner - Eremitinnen
Wie bei den übrigen Mendikanten - Orden, wird auch bei den Augustiner - Eremiten zwischen drei Orden unterschieden:
Dem sogenannten ersten Orden, also dem »Männerorden«, der in Priester - und Laienbrüder unterteilt wird und auf den die oben erwähnten Merkmale explizit zutreffen.
Der dritte - also der Terziaren - Orden, der »Laienorden«, ist bei den Augustiner - Eremiten seit dem 13. Jahrhundert bekannt und seit 1400 wurden dort auch Frauen aufgenommen.
Für den »zweiten«, den weiblichen Zweig der Augustiner - Eremiten, galten völlig andere Regeln als für den Männerorden!
Er entstand zeitgleich mit dem männlichen Zweig und waren während des Mittelalters stark verbreitet.
Die Ordensschwestern legten feierliche Gelübde ab und lebten in strenger, sogenannter »päpstlicher« Klausur (im Unterschied zur leichteren »bischöflichen« Klausur, die Kongregationen vorgeschrieben ist, die einem Bischof unterstehen und nur die »einfachen Gelübde« abgelegt haben).
Ab dem 16. Jahrhundert (Trientiner Konzil) wurde die päpstliche Klausur in eine bischöfliche umgewandelt.
Neben der Kontemplation bestand die Aufgabe der Augustiner - Eremitinnen, im Mittelalter, in der Krankenpflege.
Die Ordenskleidung im Mittelalter
Die Oberbekleidung war schwarz (Skapulier und Kukulle), bei den Männern mit spitzer Kapuze versehen, die Frauen trugen eine Haube (schwarz) und einen Schleier. Das Untergewand (die langärmelige Tunika) war weiß. Bei den Männern kam das Cingulum - also der Gürtel hinzu - und der war aus Leder10.
Verbreitung in Deutschland, im Mittelalter
In vielen Städten gab es Augustiner - Eremiten - Konvente. Hier sei nur eine ganz kleine Auswahl gezeigt:
Erfurt, Gotha, Langensalza, Neustadt a. d. Orla, Freiburg im Breisgau, Würzburg, Stuttgart, Weilheim usw. .
Die Weiterentwicklung des Augustiner - Eremiten - Ordens
Ab dem vierzehnten Jahrhundert war ein Niedergang zu verzeichnen, Ursachen sind im »Großen Abendländischen Schisma« (1378 - 1415) und in der Verbreitung der Pest zu sehen.
Durch massive Reformen, im sechzehnten Jahrhundert, konnte die Reformation überstanden werden.
In Deutschland gibt es nur noch wenige Kongregationen (vor allem die Würzburger sei hier genannt). Überhaupt besteht der Orden heute, weltweit, nur noch aus zwei Provinzen und hat 3600 Angehörige.
Offiziell wird der Orden seit 1969 nur noch als Augustiner - Orden (OSA) - im Gegensatz zur vorher gültigen Bezeichnung - Augustiner - Eremiten (OESA), benannt.
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