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Der Zirkumdirektor betrat die ehemalige Fabrikhalle und bemerkte sofort, dass seine linke Schuhsohle an der Ferse ein wenig flatterte. Es war ein kleines, fast unmerkliches Geräusch, ein rhythmisches *klapp-klapp*, das bei jedem Schritt die Stille des weiten Raumes durchschnitt. Er hielt nicht viel von neuen Schuhen, solange die alten noch einen Rest an Würde besaßen, und dieses kleine Makel an seinem Lackschuh schien ihm fast wie ein privater Witz zu sein, den nur er und der Boden kannten. Er blieb mitten im Raum stehen, die Hände in den Taschen seines Samtsakkos, und betrachtete die Leere, die nur darauf wartete, gefüllt zu werden.
Um ihn herum begannen die Helfer, die Teelichter zu verteilen. Es waren diese günstigen Beutel aus dem Supermarkt, hundert Stück für ein paar Euro, die nun in präzisen Abständen auf dem Betonboden platziert wurden. Die kleinen Flammen fraßen sich langsam durch das Wachs und verwandelten die industrielle Kälte der Halle in etwas, das beinahe an eine Kathedrale erinnerte. Das Licht war weich, flackernd und warf lange, tanzende Schatten an die Wände, wo die massiven Betonpfeiler plötzlich wie gotische Stützen wirkten.
An diesen Wänden prangten die Fresken. Sie sahen auf den ersten Blick aus wie mittelalterliche Ikonen, mit ihrem Blattgold und den strengen, heiligenscheinartigen Konturen, doch bei näherem Hinsehen erkannte man die moderne Handschrift. Es waren die Werke im Auftrag des Zaisers, einem mächtigen Despoten, dem die Kunst der sakralen Dekoration so sehr am Herzen lag, dass er persönlich die Pinselführung für die Zirkum-Kulissen überwacht hatte. Der Zaiser war kein Mann der Kirche, er tat nur so, aus Gründen der Macht, um das Volk in eine bestimmte Art von Ehrfurcht zu versetzen. Doch hier, in dieser Halle, dienten seine Ikonen nicht der Anbetung, sondern einer Inszenierung des 21. Jahrhunderts, die alte Konventionen nicht einfach nur kopierte, sondern sie mit einem Augenzwinkern erneuerte.
Plötzlich glitt eine Wolke in den Raum, getragen von fast unsichtbaren Seilzügen, die sich im Halbdunkel der Decke verloren. Auf dieser Wolke thronten drei Clowns in ihren traditionellen Kostümen – weite Hosen, verspielte Rüschen und geschminkte Gesichter, die eine zeitlose Mischung aus Melancholie und Chaos ausstrahlten. Sie schwebten langsam über die Meere aus Teelichtern hinweg, wobei ihre Bewegungen so synchron waren, dass sie beinahe wie eine einzige, vielarmige Kreatur wirkten. Es war eine Choreografie der Leichtigkeit, die den schweren Beton der Halle für einen Moment vollkommen vergessen machte.
Einer der Clowns, der mit einem übertrieben besorgten Gesichtsausdruck auf die Menge blickte, beugte sich gefährlich weit über den Rand der Wolke. Er neigte sich so tief, dass sein Schwerpunkt den physikalischen Gesetzen zu widersprechen schien; er hätte längst in die Tiefe stürzen müssen. Doch im letzten Moment griff sein Kollege mit einer blitzschnellen, fast mechanischen Bewegung in seinen Kragen und hielt ihn fest. Es war ein perfekt abgestimmter Moment des Schreckens und der Erleichterung, ein stummes Theaterspiel, das das Publikum in einen Zustand kollektiver Anspannung versetzte.
Unter ihnen, im flackernden Licht der Kerzen, stand ein junger Mann, ein Märchenprinz aus der Provinz, dessen Kostüm ein wenig zu groß war und dessen Stolz ihn dazu trieb, sich immer wieder aufzurechten. In einem Moment der Euphorie sprang er hoch, seine Arme weit ausgestreckt, als wollte er die Wolke mit der bloßen Kraft seines Willens erreichen. Er kam jedoch nicht hoch genug; die Distanz zwischen seiner ausgestreckten Hand und dem Rand der Wolke blieb ein unüberwindbarer Graben aus wenigen Zentimetern.
Die Clowns waren in der Lage jede lustige Szene der „Zauberflöte“ zu parodieren, doch ihr Timing war präziser als jede prunkvolle Uhr im Zaiser-Palast des Kreml. Selbst Pamina, deren tragische Verzweiflung sie mit einer grotesken Übersteigerung von Mimik und Gestik darstellten, wirkte in ihrer Hand fast zärtlich.
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