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solarschule schrieb am 6.3. 2003 um 03:54:04 Uhr über

Wissen

nomic revolution« des American Museum ofnatural History verheißt beispielsweise, daß im @year 2020 it is highly possible that the average human life spart will be increased by 5o percent; gene therapy will make most common surgery of today obsolete; and we will be able to genetically enhance our capacity for memory«."
Die Versicherung einer endgültigen Befreiung von angebotenen Leiden Findet jedoch keine universelle Zustimmung. Die Kritik des Biochemikers Erwin Chargaff an Versprechungen dieser Art sei hier beispielhaft zitiert (siehe Chargaff, 1979). Der Verweis auf die Gesundheit ist dann nur noch Vorwand: »Wenn die Wissenschaft verspricht, dass sie den Schmerz lindert oder gar ausrottet, dann merken die Menschen auf. Die Gentechnokraten wissen, dass sie damit leicht verfuhren können, denn für Gesundheit und ewiges Leben geht der Mensch jeden Teufelspakt ein.«» Auf dem Gebiet der Genetik und der Gentechnologie finden sich infolgedessen radikal entgegengesetzte Diskursformen. Einerseits lassen sich Diskurse ausmachen, die die wichtige Rolle der Gentechnik für die nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft (Brill, i986; Wambugu, iggg) oder für die menschliche Gesundheit, insbesondere im Kampf gegen tödliche Krankheiten, preisen. Dies wird in den Äußerungen von Carl Feldbaum und anderen Wissenschaftlern deutlich. Andererseits gibt es ein Narrativ, in dem die Gentechnik als Waffe bezeichnet wird, als einer totalitären 'Konsp'Iration, d'te'W@it vonbehinderten Menschen zu >,befreien« (Shakespeare, iggg: 669). Erwin Chargaff« drückt sich noch radikaler aus: Die Genetiker führen einen Krieg gegen die Natur, »die Zukunft wird uns deshalb verfluchen. Sie manipulieren ungestüm an den Genen herum, die in Milliarden von Jahren langsam entstanden sind, sie hauen der Natur über den Kopf und spüren nicht, dass sie sich selbst auf den Kopf hauen. Sie wollen langes Leben, ewiges Leben, sie wollen den Tod besie en, das ist teuf-

lisch." 9

Der emotional aufgeladenen Kritik der Gentechnik stehen wiederum auch eher ernüchternde Ergebnisse zur Seite, wie zum Beispiel

22 Zitiert iii jackie Stevens, >,PR for thc,book oflife»« TheNation, to. Dezcmbcr zool. ,Siehe auch dic Arbeitcn von 1)orothy Nelkin (zooib) 7,ur »molekularen Metaphorik« in den Medien uiid der mit der ('@cntechnik verbundenen Sprache der Hofinung (Nelkin, 2ooia).

23 Weitam Sonntag, 8. Juli 20OI, S. 37 (Interview mit Erwin (,hargaff.,@Wohin mit dein flomunkulus?").

24 Stern, Nr. 47, November 2ooi (Interview mit Erwin Chargaff»t)ie wollen ewiges Leben, die wollen den Tod besiegen - das ist teuflisch«).

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im Fall der Mukoviszidose, wo seit Entdeckung des betreffenden Gens im ahr i989 immer wieder Heilung versprechen gemacht wur-

s den. Die Euphorie der behandelnden Arzte, Wissenschaftler und Betroffenen ist von einer verbreiteten Ernüchterung abgelöst worden. Bemühungen, mit Hilfe der Gentherapie den Krankheitsverlauf erfolgreich zu beeinflussen, blieben bisher erfolglos, so daß gentherapeutische Behandlungsmethoden in den meisten Ländern vorerst auf

Eis gelegt sind.
in einem sehr allgemeinen Sinn ist Wi.@,.senspolitik zeitlos. Es hat schon immer bewußt Versuche gegeben, neues Wissen im allgemeinen und wissenschaftliche Erkenntnisse im besonderen zu regulieren und zu kontrollieren. Deshalb ist es wichtig, zunächst zu fragen, weshalb die Bedeutung der Wissenspolitik gegenwärtig ungemein zu-

nimmt. enspolitik nimmt in der Der gesellschaftliche Stellenwert der Wiss
Tat in diesem Jahrhundert eine umfassendere und größere Bedeutung ein, als dies bisher je der Fall sein konnte. Das wachsende Gewicht der Wissenspolitik in der Gegenwart läßt sich auf eine Reihe von Faktoren und Entwicklungen zurückführen:
(i) Es sind neue Wissensformen (und damit ein neuer Typu,@, von Handlungsmöglichkeiten), die alarmieren oder zu umfassenden Versprechungen verleiten. Die F-rkenntnisform selbst verändert @lc'h. 'Der 'Weg von ä@r ViTun
Forschung und zur kommerziellen Anwendung ist in einigen Wissenschaftsfeldern, wie zum Beispiel in der molekularen Biologie," besonders kurz und direkt. Grundlagenforschung und angewandte Forschung sindsich erheblich nähergerückt, so daß von einer »produktorientierten Grundlagenforschung@, gesprochen werden kann. Die Identifikation eines Gens ist identisch mit den Tests für das Gen. Diese neuen Wissensformen entspringen einer immer weiter wachsenden Spezialisierung in der Wissenschaft sowie einer massiven Förderung bestimmter Forschungsfelder durch öffentliche und kommerzielle Gelder. Die Grenzen der Machbarkeit scheinen sich radikal zu verschieben; biotechnologische Verfahren machen es beispielsweise möglich, DNA-Strukturen unmittelbarer menschlicher Kontrolle zugänglich zu -a-


lckularbiologic

25 1)ic Biotechnol@)gie ist cm Ablegcr dcr Molckularbiologic. 1)ic Mo

wiedcrum war bis 1972, als man di@ Mziglichkeit ihrcr biotcchnologischcn Anwendung mit Hilfe rckombinantcr 1)NA-'I'echnikcn erkannte, cinc wissenschaftliche

L)isziplin mit tiur wenigen AnwcndungsmZ@glichkeitcn (Wright, i986a).

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