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galahad schrieb am 13.7. 2006 um 14:57:22 Uhr über

Nerd

Tja, wie wird man Nerd?
Das besondere am durchschnittlichen Nerd ist, dass er sich nicht als solcher wahrnimmt. Seine »Nerdigkeit« liegt also im Auge des Betrachters. Wer sich also als Nerd »outet«, tut dies höchst wahrscheinlich in der Absicht, sich wichtig zu machen.
Um nun von anderen Leuten zum Nerd erklärt zu werden, sollte man folgende einfache Maßnahmen ergreifen, sie erfordern gerade mal 3 Nachmittage Vorbereitung und nerven derart massiv, dass man schnell in seinem Bekanntenkreis zum Nerd befördert wird:
1. Gewöhn Dir die Kelvin-Skala an. Das hat nichts mit schweizer Reformations-Theologie zu tun, sondern ist eine einfache Methode, Temperaturen physikalisch korrekt anzugeben. Addiere einfach zur fraglichen Temperatur 273 und Du erhälst den Temperaturwert in Kelvin. (ACHTUNG: man sagt nicht »Grad Kelvin«) sondern schlicht »Ka« oder »Kelvin«. Wenn man Dich bittet, das umzurechnen, dann antworte: »Wieso? Ist doch schon umgerechnet«. Gib auch immer eine Unschärfe an: auf die Frage: »Ob das Bier wohl schon kalt ist
antworte: »es hat etwa 282K, mit einer Standardabweichung von 5%! -das finde ich ungeheuer genauDamit wirst Du sogar Recht haben, schließlich deckst Du damit eine Temperaturspanne von etwa 25°C ab! Also von »Bier ala Grizzly« bis »So schmeckt es dem Scheich«.
Das ist natürlich Unfug. Nur auf die Frage »warum machst Du daskannst Du getrost antworten: »Weil es genauer ist«. Nun, das stimmt nicht. Du kannst nur zutreffendere Angaben machen...
2. Sprich Leetspeek. (1337-5i°33|<) Bzw, schreib Kommentare und Emails darin. Kann zwar keine Sau mehr lesen, aber es hat auch Vorzüge:
a: man fasst sich kürzer, weil es ist anstrengend
b: Rechtschreibung ist de fakto nicht mehr möglich
c: viele Spamfilter werden Deine Mails abweisen. Ist doch nicht Dein Problem, wenn andere so dumme Software benutzen
d: Sieht k3wl aus!
Rechtfertigen kannst Du es damit, dass aktuelle Filtersoftware so nicht greifen könne. Ist zwar Stuss, aber Du musst das ja nicht glauben...
3. LINUX. DAS Thema. Ist zwar schwierig aber möglich. Investiere eben ein paar Gigabyte, lad Dir irgendeine Distri mit Autoinstaller runter und installiere das Teil auf Deiner Schrabbelkiste. Das klappt wahrscheinlich wie von selbst. Bei Suse10.2 brauchst Du nicht mal 100 Tastenanschläge, dann steht das System (vorausgesetzt, Dein Username+Passw. ist nicht länger als 30 Zeichen) Leider wirst Du damit nicht mehr »State of the art« sein. DAFÜR braucht es natürlich etwas ausgefalleneres, als ein Linux von der Stange. Nimm Unix (gibt es von BSD mittlerweile auch it auto-Installation) oder das gute alte BeOS. Ist zwar etwas veraltet, aber wenn andere Linuxer meckern, dann sag einfach: »Warum benutzt Du Linux? Weil es sicherer ist! Warum ist es sicherer? Weil es nicht jeder benutzt! Warum benutzen dann 90% aller Linuxer eine von 3 Distributionen?« Damit hast Du zwar Recht, aber es ist wirklich Unfug. Nur wird es erstmal keiner merken.
4. Tech-Talk. Mach es Dir zu eigen, in Flussdiagrammen zu denken. Das ist ganz einfach und strukturiert den Tagesablauf ungemein. Du kannst aber auch in Flussdiagrammen schreiben. Nach ein paar Stunden kannst du das. Es ist recht beeindruckend, wenn Du einen Schulversuch auf einer DinA4-Seite schön hübsch darlegen kannst. Reicht der Versuch nicht aus, um ein ganzes Blatt zu füllen? Kein Problem! Fülle die Lücken mit Texten wie "F. in der Reihe hinter mir hat kurzen Rock an? Ja: -> Bleistift so fallen lassen, dass er nach hinten rollt, aufheben! Nein: -> weiterarbeiten! Das macht schwer Eindruck und ist auch k3w1! Vorsicht: Heftekontrollen enden so schnell beim Dozenten oder beim Direktor, oder beim schulpsychologen! Aber nur wenn Du unter 16 bist, danach ist das normal...
5. Schreibe total sauig. Wenn andere Dich bitten, ihnen das nochmal aufzuschreiben, dann schreib deutlich, aber in einem der folgenden zwei Stilrichtungen:
a: »Dada«: Du richtest das Wort direkt an den Leser, und tust als wäre er strubbeldumm (Ja, es wird deutlich, Nerds sind leicht arrogant, ABER: Tu so als wäre es reine Hilfsbereitschaft.)
b: »Programmierer«: Schreibe ein Kochrezept in der Art eines Basic-Programms:
10 REM **Dies ist ein Eierkuchenrezept**
20 Ask Value E: »Sind Eier im Haus
30 If E= Ja: goto 100
40 Else: Print »Eier kaufen gehen. 1x4 Stück oder 4x1, je nach Lust und Laune«
...
100 REM **hier werden die Eier mit der Milch verrührt**
110 gosub »Rühren«
120 Calc.: »Teig«+»Salz«
...
300 Geschmacksprobe=lecker? goto 310
310 else: goto 10
350 end
...
Subroutine »Rühren«
1002 Rechts: Mixer
1003 Mitte: Rührschüssel
1004 Put: Teig in Schüssel
1005 Switch: Mixer to »5«
1006 wait 100
1007 end

Das ist natürlich nur »Spaßcode« Um es ernsthaft zu machen, musst Du dringend darauf achten, dass Du nur etwa 30 unterschiedliche Wörter verwendest, alles was nicht Code ist, ist Variable und muss in Klammern. Wenn Du gut in XML bist, dann kannst Du das natürlich auch damit machen. Vorsicht: Wenn Du das in Pascal machst: NICHT KOMPILIEREN!

6. Setze Maßstäbe: Mache allen um Dich herum sofort klar, auf welcher Stufe sie stehen, werde dabei aber nicht unfreundlich! Andere Nerds werden eine Nachricht in Basic absolut verstehen und dankend entgegennehmen. Sie werden das Gefühl haben, »dazu zu gehören«. Nerds brauchen Freunde! Nerds sind keine Outlaws! Wenn jeman mit seiner Einteilung nicht klar kommt, schalte um. Erteile ihm das »DADA-Flagg« und warte ab, ob ihm das gefällt.
7. Geduld! Sei immer freundlich und geduldig, sonst wirst Du schnell als Outlaw gedisst.
8. Guru: Wenn Dich jemand als Guru haben möchte, dann zier Dich nicht zu lange, lies »Zen in der Kunst ein Motorrad zu warten« und wende es an. Erläutere alle Deine Angaben mit skurrilen Beispielen und komplexen Zusammenhängen. Die die WÜRDIG sind, werden es verstehen, und, »Wer interessiert sich schon für den Rest?«.
Wenn Dir Zen und das Motorrad zu lang, kompliziert oder langweilig ist, dann versuch es doch mit »Reine Leere«. Das ist witziger und Du wirst schnell verstehen, was ich meine.
9. Zähle lustig. Wenn Du etwas abzählst, dann zähle bis 9 und mach dann mit 23 weiter. (vorsicht: im Kopf korrekt zählen!!!) auf Gegenfragen antworte: »also die Zahlen von 9 bis 22 sind doch totlangweilige Zahlen«. Zahlen können langweilig sein? Klar! Man muss sie nur gut kennen! Wenn dann die Frage kommt: »und wieviele Leute sind da nunantworte »52 minus 13«. (die hast Du ja vorher einfach übersprungen). So haben die anderern auch was zum nachdenken. Denn Denken ist wichtig!!!
10. Fremde Gurus. Sind andere Gurus in der Nähe, so begegne ihnen mit Ehrerbietigkeit. Sie können Dir gut aus der Patche helfen, wenn mal jemand etwas WIRKLICH wissen muss, und Du keinen Plan davon hast. Wiederhole dem Anfragenden wortwörtlich, was der andere Guru gemeint hat, mache eine Kunstpause, lege einen fragenden Blick auf und fahre dann fort »Was er damit sagen wollte:...« benutze dann Vokabeln und Aphorismen aus Deinem ureigenen soliden, logischen Nerduniversum.

Warum sollte also jemand sowas durchziehen? Wird er davon beliebter? Kriegt er hübsche Mädchen ab? Kann er davon schon früh finanzielle große Sprünge machen?
DREIMAL NEIN! Aber er wird schnell eine solide und sichere gesellschatliche Außenseiter-Rolle genießen, einen eigenen kleinen Olymp, auf dem er zum Beispiel »Freundschaft« neu definieren kann. Von den höhen seines Olymps wird er andere Gurus sehen, und mit ihnen ein eigenes »Guru-Nerd-Network« aufbauen.
Frühzeitig ist es wichtig, zu neuen Ufern aufzubrechen: Nutze Deine Zeit, Sartre, Nietzsche zu lesen und ihr Vokabular zu lernen. Ihre Ausdrucksweise. Wenn Dich jemand danach fragt, antworte: »Man muss um xyz zu verstehen, sich seinen Zeitgeschichtlichen Kontext vor Augen führenKeiner wird dann noch widersprechen, wenn Du von Platon und Aristoteles anfängst. Haben die etwa gelogen? Nein! Eben!
11.: (and last) Katzen. Du musst Katzen kennen lernen. Viele Katzen. Und ihre Sprache. Katzen sind neugierig, klug, und haben eine hervorragende Auffassungsgabe. Sie sind zwar sehr vorsichtig, aber ihre Neugier ist stärker. Gehe niemals auf Katzen zu, setz Dich in einigem Abstand hin und gib der Katze die Möglichkeit, von selbst zu kommen. Das wird sie machen. Greif nicht nach ihr, halt ihr den Finger hin, wenn sie schnuppern will, zieh ihn langsam 10 cm zurück, so dass die Katze sich lang macht. Nach einigen Sekunden wird die Neugier in der Katze so groß sein, dass sie nicht mehr anders kann, als Dir »Achten« um die Füße zu malen und alles an Dir rausfinden muss.
Katzenfernsteuerung ist das Geheimnis. Resümmiere: »Pawloff hat seinem Hund ein Loch in den Kopf bohren müssen, er kannte wohl keine Katzen«. Das ist Stuss, aber nur Du weißt es, und das reicht.


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