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voice recorder schrieb am 11.1. 2003 um 03:25:29 Uhr über

Reichtumsbericht

grenzt gültig. Es geht um die working poor. Diese in den USA in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts (wieder) festgestellte dauerhafte Massenerscheinung bedeutet: Menschen haben Arbeit bzw. einen Arbeitsplatz, sie haben zunehmend sogar zwei oder drei Arbeitsplätze; dabei handelt es sich um Mini-Jobs. In den USA und in Großbritannien gilt bereits eine Stunde Arbeit pro Woche als Arbeitsplatz. Die working poor haben also Arbeit, aber sie sind trotz und durch Arbeit arm.
Sind es zwei, drei oder vier Millionen Menschen in Deutschland, vergleichbar mit der Situation in anderen >entwickelten Industrieländem<, die im statistischen, arbeitsrechtlichen und medialen Dunkel des sich ausweitenden und staatlich geförderten >Niedrigtohnsektors<, des legalen und des illegalen, arbeiten?
Die Regierung könnte es wissen, wenn sie es wollte. Gleichzeitig nehmen die zeitlich befristeten und solche Arbeitsverhältnisse zu, in denen den Arbeitenden die gesetzlich vorgeschriebenen oder tariflich vereinbarten Mindestentlohnungen vorenthalten, gekürzt, verzögert oder gar rücht ausbezahlt werden. So verbietet es die Ausweitung des großen Spektrums prekärer Arbeitsverhältnisse, Arbeit als Allheilmittel gegen Armut auszugeben. Entwürdigung Viele Indikatoren und Begleitumstände von Armut bleiben im durch Armut Bericht der Bundesregierung, der sich allerdings mit vielen vergleichbaren Darstellungen überschneidet, etwa denen der beiden Großldrchen , unerwähnt. So etwa die mangelhafte oder nicht mögliche Gesundheitsversorgung mit der Folge chronischer Krankheiten. »Weit du arm bist, musst du früher sterben« - dies ist eine alte Erkenntnis, die auch für unsere im Gesamtdurchschnitt sehr reiche Gesellschaft nicht außer Kraft gesetzt ist, vielmehr (wieder) häufiger zutrifft. Angst, Ohnmacht, Hunger, Verkürzung der geistigen und psychischen Perspektive auf das unmittelbare und notfalls kriminelle Überteben, politische Ausgrenzung, Einsamkeit, das schamhafte Sich-Verstecken und Sich-Verstellen, die prinzipienlose Übernahme asozialer Werte, also mannigfache Formen der Entwürdigung: Sie gehören zur Armut. Sie führen auch dazu, dass Arme ihren Zustand nicht selbst darstellen können, sondern von der fürsorglichen Darstellung durch andere abhängig sind.
Vor einer grundlegenden Kritik dieses Armutsbildes soll es

4 1 Vgl. Rat der Evangelischen Kirche in DeutschLand/Deutsche Bischofs-
konferenz: Für eine Zukunft in Sotidarität und Gerechtigkeit, Bonn 1997

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zunächst noch um Armut im globalen Maßstab gehen. Im Bericht der Bundesregierung ist von ihr nicht die Rede, was umso widersprüchlicher erscheinen mag, als dieselbe Regierung ansonsten geläufig und lobend ihre globale Perspektive hervorhebt.
Die Tatsache, dass es eine globale Armut gibt, ist eigentlich Globate weithin bekannt, jedenfalls statistisch und in groben Zügen. Dennoch werden gleichzeitig die Fakten verdrängt, prallen ab wie Regen an einer Fensterscheibe: Man sieht die Regentropfen herabrinnen, aber man wird nicht nass. Wenn der Regen bzw. die Berieselung mit den Armutsfakten aufgehört hat, geht man wieder trocken spazieren und freut sich, dass der Regen und die Berieselung endlich vorbei sind, und die Sonne am wolkenfreien Himmel des allgemeinen Wohlstands wieder scheint.
So ist die ständige Beobachtung und Darstellung der globalen Armut den in unserer Reichtums- und Armutsordnung dafür spezialisierten Organisationen überlassen. Es sind dies vor allem die UNO und die Weltbank, aber auch die Großldrchen. über Armut in der Welt haben sie reichhaltiges Material zusammengetragen. Danach lebt zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Fünftel der Menschheit in )extremer( oder >absoluter( Armut. Diese 1,2 Milliarden Menschen von insgesamt 6 Milliarden müssen mit einem Einkommen von weniger als einem Dollar pro Tag oder 365 Dollar pro Jahr >auskommen(. Das bedeutet, dass sie eben nicht >auskonunen(, sondern sie gehen nicht oder kaum zur Schule, hungern und/oder verhungern, vegetieren dahin, sind krank, sterben früh. Setzt man die Grenze bei zwei Dollar pro Tag oder 730 Dollar pro Jahr (>große Armuto, dann lebt fast die Hälfte der Menschen (47 Prozent) in Armut.'
Armut variiert nach dieser Darstellung, die wesentlich von der Weltbank geprägt ist, stark nach Regionen. Die meisten Armen leben danach in Südasien (Indien, Pakistan, Bangladesch) und in Schwarzafrika. Die Armut breitete sich im letzten Jahrzehnt in Schwarzafrika und in Osteuropa weiter besonders stark aus, in Südasien stieg sie langsamer, in Ostasien ging sie zurück. Sozial und religiös diskriminierte Bevölkerungsgruppen können verstärkt von Armut betroffen sein, z. B. Tagelöhner, Frauen und religiöse Minderheiten. Armut bedeutet auch in den insgesamt

5 1 Die Darstellung folgt der Zusammenfassung in Welthaus BieLefetd (Hg.): Atlas der Wettverwicktungen. Ein Schaubilderbuch über Armut, Wohlstand und Zukunft in der Einen Welt, Wuppertal 2001

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