Geschmack
Bewertung: 6 Punkt(e)Über Geschmack kann man nicht streiten heißt es, was empirisch gesehen einfach schwachsinnig ist. Wie oft streiten sich Leute nicht über Sachen, die der eine toll, der andere scheiße findet?
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| Der erste Text | am 15.12. 1999 um 09:22:18 Uhr schrieb Tanna über Geschmack |
| Der neuste Text | am 13.3. 2022 um 00:51:17 Uhr schrieb Christine über Geschmack |
| Einige noch nie bewertete Texte (insgesamt: 55) |
am 18.12. 2003 um 20:42:15 Uhr schrieb
am 22.8. 2012 um 12:09:12 Uhr schrieb
am 10.10. 2009 um 01:32:03 Uhr schrieb |
Über Geschmack kann man nicht streiten heißt es, was empirisch gesehen einfach schwachsinnig ist. Wie oft streiten sich Leute nicht über Sachen, die der eine toll, der andere scheiße findet?
Also, dieser Pokemon-Lutscher hier, der schmeckt eigentlich überhaupt nicht. Das soll Erdbeer sein? Das ist nie und nimmer Erdbeer. Und in der Verpackung war ein blöder Aufkleber von einem gewissen Goldbat. Ich will aber einen Pikachu-Aufkleber!
Heute wissen viele Leute gar nicht mehr, wie eine Hühnersuppe wirklich schmeckt. Die kennen alle nur noch den Geschmack von dem Zeug aus der Tüte (oder Dose), und der ist künstlich von Food-Designern aus Aromastoffen komponiert worden und hat mit dem Geschmack von echter Hühnerbrühe aus einem echten Suppenhuhn nicht mehr viel zu tun. Der erste Eindruck ist zwar, daß die Tütensuppe viel »echter« schmeckt, viel mehr nach »Huhn« als die selbstgekochte, aber nach einer Weile merkt man, wenn man noch nicht völlig durch die künstlichen Aromen abgestumpft ist, daß einige zarte Nuancen, die in der echten Suppe zu finden sind, einige fast »durchsichtige« Geschmackstönungen, in der Tütensuppe fehlen.
Wenn ich einen bildhaften Ausdruck benutzen soll, würde ich sagen, die Tütensuppe schmeckt, als wäre sie nach der anatomischen Schnittzeichnung eines Huhns angefertigt.
Als sie in die fremde Frucht biss, erschrak sie zutiefst - ein Geschmack, wie er ihr noch nie untergekommen war. Kleine Explosion nie gekannter Intensität auf ihrer Zunge, sie meinte Farben - und was für welche - schmecken zu können. Verzückt schloß sie die Augen, um sich ganz der neuen Erfahrung hinzugeben. Doch plötzlich hielt sie inne: Sie hatte nur eine dieser Früchte und konnte sich doch nicht vorstellen jemals wieder etwas anderes zu schmecken. Alles bisher gekannte konnte doch lediglich einen faden Abklatsch des Neuen bieten. Sie musste ihr restliches Leben auf der Suche nach dieser Frucht verbringen oder aber verhungern. Sie entschloss sich für den Tod durch Genuss, gab sich in einer einzigartigen Genußwoge auf und verstarb mit dem Lächeln eines Menschen, derseine Erfüllung gefunden hatte.
Etwas, das einem beim ersten mal probieren nicht schmeckt, ist meistens auch nicht so gesund (abgesehen von Medizin...). Wem hat schon seine erste Zigarette geschmeckt? Oder sein erstes Bier? Oder gar sein erster Tequila... nach ein paar dutzend mal Probieren hat man sich dann eingeredet, dass das Zeug einem schmeckt.
Bei Gemüse ist das allerdings so: ein Baby mag Gemüse sehr wohl, den Kindern wird nur später dann vom Fernsehen und so eingebläut, dass Gemüse eigentlich widerlich ist.
Ich war einmal in einer Wohnung, von der man mir sagte, sie zeuge von Geschmack, vor allem das Wohnzimmer. Das hatte Holzparkett, war groß und weitgehend leer, ein hingekleckster Teppich irgendwo, wahrscheinlich edel und teuer, eine flache ausladende Porzellanschale mit Sand darin und merkwürdigen opalinen Kugeln im Gesträuch, sozusagen ein Wüstenstilleben im Kleinformat mit surrealen Elementen, und große Blumentöpfe auf dem Fussboden mit fremdartigen tropisch aussehenden Pflanzen und spärlichen Blüten, orchideenartig, der Experte würde wahrscheinlich sagen »stilvoll«. In einer Ecke ein Tisch mit aufgeklappter Literatur. Alles in allem mehr eine Komposition als ein Wohnraum. Die Bewohnerin beschenkte ihre Vermieter mit Pralinen und Büchern von ihrer letzten Fernreise zum Jahrestag ihres Einzugs. Ich war auf einem fremden Stern und habe dann doch schnell den Abflug ohne Rückfahrkarte angetreten.
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