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Ablauf oder Markengeld.
Diese beiden Freigeldvariationen sind verwendbar für Parallelwährungen. Das Markengeld ist die ältere Variante und hat auch schon einige Feldversuche hinter sich. Die amerikanischen Experimente funktionierten wegen der viel zu hohen Gebühr von 2% pro Woche nicht aber eine Gebühr von 1% im Monat wurde toleriert und sowohl in Wörgl als auch in Schwanenkirchen war so ein Geld erfolgreich.
Es würde sicherlich mit der halben Gebühr von 1% alle zwei Monate noch besser funktionieren, weil es dann leichter akzeptiert würde und so auch schon angenommen würde, wenn das andere Geld noch nicht ganz vom Markt verschwunden ist. Bei den früheren Experimenten während der Weltwirtschaftskrise war das andere Geld schon verschwunden und deshalb wurde das umlaufgesicherte Geld auch mit einer etwas zu hohen Gebühr noch angenommen. Mit dem Wörgler Geld konnten auch Gemeindesteuern bezahlt werden und das erleichterte sicher die Annahme aber Wära in Schwanenkirchen funktionierte auch ohne dem.
Als parallel umlaufendes Tauschmittel, wenn das andere Geld noch nicht weitgehend verschwunden ist, hat das Markengeld aber gegenüber den Ablaufgeld einen schwerwiegenden Nachteil. Ist die Gebühr niedrig damit dieses Tauschmittel konkurrenzfähig ist und das wäre am besten 3% im Jahr, kann es spekulativ zurückgehalten werden und ist daher auch anfällig für wirtschaftliche Gegenmaßnahmen der Opposition. Während des Experimentes in Wörgl wurde das Wörgler Geld gleichlaufend mit dem Nationalbankgeld 8% im Jahre mehr wert. Die tatsächliche Gebühr von 12% war im Jahr daher eigentlich nur 4%.
Doch nun zum Ablaufgeld. Hier wird die Gebrauchsgebühr in der Höhe von 5% ähnlich wie bei den Brakteaten beim Umtausch abgelaufener Scheine erhoben. Das vereinfacht die Handhabung wesentlich und ermöglicht eine Flexibilität, die mit der anderen Methode nicht möglich ist. Der Herausgeber kann durch einfache Veränderung der Laufzeiten eine jährliche Gebühr von so wenig wie 1% erzielen aber auch einem Spekulanten soviel wie 20% im Jahr Kosten verursachen ohne die Umtauschgebühr von 5% zu verändern. Spekulative Geldzurückhaltung ist danit unmöglich gemacht, während man die Kosten für die Allgemeinheit, die ihr Geld sowieso ausgibt oder investiert, sehr niedrig halten kann.
Die Ablaufdaten, die auf jedem individuellen Freigeldgutschein gelocht werden zusammen mit den laufenden Nummern ergeben eine fast absolute Fälschungssicherheit. Die Ausgabestelle braucht nur die laufenden Nummern festhalten, wenn die Scheine ausgegeben werden. Die müssen mit den jeweiligen Ablaufdaten übereinstimmen. Bekommt ein Kaufmann einen verdächtigen Gutschein, braucht er nur bei der Zentrale anrufen und Seriennummer und Ablaufdatum angeben und die können sofort feststellen dass es sich um einen gefälschten Schein handeln muss, wenn sie nicht übereinstimmen.
Der Umtausch abgelaufener Scheine gegen noch gültige wird in der Praxis von den Leuten gemacht, die das größte Interesse daran haben, daß dieses Tauschmittel im Umlauf bleibt und nicht gehortet wird. Den Gewerbetreibenden. Jeder wird daher einen abgelaufenen Schein gegen einen mit möglichst kurzer noch verbleibender Laufzeit umtauschen und jemandem, der so einen Schein sowieso im nächsten Monat verwenden wird, ist das egal.
Besteht also jemand beim Umtausch auf einem Schein mit voller verbleibender Laufzeit, ist es klar, daß er den Schein solange horten möchte und alle Gewerbetreibenden werden sich einen Sport daraus machen, solchen Leuten so oft im Jahr als möglich die 5% Umtauschgebühr abzunehmen. Ein Horter wird somit nicht nur einmal im Jahr 5% zahlen müssen, sondern vielleicht bis sechs mal.
Was das Vertrauen auf den Wert so eines Scheines betrifft, ist das nur eine Zeitfrage. Im Gegensatz zu anderen Geld wird ja ein umlaufgesichertes Tauschmittel in kurzer Zeit wieder ausgegeben und damit ist die Sache erledigt. Die Kaufkraftgarantie der Ausgabestelle, die auf jedem Schein vermerkt ist, ist felsensicher und jeder teilnehmende Geschäftsmann beweist das täglich, wenn er Waren dafür verkauft oder so einen Gutschein gegen anderes Geld zurücknimmt. Wer also so einen Schein nicht traut, braucht ihn nur schnell weitergeben und genau das ist ja der Sinn der Sache.
Noch eine Bemerkung zum fehlenden Kleingeld. Das ist bei einer Parallelwährung nicht notwendig, weil man da Kleingeld des Erstgeldes verwenden kann, solange das noch einigen Wert behält. Später wird sich herausstellen, daß niemand mehr mit 99 Centpreisen rechnen wird. weil das Geld dann nicht mehr als wertvoller als die Waren, die man damit kaufen kann, angesehen werden wird. Es wird dann nur mehr runde Preise geben. Durch den Fortschritt der Technik sind selbst Münzautomaten nicht mehr notwendig und es wird auch bei Freigeld später Cashkarten geben und die Banken werden Freigeldkonten führen und Überweisungen durchführen.
Für ein lokales, paralleles Tauschmittel ist das anfangs noch nicht unbedingt notwendig. Bare Tauschmittel sind völlig ausreichend um alle lokalen Warenbewegungen zu begleiten und zu bezahlen. Sie können viel schneller bewegt werden als Waren und Dienstleistungen.
Bei niedrigen Zinsniveau werden auch die wahren Kosten des sogenannten Buchgeldes offenbar und heute mehren sich schon in den USA die Geschäfte in denen eine Bezahlung mittels Kreditkarte nicht mehr akeptiert wird. Warten wir also ruhig ab, wie sich bei parallelen Freigeld die Sache entwickelt. Solange die Umsätze mit Freigeld nur zusätzliche 20 bis 40 % der Gesamtumsätze ausmachen, wird es keinerlei Schwierigkeiten geben das Freigeld weiterzugeben. Werden es später mehr, hat das zur Vorbedingung, daß mehr Leute Freigeld verwenden und man daher mehr Plätze hat, wo man es wiederverwenden kann.
Es wird daher nur wenige Fälle geben in denen man Freigeld rücktauschen und die 5% Rücktauschgebühr zahlen muß. Geschieht das, vermindert sich automatisch dadurch die umlaufende Freigeldmenge. Es kann also nie eine Freigeldinflation geben und kaum jemand wird mehr Freigeld einnehmen als er gebrauchen kann. Im schlimmsten Fall verwendet er es eben etwas später oder tauscht es im allerschlimmsten Fall zurück.
Hier ist das Ablaufgeld auch von Vorteil, weil man nur einmal im Jahr die Gebühr zahlen muß. Man kann daher ohne Kosten etwas länger warten, bis man etwas damit kauft obwohl es einem Horter mehr kosten wird als das Markengeld. Markengeld mit mehr als 6% Gebühr im Jahr ist nicht konkurrenzfähig mit normalem Geld, das noch auf dem Markt ist und es kostet daher einem Horter nur 6% im Jahr und niemand kann es teurer machen ohne die Gebühr für alle zu erhöhen und damit die Konkurrenzfähigkeit des Freigeldes zu untergraben. Wie schon erklärt, ist das bei Ablaufgeld anders. Da bleibt die Gebühr für alle 5% und vielleicht sogar weniger aber für die leicht erkennbaren Horter und Spekulanten wird es teuer.
Das ist der Zweck der Übung. Billig für diejenigen, die Freigeld als Tauschmittel verwenden und teuer für die Horter und Spekulanten. Das Ablaufgeld ist da viel flexibler und die Geschäftsleute, welche die Umtäusche vornehmen, werden das aus eigenem Interesse so machen, denn sie wollen ja, daß das Tauschmittel umläuft und nicht gehortet wird. Gehortetes Tauschmittel kauft nichts bei ihnen. Einem Kaufmann braucht man das nur einmal klar machen und er versteht auch sofort, daß die Gebrauchsgebühr notwendig ist und ihm nur geringfügige Kosten verursachen wird, denn auch er braucht Freigeld, das knapp vor dem Ablaufdatum ist nur dann ohne Abzug annehmen, wenn er es aus Konkurrenzgründen tun will. Rückgetauscht werden nur Scheine mit mindestens noch einem Monat verbleibender Laufzeit und das steht auf jedem Schein.
Die Handhabung von Ablaufgeld ist sowohl für das Publikum als auch für die Geschäftsleute und den Herausgeber einfacher als die von Markengeld und voraussichtlich werden das auch die Pioniere merken, die noch die alte Markengeldmethode für ihr Freigeld benützt haben und werden früher oder später die Methode ändern.
Kreditkartenzahlungen ( d.i. Buchgeld) beginnen schon jetzt bei sinkendem Zinsniveau nicht mehr überall akzeptiert zu werden. Gibt es erst viele Freigeldregionen, wird es kaum mehr Kreditkarten geben
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