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Höfliche Tonne schrieb am 4.11. 2002 um 01:00:55 Uhr über

Goethe

Als ich neulich meinen Bekannten Peter, den ich länger nicht gesehen hatte, da er ein etwas zurückgezogenes Leben führt, unvermutet in der Einkaufspassage neben dem Springbrunnen traf, fiel mir sofort auf, das hier ein Mann recht schlecht geschlafen haben musste, wenn nicht sogar Drogen nahm. Darauf angesprochen hatte er mir unverblümt eröffnet, das ihm, bemerkenswerterweise, im Schlaf, also, im Schlaf wäre ihm also Goethe erschienen, und dieses Ereignis hätte ihn nun ein wenig aus dem Rhythmus geworfen, seit Tagen laboriere er nämlich daran, an dieser Erfahrung, und an Schlaf im eigentlichen Sinne sei seit dieser Geisterhaften Erscheinung nicht zu denken gewesen. Ich hab ihm dann gesagt das er spinnt, aber davon wollte er nichts wissen, was er denn gemacht habe, der Goethe, die Goethe-erscheinung, wollte ich dann nur noch wissen, da hat Peter gemeint, Goethe wäre nur so an der Wand gehangen und hätte sich nicht gerührt, mit einem seltsam erstarrten wachsbleichen Gesicht sei er an der Wand gehangen und hätte nichts gesagt, da hatte ich wiederum mir natürlich gedacht, daß das ja noch schöner gewesen wäre, wenn er angefangen hätte Reden zu halten, wie lange denn, so die Frage von mir, wäre ihm der Goethe erschienen, und, hier ganz in Psychologenmanier, in welchen Zustand er, Peter, denn durch solcherartige Erscheinung, während des Vorgangs und nach dessen Ende, nachdem Goethe sich also wieder, nachdem er also entschwunden wäre, hineinversetzt worden wäre. Peter meinte darauf, daß er sich nicht recht erinnern könnte, das er aber am nächsten morgen feststellen musste, das sein Kissen recht verschwitzt war, was bei ihm sonst eigentlich nie der Fall sei. Klar dachte ich mir, wenn mir ähnliches wie das von Peter behauptete widerfahren würde, dann würde ich wahrscheinlich auch ein wenig schwitzen, angenehm durfte man sich das sicher nicht vorstellen, noch dazu Verband Peter mit Goethe recht eigentlich recht wenig, kein einziges dieser gelben Reclambändchen des nächtlich geisterhaft Erschienenen habe ich jedenfalls bisher in seinem auch sonst etwas spärlich bestücktem Bücherregal finden können,
also drängte sich mir natürlich die Frage auf, worann er denn ihn, Goethe, erkannt habe, ob er sich vorgestellt habe, da ja, man weiß es aus der Welt des Films, die Menschen damals, dank einer recht einheitlichen Mode und jenen doch eigentlich hinsichtlich des männlichen Haarausfalls recht nützlichen Perücken der Zeit, sich wohl recht ähnlich sahen, und auch ich mir, der ich sogar ein Goethebändchen mit frontseitiger Abbildung des Literaten mein eigen nennen kann, nicht ganz sicher sein könnte ob er es denn tatsächlich ist, wenn er leibhaftig vor mir erscheinen würde...
Peter aber versicherte mir daß er, Goethe, es gewesen sein müsse, diese Sicherheit meinte er nun auch nicht durch die optische Anschauung erhalten zu haben, nein, in dieser Hinsicht pflichtete er mir bei, er wisse ja eigentlich gar nicht wie Goethe ausgesehen habe, bzw. er habe es natürlich bis zu jener Nacht nicht gewußt, aber er habe, und das könne er selbst nicht ganz nachvollziehen, er habe also auf irgendeinem ihm verborgenen Wege diese Sicherheit erfahren.
Ein Übel nur, daß er seit jener Nacht, nicht mehr recht schlafen konnte, da, natürlich, die vorstellung eine recht unangenehme ist, daß einem die menschen des 18. Jahrhnderts ungebeten des Nächtens im Zimmer erscheinen könnten, am Ende käme noch Friedrich II. vorbei, man weiß es nicht.
Wir kamen jedenfalls so überein, daß ich mit Peter an diesem Abend die Nacht in seiner Wohnung verbringen sollte, um einem, solchergestalt, paranormalen Phänomen beizuwohnen, denn Peter war sich, das flocht er unvermutet in jenes etwas wundersame Gespräch ein, sicher, daß er, Goethe also, ihn seit diesem erstmaligen Erscheinen, vor fünf Tagen, auch in allen vier darauffolgenden Nächten heimgesucht habe, denn er sei auch Dienstag-, Mittwoch-, Donnerstag- und Freitagabend auf ungewöhnliche Weise aus dem, was ihm sonst nie passiere, Schlaf aufgeschreckt, just etwa zu derselben Uhrzeit als ihm der Literat das erstemal bleich an der Wand gehangen war, Peter hatte allerdings war nach seinem ersten Erlebnis dieser Art dazu übergegangen, sich die Decke über den Kopf zu ziehen, und die Augen geschlossen zu halten, deshalb konnte er nicht mit Sicherheit sagen, ob sein Besucher auch tatsächlich zu einem regelmäßigen geworden war, allerdings ging er davon aus, weil, nach seiner Auskunft, ihn ebenfalls jedesmal wenn er abermals erwachte in den letzten vier Tagen, dieses eigenartige Gefühl ergriffen hatte, mit der sein Körper schon am Montag auf die schauerige Erscheinung reagierte. Auch am heutigen Abend also, erwartete er sich abermals eine solche Erscheinung, und er bat mich, dieser beizuwohnen, vielleicht würde sich der Geist erschrecken wenn er eine zweite Person anträfe, und danach nicht mehr wieder erscheinen.
Ich selbst fand das alles höchst kurios, willigte aber ein, da mir Peter bisher zwar als ein Spinner aufgefallen war, den man aber ein solches Maß an Verrücktheit wiederum auch nicht recht zutrauen wollte. Auch hatte ich mir gedacht, daß man, wenn er, also Goethe, doch tatsächlich, nun wer weiß, leibhaftig nächtlich in Peters winzigem Zimmer erscheinen sollte, man sich dies nicht entgehen lassen dürfte...Davon an anderer Stelle mehr...




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