Vernunft
Bewertung: 5 Punkt(e)Vernunft ist - gleich Kreativität - eine Erfindung. Und zwar eine ziemlich unvernünftige. Diesmal sind aber vermutlich nicht die Pädagogen schuld, sondern ein spinnerter Provinzialist aus Keenichsberch.
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| Der erste Text | am 6.5. 1999 um 11:57:36 Uhr schrieb Rave über Vernunft |
| Der neuste Text | am 7.5. 2022 um 16:36:43 Uhr schrieb Bettina Beispiel über Vernunft |
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am 12.10. 2002 um 21:02:54 Uhr schrieb
am 18.4. 2003 um 16:42:41 Uhr schrieb
am 20.5. 2008 um 09:20:07 Uhr schrieb |
Vernunft ist - gleich Kreativität - eine Erfindung. Und zwar eine ziemlich unvernünftige. Diesmal sind aber vermutlich nicht die Pädagogen schuld, sondern ein spinnerter Provinzialist aus Keenichsberch.
Sämtliche politische Philosophien und Theorieen, die nach der französischen Revolution erdacht wurden, pflegen ein Menschenbild, dem man seine idealistische Herkunft deutlich anmerkt. Vernunftbegabt sei der Mensch, und mit Rechten versehen, Ansprüchen gegenüber seinesgleichen, die man heutezutage in jeder Verfassungsurkunde nachlesen kann. Das Ergebnis ist bekannt: die letzten 200 Jahre, die die grausigsten der abendländischen Zivilisation gewesen waren.
Wäre es nicht vor dem Hintergrund des traurigen wie grausamen Versagens dieser hereren Ideen eine Alternative, wenn man den Menschen nicht als zum Edelen, Schönen und Guten bestimmt ansehe, sondern im Gegenteil: ihn über seine Fehler und Laster definiert, und seine Vernunft lediglich als Mittel zur Befriedigung dieser Laster ansehe ?
Jenseits aller Vernunft lieben, besessen sein, auf einem schmalen Grad ganz nah am Wahnsinn entlang torkeln. Wer das nicht erlebt hat, hat nicht gelebt.
Hinderliches Psychodingens, welches die Interaktion zwischen Menschen eher verkompliziert, als das sie hilft. Im Ernstfall, d.h. wenn die Vernunft wirklich nötig wäre, dann wendet man sie eh nciht an, sondern beharrt stuhr auf seinem Standpunkt und streitet lieber.
Vernunft ist gleichbedeutend mit Logik und Logik kommt vom griechischen »Logos«. Logos bedeutet einerseits das »Wort«, andererseits die »Lehre«. Daher auch die ganzen Fachbezeichungen: BioLOGIE, die Lehre vom Lebendigen; AstroLOGIE, die Lehre von den Sternen; etc.
Vernunft hat Karriere gemacht in der aufklärerischen Philosophie. Ihr größter Verehrer war kein geringerer als Imanuel Kant, der die Meinung vertrat, daß einzig die vernünftige Handlung gut sein könne. Für Kant bedeutete Vernunft das Gute an sich. Unvernünftig ist nach Kant, aus Neigungen, Sympathien, Begierden usw. heraus zu handeln. Vernünftig ist nur die Handlung, die aus reiner Pflicht getan wird.
Das Kants Sicht etwas kantig ist, zeigt das folgende Beispiel: Ein Mensch steht am Strand und sieht, daß ein anderer, in erreichbarer Entfernung, am Ertrinken ist. Nun erkennt der Mensch, daß es sich bei dem Ertrinkenden um seinen Freund handelt. Und da er diesen Freund gern hat und ihn nicht verlieren möchte, springt er ins Wasser und rettet ihn.
Nach Kant ist dieses Handeln unvernünftig! Denn der Retter hat aus einer Neigung gehandelt. Er wußte, daß es sein Freund war, und ist zum Teil auch DESHALB gesprungen, um ihn zu retten.
Vernünftig wäre nach Kant, wenn der Ertrinkende mein größter Feind ist, der mich schon oft hintergangen, ausgenützt, verraten etc. hat, und ich ihn trotzdem rette. Und zwar aus meinem reinen Pflichtbewußtsein heraus.
Das idealisierte Bild des Vernunftgesteuerten Menschen beherrscht immer noch weite Teile des wissenschaftlichen Denkens. So ist es bezeichnend, daß die von der Weltwirtschaftskrise völlig überforderte Nationalökonomie sich erst jetzt dazu bekennt, künftig auch irrationales Verhalten der Wirtschaftssubjekte »Faktoren wie Gier« in ihre Betrachtungen mit einzubeziehen, die ebenso sämtlich beim »homo oeconomicus« ansetzen, wie die staatsphilosophischen Beweihräucherungen des Parlamentarismus stehts einen »Bürger« voraussetzen, den es nicht gibt und nie geben wird: den einsichtigen, von logischen und vernünftigen Argumenten gesteuerten Menschen. »Die Vernunft« - die Großhirnrinde: das sind nichts anderes als Organe eines Säugetieres zur besseren Aufrechterhaltung eines inneren Milieus und zur Fortpflanzung. Sonst nichts. Sie sind weder göttliche Lichtstrahlen, noch einzigartig - ausser in ihrem Erfolg.
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