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Ein Vorschlag für die praktische Einführung von Freigeld (stamp scrip)
Zuerst will ich gleich einmal feststellen, daß mein Vorschlag darauf hinausläuft, stamp scrip ohne stamps einzuführen. Ich mache das in Form eines Vorschlages, der eventuell später als Grundlage für eine Gesetzesänderung sein kann. Was ich als Körperschaft bezeichne kann jede Art von Kollektiv sein, welches genügend unterschiedliche Teilnehmer hat, so daß sich ein Markt bilden kann.
Es wird für notwendig erachtet, daß eine lokale Körperschaft eine ohne Annahmezwang versehene kaufkraftstabile Zweitwährung herausgibt um den ständigen Währungsschwankungen des herkömmlichen Geldes ausweichen zu können.
Dieses neue Tauschmittel muß folgende Eigenschaften aufweisen:
1) Es wird mit einem Verfallsdatum versehen nach dem es nicht mehr als Zahlungsmittel gilt und gegen neue Noten mit einem neuen Verfallsdatum im nächsten Jahr gegen eine Gebühr von 5% ausgetauscht wird. Diese Verfallsdaten werden bei der Neuausgabe so gestaffelt, daß im zweiten Jahr je ein Zwölftel der Noten am Ende jedes Monats verfallen. Dadurch ergibt sich beim späteren Umtausch die Folge, daß niemals mehr als ein Bruchteil der ausgegebenen Geldmenge umgetauscht werden muß. Der Aufwand dafür ist nicht viel größer als er heute beim Austausch verbrauchter Noten ist. Es ist auch nicht notwendig exakte Zwölftel auszugeben. selbst wenn in einem Monat, wie im verkaufsstarken Dezember 20% der Geldmenge fällig werden.
Der Umtausch kann innerhalb eines Jahres erfolgen. Es ist aber im Interesse jedes Einzelnen, den Umtausch möglichst bald zu vollziehen. Er bekommt ja einen neuen Schein mit einem Ablaufdatum in einem Jahr. Wenn er also das volle Jahr warten würde, muß er gleich wieder 5% Gebühr dafür zahlen, einen Schein zu bekommen, der wieder ein Jahr gilt. Normalerweise ergeben sich für den Einzelnen nur geringfügige Kosten durch die Gebühr, weil die Noten ja bis 500 mal im Jahr umlaufen, die Gebühr aber nur einmal erhoben wird. Nur wenn er das Geld hortet kostet ihm das 5% im Jahr und er muß noch dazu jedes Jahr seinen Schatz umtauschen.
2) Die auszugebenden Noten werden entweder par zur Erstwährung oder mit einem Wechselkurs dafür ausgegeben. Auf alle Fälle ergibt sich im Laufe der Zeit ein Wechselkurs der gegenläufig zu den Geldwertveränderungen der Erstwährung durch Ankauf und Verkauf so gehandhabt wird, daß das Freigeld immer dieselbe Kaufkraft behält. Wird das Erstgeld inflationiert, dann wird dadurch das Freigeld teurer, gibt es beim Erstgeld eine Deflation dann wird das Freigeld billiger. Natürlich nur in Erstgeldpreisen ausgedrückt. Freigeld selbst behält ja seine Kaufkraft.
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3) Bei Feststellung von Hortung oder ungewöhnlichen spekulativen Geldbewegungen, kann die Ausgabestelle ein oder mehrere Verfallsdaten vorzeitig aufrufen.
Das ist eigentlich alles! Sogar das hätte noch kürzer gesagt werden können, aber ich wollte wenigstens einigen Einwänden gleich etwas Wind aus den Segeln nehmen. Es werden auch so noch genügend kommen, deshalb will ich gleich einige hier anführen und beantworten. Da ist gleich der erste:
Kritiker: Niemand wird dieses Geld annehmen!
Antwort: Die Leute haben die Wära und das Wörgler Geld auch angenommen und das war viel komplizierter zu handhaben, mit Markenkleben und sogar Irving Fishers „stamp scrip" wurden teilweise angenommen, obwohl sie eine Wahnsinnsgebühr von wöchentlich 2%, 104% im Jahr, hatten.
Kritiker: Der Markt für so ein Geld wäre viel zu klein und man könnte deshalb gar keinen Index errechnen.
Antwort: Das ist ein guter Einwand, aber wir wollen ja hoffen, daß sich der Markt vergrößert und bis dahin kann man ganz einfach den Wechselkurs aus den Zahlen des Erstgeldes mit Hilfe dessen Lebenshaltungskostenindexes oder auch des Großhandelsindexes zurückrechnen.
Kritiker: So ein Geld wäre ein gesundes Fressen für Soros und andere Spekulanten. Sie würden es zu ihren Spielball machen.
Antwort: Beachte Punkt drei, aber selbst ohne das wäre die 5%ige Gebühr ausreichend um Spekulationen Einhalt zu gebieten. Soros ist viel zu gescheit sich auf etwas einzulassen, wo die Ausgabestelle alle Trümpfe in der Hand hat.
Kritiker: Die werden so etwas noch schneller verbieten als damals in Wörgl. Sie sind ja jetzt gewarnt.
Antwort: Es wird vieles verboten und es wird trotzdem gemacht. Schwarzhandel zum Beispiel war während des Krieges verboten und man konnte dafür im K.Z. landen. In der USSR durfte man keine Devisen haben. In Amerika kein Gold. Und wenn es wirklich wieder abgewürgt wird, was sollen wir machen? Sollen wir es deshalb gleich bleiben lassen? Wir müssen eben genug Leute finden, die es sich nicht verbieten lassen. Und genug Leute, die sagen: »Lasst sie nur machen,« auch wenn sie selber nicht mittun. Das Beispiel hat auch damals in Wörgl weltweite Aufmerksamkeit gefunden. Mit nutzlosen Streit über Buchgeld bekommen wir diese Aufmerksamkeit nicht. Wir bekommen auch die Jugend nicht, die etwas tun will und nicht einem nutzlosen Debattierclub alter Männer zuhören will.
Kritiker: Man braucht das heute alles nicht, niemand hält Geld zurück und eine leichte Inflation schadet nicht, weil da das Geld umläuft und dafür sorgt, daß es keine Arbeitslosigkeit gibt. Und Zinsen müssen sein. Die hat es schon immer gegeben.
Antwort: Oh, ja! Bei leichter Inflation von angenommen 4% neben der Liquiditätsprämie von etwa 3% (dem sogenannten Urzins laut Gesell) und der jeweiligen Risikoprämie verlangt Geld auch noch eine Inflationprämie. Der Zinssatz muß daher etwa 8% sein. Schon bei 7.2% verdoppeln sich sowohl Vermögen wie auch Schulden aber alle zehn Jahre und das verkraftet keine Wirtschaft auf die Dauer. Die Arbeitslosigkeit gibt es auch dann, wenn der Zinssatz noch immer bei sagen wir 5% ist und es gibt keine Anlagen mehr, die diesen Zinssatz erwirtschaften können.
Die einzige Möglichkeit die Arbeitslosigkeit zu überwinden, ist es, daß man das Geld durch eine Umlaufsicherung dazu veranlaßt auch bei niedrigeren Zinssätzen in Investitionen zu gehen. Etwas anderes gibt es nicht, aber das wollen die Zinsbezieher natürlich nicht zugeben, die ewig an der sprudelnden Zinsquelle sitzen wollen. Daß gezwungenerweise bei diesem System ihr Geld samt Zinsen dann durch Inflation fallweise entwertet wird, sehen sie auch erst, wenn es zu spät ist.
Kritiker: „Es werden nie genug Leute gefunden werden, die bei so etwas mitmachen."
Antwort: „Wieviel ist genug?" Die Wära wurde in Ulm von 11 Leuten begonnen und hatte bei ihren Verbot schon Millionenumsätze. In Wörgl war es gar nur ein Mann: der sozialistische Bürgermeister Michael Unterguggenberger. Es wäre schade, wenn es nicht genügend Leute gibt, die bei einem möglichen weltweiten Zusammenbruch des heutigen Geldwesens, keine Arche Noah bereit haben um sich vor der Sintflut weltweiter Inflation oder völligen deflationären Zusammenbruch zu schützen. Ich hoffe, sie werden sich finden, denn wer weiß wie knapp die Zeit schon ist. Selbst der Jahrtausendbug könnte der Anfang des Endes sein.
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