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Paule schrieb am 12.2. 2026 um 23:53:25 Uhr über

Träume

Gestirndienst ist der altrömischen Religion völlig fremd. Weder der Festkalender noch die älteste Priesterordnung zeigt die geringste Spur davon. Wenn das Fest der Angeronalia (s. o. Bd. I S. 2190) nach der sehr einleuchtenden Deutung von Mommsen (ἀπὸ τοῦ ἀναφέρεοθαι τὸν ἤλιον) ein Fest der winterlichen 40 Sonnenwende war, so war damit doch keinerlei Verehrung des Tagesgestirns selber verbunden, und keine der erhaltenen alten Gebetsformeln enthält eine Anrufung von Sonne oder Mond. Im Verlaufe der Zeit haben freilich beide als göttliche Mächte Kultstätten in Rom erhalten, ohne aber im öffentlichen oder privaten Gottesdienste irgendwie hervorzutreten und ohne daß zu erkennen wäre, von wo der Anstoß zu ihrer Aufnahme in den Kreis der römischen Staatsgott-50 heiten gekommen ist. Der älteste Tempel der L. lag auf der Nordspitze des Aventin (Hülsen-Jordan Topogr. d. Stadt Rom I 3, 160f.) und feierte seinen Stiftungstag am 31. März (CIL I² p. 314. Ovid. fast. III 883f.). Der Tempel wird zum ersten Male erwähnt bei Gelegenheit eines Prodigiums des J. 572 = 182 (Liv. XL 2. 2), galt aber als eine Gründung des Servius Tullius (Tac. ann. XV 41); beim Neronischen Brande brannte er nieder (Tac. a. a. O.) und wird 60 seitdem nicht mehr erwähnt. Seine Lage auf dem Aventin in unmittelbarer Nachbarschaft der Diana von Aricia, der Minerva von Falerii und der Iuno Regina von Veii legt die Vermutung nahe, daß L. ebenso wie die genannten Gottheiten zu den di novensides italischer Herkunft gehörte, aber eine solche Vermutung läßt sich nicht näher begründen, da es auch bei den italischen Stämmen an allen Zeugnissen für alten ibuy Luna Mondkult fehlt; die gelehrte Konstruktion Varros, der Sol und L. zu den sabinischen Gottheiten rechnet, deren Altäre in Rom von Titus Tatius errichtet worden wären (Varro de l. l. V 74. Dion. Hal. II 50, 3. Augustin. c. d. IV 23), kann als solches keineswegs angesehen werden. Der Tempel galt der Mondgöttin allein, nichts weist darauf hin, daß sie an dieser Stelle gemeinsam mit dem Sonnengotte verehrt worden wäre. Wohl aber begegnet diese Verbindung an einer anderen, unfern gelegenen Stelle, im Tale des Circus maximus. Wenn im Circustale sowohl eine alte aedea Solis (Tac. ann. XV 74. Tertull. de spect. 8) als ein βωμὸς Σελήνης (Lyd. de mens. 112 p. 5, 11 Wünsch) erwähnt werden und die constantinische Regionenbeschreibung an der Spitze der 11. Region (Circus maximus) ein templum Solis et Lunae nennt, so sind wir berechtigt, dies alles auf ein und dasselbe Heiligtum zu beziehen (vgl. Hülsen Dissert. d. accad. pontif, Rom. di archeol. ser. 2 tom. VI 1896, 266ff. Hülsen-Jordan Topogr. I 3, 115;, das vielleicht auch in dem versprengten Bruchstücke der praenestinischen Fasten CIL I² p, 239 gemeint ist, in dem die Worte [So]lis et Lun[ae] in einem nicht mehr erkennbaren Zusammenhänge lesbar sind. Die Lage dieses Heiligtums und die Typologie der griechischen Kunst, die beide Gottheiten auf Wagen fahrend (den Sonnengott auf einem Viergespann, die Mondgöttin auf einem Zweigespann) darzustellen pflegt (Roscher Selene und Verwandtes 30. 37ff. O. Jahn Arch. Beiträge 79ff.), hat Sol wie L. zu Schutzgottheiten des Circus werden lassen, und zwar so daß L. vor allem die bigae unterstehen (Tertull. de spect. 9. Cassiod. var. III 51, 6. Anthol. lat. 197, 17 R.). Damit hängt offenbar auch die Tatsache zusammen, daß etwa seit der Zeit des kannibalischen Krieges auf dem Revers der römischen Denare als ältester Typus der sog. Bigati die auf einem Zweigespann rasch dahinjagende L. (kenntlich an der Mondsichel über ihrem Kopfe, z. B. Babelon Monn, de la républ. Rom. I 40 nr. 5. 55 nr. 35. II 520 nr. 20) erscheint (vgl. A. Klugmann Zeitschr. f. Numism. V 1877, 62ff.), Man wird auch die Notiz im Kalender des Philocalus zum 28. August (CIL I² p. 327) Solis et Lunae; c(ircenses) m (issus) XXIV eben wegen der Circusspiele mit dem Heiligtums von Sol und L. in circo zusammen-bringen dürfen. Zwei andre Heiligtümer der L. in Rom kennen wir nur aus je einer Erwähnung: eines auf dem Palatin, das entsprechend dem Beinamen der Göttin Xoctiluca (Laevius frg. 26 Baehrens bei Macr. Sat. III 8, 3. Horat. c. IV 6, 38) des Nachts erleuchtet war (Varro de I. 1. V 68 itaque ea [Luna] dicta Noctiluca in Palatio: nam ibi noctu lucet templum), das andre auf dem Graecostasis genannten Platze beim Comitium aus der Kalendernotiz zum 24. August (CIL I² p. 327) Lunae in Graecost(asi)) da dieser Tag, wie Mommsen richtig hervorgehoben hat, als einer von den dreien, quibus mundus patet (Fest. p. 142. 154 M. = 126, 4. 144, 14 Linds. Macrob. Sat. 116, 17L), ein dies religiosus ist, wird diese Stiftungsfeier, die sich um dieses religiöse Bedenken nicht kümmert, wohLrecht jungen Datums sein; Mommsens Versuch (Röm. Münzwesen S. 586 A. [1810] 363),- das auffällige Tagesdatum in der Weise zu erklären, daß er L. mit der Tarpeiageschichte und damit mit dem Totenkult zusammenbrachte, ist von diesem selber später aufgegeben worden (s. CIL 12 p. 296), E. Aust (Mythol. Lexik. II 2155f.) hätte ihn nicht wieder aufnehmen sollen. An literarischen Zeugnissen für die Verehrung der L. in Rom fehlt es gänzlich, denn wenn Sol und L. in dem Zwölfgötterkreise erscheinen, 10 den Varro an der Spitze seiner Bücher von der Landwirtschaft (r. r. I 1, 5) anruft, so beruht das nicht auf altem Ritual, sondern auf rein individueller Auswahl des Verfassers (vgl. Wissowa Hermes LII 1917, 97f.), und wenn nach Macrob. Sat. III 9, 4 manche L. für die Gottheit hielten, in cuius tutela urbs Roma est, so handelt es sich hier um eine ganz unkontrollierbare Grammatikerschrulle. Weihinsehriften sind in Rom und Italien sehr selten, L. erscheint hier nie 20 allein, sondern entweder nur in Verbindung mit Sol (CIL VI 755.[1] 31033 = Dessau 3940. 17 74) oder zusammen mit diesem noch mit andern Gottheiten verbunden, so CIL VI 31032[2] = Dessau 1418 Soli Lunae Apollini Dianae, VI 706 = Dessau 3941 Soli Lunae Silvano et Genio cellae Groesianae (vgl. CIL XIII 5026[3] = Dessau 7011, aus Vidy bei Lausanne, Soli Genio Lunae sacrum), VI 31171 = Dessau 4832, Stein der Equités singuläres, lovi Iunoni Soli Lunae Herculi Minervas Marti Mercurio usw., VI 30975 = Dessau 3090 aus dem J. 1 n. Chr. Mercurio aeterno deo I[ovi IJunoni reginfae) Minfervae So]li Lunae Apotflini Diajnae Fortuna [e. ..7 nae Opi Isi Pifetati.. .] Fatiis d[ivinis; vielfach handelt es sich dabei um orientalische Re-ligionsvorstellungen, wie in der letztgenannten Inschrift und CIL VI 755[1] = Dessau 3940 Soli invicto et Lunae aeternae (über die Bedeutung des Beiwortes acternus s. o. Bd. I S. 696L).In den Provinzen (das inschriftliche Material gesammelt von Aust 2156f. und Toutain Les cultes païens dans lempire Romain I 326f.) ist das Bild ungefähr dasselbe, nur daß hier auch vereinzelte Weihungen an L. allein vorkommen, zuweilen mit eigenen Beinamen, wie Lucifera (CIL III 1097[4] = Dessau 3946, Apulum, Lunae lueiferae, vgl. CIL V 3224[5] = Dessau 3247, bei Verona, Dianae lucif(erae), auf der Nebenseite Lunae), häufiger aber zusammen mit Sol (z. B. CIL 5011 258. VIII 14688/9 = Dessau 3939. 3937/8) oder in längeren Götterreihen (z. B. CIL II 2407[6] [Iunoni] reginae Minervas Soli Lunae diis omni[pjc[t(entibus)] Fortuna[e] Mereurifo) usw. CIL XIII 8812[7] = Dessau 3094 Iori ofptimo] m(aximo) summo exsuperantissimo, Soli inviclo, Apollini, Lunae, Dianae, Fortunae, Marli, Vic-toriae, Paci), auch hier oft in enger Beziehung zu den orientalischen Religionen, so zu Isis (CIL XII 4069[8] = Dessau 4364, bei Nemausus, Lunae QOet lsid(i) augfustae) sacr(um), CIL III 7771[9] = Dessau 4398, Apulum, Sarapidi lovi Soli, Isidi Lunae Dianae, dis deabusq(ue) conservatori-b(us)), die selber als Mondgöttin aufgefaßt wurde, und zum Mithrasdienst (Cumont Textes et monum. figur. relat. aux mystères de Mithra I 121ff.). Die auf Weihreliefs (z. B. Dutschke Antike Bildwerke in Oberitalien IV 242 nr. 548. F. Hettner Die röm. Steindenkmäler des Pro- [1811] vinzialmuseums zu Trier S. 75 nr. 143) und Münzbildern der Kaiserzeit sowie mehr dekorativ auf Sarkophagen und sonstigen Denkmälern (z. B. auf den Giebelreliefs des domitianischen Capitols, Hülsen Röm. Mitt. IV 1889, 251) sieb findenden bildlichen Darstellungen der Mondgöttin zeigen keine ausgeprägte eigene Darstellungsform für die römische Göttin, sondern geben, indem sie sie bald auf dem Zweigespann fahrend (die seit Pheidias der griechischen Kunst geläufige Dar-1 Stellung der auf einem Maultiere reitenden Göttin ist auf römischen Denkmälern nicht nachweisbar, wird aber durch Paul. p. 148 M. [135, 12 Linds.] mulus vehiculo Iunae habetur bezeugt), bald stehend mit Fackel, Halbmond oder über dem Kopfe gebauschtem Schleier darstellen, nur die griechischen Bilder der Selene (s. d.) mit allerhand Variationen wieder.


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