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Schriftsteller

HarryMulisch

Harry Mulisch (2010)Harry Kurt Victor Mulisch (* 29. Juli 1927 in Haarlem; † 30. Oktober 2010 in Amsterdam) war ein niederländischer Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Werke
3 Auszeichnungen
4 Adaptionen
4.1 Verfilmungen
4.2 Hörspiele
4.3 Hommage
5 Weblinks
6 Einzelnachweise

Leben [Bearbeiten]
Harry Mulisch war der Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers und einer Frankfurter Jüdin. Sein Vater Karl Viktor Kurt Mulisch war während der Zeit der deutschen Besetzung der Niederlande (1940-45) Personaldirektor einer Bank, die konfisziertes jüdisches Eigentum verwaltete. Für diese Tätigkeit musste der Vater nach dem Krieg drei Jahre in ein Internierungslager. Allerdings konnte er durch diese Position seine jüdische Ex-Gattin und den Sohn vor den Nationalsozialisten und der Deportation schützen, während Mulischs Großmutter und Urgroßmutter mütterlicherseits im KZ Sobibor ermordet wurden. 1936 ließen sich seine Eltern scheiden; Harry Mulisch wohnte bei seiner Mutter und wurde großenteils durch die Hausangestellte Frieda Falk erzogen. Nach dem Umzug der Mutter nach Amsterdam lebte er bei seinem Vater in Haarlem.[1]

Diese Bindung Mulischs zwischen Verfolgung wegen seiner jüdischen Herkunft einerseits (über die Mutter) und der Kollaboration mit den nationalsozialistischen deutschen Besatzern andererseits (über den Vater) prägte ganz erheblich sein schriftstellerisches Werk. Mulisch behauptete von sich aufgrund dieser Verbindung, er sei der Zweite Weltkrieg („Ik ben de Tweede wereldoorlog“).


Mulisch besuchte von 1933 bis 1939 die Grundschule in Leiden und wechselte daraufhin auf das Christliche Lyceum in Haarlem, das er im Mai 1945 ohne Abschluss verließ. Im Alter von 18 Jahren veröffentlichte er seine erste Geschichte.

Neben der Arbeit als Schriftsteller war Mulisch von 1958 bis 1962 als Redakteur für die Zeitschrift Podium tätig und arbeitete für die Zeitschriften Randstad (19611969) und De Gids (1965-1990). Ab 1962 war er Vorstandsmitglied des einflussreichen Literaturverlags De Bezige Bij.

Mulisch war 1961 Berichterstatter beim Eichmann-Prozess in Israel. Daraus entstand seine Reportage Strafsache 40/61, die 1963 mit dem Vijverberg-Prijs ausgezeichnet wurde. Seit 1962 war er mit Hannah Arendt befreundet, die ebenfalls Prozessbeobachterin war und das Werk Eichmann in Jerusalem verfasst hat.

In den 1960er und 1970er Jahren engagierte sich Mulisch öffentlich gegen den Kalten Krieg und Vietnamkrieg und war zeitweise Anhänger der niederländischen Provo-Bewegung. Ab Anfang der 1980er Jahre beteiligte er sich an der niederländischen Friedensbewegung.[2]

Weltweite Beachtung fanden seine Romane Das Attentat (1982), in dem es um die Folgen der Ermordung eines mit dem NS-Regime kollaborierenden niederländischen Polizisten geht, sowie Die Entdeckung des Himmels (1992), in dem das Verhältnis von Wissenschaft und Religion auf mystische Weise behandelt wird.

In der niederländischen Nachkriegsliteratur war oft von dengroßen Dreidie Redegemeint sind Willem Frederik Hermans, Gerard Reve und Harry Mulisch. Mulisch nannte sich nach dem Tod Hermans' und der fortschreitenden Demenzerkrankung Reves manchmal scherzhaft dengroßen Einen“ („de grote Eén“).

Das literarische Schaffen Mulischs umfasst ein weites Spektrum aus journalistischen Arbeiten, Erzählungen, Romanen, Dramatik, Lyrik, Opernlibretti und philosophischen Essays.

Harry Mulisch zog nach dem Tod seines Vaters 1958 nach Amsterdam. 1971 heiratete er die 21 Jahre jüngere Sjoerdje Woudenberg. Mulisch war Vater von zwei Töchtern und einem Sohn.

Im Jahr 2002 wurde ihm vom Deutschen Botschafter in Amsterdam das Bundesverdienstkreuz erster Klasse für Das Attentat und Die Entdeckung des Himmels aufgrund derwichtigen Vermittlerrolle seiner Werkeverliehen.

Werke [Bearbeiten]
Siegfried (Siegfried. Eine schwarze Idylle, 2001, Roman) ISBN 3-446-20090-8
Het Theater, de Brief en de Waarheid (Das Theater, der Brief und die Wahrheit. Ein Widerspruch, 2000, Novelle), ISBN 3-499-23209-X
De Procedure (Die Prozedur, 1999, Roman) ISBN 3-446-19692-7
De Ontdekking van de Hemel (Die Entdeckung des Himmels, 1992, Roman) ISBN 3-446-17377-3
Het beeld en de klok (1989, Das Standbild und die Uhr, 1996, Erzählungen), ISBN 3-499-22035-0
Voorval (1989, Vorfall, 1993, Fünf Erzählungen), ISBN 3-499-13364-4
De Elementen (Die Elemente, 1988, Roman) ISBN 3-499-13114-5
De Pupil (Augenstern, 1987, Roman) ISBN 3-446-15396-9
Hoogste Tijd (Höchste Zeit, 1985, Roman) ISBN 3-499-23334-7
De Aanslag (Roman, 1982, deutsch: Das Attentat, 1986) ISBN 3-499-22797-5
Opus Gran (1982, Gedichte)
Oude Lucht (1977, Erzählungen)
Kind en Kraai (1975, Gedichte)
Twee Vrouwen (Zwei Frauen, 1975, Roman) ISBN 3-499-22659-6
Tegenlicht (1975, Gedichte)
Mijn Getijdenboek (1975, Autobiographie)
De vogels (1974, Gedichte)
Woorden, woorden, woorden (1973, Gedichte)
Het seksuele bolwerk, Zin en waanzin van Wilhelm Reich (Das sexuelle Bollwerk, Sinn und Wahnsinn von Wilhelm Reich, 1973, Essay) ISBN 3-499-22435-6
Oidipous Oidipous (1972, Theaterstück)
De toekomst van gisteren (Die Zukunft von gestern, Betrachtungen über einen ungeschriebenen Roman, 1972) ISBN 3-923118-39-2
De Verteller (1970, Roman)
Bericht aan de Rattenkoning (1966, Essay)
De Zaak 40/61 (Strafsache 40/61, 1962, Reportage über den Eichmann-Prozess in Jerusalem) ISBN 3-7466-8016-6
Zelfportret met Tulband (Selbstportrait mit Turban, 1961, Autobiografischer Roman) ISBN 3-499-13887-5
Tanchelijn (1960, Theaterstück)
Het Stenen Bruidsbed (Das steinerne Brautbett, 1959, Roman) ISBN 3-518-22192-2
Het Zwarte Licht (1956, Schwarzes Licht, 1962, Roman)
De Sprong der Paarden en de Zoete Zee (1955, Novelle)
De Diamant (1952, Der Diamant, 1961, Roman)
Archibald Strohalm (1951, Archibald Strohalm, 2004, Roman), ISBN 3-499-24104-8
Die Säulen des Herkules (Essays) ISBN 3-499-22449-6
Auszeichnungen [Bearbeiten]
1952: Reina Prinsen Geerligspreis für Archibald Strohalm
1957: Bijenkorf-Literaturpreis für Het Zwarte Licht
1957: Anne Frank-Preis für Archibald Strohalm
1960: De Visser Neerlandiapreis für Tanchelijn
1961: Athos-Preis
1963: De Vijverbergpreis für De Zaak 40/61
1977: Constantijn Huygenspreis der Stiftung Jan Campert
1977: P.C. Hooft-prijs
1977: Ritter des Ordens von Oranien-Nassau
1978: Niederländischer Staatspreis für Literatur
1986: Diepzee-Preis für De aanslag
1992: Offizier des Ordens von Oranien-Nassau
1993: Multatulipreis der Gemeinde Amsterdam für De ontdekking van de hemel
1993: Mekkapreis der Literaturkritiker in den Niederlanden und Flandern für De ontdekking van de hemel
1995: Niederländischer Literaturpreis
1999: Prix Jean Monet de Littérature Européenne
1999: Libris-Literaturpreis für De procedure
2002: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Adaptionen [Bearbeiten]
Verfilmungen [Bearbeiten]
1977: Liebe ohne Skrupel (Twee vrouwen) – Regie: George Sluizer
1986: Der Anschlag (De aanslag; nach dem Roman Das Attentat) – Regie: Fons Rademakers. Die Verfilmung erhielt 1987 den Oscar für den besten fremdsprachigen Beitrag.
2001: Die Entdeckung des Himmels (De ontdekking van de hemel) – Regie: Jeroen Krabbé
Hörspiele [Bearbeiten]
2005: Das steinerne Brautbett (Bearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer, Produktion: MDR)
Hommage [Bearbeiten]
2007: In Koen Mortiers Verfilmung des Buches Ex Drummer von Herman Brusselmans wurde eine Metal-Band nach Harry Mulisch benannt.
Weblinks [Bearbeiten]
Commons: Harry Mulisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Homepage (niederländisch und englisch)
Literatur von und über Harry Mulisch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Harry Mulisch in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
»Hitler war ein schwarzes Loch« - Günter Kaindlstorfer im Gespräch mit Harry Mulisch erschienen in Der Standard
Harry Mulisch – eine mehrteilige Würdigung bei Einseitig.info
Kritische Rezension aus »Schreibheft« über seine Bücher, die den Nationalsozialismus thematisieren
Einzelnachweise [Bearbeiten]
1.↑ Mulisch-Biographie beim Online-Informationsportal NiederlandeNet
2.↑ vgl. Korte, Hermann: Harry Mulisch. In: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur (aufgerufen am 31. Oktober 2010 via Munzinger Online)
Normdaten: PND: 118920766 (PICA) | LCCN: n79109076 | VIAF: 4941285 | WP-Personeninfo
Personendaten
NAME Mulisch, Harry
KURZBESCHREIBUNG niederländischer Schriftsteller
GEBURTSDATUM 29. Juli 1927
GEBURTSORT Haarlem
STERBEDATUM 30. Oktober 2010
STERBEORT Amsterdam
Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Mulisch“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (21. Jahrhundert) | Literatur (Niederländisch) | Roman, Epik | Drama | Essay | Novelle | Erzählung | Autobiografie | Sachliteratur | Lyrik | Träger des Bundesverdienstkreuzes (1. Klasse) | Niederländer | Geboren 1927 | Gestorben 2010 | Mann


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