Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Guajira«
Bria schrieb am 14.1. 2018 um 13:02:34 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Ich wollte eigentlich von Nuo Líng mehr erfahren über Ozan, diesen mongolischen Schamanen. Stattdessen fragt er mich über ihn aus, weil ich ihm neulich begegnet bin.
Merkwürdig war dieser Ton, eine Art von Räuspern, den Ozan von sich gab, so ein energisches »hḿ!«
Zum Beispiel, als er aus einem Sack Maracuyas auf den Boden schüttete, bedeutete dieser Ton: »da! nimm dir eine!«
Oder als er meinen Knöchel packte, den, der mir immer weh tat, und zudrückte.
Im Grunde klingt dieses »hḿ!«, als ob in einer Art Hohlraum im Innern von Ozan zwei Steine aneinander stießen.
»Genau!« sagte Nuo Líng. »Ozan redet oft von Steinen! Jeder Stein hat nämlich eine Ober- und eine Unterseite! Manchmal liegt ein Stein verkehrt, das hat dann etwas zu bedeuten. Ein Stein darf nie verkehrt liegen! Nicht allerdings, wenn man Steine zu einer Mauer aufschichtet. Dann müssen sogar genausoviel Steine richtig wie verkehrt liegen, sonst hält die Mauer nicht.«
07:01:25 COT
Sonntag, 14. Januar 2018
Bria schrieb am 3.12. 2017 um 15:25:19 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Er, mein Gegenüber, bestellt sich gerade das Frühstück. Ich bin fertig damit, klappe mein Laptop auf, schreibe, beobachte ihn. »Der Zollinspektor!« war mein erster Eindruck, dabei ist er Tourist, Jeansjacke, T-Shirt, was zu lesen war, könnte ein Stück CHICAGO sein. Sagte kurz »hello«, bevor er sich setzte, ist momentan in sein Smartphone vertieft.
Mein erster Eindruck: es ist eine Attrappe, das Smartphone. Weiß nicht, warum, ist aber so, ich hoffe, er legt es bald zur Seite.
Denke ich mir den 3-Tage-Bart fort, den Schnurrbart hinzu, da ist er wieder: der Zollinspektor.
Hält mich entweder für doof und glaubt, an meinem Tisch kann er in Ruhe frühstücken.
Oder, er denkt, ich bin besonders schlau, und wenn ich nichts merke, merkt niemand was.
Wir redeten ein wenig, er ist aus Puerto Rico.
Es heißt, wer behauptet, er kommt von dort, will seine Herkunft verbergen. Woher ich das weiß? Von Toto, dem Chef vom »Roadhouse«. Er kommt auch von dort (angeblich) und muss es wissen.
Inzwischen bin ich wegen »Zollinspektor« wieder unsicher.
Bin müde, ständig einen Verdacht hegen strengt an.
09:24:45 COT
Sunday, 3 December 2017
Benjamin Beispiel schrieb am 9.12. 2017 um 21:23:24 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Einmal im Jahr nur kommen Gäste; daher kann ich im Gästehaus der Schule wohnen.
Nun ist es soweit: ein Gast ist angekommen und bleibt bis Dienstag. Ein Beamter vom Ministerio de Educación in Bogotá. Ihm wird jährlich einmal eine Dienstreise in die Guajira gegönnt (sagt Cecilia, die Schulleiterin).
Und ich wohne jetzt bei Leon.
War noch nie bei denen. Die Wohnung ist von Cecilias Patio her zugänglich.
Gleich am Eingang die ganzen nach Tier, Mensch und Leder riechende Reitsachen von Nuo Ling. Stiefel, Hose, Sattel, Zaumzeug.
Es gibt nur den Wohn- und Arbeitsraum und das Schlafzimmer.
Die ganze Wand entlang ein Tisch, darauf ein Chaos von Schulbüchern und Schulheften. Und Leon am Laptop.
Und nur das Laptop interessiert mich jetzt. Ein robustes Teil in oliv, dickes Kabel zu einem Router, ist wohl ein Router, von Router ein dickes Kabel zu einem aufgespannten Regenschirm, der liegt auf dem Boden, ist nach oben geöffnet, ist also eine Satellitenantenne.
Was für eine schnelle Verbindung! Und ich am WLAN vom »Roadhouse« muss minutenlang auf Antwort warten!
Leon: »Google-Maps schickt erst das Bild, und löscht es hinterher. Habe mich xmal beschwert, die reagieren nicht. Du mit deinem langsamen Gerät konntest was von Mora sehen! Wir sehen gar nichts. Und so soll es auch sein!«
Er zeigt auf die alte Seekarte an der Wand, und zeigt mir, zwischen den Großen und Kleinen Antillen die Nukleiden samt Mora. Die sind teils gedruckt, teils handschriftlich korrigiert.
»Klar darfst du an unser Laptop!« sagt Leon. Und schaut aufmerksam zu.
15:23:10 COT
Saturday, 9 December 2017
Bria schrieb am 2.2. 2018 um 16:29:44 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Niemand sieht der Zukunft so fröhlich entgegen wie Coco. Sie hat alle Details des neuen »Roadhouse« in Puertamora schon im Kopf. Sie zeigte mir sogar einen Stadtplan von Puertaomora, eine Kopie jedenfalls, einen Ausschnitt, auf der etwas rot umrandet ist, das im Moment noch eine ungenutzte Lagerhalle ist.
Und dann sagt sie: »das ist nicht weit von eurem Excelsior!«
Erstens. Gehöre ich tatsächlich dazu? »Euer Excelsior«. Bislang hat mich noch niemand in ein Excelsior eingeladen.
Zweitens. Es gibt also Stadtpläne von Puertomora. Ich habe noch nie einen zu Gesicht bekommen.
Ist meine Schuld. Ich kenne sie alle, diese Verbündeten. Nuo Líng, Leon, Timna. Und deren ferne Anverwandte, die jetzt schon in Cartagena sind: Cato, Ozan, Yael. Zwar, ich fühle mich allen irgendwie zugehörig.
Ich mische mich nicht gern ein, immer bleibe ich etwas distanziert.
Kein Wunder, wenn ich heute so etwas geträumt habe: ich bin zu Hause, auf dem Savignyplatz, es ist Nacht. Obwohl es nicht regnet, wird das Pflaster immer wieder überspült, wie von den letzten Ausläufern einer Brandung. Hier wohnte ich früher, jetzt nicht mehr. Und weiß nicht, wohin.
10:30:22 COT
Bria schrieb am 17.2. 2018 um 21:20:47 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Wir, Nuo Líng und ich, haben uns im »Imoro« (vormals »Roadhouse«) getroffen und und testen das Essen. Chefin Patricia preist es als »Comida muy auténtica de la Guajira« an.
Wir hatten lange draußen auf der Veranda Airhockey gespielt. Man muss dabei sehr schnell sein, ich bin schnell, aber Nuo Líng ist noch schneller. Jedenfalls sind wir durstig, hungrig, und werden nur langsam mit winzigen Portionen versorgt, alles Vorspeisen. Wir haben ein gemeinsames Lieblingsgetränk, das ist frischer Kokossaft mit frisch ausgepressten Limonen.
Wir überbrücken das Warten mit dem gemeinsamen Studium der jüngst eingetroffenen Ausgabe der rosa »Mora Post« von Mitte Januar. Die Schlagzeile der ersten Seite, fetter als sonst, betrifft die Inbetriebnahme einer großen Radio-Parabolantenne, die im Innern des Kraters der Insel Bunden aufgespannt wurde.
Nuo Líng meint wohl, ich als Paläontologin hätte von derlei keinerlei Ahnung und holt weit aus, um mir die Bedeutung einer Antenne begreiflich zu machen, die auf einen geostationären Satelliten gerichtet ist, und der gehört, wie er ganz sicher weiß, einem guten Freund von Leon, einem privaten Unternehmer namens Elon.
Ich musste Nuo Líng gar nicht bremsen, das Essen kam, duftender Fischcurry auf Yamswurzel.
15:19:54 COT
Bria schrieb am 1.1. 2018 um 10:54:39 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Sonntag abend, Blick aufs Meer, Sonnenuntergang, Kaffee, Zigarette, das war 2017 das Ritual.
Noch ein letztes Mal, aus Ästen des Dornstrauchs, mache ich Feuer, koche ich Kaffee.
Warte, bis es dunkel genug ist, dann mache ich aus dem dürren Dornstrauch eine einzige große Fackel. Wind kommt auf, Funkenregen Richtung Meer!
Das Feuer knistert und knallt, ich konnte sie nicht hören - mit einem Mal erscheinen drei Reiter. Vielleicht vom Feuer angelockt. Voran eine Reiterin, dann ein Reiter, dann ein Pferd mit Gepäck und Kind. Kommen näher, halten an, sitzen ab.
Ich rufe: hier gibt es Kaffee!
Sie sind müde. Machen sich am Gepäck zu schaffen. Kommen zu mir und breiten Decken aus.
Sitzen da, sagen kein Wort. Das Kind: ein Mädchen, 12 etwa. Schauen aufs Meer hinaus.
Er hat ein Tamburin! Schlägt es leicht mit dem Rand gegen den Boden, in einem langsamen Takt.
Das ist eigentlich Unterhaltung genug. Aus einem Beutel schüttelt er Maracuyas. Er packt mich am Fuß!
Wie kann er wissen, dass er verletzt ist? Er umfasst mit beiden Händen den Knöchel. Es tut weh, es tut gut.
Von ihr ein paar Fragen.
Ja, das hier ist Las Acacias.
Ich studiere. Paläontologie.
Leon kenne ich!
Nicht besonders gut.
Übrigens wechselten wir gleich von spanisch auf deutsch. Wir nennen unsere Namen. Weil ich Tagebuch führe, muss ich die Schreibweise wissen. Damit es mir nicht geht wie mit Leon, eigentlich Lion (aber alle hier sagen León) (nicht Nuo Líng, der sagt Líon.)
Es meldet sich das Mädchen, sie heißt Yael, ich verstehe die Sprache nicht.
Sie fragt nach Nuo Ling!
Der Strauch glimmt immer noch, knackt, knistert. Kleine Explosionen, Funken sprühen.
Sie loben meinen Kaffee und brechen auf. Sie wollen noch eine Hacienda erreichen. Dort wird Silvester gefeiert, dort wird übernachtet. Dann geht es weiter bis Cartagena.
Es gibt noch Streit. Yael will unbedingt in Las Acacias übernachten ... doch man muss weiter ... Yael rennt davon ...
… und kommt und stürmt auf mich zu und drückt sich an mich. Geruch nach Leder, saurer Milch, Maracuyas.
Holt aus ihrer Jacke eine Halskette hervor, reißt etwas ab, drückt es mir in die Hand. Ich verstehe, für Nuo Ling. Für Nuo Ling? Sie nickt und rennt zurück.
Eine Goldmünze! Eine schöne fünfstrahlige Blüte. Auf der andern Seite eine Schrift, nicht zu entziffern.
04:54:12 COT
Montag, 1. Januar 2018
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