Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Guajira«
Bettina Beispiel schrieb am 9.1. 2018 um 20:16:22 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Am Silversterabend hatte ich ganzen Dornstrauch abgefackelt, der mir 2017 das Feuerholz geliefert hatte, wenn ich mir meinen Sonntags-Sonnenuntergangs-Kaffee braute. Dies und mehr musste ich umgehend Nuo Líng berichten, und fand ihn in der nächtlich leeren Schule, im Sekretariat.
Er spürte gleich, dass etwas besonderes vorgefallen war, und so spazierte ich mit ihm den selben Weg wieder zurück.
Vom »Roadhouse« kam Musik, kam Gelächter und Geschrei. Ganz finster war es nun. Den Weg weiß ich auswendig, Nuo Líng folgt mir.
Ich berichte von den drei Reitern, von dem Mann mit den heilkräftigen Händen (Nuo Líng: »das war Ozan!«) und dass dieser Ozan mit Tamburin eine Musik gemacht habe.
Wie lange das dauerte, will Nuo Líng wissen. »Man muss gut zuhören! Lange zuhören! Darf kein Wort reden!«
Dann können wir es riechen: der Dornstrauch schmort noch vor sich hin.
Wir sind angekommen, schauen aufs Meer. Am Horizont ist noch rötliches Licht.
Nuo Líng riecht noch etwas! Es müssen in der Nähe ein paar Pferdeäpfel liegen. Und Maracuyas riecht er auch. Die Reiter hatten sie mitgebracht, die ausgelutschten Maracuyas liegen noch umher.
Jetzt erst fällt mir ein, warum ich gleich zu Nuo Líng musste: die goldene Münze!
Mein Herz klopft, ich muss mich hinsetzen.
Nuo Líng setzt sich neben mich.
Pustet in den kokelnden Dornbusch, wo es gleich wieder aufglüht.
Ich zeige ihm die Münze. Unsere Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt: sie blinkt golden.
»Die hat mir das kleine Mädchen gegeben! Für dich!«
Warte, sagt Nuo Líng. Öffnet seine Jacke.
Knöpft sein Hemd auf, und siehe da, auch er - wie das kleine Mädchen - trägt eine Kette aus Münzen. Schau, sagt er, legt einen Arm um mich.
Ich spüre seine Wärme, rieche seinen Duft. Seine Kette ist aus ebensolchen Münzen wie die des Mädchens. Schau genau her! sagt Nuo Líng. Seine Münzen sind aus Silber, die des Mädchens aus Gold.
Wir gehen zurück, hoch in der Luft trägt uns der Wind leuchtende Himmelslaternen entgegen.
14:16:14 COT
Dienstag, 9. Januar 2018
Bria schrieb am 15.12. 2017 um 20:54:01 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Ernesto, der Mann von Cecilia (Schulleiterin der »Escuela Lion Hug«) verrichtet allerlei Dienste, fährt auch immer den Schulbus. Wenn der Bus eine Weile nicht gebraucht wird, macht Ernesto mit mir Erkundungsausflüge.
Gestern die Pferdekoppel des »jungen Herrn« (joven caballero), es ist Nuo Líng gemeint.
Eine große Koppel, ein hässlicher Zaun aus Betonpfählen und Stacheldraht. Wir halten irgendwo, steigen die Böschung hoch. Jetzt erst sehen wir Pferde, jede Menge Pferde. Und einen jungen Mann mit einem kleinen Hund im Arm.
„Besuch für den jungen Herrn!“ ruft Ernesto ihm zu. Der dreht sich bloß um, ruft noch lauter: „Besuch für den jungen Herrn!“
Es tut sich aber nichts. Da steht der Bursche und streichelt seinen Hund.
Ernesto: „Bria ist hier und will den jungen Herrn sehen!“ Ich: "und Ernesto!“
„Bria“ nenne ich mich erst seit kurzem. Jetzt höre ich diesen Namen rufen, nah und fern.
Da erkenne ich Nuo Ling, fest im Sattel, hält aber nicht Zügel, sondern ein Klemmbrett in der Hand, blättert und liest, während er reitet, kommt näher und ist da. Begrüßt uns, nicht gerade überschwänglich.
Sehr interessiert ist seine Stute. Diese Stute schaut ernst und aufmerksam herüber zu mir.
Später fahren wir am Eingang der Koppel vorbei, wo ein paar Autos parken. Das eiserne Tor verschlossen, niemand.
Es ist grün gestrichen, in der Mitte, durch die Torflügel geteilt, ein gelber Stern. Links und rechts daneben schwarz gestrichene Ölfässer.
Ernesto: „der junge Herr ist sehr stolz“ (orgulloso).
14:53:57 COT
Friday, 15 December 2017
Bria schrieb am 30.1. 2018 um 17:55:58 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Sie sind also heute zurückgekehrt und gleich in Cecilias Haus verschwunden. Nuo Líng, Timna, und dieser FARC-Kommandant.
Ich bin ja überhaupt nicht neugierig und spaziere ganz gelassen zu dem Jeep, der sie hergebracht hat.
Da raucht jemand und lehnt sich dabei an das Fahrzeug, das nah besehen ziemlich mitgenommen aussieht. Für militärische Verwendung spricht eigentlich nur der gefleckte Anstrich und eine übergroße Antenne auf dem Dach. Der Fahrer, es muss wohl der Fahrer sein, steckt in wenig zusammenpassenden Uniformteilen. Ist ein finsterer Indio und scheint unnahbar.
Als sein Chef zurückkehrt, wirft er die Zigarette weg und nimmt Haltung an.
Nun will ich wissen, ob dieser hagere Offizier, der Johnny genannt wird, identisch ist mit einem anderen Johnny, der an Silvester im Roadhouse musiziert hat.
Ich stelle mich also auch ganz senkrecht hin und rufe: hola Johnny!
Er wollte schon einsteigen, der Fahrer hat die hintere rechte Tür aufgerissen, da schwingt er sich wieder hinaus. Steht da, schaut mich blinzelnd an, sagt nichts.
Da der Silvester-Johnny lange Haare hatte bis zur Schulter, imitiere ich ein Haare-Zurückwerfen und seitlich über die Schulter wieder nach vorne streifen.
Es sieht einen Moment lang aus, als ob Señor Comandante lachen müsste. Er nimmt seine Basecap ab, der Schirm ist mit einem Goldstreifen dekoriert, zeigt mit einem Anflug von Bedauern auf seinen fast kahlrasierten Schädel, steigt wieder ein. War übrigens genauso leger angezogen wie sein Fahrer.
Sie fahren aber nicht ab. Ich wartete noch eine Weile, bis es mir langweilig wurde.
11:55:11 COT
Bria schrieb am 1.1. 2018 um 10:54:39 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Sonntag abend, Blick aufs Meer, Sonnenuntergang, Kaffee, Zigarette, das war 2017 das Ritual.
Noch ein letztes Mal, aus Ästen des Dornstrauchs, mache ich Feuer, koche ich Kaffee.
Warte, bis es dunkel genug ist, dann mache ich aus dem dürren Dornstrauch eine einzige große Fackel. Wind kommt auf, Funkenregen Richtung Meer!
Das Feuer knistert und knallt, ich konnte sie nicht hören - mit einem Mal erscheinen drei Reiter. Vielleicht vom Feuer angelockt. Voran eine Reiterin, dann ein Reiter, dann ein Pferd mit Gepäck und Kind. Kommen näher, halten an, sitzen ab.
Ich rufe: hier gibt es Kaffee!
Sie sind müde. Machen sich am Gepäck zu schaffen. Kommen zu mir und breiten Decken aus.
Sitzen da, sagen kein Wort. Das Kind: ein Mädchen, 12 etwa. Schauen aufs Meer hinaus.
Er hat ein Tamburin! Schlägt es leicht mit dem Rand gegen den Boden, in einem langsamen Takt.
Das ist eigentlich Unterhaltung genug. Aus einem Beutel schüttelt er Maracuyas. Er packt mich am Fuß!
Wie kann er wissen, dass er verletzt ist? Er umfasst mit beiden Händen den Knöchel. Es tut weh, es tut gut.
Von ihr ein paar Fragen.
Ja, das hier ist Las Acacias.
Ich studiere. Paläontologie.
Leon kenne ich!
Nicht besonders gut.
Übrigens wechselten wir gleich von spanisch auf deutsch. Wir nennen unsere Namen. Weil ich Tagebuch führe, muss ich die Schreibweise wissen. Damit es mir nicht geht wie mit Leon, eigentlich Lion (aber alle hier sagen León) (nicht Nuo Líng, der sagt Líon.)
Es meldet sich das Mädchen, sie heißt Yael, ich verstehe die Sprache nicht.
Sie fragt nach Nuo Ling!
Der Strauch glimmt immer noch, knackt, knistert. Kleine Explosionen, Funken sprühen.
Sie loben meinen Kaffee und brechen auf. Sie wollen noch eine Hacienda erreichen. Dort wird Silvester gefeiert, dort wird übernachtet. Dann geht es weiter bis Cartagena.
Es gibt noch Streit. Yael will unbedingt in Las Acacias übernachten ... doch man muss weiter ... Yael rennt davon ...
… und kommt und stürmt auf mich zu und drückt sich an mich. Geruch nach Leder, saurer Milch, Maracuyas.
Holt aus ihrer Jacke eine Halskette hervor, reißt etwas ab, drückt es mir in die Hand. Ich verstehe, für Nuo Ling. Für Nuo Ling? Sie nickt und rennt zurück.
Eine Goldmünze! Eine schöne fünfstrahlige Blüte. Auf der andern Seite eine Schrift, nicht zu entziffern.
04:54:12 COT
Montag, 1. Januar 2018
Bria schrieb am 12.12. 2017 um 20:13:45 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Gestern, im Roadhouse, Kerzenlicht, sehr spät schon, ich musste einfach hinaus.
Da stand ich dann im Finstern, und von oben hatte Leon mir etwas zugerufen.
Oben, weil das Roadhouse auf Pfählen steht.
Hatte nichts verstanden, weil der Generator ratterte.
Nah und fern rattern Generatoren, wenn der Strom weg ist.
Coco hatte von Kaliba abgeraten, also habe ich erst recht »con tiro« bestellt.
Nachwirkung bis jetzt (Kopfschmerzen).
Jedenfalls dreht sich die Erde am 12ten Breitengrad schneller als zu Hause am 52ten, ich musste mich hinsetzen.
Oben die Milchstraße, klar wie noch nie zuvor.
Wie rasend wir den Orionarm durchqueren!
Wer direkt unter dem Himmel auf der nackten Erde sitzt, kann das spüren, wenn er sensibel ist.
Sehr bewegt war ich auch von Leons Geständnis, Nuo Ling betreffend. Das größte Glück für ihn ist, wenn er Nuo Ling vor Freude sprachlos machen kann. Vor Freude sprachlos sein, das kann nur Nuo Ling, sagt Leon.
Ich zu Leon: »erzähl mal! Wie machst du das?«
Vielleicht er das mir zugerufen: »sag es aber niemand!«
Jedenfalls, als Nuo Ling zum ersten Mal im Leben das Meer erblickt hatte, war er sprachlos und musste sich hinsetzen.
So wie ich heute Nacht.
Sprachlos vor Freude, das will ich auch einmal sein.
14:13:12 COT
Tuesday, 12 December 2017
ich sagte voilà! und schrieb am 25.10. 2017 um 10:32:02 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Berühmt sind in Las Acacias die Schule von Cecilia (mit einem Kleinbus werden jeden Morgen im großen Umkreis Kinder eingesammelt), und der Billardsalon »Roadhouse«.
Vor Schulbeginn, noch bevor das Roadhouse öffnet (ich habe aber den Schlüssel und mache mir einen Kaffee), finden nahebei Schießübungen statt. Ich habe mich schon daran gewöhnt. Gezielt wird auf einen abgestorbenen Riesenkaktus, genauer: auf Coladosen, die zuvor in Risse und Spalten gesteckt wurden.
Gern schaue ich hinaus und beobachte sie: Leon und Nuo Ling, beide Lehrer an Cecilias Schule - Nuo Líng, er ist erst 14!
(Bald werden sie abreisen und das Land verlassen).
Gestern hörte ich Schüsse von einem ganz anderen Kaliber. Leon, Nuo Ling stritten sich heftig, das Schießen, kaum begonnen, war beendet, in verschiedene Richtungen gingen sie davon.
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