Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) 149, davon 118 (79,19%) mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 77 positiv bewertete (51,68%)
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positiv bewertete Texte
Der erste Text am 24.7. 2002 um 23:56:01 Uhr schrieb
Michael über Abhärtung
Der neuste Text am 20.4. 2012 um 13:03:16 Uhr schrieb
Clemens über Abhärtung
Einige noch nie bewertete Texte
(insgesamt: 9)

am 30.12. 2010 um 22:38:52 Uhr schrieb
SIR über Abhärtung

am 14.3. 2011 um 18:38:13 Uhr schrieb
Susanne über Abhärtung

am 11.4. 2010 um 11:07:55 Uhr schrieb
Die Leiche über Abhärtung

Einige überdurchschnittlich positiv bewertete

Assoziationen zu »Abhärtung«

Martin schrieb am 11.11. 2009 um 19:37:38 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 10 Punkt(e)

Meine Mutter zog mich und meinen Bruder Michael mehrere Jahre allein auf, bis sie erneut heiratete. Damals war ich 8 und Michael 10. Wir zogen bei unserem Stiefvater ein und merkten bald, daß nun ein neuer Wind wehte, denn er war sehr streng.
Michael und ich trugen üblicherweise Jeans, die zu der Zeit schon sehr weit verbreitet hatten, doch unser Stiefvater hielt nichts davon und wollte, daß wir fortan kurze Lederhosen trugen, und dies das ganze Jahr. Natürlich paßte uns das gar nicht, und auch unsere Mutter war nicht wirklich begeistert, und so kam ein »Kompromiß« heraus. Der sah dann so aus: wir durften Jeans tragen - aber immer nur kurze! Im Sommer war das o.k., da hatten wir auch vorher schon kurze Jeans getragen, und viele unserer Mitschüler und Freunde taten es auch. Aber im übrigen Jahr fanden wir das nicht so toll, doch unser Stiefvater blieb unerbittlich. Am schlimmsten war es im Winter. Die Kälte biß regelrecht an unseren nackten Knien und Oberschenkeln, doch daran gewöhnten wir uns nach einer Weile sogar - mehr oder weniger. Richtig unangenehm war es aber, all die mitleidsvollen oder auch spöttischen Blicke auszuhalten, die einen auf der Straße oder in der Schule verfolgten. Wir konnten ja sogar verstehen, daß die Leute uns so anstarrten, wir müssen schon etwas komisch ausgesehen haben, oben mit Schal, Pullover und dicker Jacke gut eingemummelt, und unten dann mit unseren kurzen Jeans. Das war dann die eigentliche Abhärtung: sich an das ständige Geglotze und die eine oder andere Frage zu gewöhnen.
Eine andere Neuerung, die unser Stiefvater bei uns einführte, war der Rohrstock. Auch dagegen gab es erst mal Proteste, und auch hier setzte sich unser Stiefvater durch: wenn Michael oder ich uns daneben benahmen, mußten wir fortan damit rechnen, daß uns der Hintern versohlt wurde; je nach der Schwere der Verfehlung gab es dann zwischen 5 und 10, in seltenen Fällen 12 Hiebe auf den Hosenboden. Allerdings passierte das nur selten, wenn wir mal eine schlechte Note aus der Schule mit nach Hause brachten, waren Schläge nie ein Thema. Aber ich wurde mal verdroschen, als mein Stiefvater mich beim Kokeln in der Garage erwischte, und noch ein paar weitere Male, wo ich mir ähnliche Dinge erlaubt hatte, und Michael ging es ähnlich. Aber gerade weil unser Stiefvater nur so selten und dann auch begründet vom Rohrstock Gebrauch machte, akzeptierten wir das nach einer Weile auch.
Als Michael 16 wurde, erlaubte ihm mein Stiefvater dann endlich, wieder lange Hosen anzuziehen, und zwei Jahre später durfte ich es dann auch tun - nach acht Jahren mit nackten Beinen. Neben den kurzen Jeans trugen wir in der Zeit auch manchmal kurze Stoffhosen oder Turnhosen, aber kurze Lederhosen haben wir beide nie getragen.

Martin schrieb am 1.8. 2008 um 09:29:45 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 10 Punkt(e)

Abhärtung heute und damals - es ist nicht alles gelogen, Jochen und Winfried!

Kürzlich fand ich einen Hinweis auf das französische Pfadfinder-Internat Riaumont, wo Jungs den ganzen Winter hindurch kurze Lederhosen (!) tragen müssenein echter Anachronismus heutzutageleider! Es gibt nette Fotos davon im Internet. Sie zeigen, was in meiner Jugend nicht ungewöhnlich war: Abhärtung gegen Kälte! Kurze Hosen zu Uniform auch im Winter gab es in speziellen NS-Internaten (Napola) und zum Teil im HJ-Dienst. Es gab auch Väter, die dem „Gelobt sei, was hart macht“ huldigten und von ihren Sprösslingen auch bei kaltem Wetter eine sehr spartanische Kleiderordnung verlangten. Aber die meistenrichtigenJungs fanden das gut.
Einigen harte Bengel meiner Generation härteten sich aus eigenem Antrieb ab, und zu denen wollten meine beiden Brüder und ich auch zählen! Ich erinnere mich an regelrechte Wettbewerbe um die kurzen Hosen unter den sportlichsten Jungswer trägt sie im Spätherbst als Letzter oder im Vorfrühling als Erster, wer trotzt sie gar einer nicht all zu besorgten Mutter sogar im tiefen Winter ab.
In meinem Elternhaus waren, als ich noch klein war, allerlei Tricks notwendig, um den eigenen Willen durchzusetzen: Ich brachte Schulkameraden mit nach Hause, die immer noch oder schon wieder ihre möglichst ausgewachsenen Lederhosen anhatten – und hatte damit meistens Erfolg.
Meine Mutter verstarb Mitte des 2. Weltkrieges, da waren meine Brüder und ich zwischen 7 und 11 Jahre alt. Wir Rabauken brauchten eine feste Hand. So heiratete unser Vater bald wieder. Die Stiefmutter war resolut und sorgte dafür, dass wir spurten. Der Rohrstock trat häufiger als uns lieb war in Aktion. Wir besaßen alle drei Lederhosen, gebrauchte, von älteren Jungen abgelegte. Die Lederhosen durften wir von ihr aus auch im Winter anziehen. Für ganz scharfen Frost hatten wir Trainingshosen. Aber sie bestand darauf, dass die im Haus und in der Schule abgelegt wurden. Und sonntags trugen wir immer die kurze Anzughose, auch im Freien.
Die ausgebeulten Trainingshosen sahen doof aus. Mein großer Bruder besaß als Pimpf eine Winteruniform mit langer Überfallhose, aber die verbrannte wie auch unsere Sonntagshosen als wir im Herbst ´44 ausgebombt wurden. Die ersten Nachtfröste ignorierten damals viele Jungen. Manche kannten Stichtage wie den 1. November, härter erzogene den 1. Dezember für die langen Hosen. Wir nicht. Mit blaugefrorenen nackten Oberschenkeln und Knien trotzen wir dem Winterwetter. Erst knackiger Dauerfrost trieb uns tageweise in die Trainingshosen. Solange ich in die Volksschule ging hatte ich nur einen kurzen Weg. Ins Gymnasium war es weit zu laufen oder, nach der Währungsreform, mit dem ersten eigenen Rad zu fahren. Im Winter biss die eisige Kälte in die bloße Haut. Rückblickend habe ich vergessen, ob ich darunter gelitten habe. Wir hielten es gemeinsam aus ohne krank zu werden, genossen aber die anerkennenden Blicke und Worte mancher Lehrer, Nachbarn und der Schulkameraden.
War unsere Abhärtungs-Manie gesundheitsschädlich? Damals sicher nicht. Heute, im Zeitalter der geheizten Kinderschlafzimmer mag man anders darüber denken. Wir Jungs der 40er/50er Jahre wollten uns was beweisen! Man mag das durchaus als vorpubertären Unfug bezeichnen. War es ja auchund doch erinnere ich alter Mann mich gern daran und bin ein bisschen traurig, wenn mein Enkel im Hochsommer in seinem 7/8-Schlabberhosen daherkommt.




mcnep schrieb am 21.2. 2009 um 09:52:00 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 16 Punkt(e)

Irgendjemand sollte endlich mal den Mut haben, auszusprechen, dass das habituelle Tragen von kurzen Lederhosen, wie es bei Jungen bis in die frühen 70er üblich war (in der Eifel, Niederbayern und einigen Seitentälern der Rhön bis weit in die 80er), primär der Faulheit der Mütter geschuldet war, die allen Persilidyllen der Werbewelt zum Trotz doch lieber moncheriefressend auf dem Sofa lungerten, als ihren hyperaktiven Dreckspätzen alle naselang die Beinkleider zu waschen und zu bügeln. Dass die Schlampen dadurch, zumal in Verbindung mit den oftmals brachialen Erziehungs'methoden', die ihre Besamer und sie selbst an den Schutzbefohlenen ausübten, bei einem Gutteil der pädagogischen Opfer sexualneurotische Störungen hervorriefen, war der Mehrheit der dallidallidummen Tachteler egal; schließlich musste die Eichenschrankwand von Quelle noch abbezahlt werden, da waren übermäßige Bekundungen von Lebensfreude ein keinesfalls zu duldendes Störelement im heimeligen Familienlager.

Christian schrieb am 11.3. 2010 um 15:39:44 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 12 Punkt(e)

Ein gesundes Mißtrauen gegenüber allen Geschichten, in denen jemand erzählt, er hätte dereinst im Winter kurze Hosen getragen (tragen müssen) ist sicherlich angebracht. Es muß aber nicht zwangsläufig geschwindelt sein. Immerhin gibt es im französischen Riaumont eine Einrichtung für Jungen, halb Schule, halb Pfadfinderdorf, in der die Jungen ganz offensichtlich tatsächlich ganzjährig in kurzen Lederhosen herumlaufen. Als ich erstmals davon las (der Ort Riaumont war nicht erwähnt worden), habe ich das natürlich nicht geglaubt. Bis ich auf diese Seite stieß:

http://www.riaumont.net/

Dort gibt es auch ein Fotoalbum mit entsprechenden Winterbildern:

http://www.riaumont.net/village/activites/albums/neige_photo_album/

Was man davon halten mag, ist ja eine Sache - für mich wäre derjenige, der sich derlei ausgedacht hat, ja eher ein Kandidat für die Plemplem-Medaille. Aber zumindest sieht man daran, daß es bizarre Abhärtungsmethoden in der Erziehung tatsächlich gegeben hat, ja sogar immer noch mancherorts gibt.
Es müssen also nicht alle Abhärtungsberichte hier erfunden sein. Die meisten sind es vermutlich trotzdem.

Friedhelm schrieb am 11.12. 2009 um 13:19:17 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 10 Punkt(e)

Es ist schon 50 Jahre her.Ich musste die meiste Zeit im Jahr kurze Hosen tragen. Mein Vater war wohl der Ansicht, kurze Hosen sind die richtige Jungenkleidung,lange Hosen nur etwas für ältere. Mutter fand die kurzen Hosen pflegeleichter, also hatten beide ihre Argumente. Ich habe das immer gehasst.Erstens weil ich oft tierisdch gefroren habe. Ich glaube nicht, dass ich sehr wehleidig war,aber manchmal hatten wir morgens noch Frost, wenn ich mit meiner kurzen Lederhose zur Schule fuhr. Zweitens ärgerten mich die mitleidigen Blicke anderer Leute. »Das arme Kerlchen...« oder »Ganz schön mutig, schon Anfang März mit der kurzen Hose rauszugehen« Drittens gab es noch besonders peinliche Situationen: Sonntags trug ich immer eine Anzug mit Schlips und kurzer Hose - ja, das ga es wirklcih für Kinder. Wenn es sehr kalt war, zog ich meinen Wintermantel dazu an. Er reichte zwar nicht bis zu den Knien, bedeckte aber dennoch meine kurze Hose. Ich fand, dass ich wie ein Mädchen aussah.

Willi schrieb am 3.8. 2009 um 10:16:45 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 9 Punkt(e)

Meine Stiefmutter hätte es am liebsten gesehen, wenn ich das ganze Jahr hindurch kurze Hosen getragen hätte. Wenn es wenigstens Lederhosen gewesen wären, das hätte ich sogar mitgemacht. Aber ich musste extra kurze dünne Shorts tragen, die zwei Nummern zu klein gekauft wurden, damit sie stramm saßen. Mutters zweites Hobby war nämlich, dass sie mich liebend gern und wegen jeder Kleinigkeit mit dem Rohrstock verdrosch, und die Hiebe zogen auf den Shorts natürlich besser durch. Die Hosen musste ich nicht runterziehen, weil Mutter sehr prüde war. Ich habsie nie nackig gesehen. Meinem Vater war es egal was sie mit mir machte. Den Rohrstock nahm er selbst gern zur Hand wenn er von der Maloche kam, aber in meine Bekleidung mischte er sich nicht ein. Von Dezember bis Ende Februar durfte ich zwar eine Trainingshose überziehen, aber nur auf dem Schulweg und draußen. In der Schule zog ich sie, als ich etwas älter war, trotz Verbots nicht aus, aber daheim musste ich es.

Mutter war in einem Damenkegelklub. Ich war 12 als sie eines Abends heim kam und sagteIn der Wirtschaft fehlt ein Kegeljunge. Das kannst du machen und dir Taschengeld verdienen.“ Den Vorschlag fand ich gut. Bis jetzt hatte ich 1 Mark pro Woche gehabt. Jetzt waren es 50 Pfennig pro Abend, und ich sollte an vier Abenden helfen. Der Wirt verlangte von den Kegeljungen „Dienstkleidung“ – weiße Turnhosen und ein rotes Polohemd, woGut Holz“ draufstand auf der Bahn. Und Mutter befahl, dass ich mich schon zu Hause umzog und auch im Winter so zur Arbeit ging. Aber das waren nur 10 Minuten, wenn man sich warm rannte. Auf der Bahn war es im Winter hinten auch saukalt. Nur vorn war geheizt.

Der andere Kegeljunge auf der zweiten Bahn war der Sohn vom Wirt. Der zeigte mir das Bilderaufstellen. Manchmal half er mir auch, wenn seine Bahn leer war. Wenn ich beim Bilderkegeln selbst mal was falsch machte oder wenn er mir absichtlich einen Streich spielte, wurde immer ich angeschrieen und nach vorn gerufen. Mutter hatte einen Rohrstock auf der Kegelbahn deponiert, und sie verdrosch mich dann vor all den Frauen, die sie auch noch anfeuerten.

In vielen Arbeiterfamilien ging es damals nicht zimperlich zu. Aber nur wenige mussten so frieren wie ich. Geprügelt wurden viele von meinen Kumpels. Doch die Stiefmutter hatte richtig Spaß daran. Ich selbst hätte meine Jungs später auch gern mit Gürtel und Rohrstock verhauen, aber das war nun verboten. Und in richtig kurzen Hosen konnte man sie auch nicht mehr auf die Straße schicken. Jetzt waren dämliche Bermudas Mode. Und die auch nur im Sommer!

Werner schrieb am 3.1. 2008 um 23:48:48 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 7 Punkt(e)

Ich habe in den 50er Jahren wie damals in vielen Familien üblich von März bis Anfang Novmber eine kurze Lederhose mit Kniestrümpfen tragem müssen, das war o. k. Wenn es mal morgens frisch war, machten wir uns nichts daraus, ich fand es sogar »knorke«. Aber als ich so 10 Jahre alt war, musste ich die kurze Hose auch oft im Winter tragen, sogar bei Frost und Schnee. Auch wenn ich dazu Mütze, Schal und Handschuhe anziehen durfte, war mir das zu kalt. Meine eiskalten Beine brauchten auch im Haus lange, bis sie wieder auftauten. Und das alles nur, weil mein Vater glaubte, dass das gesund sei. Meine Kinder haben später im Winter immer lange Hosen getragen.
Wir wohnten aber in der Nähe einer englischen Soldatensiedlung. Einige Jungen der Engländer trugen auch das ganze Jahr kurze Hosen und fast alle Mädels ganzjährige zum, Rock Söckchen oder Kniestrümpfe. Ich hatte nie den Eindruck, dass sie frieren. Wieso ihnen das nichts ausmachte ist mir bis heute ein Rätsel.

Wolfgang schrieb am 21.10. 2010 um 15:21:44 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 11 Punkt(e)

Jetzt fängt bald der Winter an, und ich erinnere mich was vor nunmehr 50 Jahren geschah.

Ich war nicht doof aber ein fauler Schüler. Vokabeln zu pauken, Grammatik, Gedichte auswendig zu lernen waren nicht mein Ding. In Deutsch und Englisch stand ich zwischen 4 und 5.

Und nun bekamen wir einen neuen Klassenlehrer, der uns 13-jährige genau damit triezte. Zum Glück hatten wir auch Sport bei dem Lehrer, und da war ich gut. Die ersten beiden Klassenarbeiten in Deutsch und Englisch verbaute ich aber gründlich und die mündlichen Leistungen waren ebenso mangelhaft. Wenn ich nicht besser wurde drohten Ostern zwei 5er und damit das Sitzenbleiben. Ich wusste es und meine Eltern wussten es auch!

Nach den Herbstferien hielt der Pauker mich und zwei andere versetzungsgefährdete Klassenkameraden nach Unterrichtsschluss fest. Er drohte uns, was wir ja ahnten, „Konsequenzenfür unsere Faulheit wenn wir uns nicht auf die Hosenböden setzten. Er meine es ernst, er meine es gut mit uns Faulpelzen, sagte er, und bestellte uns mit unsern Vätern für den nächsten Abend ein.

Zu Hause gab es Ärger und Dresche. Aber mein Vater und ich gingen zu der Aussprache.
Der Lehrer: „Die Jungs brauchen ab sofort Nachhilfe!“ (Ich habe vergessen wie viel Geld er dafür verlangte, aber es war nicht zu viel.) „Aber sie als Väter müssen unterschreiben, dass ich sie verprügeln darf, wenn sie weiterhin faul sind. In der Schule darf ich leider nicht mehr schlagen. Aber Prügel sind die sicherste Methode!

Oder aber sie sorgen selbst für Nachhilfe. Dann brauche ich aber eine Ausgleichs-Eins in einem Fach, damit die Versetzung sicher ist. Für dich (er wies auf einen von uns dreien) sehe ich keine Chancedu bist und bleibst eine Null, auch in Sport. Am besten du gehst ab! Soll ihr Sohn also Nachhilfe haben oder wollen sie ihn von der Schule nehmen?“ Sein Vater unterschrieb die Prügelerlaubnis, er war selbst damit groß geworden.

Zu uns sagte er: „Ihr zwei seid gut in Sport. Ihr könntet bis Ostern einSehr gutschaffen!“
Gut war ich ja, aber sehr gut? Mein Kumpel dachte wohl so ähnlich. Wir sahen skeptisch aus. „Ihr seid in der Schule sportlich gut“, wiederholte er Lehrer. Für einSehr gut“ müsst ihr euch in der Freizeit bemühen!“ – Wir verstanden das nicht, und er erklärte: Ihr müsst sehr harte Burschen sein. Kalte Dusche morgens und abends! Kurze Hosen den ganzen Winter durch, auch in den Weihnachtsferien. Auch wenns schneit! Für harte Burschen gibts eine Note besser in Sport. Oder wollt ihr lieber meinen Rohrstock spüren?“

Das wollten wir nicht. Doch die Idee meine heißgeliebten Lederhosen den ganzen Winter durchtragen zu dürfen reizte mich irgendwie. Ich sah Papa an. Der verprügelte mich zwar gelegentlich, aber der Abhärtungsvorschlag gefiel auch ihm besser. Er sagteDamit bin ich einverstanden!“

Auf dem Heimweg sagte er: In diesen Lederhosen kannst du im Winter nicht hinausgehen. Die sind ausgewachsen. Du ziehst die Hosen vom kurzen Sonntagsanzug an.“ Die Lederhose war tatsächlich extrem knapp geworden. Mutter war sehr katholisch, und eine ihrer Betschwestern hatte kürzlich gemeint, dass ich darinunanständig“ aussehe! Die Anzughose mochte ich aber ganz und gar nicht. Außer der Reihe eine neue Lederhose zu kaufen war nicht im Budget. Ich bettelte und zog die Hose zwei Zentimeter nach unten: „Papa, die passt noch. Bitte!“ Er lachte. Und sagteMeinetwegen.“

Mutter schimpfte, aber es blieb ihr nichts übrig als ihren Segen zu geben. Meine Erziehung war Vaters Sache.
Das Duschen überwachte Papa anfangs persönlich bis ich mich an das eiskalte Wasser gewöhnt hatte.
Der andere Junge entschied sich auch für die kalte Variante. Er wurde mein Freund. Gemeinsam trotzten wir den ganzen Winter hindurch Frost und Schnee mit nackten Oberschenkeln. Morgens auf dem Fahrrad war es echt beschissen. Mit blaugefrorenen Beinen kamen wir in der Schule an und es brauchte lange bis sie wieder durchblutet waren. Die meisten Leute schüttelten die Köpfe, wenn sie uns sahen. Andere bewunderten uns. Wir selbst waren stolz auf uns. Und Papa auchdas war mir wichtig! Ein Oberklassenschüler bimste mit uns und zu Ostern wurden wir ohne Problem in die Untertertia (8. Klasse) versetzt. Ich verdankte es diesem strengen Klassenlehrer, dass ich nun vernünftig genug war um freiwillig das nötigste zu lernen (und im nächsten Winter mit einemGutim Zeugnis zufrieden zu sein).

Christoph schrieb am 27.2. 2007 um 11:01:55 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 9 Punkt(e)

Anfang der sechziger Jahre war es für mich und meinen Bruder Pflicht schon im Kleinkindalter kurze Lederhosen mit Kniestrümpfen zu tragen, da kurze Lederhosen das Kindheitszeichen schlechthin waren und auch des netten Aussehens und der praktischen Handhabung wegen getragen werden mussten. Mein Vater bestand darauf das wir uns abhärten und verlangte das wir auch bei Kälte mit nackten Oberschenkeln und nackte Knien nach draussen gingen. Wenn wir über kalte Beine und blau gefrorene Knie jammerten, wurde dies völlig ignoriert. Im Kindergarten und in der Schule mussten wir als eine der wenigen mit geringen Ausnahmen fast immer kurze Lederhosen tragen, was bei Frost und Schneefall teils mit Skepsis betrachtet wurde, in unserer Großfamilie bei Onkeln und Tanten aber gerne gesehen war.

Gebhard schrieb am 6.9. 2007 um 11:10:18 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 8 Punkt(e)

Abhärtung? Lange nicht gehört! In meiner Jugend war dasin“ – wie man heute sagt: Abhärtung hieß Kälte und Hitze, Schmerz, Hunger und Durst ertragen lernen und gehörte zu den Erziehungsidealen im Sinne des „Gelobt sei, was hart machtder Nazis.
Kurze Hosenrichtig kurze! – bei Wind und Wetter, ja noch beim ersten Frost zu tragen das war damals normal. Wenige Mütter verboten es. Meine Mutter ließ mich gewähren, damit ich nicht als Außenseiter galt, als verzärtelter Pimpel. Nach 1945 haben wir Jungs frieren müssen oder wollen, weil es nichts zu kaufen gab. Das war eine Art Zwangsabhärtung., Aber niemand konnte unterscheiden, ob man es freiwillig tat, ob strenge Väter einen dazu zwangen oder ob es schierer Mangel war.
Hunger als Abhärtung oder Strafe? Ich kannte es, dass einer von uns Brüdern vor dem leeren Teller stehen musste, während gegessen wurde. Falls es eine Strafe sein sollte: Meistens konnte man wählen, ob man eine Prügelstrafe vorzog –und wer wollte damals schon auf das Sonntagsessen verzichten? Prügel waren ja so selbstverständlich wie das Salz in der Suppe!
RichtigeJungen mussten Schläge ohne Schmerzgeschrei wegstecken können. Die Abreibung am Samstagabend war in vielen Familien üblich. Und wer wusste schon genau, ob der Freund etwas ausgefressen hatte oder gegen Schmerz abgehärtet werden sollte (wie manche Väter Prügel aus Lust und Laune kaschierten).
Bei uns zu Hause vermischte sich dases gab verdiente Rohrstockhiebe auf den Hosenboden oder den bloßen Hintern. Oft härter als nötig. Und es gab Prügel ohne wirklichen Anlasseinfach, weil man dem Vater zum falschen Moment unter die Augen kam. Diese Hiebe, meist mit grausameren Instrumenten wie Elektrokabel oder Ledergürtel geschlagen verursachten blutunterlaufene, lange sichtbare Striemen.
Heute gelten selbst Ohrfeigen als grausam, und Dreiviertelhosen bei mindestens 25° finde ich albernAbhärtung gibt es nicht mehr!

Klaus schrieb am 21.2. 2009 um 09:35:51 Uhr zu

Abhärtung

Bewertung: 9 Punkt(e)

Als Junge habe ich am liebsten kurze Shorts mit Söckchen getragen und war ich immer einer der ersten und letzten im Jahr in kurzen Hosen. Fand es irgendwie aufregend auf dem Fahrad die kalte Luft an den Beinen zu spüren,die auch selten kalt, rot oder blau waren, da ich daran gewöhnt war und die Kälte an den Beinen mir nichts ausmachte. Zuhause und zum Sport habe ich nie lange Hosen getragen und an nicht so kalten Wintertagen bin ich auch so zur Schule gegangen, wobei ich von manchen Mitschülern heftig beneidet wurde. Im Gymnasium habe ich oft schon im Februar ganz auf die langen Hosen verzichtet und bin bis Weihnachten mit nackten Beinen unterwegs gewesen, während einige Klassenkameraden schon lange Unterhosen trugen. Ich war auch mächtig stolz auf meine braunen Beine, wurde besonders von den Mädchen bewundert und fand einige Nachahmer. Eine Nachbarin meinte, ich würde mir noch den Tod erholen, war aber praktisch nie krank im Gegensatz zu deren Kinder, die häufig erkältet, verweichlicht waren und im Winter Wollstrümpfe unter langen Hosen tragen mussten.

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