Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Agamemnon«
tootsie schrieb am 13.1. 2022 um 01:03:14 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Als ich mich dem Ufer nähere, liegt Skamander auf einem flachen Stein in der Sonne ausgestreckt und steckt sich riesige, rote Weintrauben in den Mund. Die Früchte türmen sich auf einer silbernen Schale, die wie eine Muschel geformt ist. Klischee, Klischee! Aber für einen Gott ist Skamander in Ordnung. Man könnte sagen, beinahe menschlich. Ich mag ihn, obwohl er immer ein bisschen nach Schlamm und Sumpf riecht.
Ob es viel zu tun gibt, frage ich ihn. Er sehe ja gerade schwer beschäftigt aus. Er kaut, brummt, was sowohl Zustimmung als auch Ablehnung bedeuten kann und schiebt mir die Schale rüber. Ich probiere die Früchte. Sie sind überraschend aromatisch und enthalten keine Kerne.
Er meint, dass so ein Ökosystem eine Menge Arbeit mache. Dazu kommen Temperatur, Mineral-und Sauerstoffgehalt. Er hätte alle Hände voll zu tun, seit das Lager der Achaier zu einem erhöhten Stickstoffeintrag führen würde. Außerdem wäre das Ufer im Eimer.
Wir plaudern eine Weile, während sich die Sonne dem westlichen Horizont nähert. Der Wind trägt den Geruch von Rauch heran und von Essen. Im Lager bereitet man sich auf den Abend vor.
Der Gott hebt überrascht den Blick, als hätte er hinter mir etwas entdeckt. Ich drehe mich rasch um, und zwischen den Bäumen tritt die Muse hervor. Mich würdigt sie keines Blickes, als sie sich Skamander zuwendet. Sie verbreitet schlechte Laune wie einen faden Geruch.
Die Muse hat das Gesicht zur Faust geballt. Mit zusammengebissenen Zähnen knurrt sie eine Verwünschung. Was ihm denn einfalle, ihre Kataskopen in Beschlag zu nehmen. Wären Sie auf uns zukommt, erhebt sich Skamander.
Sie handele im Auftrag von Zeus persönlich, und wenn eine entscheidende Phase der Schlacht nicht dokumentiert werde, wolle sie ihm persönlich den Arsch versohlen. Dabei stampft sie auf ihn zu und stößt ihn mit beiden Händen vor die Brust.
Skamander stolpert einen Schritt zurück, und sein Blick verdüstert sich.
Die Muse tritt die silberne Schale beiseite, reckt angriffslustig das Kinn nach vorne und funkelt den Gott herausfordernd an.
tootsie schrieb am 18.5. 2021 um 22:09:47 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Als mich die Muse wieder einschaltet, stehe ich am Strand. Die Sonne sinkt bereits, und die griechische Flotte schaukelt in der Abendbrise auf den Wellen. Die Bezeichnung „Flotte“ ist meiner Ansicht nach eine unzulässige Übertreibung. Eine Handvoll Schiffe, die von einem schmutzigen Räuberhauptmann befehligt wird, würde ich nie und nimmer als Flotte bezeichnen. Man hört einen Mann singen, der dabei auf einer Leier klimpert. Sonst ist es still, und die Stimmung im Lager der Griechen hinter mir wirkt gedrückt.
Agamemnons letzte Idee war nicht so gut. Weil er seine Kriegsbeute, das Mädchen Chryseis, wieder zurückgeben musste, damit Apollon nicht auch den Rest seiner Männer unter die Erde bringt, brauchte er Ersatz fürs Bett. Die neue Konkubine ist Eigentum von Achilles gewesen. Sie war ihm auf einem seiner Raubzüge in die Hände gefallen. Das Mädchen ist die Tochter eines lokalen Königs. Wobei ich zugeben muss, dass es sich hierbei ebenfalls um eine maßlose Übertreibung handelt. In der Bronzezeit nennt sich eben der Hauptmann jeder Räuberbande selbst einen König.
Das Mädchen gilt als sehr schön. Das bedeutet, sie hat noch alle Zähne und ein bisschen Fleisch auf den Rippen. Jedenfalls musste Achilles sie herausgeben. Dem schmeckt das gar nicht. Sein Verhältnis zu Agamemnon war von Anfang an etwas gespannt, aber diese Demütigung kann er nicht auf sich sitzen lassen.
Er hat das Zelt seines Chefs hoch erhobenen Hauptes verlassen und schmollt. Er weiß ganz genau, dass Agamemnon ohne ihn nicht die geringste Chance hat, die Trojaner zu besiegen.
Er ist schließlich der Sohn einer Göttin und praktisch unverwundbar. Weil er das Orakel kennt, hatte er vor, Briseis zu seiner Frau zu machen und in die Heimat zurückzukehren. Ein glückliches Leben im Kreis seiner Lieben, dass keine Schlagzeilen macht und bald vergessen ist.
Der ganze Feldzug ist für ihn eine einzige Pleite, und jetzt hat Agamemnon im auch noch die Frau weggenommen! Auf unsterblichen Ruhm kann er im Moment getrost verzichten. Er hat keine Lust darauf, weiterhin den Kopf für Agamemnon hinzuhalten.
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