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»Am Freitag, den 13. Februar 2026 wurde auf der erdzugewandten Seite ein am Äquator gelegenes koronales Loch entdeckt.«
Dass dieses gigantische Schlitz-Loch eine eigene Zeile auf spaceweather.com wert ist, liegt an der Kombination aus Timing, Position und Physik.
Bullseye-Effekt
Die meisten koronalen Löcher befinden sich an den Polen. Deren Sonnenwind bläst meist harmlos über unser Sonnensystem hinweg oder darunter hindurch. Ein Loch, das jedoch direkt am Äquator liegt, feuert seinen Partikelstrom auf der exakt gleichen Ebene ab, auf der die Erde die Sonne umkreist. Es ist wie ein Wasserwerfer, der nicht in die Luft zielt, sondern direkt auf Augenhöhe. Die Trefferwahrscheinlichkeit für unser Magnetfeld liegt bei 100 %.
Geomagnetische Resonanz
Dass diese Entdeckung genau heute veröffentlicht wurde, ist für Weltraumwetter-Beobachter deshalb spannend, weil die Ankunftszeit des Windes nun berechenbar ist. Der Sonnenwind aus solchen Löchern ist mit ca. 500 bis 800 km/s unterwegs.
Da wir aktuell ohnehin eine sehr unruhige Sonne haben, könnte dieser schnelle Wind auf bereits vorhandene Plasmawolken (CMEs) auflaufen. In einem Jahr wie 2026, in dem wir eigentlich viele Sonnenflecken erwarten, ist ein so prominentes, offenes Feld am Äquator ein Zeichen für eine grosse magnetische Umstrukturierung.
Wenn Sonnenflecken die »Sprinter« sind, dann sind Koronale Löcher die »Marathonläufer«. Sie sind wesentlich stabiler. Ein grosses Loch am Äquator kann mehrere Sonnenrotationen überdauern. Das bedeutet, es wandert über den rechten Rand hinaus, verschwindet für zwei Wochen auf der Rückseite der Sonne und taucht links am Rand fast unverändert wieder auf. Während die sichtbare Oberfläche der Sonne am Äquator schneller rotiert als an den Polen, scheinen manche koronalen Löcher sich der rigiden Rotation des tieferen Sonneninneren anzuschliessen. Das bedeutet, wenn ein koronales Loch sehr tief in der Magnetstruktur verwurzelt ist, wandert es manchmal sturer und gleichmässiger über die Sonne als die Sonnenflecken, die eher an der wabbeligen Oberfläche hängen.
Wanderung zum Äquator (Spörer's Gesetz)
Es gibt noch eine Art der Wanderung:
Sonnenflecken entstehen zu Beginn eines Zyklus weit oben/unten und wandern im Laufe der Jahre immer näher zum Äquator. Koronale Löcher wandern eher von den Polen nach unten, wenn das Magnetfeld der Sonne instabil wird (wie jetzt 2026). Sie fliessen quasi in die Lücken, die die aufbrechenden Magnetfelder der Sonnenflecken hinterlassen. Während der Sonnenfleck wie ein flüchtiger Schatten auf dem Wasser ist, ist das koronale Loch eher wie ein offenes Fenster in einem fest gemauerten Haus, das sich langsam vorbeidreht. Da das neue Loch am Äquator liegt, wird es uns etwa 5 bis 7 Tage lang direkt mit seinem Sonnenwind bestrahlen, während es langsam Richtung westlichem Sonnenrand wandert.
Dieses spezifische Loch am Äquator, das heute am 13. Februar 2026 im Fokus steht, weist einige Besonderheiten auf, die es von den üblichen Ausläufern der Polarlöcher unterscheiden.
Die exakte Lage
Das Loch befindet sich fast punktgenau auf dem solaren Äquator (0° Breite). Aktuell ist es von der Erde aus gesehen im östlichen Quadranten aufgetaucht.
Koordinaten: Es liegt etwa bei 10 bis 20 Grad östlicher Länge (vom Zentralmeridian aus gerechnet). Da die Sonne rotiert, wird es in den nächsten 2 bis 3 Tagen genau die Mitte der Sonnenscheibe passieren. In der Weltraumphysik nennen wir das den Earth-facing Strike, den Moment, in dem der Partikelstrom direkt auf der virtuellen Verbindungslinie Sonne–Erde liegt.
»Insel«-Struktur
Im Gegensatz zu vielen anderen Löchern ist dieses nicht mit den grossen Löchern am Nord- oder Südpol verbunden. Es ist ein isoliertes äquatoriales Loch. Solche isolierten Löcher entstehen oft durch das lokale Aufreissen von Magnetfeldern riesiger Sonnenfleckengruppen. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Magnetfeld in dieser Region gerade extrem instabil ist.
Magnetische Polarität
Dieses Loch hat eine negative Polarität (die Magnetfeldlinien zeigen in die Sonne hinein). Das ist deshalb spannend, weil die Umgebung, in der es liegt, momentan von positiven Feldern dominiert wird. An den Rändern dieses Lochs kommt es zu heftigen Turbulenzen. Das bedeutet, der Sonnenwind, der dort austritt, ist nicht nur schnell, sondern auch sehr böig. Das sorgt für stärkere Erschütterungen im Erdmagnetfeld als ein ruhigerer Windstrom.
Korridor-Form
Bilder im extremen Ultraviolett-Bereich (SDO-Satellit) zeigen, dass das Loch eine langgestreckte Form hat, fast wie ein vertikaler Schlitz. Ein vertikaler Schlitz am Äquator bedeutet, dass die Erde über einen längeren Zeitraum (ca. 3 bis 4 Tage) in diesem Partikelstrom baden wird. Es ist kein kurzer Piekser, sondern eine anhaltende Dusche mit hochenergetischen Teilchen.
Die »Medusa« AR4366 ist auf der Rückseite nicht zur Ruhe gekommen. Die neuesten Daten zeigen eine massive magnetische Komplexität. Die Gruppe hat sich räumlich weiter ausgedehnt. Die magnetischen Spannungen sind so hoch, dass wir auf den Fernseite-Monitoren fast kontinuierlich C- und M-Klasse »Grundrauschen« sehen. Wenn AR4366 jetzt einen gigantischen Flare abfeuert, während unser äquatoriales Loch direkt auf die Erde gerichtet ist, geschieht physikalisch Folgendes:
Die offenen Feldlinien des Lochs sind wie Antennen. Ein Rückseiten-Flare schleudert Protonen ins All, die spiralförmig entlang der Magnetfeldlinien des interplanetaren Raums wandern (Parker-Spirale). Das koronale Loch saugt diese hochenergetischen Protonen förmlich an und leitet sie direkt in Richtung Erdbahn. Die Schockwelle des Flares würde den Sonnenwind des Lochs von hinten anschubsen. Die Teilchendichte würde innerhalb von Minuten massiv ansteigen. Interessanterweise könnte das Loch durch diesen Beschuss sogar grösser werden, da die Wucht des Flares benachbarte, geschlossene Magnetfeldbögen einfach aufreisst. Wir müssen damit rechnen, dass die Ankunft des Sonnenwinds aus dem äquatorialen Loch (geplant für Sonntag/Montag) unberechenbarer wird. Wenn AR4366 dort hinten hustet, erreicht uns die Strahlung fast unmittelbar (in ca. 30–60 Minuten), noch bevor die eigentliche Plasmawolke da ist. In einem solchen Szenario sind besonders GPS-Systeme und der Kurzwellenfunk gefährdet. Wir beobachten hier ein kosmisches Zusammenspiel. Die »Medusa« liefert die rohe Gewalt (Energie), und das koronale Loch liefert die Richtung (Struktur). Zusammen bilden sie ein Ereignis, das uns die unvorstellbare Macht unserer Sonne vor Augen führt.
Das Aussergewöhnliche an diesem »Schlitz«
Normalerweise sind koronale Löcher wie ordentliche »Glatzen« an den Polen der Sonne. Doch dieses Loch am Äquator ist eine Anomalie. Der Riss ist diesmal kein runder Fleck, sondern ein extrem langer, schmaler Schlitz, der die Sonne fast vertikal spaltet. Das bedeutet, die Sonne hat ihre magnetische Schutzhülle am Äquator komplett verloren. In einem gesunden Maximum sollten hier geschlossene Bögen sein. Die magnetischen Feldlinien stehen nicht mehr in ordentlichen Schleifen, sondern ragen wie offene Kabelenden in den Weltraum. Weil der Schlitz am Äquator liegt, wirkt er wie eine Düsenkanone. Er kanalisiert den Sonnenwind nicht irgendwohin, sondern schiesst ihn direkt auf die Bahnebene der Erde. Vor dem Carrington-Ereignis beobachtete man eine Sonne, die magnetisch völlig aus den Fugen war. Wenn koronale Löcher so chaotisch über den Äquator verteilt sind, bedeutet das, dass das schützende Hintergrundfeld der Sonne zusammengebrochen ist. Das ist der Moment, in dem ein CME keine Barrieren mehr hat. AR4366 ist mit ihrer Beta-Gamma-Delta-Struktur und einer Grösse vom 14-fachen Erddurchmesser das perfekte Pendant zu dem Sonnenfleck, den Richard Carrington 1859 sah. 1859 brauchte der CME nur etwa 17 Stunden bis zur Erde. Warum ? Weil der Raum zwischen Sonne und Erde durch vorangegangene Ereignisse und koronale Löcher bereits leergefegt war. Unser heutiger Schlitz übernimmt genau diese Funktion: Er macht die Bahn frei für einen massiven, ungebremsten Einschlag.
Der Schlitz (Vorne): Er ist das geöffnete Scheunentor. Er saugt bereits jetzt die hochenergetischen Protonen an und schwächt das Erdmagnetfeld durch einen permanenten, schnellen Strom vor.
Die Medusa (Hinten): Sie lädt die »X20+-Kanone«. Sobald sie feuert, trifft ihr Plasma auf einen Raum, der durch den Schlitz bereits evakuiert und magnetisch perfekt ausgerichtet ist. Wenn diese Zange aus Vorderseiten-Loch und Rückseiten-Monster zuschlägt, erleben wir kein gewöhnliches Weltraumwetter. Es ist, als würde die Sonne an diesem Freitag, dem 13., tief Luft holen (der Schlitz), um dann mit der Kraft der Medusa alles wegzupusten, was nicht niet- und nagelfest ist.
In der Welt der Hobby-Astronomen herrscht an diesem Freitag, dem 13., eine Mischung aus heller Aufregung und tiefer Ehrfurcht. In den Foren und Astro-Clubs wird dieser gigantische Schlitz als eines der fotogensten, aber auch unheimlichsten Ereignisse des aktuellen Sonnenzyklus diskutiert.
»Dunkle Messer« (The Dark Blade)
Unter Astrofotografen, die mit speziellen H-Alpha-Teleskopen (die das Wasserstofflicht der Sonne isolieren) arbeiten, hat der Schlitz bereits einen Spitznamen: »The Dark Blade«. Hobby-Astronomen sind fasziniert von der Symmetrie. Es kommt extrem selten vor, dass ein koronales Loch so geradlinig und scharfkantig erscheint. Normalerweise sehen diese Löcher eher aus wie ausgefranste Tintenkleckse. Dieser Schlitz wirkt jedoch, als hätte jemand die Sonne mit einem Skalpell von Nord nach Süd aufgeschnitten.
»Jagd auf das rote Licht«
In den sozialen Medien und Amateurfunk-Clubs bereiten sich alle auf das Wochenende vor und die Erwartungshaltung ist klar: Da der Schlitz am Äquator liegt, rechnen viele damit, dass die Polarlichter nicht nur im hohen Norden, sondern bis weit in den Süden (also auch bei uns) sichtbar werden. Erfahrene Hobby-Astronomen warnen Neulinge: »Achtet auf die Farbe !« Wenn es rot wird, wissen die Profis unter den Amateuren sofort, dass der Schlitz-Wind die Atmosphäre in den obersten Schichten aufreisst.
Ein interessanter Aspekt in der Hobby-Szene ist die Sorge um die Technik. Da viele Hobby-Astronomen heute hochsensible CMOS-Kameras und computergesteuerte Montierungen nutzen, wird diskutiert, ob der erwartete Strahlungssturm durch das Loch-Fenster die Elektronik beschädigen könnte. Manche planen sogar, ihre Teleskope in der Nacht vom Sonntag auf Montag vom Netz zu nehmen, falls die Magnetometer-Werte in den violetten Bereich schiessen.
Unter den »Space-Weather-Nerds« wird genau das diskutiert, was der Erzengel Rübezahl beobachtet hat: Die fatale Kombination mit AR4366. Die Experten unter den Amateuren sagen: »Der Schlitz ist die Autobahn, die Medusa ist der Rennwagen.« Man ist sich einig, dass wir ohne diesen Schlitz vielleicht nur einen moderaten Sturm hätten, aber durch diese spezielle Stellung am Äquator ist die Situation sehr geladen.
Für Hobby-Astronomen ist dieser Schlitz ein Beweis für die Lebendigkeit des Vaters im Himmel. Es ist ein Moment, in dem die Mathematik der Vorhersagen auf die rohe, unvorhersehbare Gewalt der Natur trifft. Man tauscht keine blossen Daten aus, sondern teilt das Staunen über einen Riss im Gefüge, der uns zeigt, wie klein wir eigentlich sind.
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