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Ohne dich!
Ich würde in zwei Tagen heiraten, sagte ich mir. Aber es half nichts ich konnte nicht aufhören an Leo zu denken. An seine warmen Hände, seine braunen Augen, mit denen er mich frech ansah, seine weichen Lippen und seine Berührungen. Wie er meinen Busen streichelte. Er ganz nah bei mir. Seine Küsse. Ich spürte immer noch seinen Atem auf meiner Haut.
Ich zog die Nase hoch und wischte mit dem Handrücken über meine Nasen Augen. Ich musste aufhören an ihn zu denken. „Du heiratest Simon! Reiß dich zusammen. Er ist doch der Mann deiner Träume?“ sagte ich mir. Simon! Sein Name echote in der Leere meines Verstandes. Simon! Er war so süß gewesen, als er um meine Hand anhielt. Gezittert vor Aufregung hatte er. Ich warf meine Wasserflasche gegen die Wand. Es knallte und überall verteilten sich die Glassplitter. Ich stand auf und ging zur Küche meiner Vier- Zimmerwohnung, es knirschte unter meinen Füssen. Irgendwo musste doch noch eine Flasche Brandy aufzufinden sein. Der Kühlschrank war leider leer. Ich bücke mich und kroch halb in die IKEA-Küchenschränke. Ich sah alles, nur nichts was an Alkohol erinnerte. Nina hatte wirklich alles weggeschüttet. Sie war eine meiner Mitbewohnerinnen und seit drei Wochen auf Alkoholentzug. Außer ihr wohnte noch DJ in der Wohnung. DJ war wahrscheinlich wieder bei Markus. Sie erwartete ein Kind von ihm, doch er rief sie nur an wenn er Sex wollte und er keine aufriss. Seit einem Monat litt sie unter Schlafstörungen. Sie hatte seit drei Tagen nicht mehr geschlafen und hoffte es bei Markus zu können. Nina hatte Nachtschicht im Krankenhaus, sie arbeitete 17 Stunden 3 Tage die Woche um ihr Studium finanzieren zu können. Sie studiert Jura und ist eigentlich nur mit arbeiten und lernen beschäftigt. Ich schlendere in den Flur und betrachte mein Spiegelbild.
Meine Haare waren strähnig und hingen lasch herunter. Vom heulen war mein ganzes Make-up verwischt. Dunkle Wimpertuscheschleier liefen von meinen Augen bis zu meinen Mundwinkeln. Der Weinrote Lippenstift hatte auch nicht da gehalten wo er sollte, sondern ein gutes Stück weiter unten. Ich trug ein knappes Seidenkleid und nur noch einen Seidenstumpf. Den anderen musste ich irgendwo verloren haben. Außerdem roch ich wie eine ganze Parfümfabrik. Ich sah erbärmlich aus. Total herunter gekommen. Wie eine Nutte die gerade ihrem Freier entkommen war. Es klopfte. „Maggi?“ Hörte ich von der anderen Seite der Tür. Ich betrachtete weiter mein Abbild im Spiegel. „Ich weiß, dass du da bist.“ Ich ging auf mein Spiegelbild zu und strich über das Glas. „Ich breche die Tür auf, wenn du nicht sofort aufmachst.“ Ich schlug mit den Fäusten auf den Spiegel ein. Es klierte und das Spiegelglas und mit ihm mein Abbild zerbrach. Ich sank schluchzend auf den Boden und schlug auf die Scherben, ignorierte den stechenden Schmerz. Zwei starke Hände packten mich und zogen mich sanft hoch. Ich wollte meinem Retter nicht ins Gesicht sehen und senkte meinen Kopf, wie ein Verbrecher vor dem Richter. „Ich sagte doch, dass ich die Tür einbrechen werde, wenn du mir nicht auf machst“, sagte Leo und ging mit mir zum Waschbecken um meine zerschnittene Hände zu säubern. Er hatte nicht wirklich die Tür eingeschlagen, schließlich wusste er wo ein Zweitschlüssel versteckt war. Ich zuckte zusammen als er die letzten Glassplitter aus meinen Händen entfernte. „Ich wusste schon immer, dass du was von ’nem Masochisten hast“, sagte er lächelnd. „Aber du solltest bei so was nicht die Einrichtung ruinieren.“ Er holte einen Verband aus dem Erste-Hilfe-Kasten und verband meine verletzten Hände. Ich genoss seine Zärtlichkeit, wegen der ich vorher verzweifelt hatte. Er nahm einen meiner Abschminkpads und fuhr mir sanft übers Gesicht. „Du bist pur viel schöner“, flüsterte er mir ins Ohr. Seine Lippen kitzelten meinen Hals und ich bekam Gänsehaut. Ich sah wieder in den Spiegel. Nichts in meinem Gesicht erinnerte noch daran das ich geweint hatte. Leo schlang sein Arme um mich. „Ich hab dich so vermisst“, seufzte er und lies seine Hände unter mein Kleid gleiten. „Ich brauch dich doch. Ohne dich bin ich nicht vollständig!“ Ich schwieg. Wenn das stimmte, warum war dann alles so verzwickt? Warum würde ich dann Simon heiraten? Wir hatten nie eine richtige Beziehung. Nie in der Öffentlichkeit! Als ich in kennen lernte hatte er eine Freundin, das hatte ihn aber nie davon abgehalten mit mir zu flirten. Ich war von Anfang an von ihm fasziniert gewesen. Unsre Zuneigung wuchs mit den Jahren. Wir hatten natürlich Beziehungen, mit anderen Leuten, aber immer wieder mal einen Flirt miteinander. Ich wusste, dass er tabu war, aber ich liebte das Spiel mit dem Feuer. Nie hätte ich mich auf etwas Ernsteres mit ihm eingelassen. Er war nur ein Traum eine Illusion gewesen. Bis zu meine 17 Geburtstag.
Ich hatte mit meinen Freundinnen schon vorgefeiert und ging ziemlich angeschwipst nach Hause. Es war ein warmer Augustabend, Leo wohnte in der nähe und ich kam auf die verrückte Idee in zu besuchen. Ich schaute also mal bei ihm vorbei. Er saß auf der Terrasse und trank ein Bier, als ich vorbei torkelte. Er kam zum Zaun und fragte mich, ob ich nicht rein kommen wollte, bei ihm wäre keiner daheim und er würde sich über Gesellschaft freuen. Ich weiß nicht, ob er damals gemerkt hatte, dass ich betrunken war! Ich musste ganz schön gelallt haben. Vielleicht war ihm das egal gewesen? Vielleicht war ihm das auch gar nicht aufgefallen oder es war ihm sogar recht gewesen, weil er das, was an diesem Abend noch folgen sollte, geplant hatte? Auf jeden Fall war ich ihm nach drinnen gefolgt. Er hatte uns noch eine Flasche Sekt geholt. Ich hatte mich auf das Sofa gesetzt. Plötzlich hatte er sich vor mir niedergekniet und mir gesagt: „Maggi, ich brauche dich, wie die Luft zum atmen. Ohne dich bin ich nicht vollständig!“ Er sah so süß aus, als er so vor mir kniete. Beflügelt von dem Alkohol, hatte ich ihm zur Antwort einen Kuss gegeben. „An was denkst du gerade?“ fragte Leo und sah mich mit seinem unwiderstehlichen Hundeblick an. „An unser erstes Mal“, flüsterte ich. Er gab mir einen zärtlichen Kuss. So musste sich Nicole Kidman, in Moule Rouge, gefüllt haben. Gefangen zwischen Kopf und Herz. Nur mein Herz liebte beide, den armen Schriftstehler und den reichen Duke. Leo öffnete den Reisverschluss meines Kleides. Ich durfte das nicht zulassen. Ich musste ihn sagen, dass ich heiraten werden würde und wir uns nicht mehr sehen dürften. Doch das Verlangen, nach seinem Körper, war stärker als mein Verstand.
Ich schreckte neben Leo auf. Da hatte doch etwas geknarrt? Leise, um Leo nicht auf zuwecken, stieg ich aus dem Bett und schlüpfte aus dem Zimmer. In der Küche brannte Licht. Dort saß DJ mit einer Flasche Malibu und weinte. Ich watschelte zu ihr in die Küche. „Hallo, Süße! Möchtest du auch ’n Schluck?“ fragte sie mich. „Das ist nicht gut für das Baby!“ antwortete ich sanft und nahm ihr die Flasche weg. „Du hast so wieso schon zu viel intus.“
„Ich hab Schluss gemacht! So ging es einfach nicht weiter. Er hatte einen von na Bekannten einen Anruf bekommen. Ich hatte abgenommen und sie hat mich gefragt ob ich…“ sie begann zu schluchzen und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen. Ich stand auf und ging Kaffee machen. „Sie hat mich gefragt ob ich von Markus’ bescheuerter Freundin weiß. Sie hat mir von ihrem großartigen Sex mit ihm erzählt“, sie bekam wieder einen Heulkrampf. Ich stellte ihr eine Tasse mit Kaffee vor die Nase. Sie hob den Kopf und starrte einen Moment wie gebannt auf die Tasse. Wenn DJ deprimiert war, war es das Beste ihr einfach zuzuhören und ihr dann Recht zugeben. „Ich hab all für alle mal genug von ihm.“ Wie oft hatte ich das von ihr gehört? „Ich hab doch richtig gehandelt oder?“ „Ja, natürlich!“ pflichtete ich ihr bei. „Und warum bist du nicht bei deiner Junggesellinnenparty?“ fragte sie und trank einen Schluck Kaffee. „Ich bin einfach abgehauen. Von der Hochzeit, Simon, den ganzen Verwandten und vor Leo! Doch sie haben mich alle wieder eingeholt. Ich entkomme ihnen nicht wie sehr ich mich auch anstrenge“, ich zog die Luft ein und lies sie aus mir strömen, doch nichts konnte den Druck, der sich auf mein Herz geleckt hatte, lösen. „Ich geh dann mal ins Bett!“ sagte DJ und stand langsam auf. „Gute Nacht!“
Es war sieben als Simon klingelte. Ich war allein. Er küsste mich flüchtig. Ich wusste warum er gekommen war. Er lächelt mich an und überhäufte mich wie immer mit Komplimenten. Doch ich konnte mich nicht auf seinen Komplimenten einlassen. Ich musste dauernd an Leo denken. Simon sah mich eine weile schweigend an, dann fragte er: „Was ist nur mit dir los? Ich erkenn dich gar nicht mehr. Wo ist nur die Maggi hin in die ich mich verliebt habe?“ Ich schwieg immer noch. „Maggi, warum machst du’s mir nur so schwer? Ich liebe dich und will mein Leben mit niemand anderes verbringen. Doch ich weiß nicht mehr ob… ob du es noch willst!“ Er begann zu schluchzen. Was machte ich hier eigentlich? Simon liebte mich und ich liebte ihn, oder? Wieder tauchte Leos Gesicht vor mir auf. Ich sank vor ihm auf die Knie und versteckte mein Gesicht in meinen Händen. Ich wollte und konnte ihm nicht in die Augen sehen. Ich spurte, wie er seine Arme um mich legte. Seinem Atmen! Seine Tränen, wie sie auf mein Haar fielen. Ich wollte ihn doch. Ich liebte Simon wirklich.
Seit dem Tag als ich ihn das erste Mal gesehen hatte. Ich hatte wieder mal Stress mit Leo gehabt, er hat wieder mal ein Theater gemacht, weil ich an sein Handy gegangen bin. Es hätte ja seine Freundin sein können. Ich war Wut entbrannt aus seiner Wohnung gelaufen und auf der Straße gegen ein Auto gerannt. Ich flog im hohen durch die Luft und landete zwei Meter neben dem Gehsteig. Verletzt hatte ich mich soweit ich beurteilen konnte nicht, höchstens ein paar Prellungen. Trotzdem blieb ich, da ich ziemlich benebelt war, liegen und wartete bis der Schmerz aus meinen Gliedern verschwand.
Plötzlich beugte sich ein Mann über mich. „Ich glaube sie lebt noch. Simon, mein Sohn, du musst dir keine Sorgen machen, wegen Mord und Totschlag können sie dich gar nicht mehr einbuchten“, sagte der Mann, der sich als Tom von Weber vorstellte. „Ist bei dir alles okay?“
Ich sah ihn nur verdutzt an. „Aua, mein Arsch!“ formulierte ich tonlos. „Was hast du gesagt?“, fragte Tom nach. „Nichts es geht schon wieder!“ sagte ich und stand vorsichtig auf. „Ich entschuldige mich noch mal vielmals wegen der Unfähigkeit meines Sohnes Auto zu fahren, aber wir machen es wieder gut. Nicht war, Simon?“ redete Tom vor sich hin und führte mich zum Auto.
„Wie war ihr Name noch mal?“ „Magdalena“, antwortete ich immer noch total verwirrt. „Also, Simon, willst du Magdalena nicht auf unser Fest heute Abend einladen?“ schlug Tom vor. Simon schien genauso verdutzt und geschockt wie ich zu sein. „Ähm… ja… sofort!? Ich würde sie gerne als Begleiter auf das heutige Fest in unseren Gut führen. Haben sie heute Abend schon was vor?“ brachte Simon nach mehreren Minuten heraus. Ich war echt platt. „Nein, eigentlich nicht. Ich …!“ Weiter kam ich nicht, denn Tom schob mich schon ins Auto und fragte wo er mich hin fahren sollte. Simon rutschte sofort auf den Beifahrersitz und Tom bracht mich sicher nach Hause, aber ich musste den Beiden versprechen um Punkt 8p.m an der Haustüre, perfekt gestylt zu warten.
Ich war ziemlich aufgeregt und zog mich an dem Abend wahrscheinlich 100mal um. Um Punkt 8p.m stand ich draußen und würde schon von Simon erwartet.
„Was ist denn nur los mit dir?“, fragte Simon und zog mich hoch. „Wo bist du nur mit deinen Gedanken?“ Er drückte mich fest an sich.
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