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wuming schrieb am 9.7. 2007 um 22:45:04 Uhr über

Schriftsteller


Jörg Christian Fauser (* 16. Juli 1944 in Bad Schwalbach/Taunus; † 17. Juli 1987 zwischen Feldkirchen und München-Riem) war ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

Inhaltsverzeichnis [Verbergen]
1 Leben
2 Werke
2.1 Selbstgeschriebenes
2.1.1 Alles wird gut
2.2 Filmografie
2.3 Biographie
2.4 Übersetzungen
3 Weblinks



Leben [Bearbeiten]Jörg Fauser, geboren am 16. Juli 1944 bei Frankfurt/Main, Sohn des Künstlers Arthur Fauser, begann bereits um 1960, journalistische Arbeiten zu verfassen. Nach seinem Abitur in Frankfurt am Main im Jahre 1965 studierte er an der dortigen Goethe-Universität Ethnologie und Anglistik. Dieses Studium brach er 1966 ab. Während des anschließenden Zivildienstes in Heidelberg geriet er in Abhängigkeit von harten Drogen, von denen er sich erst 1972 zu lösen vermochte. Er verbrachte 1967/68 ein Jahr im Istanbuler Drogenviertel Tophane.

Um 1971 hatte er Kontakt zur Hausbesetzerszene in Frankfurt-Westend, u.a. zur Gruppe von Joschka Fischer.

Von 1968 bis 1974 lebte Jörg Fauser in Berlin und Frankfurt und arbeitete an verschiedenen literarischen Zeitschriften mit. Über seine Reisen, die ihn u.a. 1975 nach Marokko und 1976 in die Vereinigten Staaten führten, berichtete er in Reportagen für die Basler Nationalzeitung. In den 70er Jahren veröffentlichte er mehrere Gedichtbände und begann die Zusammenarbeit als Texter mit dem Rockmusiker Achim Reichel. Ein großer Populär-Erfolg gelang Fauser/Reichel mit der SingleDer Spieleraus dem Konzeptalbum „blues in blond“, durch die ein Fauser-Text sogar in die ZDF-Hitparade gelangte.

In den achtziger Jahren zog Fauser nach Berlin, verfasste drei erfolgreiche Romane und war als Journalist für den Berliner tip und die Zeitschriften Lui und TransAtlantik tätig. Seit 1985 lebte er in München. Er starb am 17. Juli 1987 unter ungeklärten Umständen in der Nacht nach seinem 43. Geburtstag, als er als Fußgänger auf der Autobahn A94 bei München von einem Lkw erfasst wurde.

Jörg Fauser war in seinen frühen Jahren ein Underground-Autor, der stark von der amerikanischen Beat-Literatur beeinflusst war und in seinen Texten eigene Drogenerfahrungen verarbeitete. Unter dem Einfluss der amerikanischen Hard-boiled-Autoren Dashiell Hammett und Raymond Chandler wandelte er sich in den achtziger Jahren zu einem Autor von Kriminalromanen aus der bundesrepublikanischen Wirklichkeit. Sein letzter Roman Die Tournee blieb unvollendet. Postum erhielt er auf der Criminale 1988 den Friedrich Glauser-Preis verliehen.

Der Filmemacher Christoph Rüter stellte im Jahr 2005 einen Dokumentarfilm über Fauser namens Rohstoff. Der Schriftsteller Jörg Fauser. zusammen. Erstausstrahlung war am 17. Juli 2006 auf 3sat (Besprechungen des Films: taz, junge Welt.


Werke [Bearbeiten]
Selbstgeschriebenes [Bearbeiten]
Alles wird gut [Bearbeiten]Betrunken irrt der Autor Johnny Tristano 24 Stunden durch München, durch Müll und Kaschemmen, Hinterhöfe und Wohnungen zusammen mit anderen Gestrauchelten, Einsamen, Außenseitern. Bornheim, ein Freund des Schriftstellers, berichtet von gescheiterten Deals in der Istanbuler Drogenszene und träumt immer noch vomgroßen Coup“. Sein Zechkumpan Dunkel gibt eine anarchistische Untergrundzeitschrift heraus. Mahatma, ein weiterer Alkoholiker, verdient sich sein Geld als Prediger auf Plätzen und in Kneipen. Die verzweifelte Suche der Protagonisten nach Liebe scheitert in skurrilen Begegnungen mit Trinkerinnen, abgetakelten Huren, als Traum, der an Impotenz, Drogen, Suff und Müdigkeit scheitert.

Realität, innere Monologe, Halluzinationen und Erinnerungen mischen sich zu einem wüsten Gemälde der Großstadt. Fauser montiert die Eindrücke und Dialoge Tristanos mit Songtexten, Zitaten und Episoden, die andere Kneipengänger zum besten geben. Die Welt der Angepassten erscheint Tristano als roboterhafte Maschinenwelt, unwirklich beleuchtet von den blaustichigen Bildern des Fernsehens, kontrolliert und überwacht von Polizei und anderen Normierungsinstanzen.

Der Duft von Knospen vermischt sich mit dem Geruch der Verwesung, der aus den Kellern der Maschinenwelt dunstet. Mögen die Gefangenen sich noch im Schlaf wälzen, das Klirren ihrer Ketten erfüllt den Bauch der Stadt auch bei Nacht mit einem eisernen Zittern, und ihre Lemuren, die Alpträume, weben einen dichten Schleier über die Häuser und Hinterhöfe, eine Agonie, die bleiben wird, wenn die Erde den Menschen längst ausgespien hat.“ Jörg Fauser, Alles wird gut, Gesammelte Erzählungen I, S. 144

Die düstere Gegenwelt der Außenseiter, geprägt von Alkohol, Drogen und Verfall, bietet Fluchtpunkte. In der Gelegenheitsphilosophie der Penner, den absurden Vorträgen in Kneipen und unter Brücken lebt ein Traum von Menschlichkeit, das Wissen, dass zu jedem Zeitpunkt irgendwo auf der Welt die Sonne aufgeht. Die Gestrauchelten begehen das Verbrechen, „zu einem Verbrechen außerstande zu sein“ (a.a.O., S. 156), die letzten Träume der Menschheit überleben in der Dämmerung, unter den Brückenpfeilern, im Rausch. In der Abkehr von den „Bereichen, in denen man Wirkungen am eindrucksvollsten an Leichenbergen abzählen kann“ (ebd.) träumt Tristano von Auswegen in einem wohl halluzinierten Dialog mit einem Entkommenen, der die Not durch Selbstaufgabe überwunden hat.

Tristanos 24 Stunden enden im düsteren Hinterhof einer Kneipe, verletzt von Scherben, verschmutzt von Müll und Erbrochenem, er stürzt und fällt in den Schoß seiner Traumfrau.

„Zögernd streichelt sie Tristanos Haar. Es wird Tag. Mit dem kalten Wind flattern die Krähen in den Bauch der Stadt.“ (a.a.O., S. 162)

Aqualunge, Göttingen 1971
Tophane, Gersthofen 1972
Die Harry-Gelb-Story, Gersthofen 1973
Open end, München 1977
Marlon Brando - der versilberte Rebell, München 1978
Der Strand der Städte, Berlin 1978
Alles wird gut, München 1979
Requiem für einen Goldfisch, Basel 1979
Trotzki, Goethe und das Glück, München 1979
Der Schneemann, München 1981
Mann und Maus, München 1982
Blues für Blondinen, Frankfurt/M. [u. a.] 1984
Rohstoff, Frankfur/M. 1984
Das Schlangenmaul, Frankfurt/M. [u. a.] 1985
Kant, München 1987
Jörg-Fauser-Edition, Hamburg [u. a.]
Bd. 1. Romane I, 1990
Bd. 2. Romane II, 1990
Bd. 3. Erzählungen I, 1990
Bd. 4. Erzählungen II, 1990
Bd. 5. Gedichte, 1990
Bd. 6. Essays, Reportagen, Kolumnen I, 1990
Bd. 7. Essays, Reportagen, Kolumnen II, 1990
Bd. 8. Marlon-Brando-Biographie, 1990
Beiheft. Informationen und Bilder, 1990
Erg.-Bd. Das leise lächelnde Nein und andere Texte, 1994
Blues in Blond, Hamburg 1992 (mit Achim Reichel und Elfi Küster)
»Ich habe eine Mordswut«, Frankfurt/M. 1993
Lese-Stoff, Frankfurt/M. 2003
Fausertracks / Vox: Jörg Fauser ; Musik: Lebendigital, München 2005
Die neue Jörg-Fauser-Edition. Berlin, 2004-2007


Band 1: Marlon-Brando. Der versilberte Rebell. Biographischer Essay. Mit einem Nachwort von Michael Althen und einem Gespräch mit der ehemaligen Verlegerin Monika Nüchtern. Berlin 2004
Band 2: Rohstoff. Roman. Mit einem Nachwort von Benjamin von Stuckrad-Barre und einem Gespräch mit der Lektorin Hanna Siehr. Berlin, 2004
Band 3: Der Schneemann. Roman. Mit einem Nachwort von Feridun Zaimoglu und einem Gespräch mit dem ehemaligen Verleger Thomas Landshoff. Berlin, 2004
Band 4: Trotzki, Goethe und das Glück. Gesammelte Gedichte und Songtexte. Mit einem Nachwort von Franz Dobler und Gesprächen mit den Musikern Achim Reichel und Veronika Fischer. Berlin, 2005
Band 5: Alles wird gut. Gesammelte Erzählungen 1. Mit einem Vorwort von Helmut Krausser und einem Nachwort von Jürgen Ploog. Berlin, 2005
Band 6: Mann und Maus. Gesammelte Erzählungen 2. Anstelle eines Nachworts: Der Tequila kommt heute gut - Eine Zechtour mit Jörg Fauser von Martin Compart, Berlin 2006.
Band 7: Das Schlangenmaul. Roman. Mit einem Nachwort von Martin Compart, Berlin 2006.
Band 8: Auf der Suche der verborgenen Wahrheit. Essays, Reportagen, Kolumnen. Mit einem Nachwort von Wiglaf Droste. Erscheint im Frühjahr 2007.
Band 9: Die Tournee. Romanfragment. Erscheint im Sommer 2007.

Filmografie [Bearbeiten]1998 - Das Frankfurter Kreuz - Regie: Romuald Karmakar (mit Michael Degen und Manfred Zapatka)

Biographie [Bearbeiten]Matthias Penzel, Ambros Waibel: Rebell im Cola-Hinterland, Bittermann, 2004, ISBN 3893200762

Übersetzungen [Bearbeiten]John Howlett: James Dean, München 1977
The Rolling Stones songbook, Frankfurt/M. 1977 (zusammen mit Teja Schwaner, Carl Weissner und Helmut Salzinger)
Joan Baez: Tagesanbruch, Frankfurt/M. 1978
James Taylor: Songbook, Frankfurt/M. 1978

Weblinks [Bearbeiten]Literatur von und über Jörg Fauser im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Die neue Jörg-Fauser-Edition im Alexander Verlag Berlin
Die offizielle Jörg Fauser Website
[1]Artikel Matthias Penzel: Es ist wie im Rausch...J.F. - sein Leben und Werk,Tod und Nachwirken (2005)
Mann auf Durchreise - über Jörg Fausers literarische Aufsätze (Artikel in derZeit“, vom 23.10.2003)
Trivial ist besser - Rezension von Andreas Hartmann in dertaz“ (10.01.2004)
Die Legende vom Heiligen Jörg - umfangreiches Porträt des Schriftstellers von Peter Apfl im Magazin Datum
Mit Jörg Fauser auf der Piste I- Fauser auf literarischer Zechtour mit Martin Compart, Teil 1 in EVOLVER.at
Mit Jörg Fauser auf der Piste II- Fauser auf literarischer Zechtour mit Martin Compart, Teil 2 in EVOLVER.at
Personendaten
NAME Fauser, Jörg
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller und Journalist
GEBURTSDATUM 16. Juli 1944
GEBURTSORT Bad Schwalbach, Taunus
STERBEDATUM 17. Juli 1987
STERBEORT München

Vonhttp://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Fauser“
Kategorien: Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Roman, Epik | Übersetzung (Literatur) | Mann | Deutscher | Geboren 1944 | Gestorben 1987



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