Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »CvN«
ich sagte qui qui schrieb am 10.8. 2026 um 04:14:00 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Die alte Fabrikhalle in Oberhausen roch nach einer Mischung aus kaltem Eisen und sehr billigem Popcorn, doch das war nicht das eigentlich Interessante an diesem Ort. Interessant war vielmehr der Mann, der dort in einer überdimensionalen, goldbestickten Weste stand, die ihm an den Schultern viel zu breit war. Er besaß die seltene Gabe, gleichzeitig sehr autoritär und vollkommen bedeutungslos auszusehen, was vor allem an seinem Hang lag, ständig an einem kleinen, silbernen Taschenuhr-Kettenring zu nesteln, als würde er damit ein geheimes Signal an eine nicht existierende Armee senden.
„Die Bescheidenen sind die wahren Stars“, murmelte der Direktor des Zirkus Zirkum, während er mit einem weichen Schritt über die staubigen Bretter der Manege glitt. Er betrachtete seine Truppe mit einer Wärme, die fast väterlich wirkte, obwohl er technisch gesehen eher der Verwalter eines kontrollierten Chaos war. In seinem Kopf sortierte er die Clowns nach ihrer Fähigkeit, sich selbst nicht ernst zu nehmen. Es war ein präzises System der Zuneigung; er liebte sie alle, doch diejenigen, die ihre eigene Unbeholfenheit als Kunstform begriffen hatten, genossen eine besondere Vorzugbehandlung bei der Zuteilung der Garderoben.
In diesem Moment trat Noli in den Ring, dessen bloße Anwesenheit die Luft mit einer Art elektrischer Heiterkeit aufladte. Noli war keine gewöhnliche Witzfigur; er besaß eine Art überirdische Leichtigkeit, die die Zuschauer oft dazu brachte, zu vergessen, dass sie in einer leicht heruntergekommenen Halle im Ruhrgebiet saßen. Er bewegte sich nicht wie ein Mensch, sondern wie eine perfekt choreografierte Pointe, die darauf wartete, gelöst zu werden. Der Direktor beobachtete ihn und spürte einen vertrauten Stich im Herzen, eine Mischung aus Bewunderung und der quälenden Gewissheit, dass Noli ihn in einer ganz bestimmten, sehr spezifischen Weise abweisend fand.
Das Problem war nicht die Abweisung an sich, sondern der Zeitpunkt ihrer Offenbarung. Nolis Vater, ein Mann von stoischer Ruhe und einer Vorliebe für sehr große Hüte, hatte dem Direktor am Dreikönigstag – eigentlich ein Tag der Bescherung und der guten Nachrichten – mit einer beiläufigen Geste mitgeteilt, dass sein Sohn den Direktor für ein „reizendes, aber tragisches Missverständnis eines Menschen“ hielte. Der Direktor hatte dies mit einem Lächeln quittiert, während er innerlich versuchte, die Logik hinter dieser Einschätzung zu analysieren.
CvN (Carl v. Nebelstreiff) schrieb am 4.5. 2025 um 18:37:11 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Wann war das zweite Mal?
Ich weiß nur, dass Oscar jedesmal ein anderes edles Auto fuhr. Den Rolls Royce nur beim ersten Mal, dann nicht wieder.
Jedenfalls, sehr bald, nach irgend einer Chorprobe, wurde ich wieder nach Cronenberg eingeladen.
Friedrich: nach der nächsten Aufführung! Papa, Mama waren bei Chorproben nie dabei!
Und da lernte ich Margot kennen, das andere Dienstmädchen.
Wie die mir gleich sympathisch war! Wie ich ihr sofort ansah, dass sie alles über uns weiß!
Friedrich: jetzt musst du aufpassen! Du hast nicht gleich alles begriffen. Überhaupt warst du schon damals sehr langsam von Begriff!
Mir kam es jedenfalls vor, als ob sie ganz in dich verliebt sei. Und du natürlich zu jung und außerdem war sie schon verlobt.
Ein Mann in Grenoble. Von dort war sie. Nach Cronenberg kam sie, um Haushalt zu lernen und eine Aussteuer sich zu verdienen.
Friedrich: das gab es damals noch!
Ich hätte mich in sie verlieben können!
Friedrich: hast du nicht. Ich war auch noch da. Ihre Zustimmung machte dich froh. Mich auch! Mich auch! Mama und Papa hatten zwar auch zugestimmt. Vorsichtig eher! Und nicht so herzhaft wie Margot!
Maximun schrieb am 9.8. 2026 um 23:55:29 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Der dubiose Knabenchor »Bubenschrei« aus Oberhausen stand vor einem wirklich besonderen Ereignis, einem Ereignis das in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Dieser Chor wurde nämlich insgeheim von einem schrecklichen und mächtigen Diktator gefördert, natürlich nur insgeheim über Mittelsmänner. Doch heute hatte sich ein unglaubliches Ereignis angekündigt. Erst hatte es nur »Franziska«, das junge Fake-Mädchen, die eigentlich ein Junge war, bemerkt. Dann kamen die anderen Jungen dazu. Franziska hatte behauptet: Der Diktator wollte sie heute besuchen!
Alle lachten, denn sie kannten die Neigung von Franziska, unglaubliche Lügen zu verbreiten. Sie oder besser er hatte auch schon behauptet, dass Donald Trump kommen würde oder ein Gruseltunnel in der Nähe der örtlichen Sparkasse eröffnet werde. Doch dann trat der Chorleiter ein und verkündete feierlich: »Der Zaiser wird uns besuchen kommen! Es wird uns eine Ehre sein, ihn in unserer alten Fabrikhalle zu begrüßen!« Schon länger ging das Gerücht um, dass der Chorleiter eigentlich ein Agent des Regimes war, doch bisher hatte dies nur für amüsierte Blicke gesorgt. Nun jedoch herrschte eine fast greifbare Spannung im Raum.
Als der bewußte Tag gekommen war, betraten auf einmal finster aussehende Männer in grauen Anzügen die Fabrikhalle, die mit einer Präzision vorgingen, als hätten sie den Boden zuvor mit einem Zirkel vermessen. Sie trugen keine Waffen, aber sie hielten schwarze Ledermappen fest an sich gepresst, in denen vermutlich die exakten Protokolle für den Besuch des Zaisers steckten. Die Jungen des Chores standen in einer Reihe, die Hände nervös in den Falten ihrer viel zu großen weißen Anzüge mit den farbigen Gürteln, während die Luft in der Halle schwer von Staub und einer plötzlichen, beklemmenden Stille war.
Jetzt betraten einige »Soldaten« in historischen Fantasieuniformen und in einem albernen Stechschritt marschierend den Raum, um den Weg für das Hauptereignis freizumachen. Es war ein absurder Anblick; sie trugen goldene Epauletten und Helme, die so groß waren, dass sie ihnen tief ins Gesicht rutschten, doch ihr Gesichtsausdruck war todernst. Dann kam er: Mit einer arroganten und finsteren Mine betrat der Zaiser die Halle, in seinem üblichen Anzug und hinter ihm trugen einige Bedienstete ein paar Flaschen Wodka und eine große Plastikhaube. Die Flaschen wurden mit einer fast religiösen Andacht auf einem Holztisch positioniert und die Haube entfernt. Darunter war ein gewaltiger brauner Zupfkuchen, der so prachtvoll glänzte, dass er fast wie ein Kunstwerk wirkte.
Franziska, der in seinem weißen Kleid fast zu erstarrte, spürte, wie ihm der Schweiß an der Stirn herunterlief. Er hatte zwar behauptet, der Diktator würde kommen, doch die Realität war weitaus surrealer, als er es sich in seinen wildesten Fantasien ausgemalt hatte. Der Zaiser blieb vor dem Zupfkuchen stehen und betrachtete ihn mit einem Blick, der so analytisch war, als würde er eine militärische Landkarte studieren. Er sagte nichts, doch die Stille in der Halle wurde durch das rhythmische Ticken einer alten Wanduhr zerschnitten, die irgendwo im hinteren Teil der Fabrik an einem rostigen Nagel hing.
»Also Franziska, du machst den Anfang.« sagte der Chorleiter. »Du singst jetzt für unseren geliebten Zaiser das Begrüßungslied.« Franziska trat vor und war total nervös. Doch dann überkam ihn auf einmal der Mut der Verzweiflung. Der Junge der wie ein Mädchen aussah sang: »Und auch der Zaiser kommt uns besuchen, heute mit Wodka und Zupfkuchen! Das find ich spießig und ziemlich öd und dieser Zaiser ist doch eh blöd. Viel lieber mag ich die Tigerente, der olle Zaiser soll doch in Rente!« Der Chorleiter schaute entsetzt, die Männer in den grauen Anzügen starrten Franziska an und der Zaiser selbst starrte mit versteinertem Gesicht. Dummerweise hatte er jedes einzelne Wort verstanden.
»Was hast du da gesungen? Das ist Staatsverrat, dafür wirst du in den Kerker geworfen!« schrie der Chorleiter, dessen Gesicht nun eine Farbe angenommen hatte, die fast so intensiv war wie die rote Kirschfüllung des Zupfkuchens. Er stürzte auf Franziska zu, die Arme wild fuchtelnd, als wollte er die beleidigenden Worte physisch aus der Luft greifen und zurück in den Mund des Jungen stopfen...
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