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solarschule schrieb am 4.3. 2003 um 04:04:45 Uhr über

Neonazi

















Neonnazis in Securityfirmen

Helmut Lorscheid und Andrea Röpke 03.03.2003

Das Sicherheitsgewerbe hat sich zur attraktiven Einkommensquelle vieler
Neonazis entwickelt

Private Securityfirmen befinden sich nach wie vor im Aufwind. Unheimlich, still und leise
erobern sie im exekutiven Bereich zahlreicher Innenstädte Macht und Einfluss. Private
Sicherheitsfirmen sorgen inzwischen, neben den herkömmlichen Aufgaben, auch für
Postzustellungen und Feuerwehrdienste. Waren 1989 bundesweit etwa 700 private
Sicherheitsdienste im Einsatz, sind es heute fast 1.500 Dienste mit rund 250.000
Beschäftigten.






Ein bekanntes Bild in Bahnhöfen - wie auch in Shoppingcentern: Wachleute scheuchen
Obdachlose und Punker aus den warmen Hallen, machen damit häufig recht rabiat vom
Hausrecht Gebrauch. Seit den Anschlägen vom 11. September ist das Sicherheitsgefühl der
Deutschen rasant gestiegen - bedenklich nur, dass in den Wachmann-Uniformen auch schon
mal vorbestrafte Straftäter stecken. Die Medien berichten seit Jahren über rassistische oder
gewaltbereite Übergriffe durch Wachpersonal. Nur in Einzelfällen wurde genau hingeschaut
und festgestellt, welche Personen für »Sicherheit« sorgen oder für das, was sie darunter
verstehen.

Dabei steht fest, dass Securityleute nicht nur immer häufiger wie Neonazis aussehen und sich
so benehmen, sondern auch der gewalttätigen rechtsextremen Szene angehören. Doch damit
könnte bald Schluss sein - vorausgesetzt, die Innenministerien wenden die neue
Bewachungsverordnung an, die seit dem 15. Januar 2003 in Kraft ist. Danach legt die
Bundesregierung verstärkten Wert auf »sicheres« Wachpersonal. Im §9 heißt es dazu:


"...(1) Der Gewerbetreibende darf mit Bewachungsaufgaben nur Personen
beschäftigen, 1. die zuverlässig sind, 2. die das 18. Lebensjahr vollendet oder einen
Abschluss nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 besitzen und (...) (2) Die erforderliche
Zuverlässigkeit besitzen in der Regel auch solche Personen nicht, die 1. Mitglied a)
in einem Verein, der nach dem Vereinsgesetz als Organisation unanfechtbar
verboten wurde oder der einem unanfechtbaren Betätigungsverbot nach dem
Vereinsgesetz unterliegt oder b) in einer Partei, deren Verfassungswidrigkeit das
Bundesverfassungsgericht nach § 46 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes
festgestellt hat, waren wenn seit der Beendigung der Mitgliedschaft zehn Jahre noch
nicht verstrichen sind, oder 2. einzeln oder als Mitglied einer Vereinigung
Bestrebungen im Sinne des § 3 Abs. 1 Bundesverfassungsschutzgesetz verfolgen
oder in den letzten fünf Jahren verfolgt haben. Zum Zwecke der
Zuverlässigkeitsüberprüfung von Wachpersonen, die mit Schutzaufgaben im
befriedeten Besitztum bei Objekten, von denen im Falle eines kriminellen Eingriffes
eine besondere Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen kann, beauftragt werden
sollen, kann die zuständige Behörde deshalb zusätzlich bei der für den Sitz der
Behörde zuständigen Landesbehörde für Verfassungsschutz die Abfrage den
nachrichtendienstlichen Informationssystems veranlassen. Das gilt auch nach
Aufnahme der Tätigkeit einer Wachperson. (...)
Quelle


Formuliert wurde diese Verordnung im Hinblick auf mögliche »islamistische Terroristen«
Anwendbar ist sie aber genau so auf rechtsradikale. Immer vorausgesetzt, es besteht
überhaupt die Absicht, Neonazis aus den Wachfirmen herauszuhalten bzw. wieder
herauszudrängen. Einige Firmen, insbesondere in den neuen Bundesländern dürften dann
allerdings vor erheblichen Problemen stehen.

Zum Beispiel: Die Wachfirma Zarnikow aus Rathenow in Brandenburg

Das Unternehmen beschäftigt seit längerem immer wieder gerichtsbekannte Rechtsextremisten
aus dem vom brandenburgischen Verfassungsschutz beobachteten Umfeld der "Kameradschaft
Hauptvolk". Nachweislich stellte Firmenchef René Zarnikow Neonazis wie Maurice Kindt,
Daniel Kuhn, Jens Riedel und Christian Wendt als Sicherheitspersonal ein. Sie sind im
Einsatz, wenn in der Umgebung Volksfeste gefeiert werden, wie im August letzten Jahres beim
» Dachsbergfest« im benachbarten Premnitz, oder sie sichern auch, wenn politische
Prominenz, wie Stoiber und Schönbohm den Wahlkreis besucht.

Christian Wendt wurde gerade kurz vor seinem Wachdiensteinsatz aus dem Gefängnis
entlassen, er war zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er gemeinsam
mit anderen Neonazis einen Bosnier beim Reiterball in Rhinow halb totgeschlagen hatte.
Neonazi Daniel Kuhn ist wegen Waffenmissbrauchs und Körperverletzungsdelikten
vorbestraft.

Doch damit nicht genug: Zarnikow sorgt auf ganz besondere Weise auch für die »Sicherheit«
des örtlichen, von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebenen Asylbewerberheimes. Einer
seiner dort zumindest in den vergangenen Monaten eingesetzten Männer ist Jörgen Ceppok,
langjähriger Angehöriger der örtlichen rechten Szene, seit einiger Zeit angeblich nicht mehr
aktiv. Zahlreiche Flüchtlinge fühlen sich deshalb eher von den Zarnikow-Leuten überwacht
als bewacht. Denn wie es scheint, pflegt der angebliche »Aussteiger« Ceppok weiter den
Kontakt zu seinen alten Kameraden.

Einer der Bewohner erinnert sich an einen nächtlichen Vorfall, als er auf dem Flur des
Flüchtlingsheims stand und um Ruhe bat. Die glatzköpfigen Freunde des Wachmanns griffen
ihn an, wurden dann jedoch noch von ihm aufgehalten. Es blieb bei Beleidigungen. Noch.
Immer wieder berichten Flüchtlinge von Pöbeleien und Angriffen, insbesondere, wenn sie
abends in Rathenow unterwegs sind. Viele der Flüchtlinge haben bereits um eine Verlegung
aus Rathenow gebeten. Der brandenburgische Ort ist der Polizei seit langem als ein rechts-
extremer Brennpunkt bekannt. Es gibt immer wieder blutige Überfälle, auch auf jugendliche
Nazigegner. Die meisten kommen nicht einmal zur Anzeige. Die Firma Zarnikow gilt vor Ort
als einflussreich, immerhin erhält sie Aufträge der Kommunen und sogar der - zumindest im
Westen als eher links geltenden »Arbeiterwohlfahrt«. Deren Bundesgeschäftsführer Rainer
Brückers, versichert denn auch gegenüber Telepolis:


...dass sich die AWO als sozialer und demokratischer Spitzenverband der Freien
Wohlfahrtspflege nachdrücklich zur politischen Bekämpfung von
Fremdenfeindlichkeit und rechtradikaler Gewalt bekennt.


Jedoch, so der Bonner AWO-Mann weiter, besteht kein Handlungsbedarf, denn :


Nach Auskunft der Landesgeschäftsführerin Frau Dr. Brigitte Schnabel gibt es zur
Zeit keine Belege für die Beschäftigung von Rechtsradikalen - weder vom
Landratsamt, noch beim Ministerium oder beim Träger...


So wundert es nicht weiter, dass Proteste der Flüchtlinge und ihrer Unterstützer gegen die
Neonazis im Asylheim bisher erfolglos blieben.. Obwohl, sowohl Innenministerium als auch
Sozialministerium sich jüngst doch genötigt sahen, eine erneute Überprüfung der äußerst
bedenklichen Firma anzuordnen, stehen die zumeist tätowierten, kurzgeschorenen
Muskelmänner von Zarnikow noch Wache im Flüchtlingsheim. Landessozialminister Günter
Baaske (SPD) ließ Ende Dezember 2002 erklären:


Dem Sozialministerium liegen weiterhin keine konkreten Hinweise vor, dass das
Heim von rechtsradikalen Mitarbeitern des Unternehmens bewacht werde. Es gibt
allerdings Indizien dafür, wonach in dem Unternehmen derartige Personen
beschäftigt seien.

Da diese Informationen seit dem Jahr 2000 vorliegen, hatte das Sozialministerium
in der Vergangenheit Stellungnahmen zur Sicherheit des Heims eingefordert. Dem
Sozialministerium wurden keine Beanstandungen gemeldet.
www.brandenburg.de


Tatsächlich hatten sich die Heimbewohner in mehreren offenen Briefen an die Behörden und
die Öffentlichkeit gewandt.

Rechte sorgen für »Ruhe und Ordnung« in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt warnt der Verfassungsschutz vor den Kommerzialisierungsversuchen des
militanten »Selbstschutz Sachsen-Anhalt« des Neonaziführers Mirko Appelt aus Salzwedel.
Im jüngsten Verfassungs- schutzbericht des Landes wird darauf verwiesen, dass die
Gruppierung sich via Internet um Security-Aufträge bemühe. Sie bezeichnet sich als einen
"nicht gewerblichen Zusammenschluss aus geschulten Personen, die in ihrer Freizeit
Ordnertätigkeiten ausüben."

Angeboten werden Ordnerdienste auf Saalveranstaltungen und Demonstrationen, sowie jede
andere Tätigkeit aus dem Ordnerdienst. Gegenüber den Autoren prahlt Appelt mit zahlreichen
privaten Aufträgen, sein Terminkalender ist voll. Er berichtet, dass seine Truppe bereits bei
Tanzveranstaltungen und auf Volksfesten im Einsatz war. Angeblich waren Appelts Mannen
auch für Großveranstaltungen wie Reiterfesten, den traditionellen »Kränzchenreiten« mit bis
zu 1000 Besuchern, als Securities engagiert. Appelts Kameraden stehen als Türsteher vor
Diskotheken, so unter anderem auch in Salzwedel und in Burg. Wer reinkommt und wer nicht,
entscheiden die Neonazis. Dieses Treiben zeigt bereits Wirkung. Beim Vereins "Miteinander -
Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V." dessen weitere Existenz
die CDU-FDP-Regierung in Magdeburg derzeit durch Mittelentzug in Frage stellt, haben
sich immer wieder Jugendliche gemeldet, die erklärten dass sie "von Personen aus dem
Umfeld des SS/SA bedroht wurden» und dass ihnen der« Einlass zu eigentlich öffentlichen
Veranstaltungen von rechten Wachleuten verwehrt wurde." Inzwischen arbeitet Neonazi
Appelt an der Ausdehnung seines gefährlichen Einflussgebietes, so sollen
»Selbstschutz«-Truppen auch in Sachsen entstehen.

Neonazis als Ausbilder

Auch in den alten Bundesländern sind Neonazi-Aktivitäten bisher kein Hindernis für eine
Tätigkeit im Security-Bereich. So sorgt die Firma »WR-Security« in Kaiserslautern nicht nur
für die Sicherheit des Bundesliga-Fußballclubs 1. FCK, sondern bewachte nach eigener
Darstellung in Mainz auch schon die Rheinland-pfälzische Staatskanzlei ebenso wie das ZDF
und den SWR. Im Internet wirbt das Unternehmen unter dem Stichwort »Bodyguards« mit
einem Foto, auf dem einer ihrer Mannen auch Bundeskanzler Schröder bewacht

Im Kampfsport trainiert wurden die so prominent eingesetzten Securityleute von einem der
bekanntesten Neonazis des Landes, Axel Flickinger, bis vor einigen Monaten noch
Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten

Hinweisen aus der rechten Szene zufolge stammt neben Flickinger ein weiterer »WR«-Trainer
aus dem gewaltbereiten Hooligan-Milieu und ein anderer war Anhänger des militanten
»Stahlhelm- Kampfbundes für Europa« Es soll immer wieder zu brutalen Ausfällen der
WR-Security gekommen sein, zum Beispiel als Flugblattverteiler, die anlässlich einer
Veranstaltung zur deutsch-amerikanischen Städtepartnerschaft am 15. 10. 2000 gegen die
Todesstrafe in den USA protestieren wollten. Der Besitzer von »WR«, Werner Rohde, wusste
seit langem von Flickingers politischen Engagement bei der Jugendorganisation der NPD,

Neonnazis in Securityfirmen

Helmut Lorscheid und Andrea Röpke 03.03.2003

Das Sicherheitsgewerbe hat sich zur attraktiven Einkommensquelle vieler
Neonazis entwickelt

Private Securityfirmen befinden sich nach wie vor im Aufwind. Unheimlich, still und leise
erobern sie im exekutiven Bereich zahlreicher Innenstädte Macht und Einfluss. Private
Sicherheitsfirmen sorgen inzwischen, neben den herkömmlichen Aufgaben, auch für
Postzustellungen und Feuerwehrdienste. Waren 1989 bundesweit etwa 700 private
Sicherheitsdienste im Einsatz, sind es heute fast 1.500 Dienste mit rund 250.000
Beschäftigten.






Ein bekanntes Bild in Bahnhöfen - wie auch in Shoppingcentern: Wachleute scheuchen
Obdachlose und Punker aus den warmen Hallen, machen damit häufig recht rabiat vom
Hausrecht Gebrauch. Seit den Anschlägen vom 11. September ist das Sicherheitsgefühl der
Deutschen rasant gestiegen - bedenklich nur, dass in den Wachmann-Uniformen auch schon
mal vorbestrafte Straftäter stecken. Die Medien berichten seit Jahren über rassistische oder
gewaltbereite Übergriffe durch Wachpersonal. Nur in Einzelfällen wurde genau hingeschaut
und festgestellt, welche Personen für »Sicherheit« sorgen oder für das, was sie darunter
verstehen.

Dabei steht fest, dass Securityleute nicht nur immer häufiger wie Neonazis aussehen und sich
so benehmen, sondern auch der gewalttätigen rechtsextremen Szene angehören. Doch damit
könnte bald Schluss sein - vorausgesetzt, die Innenministerien wenden die neue
Bewachungsverordnung an, die seit dem 15. Januar 2003 in Kraft ist. Danach legt die
Bundesregierung verstärkten Wert auf »sicheres« Wachpersonal. Im §9 heißt es dazu:


"...(1) Der Gewerbetreibende darf mit Bewachungsaufgaben nur Personen
beschäftigen, 1. die zuverlässig sind, 2. die das 18. Lebensjahr vollendet oder einen
Abschluss nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 besitzen und (...) (2) Die erforderliche
Zuverlässigkeit besitzen in der Regel auch solche Personen nicht, die 1. Mitglied a)
in einem Verein, der nach dem Vereinsgesetz als Organisation unanfechtbar
verboten wurde oder der einem unanfechtbaren Betätigungsverbot nach dem
Vereinsgesetz unterliegt oder b) in einer Partei, deren Verfassungswidrigkeit das
Bundesverfassungsgericht nach § 46 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes
festgestellt hat, waren wenn seit der Beendigung der Mitgliedschaft zehn Jahre noch
nicht verstrichen sind, oder 2. einzeln oder als Mitglied einer Vereinigung
Bestrebungen im Sinne des § 3 Abs. 1 Bundesverfassungsschutzgesetz verfolgen
oder in den letzten fünf Jahren verfolgt haben. Zum Zwecke der
Zuverlässigkeitsüberprüfung von Wachpersonen, die mit Schutzaufgaben im
befriedeten Besitztum bei Objekten, von denen im Falle eines kriminellen Eingriffes
eine besondere Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen kann, beauftragt werden
sollen, kann die zuständige Behörde deshalb zusätzlich bei der für den Sitz der
Behörde zuständigen Landesbehörde für Verfassungsschutz die Abfrage den
nachrichtendienstlichen Informationssystems veranlassen. Das gilt auch nach
Aufnahme der Tätigkeit einer Wachperson. (...)
Quelle


Formuliert wurde diese Verordnung im Hinblick auf mögliche »islamistische Terroristen«
Anwendbar ist sie aber genau so auf rechtsradikale. Immer vorausgesetzt, es besteht
überhaupt die Absicht, Neonazis aus den Wachfirmen herauszuhalten bzw. wieder
herauszudrängen. Einige Firmen, insbesondere in den neuen Bundesländern dürften dann
allerdings vor erheblichen Problemen stehen.

Zum Beispiel: Die Wachfirma Zarnikow aus Rathenow in Brandenburg

Das Unternehmen beschäftigt seit längerem immer wieder gerichtsbekannte Rechtsextremisten
aus dem vom brandenburgischen Verfassungsschutz beobachteten Umfeld der "Kameradschaft
Hauptvolk". Nachweislich stellte Firmenchef René Zarnikow Neonazis wie Maurice Kindt,
Daniel Kuhn, Jens Riedel und Christian Wendt als Sicherheitspersonal ein. Sie sind im
Einsatz, wenn in der Umgebung Volksfeste gefeiert werden, wie im August letzten Jahres beim
» Dachsbergfest« im benachbarten Premnitz, oder sie sichern auch, wenn politische
Prominenz, wie Stoiber und Schönbohm den Wahlkreis besucht.

Christian Wendt wurde gerade kurz vor seinem Wachdiensteinsatz aus dem Gefängnis
entlassen, er war zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er gemeinsam
mit anderen Neonazis einen Bosnier beim Reiterball in Rhinow halb totgeschlagen hatte.
Neonazi Daniel Kuhn ist wegen Waffenmissbrauchs und Körperverletzungsdelikten
vorbestraft.

Doch damit nicht genug: Zarnikow sorgt auf ganz besondere Weise auch für die »Sicherheit«
des örtlichen, von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebenen Asylbewerberheimes. Einer
seiner dort zumindest in den vergangenen Monaten eingesetzten Männer ist Jörgen Ceppok,
langjähriger Angehöriger der örtlichen rechten Szene, seit einiger Zeit angeblich nicht mehr
aktiv. Zahlreiche Flüchtlinge fühlen sich deshalb eher von den Zarnikow-Leuten überwacht
als bewacht. Denn wie es scheint, pflegt der angebliche »Aussteiger« Ceppok weiter den
Kontakt zu seinen alten Kameraden.

Einer der Bewohner erinnert sich an einen nächtlichen Vorfall, als er auf dem Flur des
Flüchtlingsheims stand und um Ruhe bat. Die glatzköpfigen Freunde des Wachmanns griffen
ihn an, wurden dann jedoch noch von ihm aufgehalten. Es blieb bei Beleidigungen. Noch.
Immer wieder berichten Flüchtlinge von Pöbeleien und Angriffen, insbesondere, wenn sie
abends in Rathenow unterwegs sind. Viele der Flüchtlinge haben bereits um eine Verlegung
aus Rathenow gebeten. Der brandenburgische Ort ist der Polizei seit langem als ein rechts-
extremer Brennpunkt bekannt. Es gibt immer wieder blutige Überfälle, auch auf jugendliche
Nazigegner. Die meisten kommen nicht einmal zur Anzeige. Die Firma Zarnikow gilt vor Ort
als einflussreich, immerhin erhält sie Aufträge der Kommunen und sogar der - zumindest im
Westen als eher links geltenden »Arbeiterwohlfahrt«. Deren Bundesgeschäftsführer Rainer
Brückers, versichert denn auch gegenüber Telepolis:


...dass sich die AWO als sozialer und demokratischer Spitzenverband der Freien
Wohlfahrtspflege nachdrücklich zur politischen Bekämpfung von
Fremdenfeindlichkeit und rechtradikaler Gewalt bekennt.


Jedoch, so der Bonner AWO-Mann weiter, besteht kein Handlungsbedarf, denn :


Nach Auskunft der Landesgeschäftsführerin Frau Dr. Brigitte Schnabel gibt es zur
Zeit keine Belege für die Beschäftigung von Rechtsradikalen - weder vom
Landratsamt, noch beim Ministerium oder beim Träger...


So wundert es nicht weiter, dass Proteste der Flüchtlinge und ihrer Unterstützer gegen die
Neonazis im Asylheim bisher erfolglos blieben.. Obwohl, sowohl Innenministerium als auch
Sozialministerium sich jüngst doch genötigt sahen, eine erneute Überprüfung der äußerst
bedenklichen Firma anzuordnen, stehen die zumeist tätowierten, kurzgeschorenen
Muskelmänner von Zarnikow noch Wache im Flüchtlingsheim. Landessozialminister Günter
Baaske (SPD) ließ Ende Dezember 2002 erklären:


Dem Sozialministerium liegen weiterhin keine konkreten Hinweise vor, dass das
Heim von rechtsradikalen Mitarbeitern des Unternehmens bewacht werde. Es gibt
allerdings Indizien dafür, wonach in dem Unternehmen derartige Personen
beschäftigt seien.

Da diese Informationen seit dem Jahr 2000 vorliegen, hatte das Sozialministerium
in der Vergangenheit Stellungnahmen zur Sicherheit des Heims eingefordert. Dem
Sozialministerium wurden keine Beanstandungen gemeldet.
www.brandenburg.de


Tatsächlich hatten sich die Heimbewohner in mehreren offenen Briefen an die Behörden und
die Öffentlichkeit gewandt.

Rechte sorgen für »Ruhe und Ordnung« in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt warnt der Verfassungsschutz vor den Kommerzialisierungsversuchen des
militanten »Selbstschutz Sachsen-Anhalt« des Neonaziführers Mirko Appelt aus Salzwedel.
Im jüngsten Verfassungs- schutzbericht des Landes wird darauf verwiesen, dass die
Gruppierung sich via Internet um Security-Aufträge bemühe. Sie bezeichnet sich als einen
"nicht gewerblichen Zusammenschluss aus geschulten Personen, die in ihrer Freizeit
Ordnertätigkeiten ausüben."

Angeboten werden Ordnerdienste auf Saalveranstaltungen und Demonstrationen, sowie jede
andere Tätigkeit aus dem Ordnerdienst. Gegenüber den Autoren prahlt Appelt mit zahlreichen
privaten Aufträgen, sein Terminkalender ist voll. Er berichtet, dass seine Truppe bereits bei
Tanzveranstaltungen und auf Volksfesten im Einsatz war. Angeblich waren Appelts Mannen
auch für Großveranstaltungen wie Reiterfesten, den traditionellen »Kränzchenreiten« mit bis
zu 1000 Besuchern, als Securities engagiert. Appelts Kameraden stehen als Türsteher vor
Diskotheken, so unter anderem auch in Salzwedel und in Burg. Wer reinkommt und wer nicht,
entscheiden die Neonazis. Dieses Treiben zeigt bereits Wirkung. Beim Vereins "Miteinander -
Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V." dessen weitere Existenz
die CDU-FDP-Regierung in Magdeburg derzeit durch Mittelentzug in Frage stellt, haben
sich immer wieder Jugendliche gemeldet, die erklärten dass sie "von Personen aus dem
Umfeld des SS/SA bedroht wurden» und dass ihnen der« Einlass zu eigentlich öffentlichen
Veranstaltungen von rechten Wachleuten verwehrt wurde." Inzwischen arbeitet Neonazi
Appelt an der Ausdehnung seines gefährlichen Einflussgebietes, so sollen
»Selbstschutz«-Truppen auch in Sachsen entstehen.

Neonazis als Ausbilder

Auch in den alten Bundesländern sind Neonazi-Aktivitäten bisher kein Hindernis für eine
Tätigkeit im Security-Bereich. So sorgt die Firma »WR-Security« in Kaiserslautern nicht nur
für die Sicherheit des Bundesliga-Fußballclubs 1. FCK, sondern bewachte nach eigener
Darstellung in Mainz auch schon die Rheinland-pfälzische Staatskanzlei ebenso wie das ZDF
und den SWR. Im Internet wirbt das Unternehmen unter dem Stichwort »Bodyguards« mit
einem Foto, auf dem einer ihrer Mannen auch Bundeskanzler Schröder bewacht

Im Kampfsport trainiert wurden die so prominent eingesetzten Securityleute von einem der
bekanntesten Neonazis des Landes, Axel Flickinger, bis vor einigen Monaten noch
Landesvorsitzender der Jungen Nationaldemokraten

Hinweisen aus der rechten Szene zufolge stammt neben Flickinger ein weiterer »WR«-Trainer
aus dem gewaltbereiten Hooligan-Milieu und ein anderer war Anhänger des militanten
»Stahlhelm- Kampfbundes für Europa« Es soll immer wieder zu brutalen Ausfällen der
WR-Security gekommen sein, zum Beispiel als Flugblattverteiler, die anlässlich einer
Veranstaltung zur deutsch-amerikanischen Städtepartnerschaft am 15. 10. 2000 gegen die
Todesstrafe in den USA protestieren wollten. Der Besitzer von »WR«, Werner Rohde, wusste
seit langem von Flickingers politischen Engagement bei der Jugendorganisation der NPD,
hatte jedoch nichts dagegen einzuwenden.

»National befreite Zonen« - durch rechte Securities ?

Das Sicherheitsgewerbe hat sich zur attraktiven Einkommensquelle vieler
kampfsportgestählter Neonazis entwickelt. Für »Recht und Ordnung« zu sorgen, einseitige
politische Macht auszuüben und die Möglichkeit, die rechte Szene damit finanziell auch noch
zu unterstützen - eine gefährliche Kombination, die auch in vielen anderen deutschen Städten
bereits Anwendung findet. Der Bundesverband des Wachgewerbes BDWS sieht bisher keinen
besonderen Handlungsbedarf. Neonazis in Securityfirmen werden dort bisher nicht als
Problem erkannt. Dem gegenüber hat das Bundesamt für Verfassungsschutz Mitte letzten
Jahres unter den Landesämtern eine Anfrage zum Thema »Rechtsradikale in Wachdiensten«
gestartet. Das Ergebnis lässt auf sich warten.

















Kommentare:
Wie wär's mal mit Beweisen? (B-E-N, 4.3.2003 1:32)
Dann musst Du aber hier auch nicht rumheulen (B-E-N, 4.3.2003 1:19)
»Psychologie heute« ;-) (pacifist004, 4.3.2003 1:17)
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last modified: 27.02.2003
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