Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Bericht-aus-venezuela«
Maeggi schrieb am 27.8. 2002 um 01:41:09 Uhr zu
Bewertung: 8 Punkt(e)
liebe mit-blasterer, an dieser stelle werde ich in zukunft hin und wieder abrisse meiner erfahrungen auf dem suedamerikanischen kontinent geben. denn seit gestern befinde ich mich in caracas, zur begruessung gab es wie gewuenscht regen, denn sonne hatte ich in cottbus schon zuviel abbekommen, das brauch ich in den tropen wirklich nicht mehr... auch gleich unangenehme begegnungen mit taxi-fahrern am flughafen, aber ich habe unbeirrt den bus genommen, 2 stunden stau, und schon ist man in venezuelas hauptstadt. bin sogar abgeholt worden, habe ueber 5 ecken leute kontaktiert, die sich als ueberaus hilfreich erwiesen haben, einfach unglaublich, kennen mich gar nicht, aber haben mir ein zimmer besorgt und fuehren mich durch die stadt, damit ich nicht aus versehen in der falschen gegend lande. auch an der uni war ich schon, leider sind die leute, die fuer auslaendische studenten zustaendig sind, noch in urlaub, aber jetzt weiss ich wenigstens, wo ich hin muss... dafuer bin ich bereits nutzerin der hiesigen goethe-instituts-bibliothek, wo die frau an der theke denkt, dass meine e-mail ob des .de kuerzels unmoeglich in venezuela funktionieren kann. aber ich bin ja so modern (sieht man an den vielen ohrringen), ich weiss das besser.
Mäggi schrieb am 14.11. 2002 um 23:10:31 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
und da kam sie auf mich herab, die rache, nein nicht von moctezuma, der war ja auch mexikaner, aber vielleicht doch von irgendeinem wiederauferstandenen cacique hier, irgendein kopfjaegerhaeuptling, juenger von bolivar, was tun gegen den globalisierenden einfluss, wenn das land doch frei sein will? ich schweife ab, will ich doch nur von der grippe, die mich als hiesige viren nicht gewoehnte frau uebelst aus der bahn geworfen hat, berichten. ist ja auch nur legitim, unter tropischer grippe zu leiden, wenn doch die conquistadores einst viren eingeschleppt hatten, die die urbevoelkerung nur noch dezimiert haben. da nehmen wir doch gern ein bisschen kollektiv-suehne auf uns. ich litt ja auch nicht alleine, 50% der anderen deutschen hier auch.
aber den effekt, den so eine grippe hat - entweder du hast keine zeit, dich auszukurieren, musst dich in irgendwelchen kuehlschrankgleichen klimatisierten raeumen rumtreiben, bessert den gesundheitszustand ungemein. bezeichnenderweise auch arztwartezimmer weisen dergleichen klimatische bedingungen auf, und wenn du dich dann 2mal dort hinquaelst, wartest, leidest, um dann zu hoeren, dass der arzt doch nicht kommt, fuehrt das schon mal zur allgemeinen venezuela-krise. die wird dann noch verschaerft, wenn man, voellig matschig zu hause liegt, und die ganze stadt hat nichts anderes zu tun, als laerm vor deinem fenster zu machen, und du kannst nirgends hin. da wird das freundlich blinzelnde »die haben alle ´nen knall« schon mal zu »gebt mir eine kalaschnikow, und ich will das gehirn jedes rhythmisch hupenden oppositionellen autofahrers auf sitze und fahnen spritzen sehen!« nun ja, ich haette nicht mal eine kalaschnikow halten koennen vor lauter schwaeche.
Mäggi schrieb am 3.12. 2002 um 17:12:39 Uhr zu
Bewertung: 6 Punkt(e)
die muecken in der gran sabana heissen puri-puri, sind wie obstfliegen, nur schneller, und ich sehe aus wie beulenpest... nur wenn es windig ist, ist ruhe. das war gott sei dank auf dem tepuy der fall, was aber wiederum schlecht fuer das lagerfeuer war, aber das haben wir schon hingekriegt, samt den letzten schnapsreserven, was wiederum nicht gut fuer mich war (habe ich mir am naechsten morgen erzaehlen lassen...). dann zelte abbrechen und zurueck in die zivilisation, in rekordzeit rausbrechen, denn wir wollten auf der brasilianischen seite essen, und die grenze macht um 10 zu, 3 stunden, wo man normal mindestens 4 braucht...
und wir haben gefressen, dass es nicht mehr schoen ist, churrasco, endlich wieder was leckeres, in venezuela gibt´s ja immer nur arepas...
danach im camp ein geburtstags-lagerfeuer, samt besaeufnis, und das vorher so gross-spurig von unserem guia angekuendigte fruehe aufstehen am naechsten tag fiel natuerlich flach. 3 mal nach sta elena fahren, bis gluecklich alle fruehstueck hatten, und um 3 los richtung caracas, um noch die schluchten und wasserfaelle auf dem weg zu sehen, wo doch start spaetestens um 10 sein sollte. dementsprechend natuerlich nur ´nen teil gesehen, aber egal, war so auch schoen. und dann die verbleibenden 20 stunden durchgeheizt, oopa, zurueck in die gross-stadt, grosse freude war das nicht.
Maeggi schrieb am 29.8. 2002 um 22:24:05 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
die stadtgrenze von caracas wird im norden vom monte avila gebildet, nationalpark, wandermoeglichkeiten, es gibt sogar eine seilbahn, das zu erkunden habe ich mir fuer's wochenende vorgenommen. bis dahin werde ich noch meine naehere umgebung durchstreifen, denn dort ist kultur zuhauf, museen, parks, theater. na ja, und natuerlich weinkaufszentrum (das w ist zuviel, aber es trifft es ganz gut, was dieser gigantomane komplex in mir ausloest), bekroent von wohntuermen, muss immer an j.g. ballards hochhaus denken, die stadt in der stadt, die hierarchie, die sich verselbstaendigt... aber wenn man doch ein bisschen weiter laeuft, dann gibt's geschaeftige gassen, leben in den strassen, haendler, und ziemlich viel gruen. heute bin ich so bis zum capitol spaziert, nicht eingedenk, dass ich dort auch nicht hingehen sollte, wegen spontaner demonstrationsgefahr. erzaehlte mir nicht meine zimmerwirtin, dass sie schon zweimal vor schusswechseln weglaufen musste?
trotz alledem kann man gemuetlich auf schattigen plaetzen sitzen, falls nicht irgendein typ kommt und der vermeintlichen spanierin eine lobeshymne auf ihre schoenheit singt. gut dass ich so realistisch bin, sonst koennte ich glatt eingebildet werden - aber er wird dem naechsten maedel das gleiche erzaehlen - oder setzt sich sonst keine allein auf die bank in der gefaehrlichen stadt?
Mäggi schrieb am 5.2. 2003 um 01:34:29 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
na, dies wird fuer einige zeit der letzte bericht-aus-venezuela sein, denn ich bin mittlerweile in puerto ayacucho angekommen, der letzte vorposten der zivilisation, danach kommt nur noch amazonas, dschungel und dergleichen, und morgen fliege ich da mitten rein. zwar nur, um nach brasilien zu kommen, aber ich denke, auch ohne expedition zu den yanomami duerfte es noch abenteuerlich genug sein, einmal in san carlos de rio negro angekommen (so heisst das kaff) muss ich mir einen fluss-transport suchen, denn strassen gibt´s dort nicht mehr. bin schon richtig gespannt...
der rest von venezuela ist irgendwie schon ganz weit weg, caracas schon gar nicht mehr wahr, und auch merida driftet weg. dort allerdings war venezolismus par excellence angesagt, sinnloser aktionismus, warten a la vakilandora, unlogik etc. wahrscheinlich bin ich mittlerweile auch schon tropicalizada, denn genau diese verhaltensweisen stelle ich bei mir nun auch gehaeuft fest... welche vorstellung - venezuela das perfekte land fuer mich?
die tour in den paramo schrumpfte von geplanten 3 tagen auf einen nachmittag, aber das hat eigentlich gereicht - der muskelkater danach war betraechtlich. nichtsdestotrotz habe ich in den naechsten tagen mit wandern weitergemacht, man soll ja seinem koerper nichts durchgehen lassen...
und erlebnisse wie grosseinkauf mit familie chavista auf dem mercado popular, wo alles wirklich billig ist und trotzdem noch um jeden bolivar gefeilscht wird, haben ja auch was fuer sich. das feilschen ist natuerlich noetig, weil die leute wegen des streiks alle wirklich kein geld mehr haben. gerade in merida leben viele leute vom tourismus, und es kommen keine touristen mehr ins land. die venezolaner reisen auch nicht mehr, weil sie entweder denken, es sei gefaehrlich oder weil sie auch zwangsweise im streik sind und nicht bezahlt werden... derweil feuert die opposition unmengen an geld fuer voellig sinnlose dinge raus, das neueste war das firmazo, eine gigantische unterschriftenaktion, die unter anderem chavez´ ruecktritt,die wiedereinsetzung der korrupten pdvsa-manager und diverse verfassungsaenderungen fordert (ueber die verfassung ist wohlgemerkt demokratisch abgestimmt worden, und sie wurde mit einer mehrheit von 80% eingesetzt, genauso wie chavez mit ueberwaeltigender mehrheit gewaehlt worden ist. aber das interessiert die grosskopferten ja nicht...). ist zwar legal, bewirkt aber nix, genauso eine bloede aktion wie die unterschriftensammlungen der cdu seinerzeit. oder bewirkt vielleicht doch was, naemlich dass die situation weiter angeheizt und die leute noch mehr aufgehetzt werden... die vorgeschichte hierzu ist die ablehnung des referendums wg der neuwahlen als verfassungswidrig. hierzu ist zu sagen, dass es zwei arten von referendum gibt, das consultativo, das den charakter eines volksbegehrens hat und vorschlaege einbringt. es benoetigt 20% + 1 stimme, um durchzugehen. aber da in einer demokratie wahlen ja wohl mehrheitsentscheidungen sind, ist die verfassungswidrigkeit ja wohl offensichtlich, wenn ueber dieses referendum neuwahlen gefordert werden, denn 20% der wahlbevoelkerung sollten nicht darueber befinden koennen, ob wahlen stattfinden oder nicht... das andere referendum, das revocatorio, kann erst im august bei haelfte der legislaturperiode stattfinden und ungeliebte amtsinhaber wie z.b. den praesidenten und seine ganzen minister abwaehlen. aber dazu sind 50% und eine stimme noetig. und das schaffen sie nie, die esqualidos!!!
aber wie gesagt, das ist fuer mich eigentlich schon ganz weit weg, und hier ist eigentlich nichts davon spuerbar.
Maeggi schrieb am 18.9. 2002 um 20:59:29 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
bin ja in letzter zeit voellig ausgebucht - jeden tag bier trinken gehen, an der
uni ist auch stikte anwesenheitspflicht - nerv, na ja, am sonntag haben wir`s
dann endlich mal auf den avila geschafft, rauf mit der seilbahn (teleferico),
durch dschungel fast schon, und das so nah an der stadt, und rein in den feuchten
nebel - endlich wieder kaelte! bloss, dass oben nur noch fressmeile und zirkus
ist fuer die sonntagsausfluegler, wo ich doch natur u. bewegung wollte. da hab
ich dann deutsch-individualistisch die gruppe gesprengt, mein ticket fuer die
talfahrt verschenkt und die doch viel zu besorgten venezolaner, die immer meinen,
dass alles viel zu gefaehrlich ist, vor vollendete tatsachen gestellt - ich
musste ja jetzt zu fuss runter gehen. die sache endete damit, dass wir 3
deutschen zu fuss abstiegen, wunderschoener weg durch den wald, untere haelfte
leider steile betonierte strasse, das war ganz schoen anstrendgend, und
rausgekommen sind wir natuerlich im barrio, wo wir einen bus ins zentrum nahmen
(ohne dass wir vorher ausgeraubt wurden, oh wunder...). die 3 venezolaner fuhren
mit der bahn und waren als gruppenmenschen sicher arg enttaeuscht von mir. mit
den gleichen menschen waren wir am samstag in petare, welchselbiges auch ein
barrio ist, aber frueher selbstaendiges dorf mit huebschem kolonialen kern. wir
mussten eine einweisung ueber uns ergehen lassen, die maedels bekamen einen
schuetzenden arm um die schultern, wir retteten uns in die kirche, von dort
wurden wir ins rathaus gezerrt, denn der »mob« dort war schon auf uns aufmerksam
geworden. meiner meinung nach nicht, weil wir auslaender waren, sondern wegen des
verhaltens unserer beschuetzer... die welten in venezuela sind ja doch sehr
getrennt, mittel- bis oberklasse hat ja nichts mit barrio zu tun, und will damit
auch nichts zu tun haben. keine beruehrungspunkte. also, man sollte sich wirklich
nicht nachts in ein barrio wagen, und auch nicht alleine, aber tagsueber,
kleingruppe und normales benehmen sollte eigentlich reichen, um unbeschadet da
durch zu laufen. klar, handy und kamera zu hause lassen, und wenig geld
mitnehmen. aber wir waren dann doch noch in petare essen, obwohl carlos meinte,
das waere so unhygienisch. hat gut geschmeckt und auch keine spaetfolgen
hinterlassen. spaetfolgen des avila hingegen waren 2 tage muskelkater.
montags bin ich mal wieder auf zimmersuche rumgestiefelt, ich wette, es war eine
gegend, wo es gefaehrlich ist, aber es war nett, und ich dachte, ach eigentlich
gefaellt mir caracas echt, kuck noch so `n bisschen in die schaufenster, und
pardauz, ein loch im gehsteig, ich lag flach, knoechel gezerrt, und als der dann
am naechsten tag schoen blau war, beschloss ich dann, das hiesige
gesundheitssystem auszuprobieren, was auch schon eine erfahrung fuer sich war.
aber ich hab jetzt ein venezolanisches roentgenbild, und eigentlich hat alles bis
auf die warterei sehr gut geklappt.
so ,muss zum unterricht, mit deutscher puenktlichkeit...
Maeggi schrieb am 7.10. 2002 um 20:14:27 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
die wahre reise nach absurdistan habe ich am samstag hinter mich gebracht, ein ausflug mit meiner wirtin, den kindern und meinen mitbewohnern zur colonia tovar, einer deutschen kolonie. trotz fast 200 jahren in venezuela sind dort die kinder immer noch hellblond, und auch wenn mittlerweile zumeist spanisch gesprochen wird, hoert man doch noch vereinzelt schwarzwaelder dialekt. man stelle sich also ein dorf vor, mir haeusern weit verstreut, im tropischen bergwald. da man mit klischees geld verdienen kann, besitzen alle haeuser aufgemaltes fachwerk, die laeden und cafes haben geschnitzte schilder mit deutschen namen, es gibt ueberall salchicha alemana (deutsche wuerstchen) und sogar eine kleine brauerei, die nach dem reinheitsgebot produziert. zu allem ueberfluss gab es auch noch ein oktoberfest, mit der traditionellen tanzgruppe (wie aus dem 50er jahre heimatfilm), jodel-darbietung, schweinshaxe, etc. und ich, die in deutschland einen grossen bogen um dergleichen events macht, sass nahe dem aequator und konnte es nicht fassen. meine begleiter haben sich urst amuesiert, und ich eigentlich auch, schon weil´s so surreal war. mal so nebenbei, neben dem bier eine flasche mora-likoer geleert, und der fahrer, der genauso wenig wie ich in der nacht zuvor geschlafen hatte, trank fleissig mit. aber der ist eh voellig durchgeknallt, aber das ist eine andere geschichte.
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