Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Donnerstagsbeichte«
masXin schrieb am 17.9. 2018 um 18:55:16 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Musste natürlich hin und im Arcadia Opera Shop nach meinem Tod in Venedig schauen, und siehe da, er war nicht übel placiert. Wie froh ich bin, dass ich beim Nachdruck noch im letzten Augenblick »Edition Favoriten« hinzuerfunden habe und auch die Adresse »Barnabitenstiege«, indem wo ich wohne zwar Rennweg ist, aber es gibt von der Barnabitengasse her auch einen Zugang, und eine wenigstens leichte Verschlüsselung ist mir schon immer ein Vergnügen gewesen, oft auch eine Notwendigkeit.
Es liegen 3 Exemplare flach auf dem Tisch und eines ist aufgestellt und angelehnt. Ich habe alle unauffällig mit dem Fingernagel markiert, so dass ich, wenn ich wiederkomme, einen Verkauf feststellen kann eventuell.
Thomas Xaver Innsbruckner
Marimbaphon
Ein Tod in Venedig
Edition Favoriten
Barnabitenstiege
(€ 22,--)
masXin schrieb am 16.5. 2018 um 16:58:38 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Indem mitgeteilt wurde, dass meines Donnerstagsbuben 3D-Abbild – sagen wir doch einfach Fotoplastik – vollendet ist und abholbereit, machten wir uns auf sogleich zu den Stadtbahnbögen und zur dort befindlichen „3D-Lounge“. Ich zeigte noch hinüber zum Gebäude dieser Zaha Hadid, irgend ein Urteil, eine Verurteilung erwartend, aber es ging zügig weiter. Zu sehr verlangte es Adrian, den Karton entgegenzunehmen, zu öffnen, sich selbst in Noppenfolie gewickelt und auf strohartigem Füllmaterial gebettet herauszunehmen, zu enthüllen, so, wir wir es vor 4 Wochen eine Kundin haben tun sehen, aber viel vorsichtiger, indem diese Kundin in unbeherrschter Eile einem Hündchen ein Bein abgebrochen hatte.
„Ganz schön aufregend“ bemerkte Adrian im Weitergehen, in einem beiläufigen und verächtlichen Ton. Mir fiel ein: das Bauwerk könnte auch einen Lärm machen, eine unaufhörliche Knallerei – wäre das nicht noch aufregender? Auch zuckende Blitze könnten installiert sein, ohne dass es Bau- und Unterhaltskosten erheblich belasten müsste.
So ist es doch nur eine in Stummheit erstarrte Katastrophe, indem, was eigentlich stürzen muss, mitten im Fall einfach stehenbleibt.
In solche Gedanken war ich versunken, und nahm kaum wahr, wie Adrian sein Ebenbild, im Maßstab 1:10 etwa, in seine Hände nahm und voll Freude betrachtete.
masXin schrieb am 25.2. 2018 um 10:31:28 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Wir inspizierten den größten Raum in Gerdas Wohnung, den Salon nämlich, auch stellte sich Adrian, mein Donnerstagsbub, bald an das Rednerpult und begann laut vorzutragen, was man eigentlich nur leise und nicht öffentlich bereden sollte. In diesem Sinn rief ich ihm zu. Adrian begriff sogleich und sprach unhörbar leise weiter und behalf sich mit pantomimischer Verdeutlichung. Unterdessen entdeckte ich im rückwärtigen Bereich ein Regal mit Schallplatten, sowie auf dem Regal, unter einem Tuch verborgen, einen Plattenspieler. Indem für ihn Technisches doch das Allerinteressanteste ist, war Adrian sofort zur Stelle, und es gelang uns in kürzester Zeit, Verstärker und Lautsprecher aufzufinden und mit dem Plattenspieler zu verkabeln, auch griff sich Adrian irgendeine Schallplatte heraus, es war Smetanas Moldau und andere populäre Stücke. Da aber übernahm ich ganz das Kommando, indem Adrian Schallplatten ganz unbekannt sind, und legte in übertriebener Vorsicht die Platte auf, auch musste die Nadel von Hand aufgesetzt werden.
Wie Gerda hereinkam bald darauf und ganz hingerissen war, sogar sprachlos gegen die Wand sich lehnen musste, indem schallend laut die Moldau erklang und Adrian und ich tanzten und umschlungen im Kreis uns drehten. Und wie Adrian formvollendet (nie hatte er Tanzstunde und dergleichen notwendig gehabt) die Gerda zum Tanz aufforderte dann.
masXin schrieb am 3.2. 2018 um 18:49:46 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Ungern erinnere ich mich des eigentlichen Casting-Geschehens, und wie Elyas willig den Anweisungen des Photographen sich fügte, auch bei den dümmsten Scherzen gleich mitlachte. Ich wollte schon einschreiten - aber überlegte dann, wie oft er dieses schon mitgemacht hat und noch mitmachen wird in Zukunft - indem der Photograph während des Umziehens jedesmal unbedenklich weiter photographierte, wozu Elias wissentlich seinen Körper auch weiterhin noch darbot.
Dass er offenbar keinen Überdruss empfindet, wo er doch geklagt hat, wie alle, Mann und Frau, ihn anstarren immer wegen seiner großen dunklen Augen, insbesondere seiner langen Wimpern wegen, welche in der Tat einen Zentimeter etwa lang sein dürften. Ich sprach soeben von Zukunft. Nun ist es so, dass auf Elyas' Oberlippe Bartwuchs deutlich schon erkennbar ist. Wie schnell werden Buben seiner Art, von robuster und fülliger Natur nämlich, unförmig, haarig, überhaupt unansehnlich und unausstehlich. Ein Unmensch wie ich könnte nie zu ihm sagen: ich werde immer unverändert dir zugeneigt bleiben, indem der oberflächliche Schein mir alles ist.
masXin schrieb am 24.6. 2018 um 11:55:36 Uhr zu
Bewertung: 25 Punkt(e)
Selten zwar, aber gelegentlich doch bringe in meinen Donnerstagsbuben auf ein gewisses Thema - dem er aber beharrlich ausweicht - indem ich glaube, dass er in einem Alter sich befindet, wo noch nichts festgelegt ist für alle Zeit. Wenn es auch heißt, derlei sei von Geburt an vorbestimmt fürs ganze Leben. Altmodisch, wie ich im Grunde bin, und indem ich sein Glück will, wünsche ich, er möge eines Tages, nicht zu früh, aber zur rechten Zeit, die kongeniale Gefährtin finden und ein zahlreiche Familie gründen. Mag er auch selbst nicht in eine geradezu vorbildliche Familie hinein geboren sein.
Nun kam Adrian aber von sich aus auf dieses lebenswichtige Thema zu sprechen - indem er ohnehin alles Glaubliche und Unglaubliche aus seinem Schulalltag zu berichten pflegt - nämlich, dass der Alexander immer öfters mit eine gewissen Bettina zusammen gesehen wird. War dieser Alexander nicht mit John, dem Ballett-Tänzer an der Staatsoper, verlobt geradezu gewesen schon geraume Zeit.
Eine gewisse Unruhe hat diese Mitteilung in mir ausgelöst. Und hat einen Traum mir beschert heute Nacht, wo ich wieder einmal auf meinem »Traumschiff« mich befand, das am Donaukanal festgemacht hat, und das mir gehört offenbar. Jedenfalls scheine ich dort mich zu mehr Hause zu fühlen als irgendwo sonst auf festem Boden. Ein Ablegen und Davonfahren allerdings ereignet sich nie.
Es hatte im heutigen Traum ein anderes Schiff an der Wasserseite meines Traumschiffs festgemacht, zu meiner Überraschung, sogar Freude. Proviant wurde von der Ufermauer über mein Schiff hinweg zur »Aquarius« getragen, so übrigens war der Name des Schiffs. Nicht sehr vorsichtig übrigens, indem ich selbst mein Schiff immer sehr pfleglich behandele und keine Besucher dulde für gewöhnlich. Hin und her überlegte ich, ob ich mich freuen soll über den Besuch oder ärgern, und so bin ich allmählich wach geworden heute früh.
masXin schrieb am 2.7. 2018 um 12:29:29 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
»Indem ein Bub in seinem Alter nicht alles zur Sprache bringt, gar reflektiert, es sei denn etwas dem spontanen Fauchen oder Schnurren eines Katers vergleichbares...«
- das habe ich, gar nicht lange her, behauptet, und bin nun einigermaßen beschämt.
Hat nicht, erstens, Hochleitner, der Deutschlehrer, Adrians Aufsätze besonders gelobt seinerzeit?
Und zweitens - dass ich darauf ganz vergessen habe! - durfte ich selbst doch erleben, wie mein Donnerstagsbub übersprudeln kann vor Beredsamkeit, und zwar in ganz klaren Worten, indem ich ihm ein einziges Mal einen einzigen Zug erlaubt habe an meiner Geheizten, einer mit Cannabis angereicherten Zigarette also.
Nun hat er doch neulich in der Nacht, nur aus einem überfließenden Herzen heraus, so schön gesprochen wiederum! Hat auch aus einem Buch von mir zitiert, den Memoiren eines Neffen, zu meiner allergrößten Überraschung, indem ich selbst kein Exemplar davon mehr besitze (ich bin ein zu unbedenklicher Ausleiher von Büchern), und auch mein Buchhändler in der Garbergasse hat einen Nachdruck angefordert zum wiederholten Mal bereits. Es muss der Adrian ein Exemplar versteckt haben unter seinen Sachen, die ich aber nicht anrühren will.
masXin schrieb am 27.6. 2018 um 11:17:24 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
„Lass dich doch überraschen“ sagt mir mein Donnerstagsbub, indem er dieses Glücksversprechen gegeben hat für Freitag, das ist übermorgen. Und drehte mir im Bett den Rücken zu. Immerhin, indem ich von hinten den Arm um ihn legte, hielt er meine Hand fest in der seinigen ganz schön lange; war dann bald eingeschlafen. Es ist nun so mit mir, dass Vorfreude sich anfühlt wie Angst fast, ich kenne es nicht anders, indem Erwartung von etwas Schönem selten eine sichere, sondern eine ganz unsichere gewesen ist allermeistens in meinem Leben.
Hat doch Adrian Kerzenleuchter aus der ganzen Wohnung geholt und in unserem Zimmer versammelt, was mir gar nicht aufgefallen wäre, hätte Gerda mich nicht hingewiesen darauf, auch versichert zugleich, dass der Bub die Erlaubnis eingeholt habe zuvor.
Es muss damit zusammenhängen, dass unser Zimmer in der Pension Silvia in der Nacht nicht ganz zu verdunkeln gewesen ist, und ich somit die schöne Gelegenheit hatte, den wachen, den schläfrigen, den schlafenden Buben zu betrachten, bis ich selbst dann eingeschlafen bin gegen meinen Willen eigentlich.
Das muss Adrian zu denken gegeben haben, indem unsere Wohnung im Rennweg im fünften, im obersten Stock sich befindet, und folglich die Straßenlaternen tief unten hängen; selbstverständlich ist auf die Dauer Dunkelheit im Schlafzimmer nur von Vorteil.
masXin schrieb am 28.3. 2018 um 10:09:34 Uhr zu
Bewertung: 11 Punkt(e)
Indem mein Donnerstagsbub Adrian alles abwies, was Trost oder Zuspruch sein könnte, den Tod seiner Tante Bianca betreffend, gelang es mir schließlich, in einer Sache ein Zuhören, eine Aufmerksamkeit sogar zu erlangen, nämlich bei der Frage, wie man bei dieser Anfang April bevorstehenden Begräbnisfeierlichkeit am angemessensten gekleidet sei. Gerdas Rat nahmen wir gern entgegen, indem sie bereits drei Ehemänner überlebt hat und folglich ihr das Bestattungsthema ein vertrautes ist.
Keinesfalls wollte Adrian einen Anzug auch nur anprobieren, den Gerda aus einem ihrer Kästen geholt hatte, und der ihrer Ansicht nach genau passen würde und ihm sogar gut stehen.
Bei Hugo Boss etwa könnten wir auch etwas geeignetes finden, warf ich ein, etwas eher zeitgemäßes, und nicht nur für Trauerfälle, etwas auch für eine Abiturfeier eventuell geeignetes, sofern er bis dahin nicht noch erheblich an Größe und Stärke zunehmen werde. Das fand Adrians vollkommene Zustimmung, und nun war er sogar bereit, diesen Anzug eines der ehemaligen Ehemänner der Gerda anzuziehen, nur probeweise selbstverständlich. Vorsichtig legte Gerda den in eine schonende Papierhülle gebetteten Anzug dem Adrian über den Arm. Dann zogen wir uns in unser Zimmer zurück, und kamen eine ganz schön lange Zeit nicht wieder.
masXin schrieb am 15.9. 2018 um 12:28:19 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Donnerstagsbub Adrian berichtet ganz beiläufig - und das am Mittagstisch, und unsere Obfrau und exzellente Köchin Gerda hört sich alles ganz gleichmütig an! - (Backhenderln übrigens; wie lange hat Adrian auf diese verzichten müssen, indem er bei seinem Vater hat wohnen wollen eine gewisse Zeit) - Adrian berichtet also, dass ein Training beim F.C. Torpedo oft ein Nachspiel hat; genau genommen finden zwei Nachspiele statt. Beim ersten Nachspiel führt Torwart Ilyas seinen Bauchtanz vor, in einem separaten und abschließbaren Abstellraum.
Ein auserwählter und verschworener Kreis von Fußballern ist es, und man legt dabei Hand an sich, indes, Ilyas berühren ist Tabu. Am Ende ist Ilyas ein Unberührter, ein noch Unbefriedigter und ganz schön Erregter also - - Adrian ebenso!
Mitleid nicht, es ist eine einvernehmliche, eine pure Freundschaft, wenn anschließend - das ist das zweite Nachspiel - indem also Ilyas und Adrian in Ruhe und stiller Abgeschiedenheit alles nachholen; ist es doch so nicht viel schöner; ich werfe ein und ergänze: intimer? und Gerda nickt beifällig.
Fast gleichzeitig greifen wir jetzt nach unseren Servietten, danach gönnt Adrian sich einen tiefen Schluck Cola light, Gerda und ich stoßen an: wir trinken den Hauswein, einen sauberen Zweigelt.
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