Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Donnerstagsbeichte«
masXin schrieb am 25.2. 2018 um 10:31:28 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Wir inspizierten den größten Raum in Gerdas Wohnung, den Salon nämlich, auch stellte sich Adrian, mein Donnerstagsbub, bald an das Rednerpult und begann laut vorzutragen, was man eigentlich nur leise und nicht öffentlich bereden sollte. In diesem Sinn rief ich ihm zu. Adrian begriff sogleich und sprach unhörbar leise weiter und behalf sich mit pantomimischer Verdeutlichung. Unterdessen entdeckte ich im rückwärtigen Bereich ein Regal mit Schallplatten, sowie auf dem Regal, unter einem Tuch verborgen, einen Plattenspieler. Indem für ihn Technisches doch das Allerinteressanteste ist, war Adrian sofort zur Stelle, und es gelang uns in kürzester Zeit, Verstärker und Lautsprecher aufzufinden und mit dem Plattenspieler zu verkabeln, auch griff sich Adrian irgendeine Schallplatte heraus, es war Smetanas Moldau und andere populäre Stücke. Da aber übernahm ich ganz das Kommando, indem Adrian Schallplatten ganz unbekannt sind, und legte in übertriebener Vorsicht die Platte auf, auch musste die Nadel von Hand aufgesetzt werden.
Wie Gerda hereinkam bald darauf und ganz hingerissen war, sogar sprachlos gegen die Wand sich lehnen musste, indem schallend laut die Moldau erklang und Adrian und ich tanzten und umschlungen im Kreis uns drehten. Und wie Adrian formvollendet (nie hatte er Tanzstunde und dergleichen notwendig gehabt) die Gerda zum Tanz aufforderte dann.
masXin schrieb am 19.3. 2018 um 10:11:22 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Am gestrigen Sonntag fand das Fußball-Match im Sportzentrum Donaucity statt wieder einmal. Denk bitte nicht die ganze Zeit an hinterher, habe ich meinen Donnerstagsbuben Adrian ermahnt, indem zum einen Sportskamerad Ilyas mit uns in den Rennweg kommt nach dem Match, und zum andern Gerda nicht anwesend sein wird, wir somit die ganze Wohnung für uns haben. Er soll sich auf das Spiel konzentrieren und an nichts anderes denken.
Für die Jause zwischendurch habe ich eine Überraschung vorbereitet, indem ich einer Empfehlung von Ilyas gefolgt bin und in einem gewissen Laden eine seiner Leibspeisen, Köfte nämlich, besorgt habe.
Tatsächlich hat sich Adrian als Mittelfeld-Stürmer wacker gehalten, bis zur ersten größeren Spielpause jedenfalls. Ilyas schien sehr gerührt und nahm sich bescheiden und gesittet zwei Köfte nur, Adrian indes griff gierig zu. Zum Glück hatte ich den größeren Köftevorrat den beiden noch verschwiegen.
Dann aber, als Adrian zur Toilette verschwunden war für einen Moment, gab mir Ilyas einen Autoschlüssel, den zum Werkstattwagen in der Tiefgarage nämlich. Dort ist ein Kasten mit Schubfächern, und im untersten werde ich einige Wäschestücke finden, die soll ich holen, denn er will diese anziehen später. Und bitte den Wagen abschließen wieder.
Im besagten Schubfach fand ich einen Vorrat an Kondomen, einen Kremtopf auch, welchen ich öffnete und sogleich am Geruch den speziellen Krem aus der Carolus-Apotheke wiedererkannte. Auch ein Packerl Babylove Feuchttücher war vorrätig. Als die erbetenen Wäschestücke stellten sich heraus: ein feiner schwarzer Slip, sowie dazu passende Strümpfe und ein Hüftgürtel samt anhängenden Strumpfhaltern; es schien ein Sonntag voller Überraschungen zu werden.
masXin schrieb am 18.8. 2018 um 12:48:34 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Ein schönes Frühstück war das Donnerstag, vorgestern also, weil erstens die Irma aus St.Pölten zu Gast war und exzellente Eier mitgebracht hat, indem sie einen eigenen Hühnerhof besitzt, und zweitens, weil wir, mein Donnerstagsbub und ich, sehr früh schon Schwimmen waren im Amalienbad, wo ich sonst immer nur allein hingehe, und folglich hatten wir beide einen schönen Appetit. Zum ersten Mal ist er mitgekommen, hat sich auch sehr verausgabt, während ich nur meine abgezählten Bahnen geschwommen bin.
Im Flur steht ein bequemer Sessel, der nur von Gerda benutzt wird, wenn sie sich die Schuhe an- oder auszieht nämlich. Jetzt habe ich mir angewöhnt neuerdings, auch dort zu sitzen und den Standard zu lesen nach dem Frühstück. Kann von dort hinüber zur Küche sehen, wo bis auf die Servietten der Frühstückstisch abgeräumt ist bereits, und auf diesem macht sich jetzt der Adrian breit. Hat nämlich den linken Ellbogen mitten in den Tisch geschoben und stützt mit der Hand den Kopf. Dann legt er den Kopf fast ganz auf dem Tisch und schaut hinüber, wo der rechte Arm ausgestreckt ist und eine kleine Figur in der Hand hält, und zwar Adrians kleines Abbild aus dem 3D-Drucker. Die Irma hat das Figürchen sehen wollen unbedingt, hat auch müssen ihre Meinung abgeben.
Adrian dreht, schiebt sein Abbild auf dem Tisch hin und her. Ist ganz vertieft die ganze Zeit in allerlei Perspektiven. Übrigens meinte Irma, er hätte nicht so lax dastehen sollen bei der Aufnahme, sondern anständig und aufrecht.
Inzwischen hat er eine Serviette ausgebreitet, der Adrian, auf die Serviette bettet er sein Abbild. Unterm Tisch hat er ein Bein über das andere gelegt und lässt am nackten Fuss den Flipflop pendeln. Pendeln bis der Flipflop wegfliegt. Da schaut er einen Moment hinüber in meine Richtung. Bleibt indes aber ganz verträumt und wickelt sein Abbild ein in die Serviette, dreht alles um und um.
masXin schrieb am 29.8. 2018 um 12:44:38 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Überraschenderweise hat sich Herr Purpur am Montag die langen Haare abschneiden lassen, sogar den wilden Bart ganz abrasieren. Nun sieht er erheblich jünger aus, wie Anfang sechzig etwa.
Und hat jetzt einen Zweireiher aus dem Nachlass eines der Ehegatten unserer Obfrau Gerda anprobiert. Indem er heute abend beim Mittwochssalon das Thema »Rebellion« angehen wird, findet er es unpassend, ja lächerlich, in dieser dem Publikum ohnehin schon viel zu lange vorgeführten Gestalt eines Rebellen aufzutreten. Den Schlips allerdings, den Gerda ihm aufzwingen will, verweigert er, auch hat er sich seit Montag nicht wieder rasiert. Erklärung: es gibt das Phänomen der Rebellion gegen die Rebellion, was er heute Abend noch näher erläutern will.
Mir hat Purpur aufgetragen, rechtzeitig, das heißt 17 Uhr, eine gewisse Susanne »Susu« Chelmsford persönlich abzuholen und zu unserem Salon zu begleiten. Habe ich sie nicht einst einen »Knaben mit Busen« genannt. Daran hätte mich Purpur gar nicht erinnern müssen. Es ist lange her, inzwischen muss Susu schon dreißig sein mindestens. Gerne werde ich sie abholen und um sie herumscharwenzeln, wenn es auch gegen meine innerste Natur ist.
Indes, ich weiß von Gerda, dass Ilyas, welcher beim Anrichten und Servieren unseres Buffets aushelfen wird (indem unser Donnerstagsbub bei seinem Vater wohnt momentan) hier bei uns im Rennweg übernachten und bei mir schlafen will. Darum gebeten hat er, und Gerda hat es ihm gestattet.
masXin schrieb am 14.6. 2018 um 11:34:07 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Indem ich aus der Fülle kostbarer Erinnerungen ganz ohne ordnende Absicht dies und jenes herausgreife, steht an erster Stelle, ganz zufällig also, die kleine Dame Maja (3 Monate alt). Auf der Rückreise von München, im Zug, Adrian, der Donnerstagsbub, saß am Fenster, ich neben ihm, die Lehne konnte man hochklappen, es waren 4 Plätze um einen Tisch herum angeordnet, und dann, in Salzburg, erschien diese Maja, indem deren Mama den Platz mir gegenüber reserviert hatte. Es dauerte nicht lange, bis die kleine, aber schon sehr robuste und hellwache junge Dame den Adrian entdeckte, und anlächelte sogleich. Immerzu anlächelte, ja anseufzte.
In München haben wir Birgit, Adrians Mutter besucht, sowie Elke, die Großmutter, das nur am Rande. Birgit verkauft am Elisabethmarkt Obst und Gemüse. Auch das ist eigentlich ganz unwichtig, jedenfalls hatte sich Adrian, als wir Wien, Westbahnhof erreicht hatten, nicht nur mit Maja, sondern auch mit deren Mutter zusehends angefreundet (und Maja war eingeschlafen), so dass ich mich naturgemäß ein wenig vernachlässigt fühlte.
masXin schrieb am 18.6. 2018 um 16:43:43 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Am Feldmochinger See den Minigolf habe ich ausgesucht, die Idee gehabt hat aber Adrian, der Donnerstagsbub. Auf 18 Bahnen sammelte er 60 Punkte ein, ich 68.
Ab Bahn № 15 oder 16 verschlechterte sich seine Laune zusehends, weil er sich bereits auf die Zeit danach besann, und Adrian dieses ihm widerfahrene Unglück wieder bewusst wurde, indem wir am Vormittag bei »Early« blütenweiße PUMA-Sneakers eingekauft hatten; die mit dem praktischen Drehknopf.
Hätte ich ihn nur gewarnt; er musste sie einfach anbehalten - es waren die alten Schuhe, die in die stylische Tüte gepackt wurden.
Wir sitzen in der U2 nach Feldmoching hinaus, da entdeckt er den ersten Fleck, er versucht es mit Spucke, nun reibe doch nicht, sage ich und reiche ihm ein Tempo, vorsichtig tupfen musst du. Alles vergeblich, ja weitere Flecke wurden entdeckt. Beim Minigolf wenigstens trug er die alten Schuhe wieder.
Und nun diese Laune, diese unerträglich üble Laune. Das war nicht mehr mein Donnerstagsbub.
Nahe an unserer Pension Silvia ist im Bereich eines Gymnasiums dieser Bolzplatz, wo ein Fußball gegen die Metallgitter donnert immer wieder.
Ja, spiel gerne mit! war die Auskunft - klettere nur herüber, auch wir haben alle hinübergeklettern müssen! Vier Meter hoch außen, vier Meter tief innen - wie ängstlich war ich und wollte abraten.
Nach einer Stunde hab ich ihn wieder abgeholt, jetzt war er der zufriedenste Bub der Welt. Im Badezimmer füllte er das Waschbecken mit Wasser, rührte Seife hinein. Gründlichst wurden die Sneakers bearbeitet. Und die waren, als wir spät in der Nacht vom Italiener, danach Spanier (Tapas) zurückkehrten, wieder ganz trocken und jungfräulich weiß.
masXin schrieb am 10.8. 2018 um 09:25:52 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
So bin ich nach Monaten der Enthaltsamkeit doch wieder zur Mariahilfer gegangen, zwar nicht zur Donnerstagsbeichte, wie sie dort für meinesgleichen eingerichtet ist, indem es sich ergeben hat, dass ich mehr als eine Stunde zu früh angekommen bin.
Also begab ich mich in den Kirchenraum, um zu warten, und bemerkte sogleich, dass auch dort Beichte möglich war, die ganz gewöhnliche Beichte eben.
Schon bei den ersten Worten bemerkte ich, dass mir die Stimme des Beichtigers wohlvertraut war. Indes, es gelang mir nicht, mich an den Inhaber dieser angenehmen Stimme zu erinnern. Mir war auch, als ob auch ich ihm gut bekannt sei.
Jetzt erst wird mir klar, dass er dann aber das eine und andere gar nicht hätte fragen müssen.
Einen Halt habe ich dem Donnerstagsbuben gegeben während einer Zeit, wo er eines solchen dringend bedürftig war, davon ist er überzeugt. Aber ist diese Zeit nicht abgelaufen inzwischen? Bin jetzt vielmehr nicht ich der Haltlose? Der Halt sucht an einem, der zwar gefestigt ist bereits, aber noch üben muss?
Eine Stille ist danach eingetreten. Dann vernahm ich, wie mein Beichtiger sich erhob und davon ging. Ich selbst blieb noch. Ich hätte gerne ihn noch gesehen, ihn erkannt womöglich. Indes, ich blieb noch sitzen eine geraume Zeit.
masXin schrieb am 18.9. 2018 um 16:07:23 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Donnerstagsbub Adrian erschien heute verspätet zum Mittagsmahl. Wir richten uns immer nach den Unterrichtszeiten, heute aber musste Gerda Adrians Anteil beiseite tun, um ihn dann wieder aufzuwärmen.
Nun war es so heute, dass er zum Arcadia Opera Shop gegangen ist gleich nach der Schule, wo derzeit ein Buch von mir verkauft wird. Er kennt es zwar bereits, indem Freunde von ihm, John und Alexander, darin vorkommen.
Er brachte aber jetzt eine Visitkarte mit, die, wie er behauptet, in alle Bücher eingesteckt sei! War ich nicht heute früh schon dort und habe diese nicht bemerkt! Oder sie sind inzwischen eingesteckt worden.
Auf dieser Karte will sich eine Firma bekannt machen:
De Waal
(Inh. Malte Regow)
Barnabitenstiege
WIEN
Ich muss da doch etwas erschrecken, indem ich bei einem Nachdruck meines Werks (»Marimbaphon, ein Tod in Venedig«) eine »Edition Favoriten« und als Verlagsort »Barnabitenstiege« hinzuerfunden habe.
Wir haben in Wien zwar eine Barnabitengasse, und zwar hier gleich um die Ecke, aber keine Barnabitenstiege.
Indem Adrian nur die frühere Ausgabe des Todes in Venedig besitzt, will er jetzt unbedingt noch die neue haben mit dieser Ergänzung.
»Signiert hast du ja bereits« sagt er »aber schreib mir noch eine Widmung dazu!«
masXin schrieb am 1.8. 2018 um 10:23:31 Uhr zu
Bewertung: 17 Punkt(e)
Flaniere einfach so dahin und gehe unbewusst wieder einmal die Walfischgasse entlang, Schattenseite natürlich bei so einem Wetter, und wie wird mit einem Mal mir alles sinnvoll, ein Stückerl noch und beim Sacher angekommen bin ich. Habe dort einen Stammplatz zwar nicht, es kann bei 1 - 2 Mal in Jahr von Stammplatz nicht die Rede sein, habe aber dort einen bevorzugten Platz, welcher heute zwar mit einem Reserviertschilderl versehen war, welches zu ignorieren mir aber höflich gestattet wurde, auch sei der große Mokka schon unterwegs und dazu das grosses Wasser, indem ich erstaunlicherweise doch kein ganz Unbekannter dort bin.
1 - 2 Mal im Jahr ergibt es sich, dass mich eine Nachdenklichkeit befällt, welche ich nur beim Sacher bewältigen kann, indem ich zu einer öffentlichen Person werde, und zwar zu einer seriösen, weil in seriösem Ambiente. Eine seriöse Person bin ich, welche in einem seriösen Ambiente von anderen seriösen Personen in Ruhe betrachtet werden kann und als Schriftsteller oder Journalist eingeschätzt könnte ich werden, als Kritiker gar allerneuster kultureller Begebenheiten, indem ich hin und wieder in mein Notizbuch etwas eintrage, und überhaupt nachdenklich bin ich nicht nur, sondern einen Nachdenklichen auch darstellen will ich, indem ich selbst wie in einem Spiegel mich betrachten will gewissermaßen.
Ein Verlassener bin ich jetzt, nicht nur heute, sondern gleich für mehrere Tage hintereinander, indem Adrians Vater eine Wohnung gefunden hat, schneller als ursprünglich erwartet, und ihn zu einem probeweisen Wohnen mit ihm aufgefordert und eingeladen hat, so dass ich von meinem Donnerstagsbuben getrennt bin momentan.
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