Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Donnerstagsbeichte«
masXin schrieb am 18.6. 2018 um 09:22:18 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Es geht gar nicht darum, meine Erinnerungen zu verklären, besonders diese zweite Nacht in der Pension Silvia, Zimmer № 4. Wäre doch ein von argwöhnischem Personal beauftragter Hausdetektiv ins Zimmer geschlichen, oder hätte ein verstecktes Videoauge alle Geschehnisse protokolliert, ich wünschte mir nur ein Bild: meinen Donnerstagbuben, schlafend, im Bett daneben mich, schlafend.
Nicht verklären will ich, sondern vergegenwärtigen. Hätte ich doch gern die ganze, nicht nur einen Teil der Nacht den schlafenden Adrian neben mir betrachtet, mal auf dem Rücken und mit offenem Mund atmend, mal seitlich liegend. Dann mir abgewandt. Dann wieder mir zugewandt; und wie doch die unschuldigste Zu- und Abwendung eine veränderte Ausschüttung von Hormonen auslöst sogleich.
Indem ich also mir alles vergegenwärtigen will, muss ich auch vervollständigen, das wäre: erkunden, was hat er, er denn gefühlt und gedacht in dieser Nacht? Indem ein Bub in seinem Alter nicht alles zur Sprache bringt, gar reflektiert, es sei denn etwas dem spontanen Fauchen oder Schnurren eines Katers vergleichbares, so will ich doch manches im Nachhinein noch ergründen; es will aber der Adrian viel lieber in Gegenwärtiges sich vertiefen als in Vergangenes.
masXin schrieb am 1.7. 2018 um 08:52:51 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Indem neuerdings Adrians Kameraden vom FC Torpedo Frühsport betreiben wollen sonntags immer, haben wir heute ein sehr frühes Frühstück eingenommen.
Nach Adrians Verabschiedung kam Gerda nochmals auf den Ballettabend vom Freitag zurück. Wie sie in der Pause den Gesprächen der Freunde von John zugehört hat, John zuliebe, dem sie doch die Freikarte verdankt. Seine Freunde sind wohl alle auch vom Ballett, und ehrlich, in ihrer eigenen Welt leben die ja, und selten hat sie ganz begriffen, worum es ging. Eifersüchteleien wohl meistens, indem der eine in seiner Karriere sich behindert glaubt, während ein anderer einer ganz unverdienten Beförderung verdächtigt wird. Oder geht es da um Liebschaften? Ist da überhaupt ein Unterschied? Auch die Affäre John - Alexander wurde beleuchtet. Und ein gewisser Adrian wurde einmal erwähnt - ob mit diesem mein Donnerstagsbub gemeint gewesen sein könnte? oder irgend ein anderer Adrian?
Nein danke, liebe Gerda, sagte ich, keinen Kaffee mehr. Vielleicht muss ich noch ein Stündchen ausschlafen.
Gerda: irgendwie hast du ja den Adrian richtig verliebt in dich gemacht. Das ist mir neuerdings aufgefallen. Wenn er sich von dir verabschiedet - Schule vorgestern, heute Sport - als ob es für immer wäre!
masXin schrieb am 12.2. 2018 um 11:46:44 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Indem Sonntag kein Fußball-Match stattfand, besuchten wir das Brigittenauer Bad, und mit einer großen Begeisterung, aber einer für mich am Ende unerträglichen Beharrlichkeit, spielte mein Donnerstagsbub Adrian mit mir das Spiel: ich kenne Sie nicht! Aufs genaueste hat er erfasst, wie er mich anschauen muss, um selbst aus der Ferne einen Schauer von Begehren in mir auszulösen. Aber eben Erinnerungen auch, Angst vor Erpressern, Angst vor Denunzianten, Angst vor diesen im Grunde Spießgesellen, welche als Beschützer sich organisiert haben und somit sich immer wieder durch Anzeigen glaubhaft machen müssen. Fast auch Angst, mein lebenslang durch solche Eskapaden ohnehin angegriffenes Herz könnte aussetzen. Das Spiel also abbrechen wollte ich, aber Adrian hatte die Lust am Springen, Tauchen, Schwimmen so erfasst, dass er meinte, ich wolle den Schwimmgenuss überhaupt abbrechen und entzog sich mir immer wieder. Dann, endlich, nach über 2 Stunden, schlenderte er zu den Kabinen, da endlich flüsterte er mir zu: wenn Sie mich zu McDonald einladen, dann bin ich zu allem bereit.
masXin schrieb am 14.6. 2018 um 11:34:07 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Indem ich aus der Fülle kostbarer Erinnerungen ganz ohne ordnende Absicht dies und jenes herausgreife, steht an erster Stelle, ganz zufällig also, die kleine Dame Maja (3 Monate alt). Auf der Rückreise von München, im Zug, Adrian, der Donnerstagsbub, saß am Fenster, ich neben ihm, die Lehne konnte man hochklappen, es waren 4 Plätze um einen Tisch herum angeordnet, und dann, in Salzburg, erschien diese Maja, indem deren Mama den Platz mir gegenüber reserviert hatte. Es dauerte nicht lange, bis die kleine, aber schon sehr robuste und hellwache junge Dame den Adrian entdeckte, und anlächelte sogleich. Immerzu anlächelte, ja anseufzte.
In München haben wir Birgit, Adrians Mutter besucht, sowie Elke, die Großmutter, das nur am Rande. Birgit verkauft am Elisabethmarkt Obst und Gemüse. Auch das ist eigentlich ganz unwichtig, jedenfalls hatte sich Adrian, als wir Wien, Westbahnhof erreicht hatten, nicht nur mit Maja, sondern auch mit deren Mutter zusehends angefreundet (und Maja war eingeschlafen), so dass ich mich naturgemäß ein wenig vernachlässigt fühlte.
masXin schrieb am 29.8. 2018 um 12:44:38 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Überraschenderweise hat sich Herr Purpur am Montag die langen Haare abschneiden lassen, sogar den wilden Bart ganz abrasieren. Nun sieht er erheblich jünger aus, wie Anfang sechzig etwa.
Und hat jetzt einen Zweireiher aus dem Nachlass eines der Ehegatten unserer Obfrau Gerda anprobiert. Indem er heute abend beim Mittwochssalon das Thema »Rebellion« angehen wird, findet er es unpassend, ja lächerlich, in dieser dem Publikum ohnehin schon viel zu lange vorgeführten Gestalt eines Rebellen aufzutreten. Den Schlips allerdings, den Gerda ihm aufzwingen will, verweigert er, auch hat er sich seit Montag nicht wieder rasiert. Erklärung: es gibt das Phänomen der Rebellion gegen die Rebellion, was er heute Abend noch näher erläutern will.
Mir hat Purpur aufgetragen, rechtzeitig, das heißt 17 Uhr, eine gewisse Susanne »Susu« Chelmsford persönlich abzuholen und zu unserem Salon zu begleiten. Habe ich sie nicht einst einen »Knaben mit Busen« genannt. Daran hätte mich Purpur gar nicht erinnern müssen. Es ist lange her, inzwischen muss Susu schon dreißig sein mindestens. Gerne werde ich sie abholen und um sie herumscharwenzeln, wenn es auch gegen meine innerste Natur ist.
Indes, ich weiß von Gerda, dass Ilyas, welcher beim Anrichten und Servieren unseres Buffets aushelfen wird (indem unser Donnerstagsbub bei seinem Vater wohnt momentan) hier bei uns im Rennweg übernachten und bei mir schlafen will. Darum gebeten hat er, und Gerda hat es ihm gestattet.
masXin schrieb am 6.8. 2018 um 14:03:28 Uhr zu
Bewertung: 20 Punkt(e)
„Doch nicht Großmutter!“ so Ilyas über diese alte Dame nämlich, die ihn gesalbt und eingekleidet hatte neulich, und die meiner Meinung nach hätte seine Großmutter sein können. Nach allem, was ich erfuhr, ist sie eine Haussklavin eigentlich, indem sie vermutlich illegal in Wien lebt und ganz von des Ilyas Verwandtschaft abhängig ist. Nada heißt sie, und es ist wohl einzig Ilyas, von dem sie etwas Zuneigung erfährt, indem sie all seine Launen erträgt. Dieser hat, ganz unzusammenhängend übrigens, dies und jenes über sie und den Haushalt überhaupt mitgeteilt, wovon mir manches sehr komisch erschien, umso mehr, als er alles ganz ernst vorträgt. So ist die Nada für ganze Batterien von Tages- und Nachtcremes zuständig, derer des Ilyas empfindliche Haut bedarf, und die sachgemäß aufzutragen sie in all den Jahren immer noch nicht gelernt hat. Aber er ist nun einmal auf die Nada angewiesen, und für ihn ist sie gut genug, sagen alle immer. Ja, man hat schon gedroht, die nichtsnutzige Nada aus dem Haushalt zu entfernen und sie dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommt, was ein ganz unbedeutendes Kaff in Ägypten sein muss, und er ist doch gelenkig genug, sich selbst überall einzucremen, womit auf eine Dienstleistung der Nada angespielt wird (das einzige, was sie wirklich gut kann, gab Ilyas zu), nämlich den Ort zu pflegen, dessen Eingang und Tiefe einem selbst nur mit Mühe und Überwindung zugänglich ist. Indem ich nicht alles sofort begriffen habe, glaubte Ilyas, ich hätte Zweifel, und sagte, was er schon ein paar Mal meinte bekräftigend sagen zu müssen: „so wahr ich meiner Mutter Sohn bin!“
masXin schrieb am 17.9. 2018 um 12:23:13 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Mein Buchhändler in der Garbergasse hat dringed angemahnt: 20 Exemplare vom Tod in Venedig, indem der Arcadia Opera Shop diesen anbieten will! Sogleich bin ich zu meinen Copyshop im Rennweg gegangen, es war gestern, indes, beim Nachdruck ist fast mir alles misslungen, was mit meiner wohl verständlichen Aufgeregtheit zu tun hat. So ist alles heute erst geglückt und ist in der Garbergasse abgeliefert.
Man muss bedenken, dass die Hauptperson in meinem Werk »Marimbaphon - ein Tod in Venedig« ein gewisser Alexander ist, ein Freund meines Donnerstagsbuben, indem beide auf dieselbe Schule gehen. Der Alexander wird kommendes Frühjahr maturieren übrigens und von der Schule abgehen. Er hat ja den Tadzio gespielt in einer Szene aus diesem Stück von Benjamin Britten, welche Ende 2014 in der Staatsoper aufgeführt wurde probeweise. Der Aschenbach wurde von einem gewissen Hans X. dargestellt, auch im wahren Leben der Lover des Alexander. Dieser Hans hat auf der Bühne keinen dargestellten, sondern seinen wahren Tod erlitten und ist im Jänner 2015 bestattet worden.
masXin schrieb am 9.1. 2018 um 15:26:37 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Absichtlich und unabsichtlich, oder soll ich sagen bewusst und unbewusst? es ist nicht immer unterscheidbar, indem mein Donnerstagsbub, wir waren schon zu Bett, ich glaubte ihn bereits eingeschlafen, auf einmal gestand, dass er mit einem Älteren schon einmal geschlafen habe. Ein einziges Mal, schon lange her. Dieser sei 17 bereits gewesen. Der John. Der habe dann aber eine gleichaltrigen Freund gefunden, den Alexander. Ja, in seiner Schule werde über solche Dinge ganz offen geredet. Nichts besonderes sei das.
Dann war lange Zeit Ruhe, wir mussten beide eingeschlafen sein.
Dann ein Krachen und lautes Gelächter.
Sogleich war auch Gerda, die Zimmerwirtin an der Tür, indem sie ein Unglück und Wehgeschrei vermutete.
Indes hatte sich nur Adrians Notlagerstatt zerlegt, welche aus 6 Stühlen zusammengefügt gewesen war. Das war für die Gerda ein unmöglicher Umstand. Warum denn der arme Adrian nicht in meinem Bett schlafe! Das sei doch wahrlich breit genug!
masXin schrieb am 28.3. 2018 um 10:09:34 Uhr zu
Bewertung: 11 Punkt(e)
Indem mein Donnerstagsbub Adrian alles abwies, was Trost oder Zuspruch sein könnte, den Tod seiner Tante Bianca betreffend, gelang es mir schließlich, in einer Sache ein Zuhören, eine Aufmerksamkeit sogar zu erlangen, nämlich bei der Frage, wie man bei dieser Anfang April bevorstehenden Begräbnisfeierlichkeit am angemessensten gekleidet sei. Gerdas Rat nahmen wir gern entgegen, indem sie bereits drei Ehemänner überlebt hat und folglich ihr das Bestattungsthema ein vertrautes ist.
Keinesfalls wollte Adrian einen Anzug auch nur anprobieren, den Gerda aus einem ihrer Kästen geholt hatte, und der ihrer Ansicht nach genau passen würde und ihm sogar gut stehen.
Bei Hugo Boss etwa könnten wir auch etwas geeignetes finden, warf ich ein, etwas eher zeitgemäßes, und nicht nur für Trauerfälle, etwas auch für eine Abiturfeier eventuell geeignetes, sofern er bis dahin nicht noch erheblich an Größe und Stärke zunehmen werde. Das fand Adrians vollkommene Zustimmung, und nun war er sogar bereit, diesen Anzug eines der ehemaligen Ehemänner der Gerda anzuziehen, nur probeweise selbstverständlich. Vorsichtig legte Gerda den in eine schonende Papierhülle gebetteten Anzug dem Adrian über den Arm. Dann zogen wir uns in unser Zimmer zurück, und kamen eine ganz schön lange Zeit nicht wieder.