Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Donnerstagsbeichte«
masXin schrieb am 7.9. 2018 um 12:13:51 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Gerda hat in ihrem Schlafzimmer in einer Nische - früher stand dort ein Kachelofen - hinter einem Vorhang verborgen so etwas wie ein Boudoir sich eingerichtet, und warum führt sie mich dorthin? Weil gestern abend der Ilyas vorbeigekommen ist, und was hat er ihr gebracht? Ein Geschenk! Ein Flascherl Boucheron Place Vendôme!
Er hat sich nämlich Mittwoch letzter Woche in Gerdas Schlafzimmer umziehen dürfen, indem ein Salon angesagt war, da hat Ilyas das Buffet anrichten und servieren helfen. Umziehen hat er sich müssen, indem nach dem Vortrag er einen Bauchtanz hat vorführen wollen, im passenden Gewand natürlich. Da muss er entdeckt haben, dass Gerdas Boucheron Place Vendôme aufgebraucht war bis auf einen winzigen Rest.
»Ist er nicht ein ganz reizender Bub!« sagt Gerda immer wieder, und jetzt zeigt sie mir noch einen niedrigen Kasten mit zwei Flügeltüren. Darinnen war noch alte Männer-Leibwäsche, erfahre ich, jetzt ist diese heraußen und Ilyas darf dort die goldenen Sandalen und alles, was für einen stilechten Bauchtanz notwendig ist, aufbewahren. Auch eine ganz schlichte Pappschachtel kriege ich gezeigt, darin allerlei goldene Kettchen, Ringe mit Halbedelsteinen, Ohrringe sogar, die hat doch Ilyas gar nicht getragen damals.
Ja ist denn jetzt an jedem Mittwochssalon Bauchtanz? frage ich erstaunt.
»Wir werden unseren Salon umgestalten müssen etwas«, sagt Gerda, »ich weiß noch nicht so recht, wie. Jedenfalls wird Ilyas vorbeischauen einfach so von Zeit zu Zeit, ich habe das angeregt nämlich, und bauchtanzen will er nur für uns beide und deinen Donnerstagsbuben.«
masXin schrieb am 6.8. 2018 um 14:03:28 Uhr zu
Bewertung: 20 Punkt(e)
„Doch nicht Großmutter!“ so Ilyas über diese alte Dame nämlich, die ihn gesalbt und eingekleidet hatte neulich, und die meiner Meinung nach hätte seine Großmutter sein können. Nach allem, was ich erfuhr, ist sie eine Haussklavin eigentlich, indem sie vermutlich illegal in Wien lebt und ganz von des Ilyas Verwandtschaft abhängig ist. Nada heißt sie, und es ist wohl einzig Ilyas, von dem sie etwas Zuneigung erfährt, indem sie all seine Launen erträgt. Dieser hat, ganz unzusammenhängend übrigens, dies und jenes über sie und den Haushalt überhaupt mitgeteilt, wovon mir manches sehr komisch erschien, umso mehr, als er alles ganz ernst vorträgt. So ist die Nada für ganze Batterien von Tages- und Nachtcremes zuständig, derer des Ilyas empfindliche Haut bedarf, und die sachgemäß aufzutragen sie in all den Jahren immer noch nicht gelernt hat. Aber er ist nun einmal auf die Nada angewiesen, und für ihn ist sie gut genug, sagen alle immer. Ja, man hat schon gedroht, die nichtsnutzige Nada aus dem Haushalt zu entfernen und sie dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommt, was ein ganz unbedeutendes Kaff in Ägypten sein muss, und er ist doch gelenkig genug, sich selbst überall einzucremen, womit auf eine Dienstleistung der Nada angespielt wird (das einzige, was sie wirklich gut kann, gab Ilyas zu), nämlich den Ort zu pflegen, dessen Eingang und Tiefe einem selbst nur mit Mühe und Überwindung zugänglich ist. Indem ich nicht alles sofort begriffen habe, glaubte Ilyas, ich hätte Zweifel, und sagte, was er schon ein paar Mal meinte bekräftigend sagen zu müssen: „so wahr ich meiner Mutter Sohn bin!“
masXin schrieb am 2.7. 2018 um 12:29:29 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
»Indem ein Bub in seinem Alter nicht alles zur Sprache bringt, gar reflektiert, es sei denn etwas dem spontanen Fauchen oder Schnurren eines Katers vergleichbares...«
- das habe ich, gar nicht lange her, behauptet, und bin nun einigermaßen beschämt.
Hat nicht, erstens, Hochleitner, der Deutschlehrer, Adrians Aufsätze besonders gelobt seinerzeit?
Und zweitens - dass ich darauf ganz vergessen habe! - durfte ich selbst doch erleben, wie mein Donnerstagsbub übersprudeln kann vor Beredsamkeit, und zwar in ganz klaren Worten, indem ich ihm ein einziges Mal einen einzigen Zug erlaubt habe an meiner Geheizten, einer mit Cannabis angereicherten Zigarette also.
Nun hat er doch neulich in der Nacht, nur aus einem überfließenden Herzen heraus, so schön gesprochen wiederum! Hat auch aus einem Buch von mir zitiert, den Memoiren eines Neffen, zu meiner allergrößten Überraschung, indem ich selbst kein Exemplar davon mehr besitze (ich bin ein zu unbedenklicher Ausleiher von Büchern), und auch mein Buchhändler in der Garbergasse hat einen Nachdruck angefordert zum wiederholten Mal bereits. Es muss der Adrian ein Exemplar versteckt haben unter seinen Sachen, die ich aber nicht anrühren will.
masXin schrieb am 19.7. 2018 um 01:08:36 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Bin hinunter indem ich mir eine mild Angeheizte gedreht habe und sehe, der Callshop ist noch auf, also hinein und Rauchen dort ist eh erlaubt. Es sind ja Ferien, der Adrian darf folglich aufbleiben so lang er will und hilft der Gerda beim Aufräumen momentan, indem wir einen Mittwochssalon hatten. Das Thema des Herrn Purpur war Dynamik und nicht Dynamit wie Gerda fälschlicherweise in den Einladungen geschrieben hat. Hätte Hofrat Dallhofer nicht protestiert und zwar kaum dass der Purpur begonnen hatte, es wäre niemand aufgefallen. Der Dallhofer ist aber Ingenieur und ist wegen Dynamit gekommen und nicht zu einem philosophischen Larifari, wie er sich ausgedrückt hat. Ist aber dann doch bis zum Ende geblieben, indem seine Ehefrau ihm ein Redeverbot erteilt hat. Er hat sich dann an unserem Buffet verlustiert. Obgleich wir zu viel angerichtet haben und zu wenig Gäste gekommen sind, ist wegen dem Dallhofer nicht 1 Canapé übrig geblieben und ich muss darauf vertrauen, dass mein Donnerstagbub, der Adrian also, mir ein paar von denen mit Greyerzer/Speck beiseitegelegt hat.
»Mein Geschäft hab ich wollen gründlich lüften diese Nacht, und er stänkert wieder alles voll.« Eine freche Goschn hat der Wladi, was der Callshopbesitzer ist. Er wird ein extra Schmattes kriegen, damit wir amikal auseinandergehen können.
masXin schrieb am 14.6. 2018 um 11:34:07 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Indem ich aus der Fülle kostbarer Erinnerungen ganz ohne ordnende Absicht dies und jenes herausgreife, steht an erster Stelle, ganz zufällig also, die kleine Dame Maja (3 Monate alt). Auf der Rückreise von München, im Zug, Adrian, der Donnerstagsbub, saß am Fenster, ich neben ihm, die Lehne konnte man hochklappen, es waren 4 Plätze um einen Tisch herum angeordnet, und dann, in Salzburg, erschien diese Maja, indem deren Mama den Platz mir gegenüber reserviert hatte. Es dauerte nicht lange, bis die kleine, aber schon sehr robuste und hellwache junge Dame den Adrian entdeckte, und anlächelte sogleich. Immerzu anlächelte, ja anseufzte.
In München haben wir Birgit, Adrians Mutter besucht, sowie Elke, die Großmutter, das nur am Rande. Birgit verkauft am Elisabethmarkt Obst und Gemüse. Auch das ist eigentlich ganz unwichtig, jedenfalls hatte sich Adrian, als wir Wien, Westbahnhof erreicht hatten, nicht nur mit Maja, sondern auch mit deren Mutter zusehends angefreundet (und Maja war eingeschlafen), so dass ich mich naturgemäß ein wenig vernachlässigt fühlte.
masXin schrieb am 21.2. 2018 um 14:59:28 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Bei Hausaufgaben braucht Adrian, der Donnerstagsbub, so gut wie nie Hilfe, gestern aber meinte er, Gleichungen mit zwei Unbekannten seien ihm eine ärgerliche Sache.
Wir setzten uns also hin, und indem ich auf unserem Schreibtisch etwas Ordnung schaffte, dachte ich mir eine Übungsaufgabe aus. Heute ist dein Alter ein Drittel von meinem, erklärte ich ihm. Wenn du dereinst doppelt so alt bist wie heute, dann bist du nur noch halb so alt wie ich.
Indem ich also ein Papier mit Algebra bedeckte, »x« sei das das Alter von mir, Xaver, und »a« sei das von ihm, Adrian, indem ich also rechnete und rechnete, schaute Adrian gar nicht hin, schaute mich nur an und hatte den Mund geöffnet und machte Spielereien mit seiner Zunge die ganze Zeit.
Sollte ich mich darüber ärgern? Ich unterbrach die Algebra, wir gingen hinüber zum Bett und widmeten uns einer Aufgabe, wo ich als Lehrmeister erfolgreich war immerhin insofern, als Adrian gelernt hat, dass die schnellste Bewältigung bei weitem nicht die schönste ist.
Danach bat er mich, ihn für heute mit unsinnigen Matheaufgaben zu verschonen. Für heute nur? Nein, für immer.
masXin schrieb am 29.6. 2018 um 15:36:17 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Ja gibt es denn Sachen, die ich nicht hören darf, und trotzdem musst du sie mir berichten? Musst abwarten jedes Mal, bis ich eingeschlafen bin?
Weil ich ja immer alles aufschreibe grundsätzlich, sagt Adrian, schreibe ich doch auch ganze Bücher sogar, da es kann doch passieren, dass jemand das Buch kauft und darin liest womöglich.
Also, verteidige ich mich, ich verändere deine Worte immer ein wenig, und es sind ja auch erfundene Personen immer, die sie sprechen.
Er schüttelt den Kopf. Ich muss an dieser Stelle einflechten, sooft ich sage: nimm mal die Bürste, einen Kamm wenigstens! muss er nur den Kopf schütteln, schon sitzt jedes einzelne Haar exakt dort, wo es hingehört.
Erstens, so Adrian, ist alles, was er sagt, heilig, und darf nie mehr verändert werden. Und zweitens, es sind ja nicht nur so Personen! Buben immer müssen es sein bei mir, und da ist doch jedem mit ein bisserl Verstand vollkommen klar, dass er gemeint ist jedesmal und kein anderer.
Gerdas Wohnküche ist nicht geeignet für ernste Dinge, also gehen wir in unser Zimmer, greifen von den 50 Stühlen zwei, tragen sie hinüber in den Salon, wo alle paar Wochen Menschheitsfragen vorgetragen und reflektiert werden. Dieser Raum ist groß, still, und wenn die Stühle hinausgetragen sind, lädt er zu einer Andacht ein geradezu.
Dort versichere ich meinem Donnertagsbuben, dass mir viele seiner Worte heilig bleiben werden allezeit, dass sie nie verlautbart werden in irgend einer Form, indem es auch der Klang seiner Stimme ist, die seine Worte mir kostbar und unvergesslich machen.
Diese seine Stimme nah an meinem Ohr.
Natürlich will er wissen, welche Worte es gewesen sind beispielsweise. Ich nenne dieses, ich nenne jenes, erinnere auch daran, wie er „das will ich auch können!“ ausrief, welcher Ausspruch allerdings minder heilig ist und publiziert bereits. Ich meine, er hat sich an diese seine Worte erinnert sogleich, behauptet aber das Gegenteil, und was soll es denn gewesen sein, das er unbedingt hat können wollen.
Für immer in mir versiegelt also soll bleiben, was an seinen Worten heilig ist, das bekräftige ich feierlich, und wir verlassen den Salon. Die Stühle mitnehmen will ich; er sagt: lass stehen! weil er später erst sie hinaustragen will.
masXin schrieb am 1.4. 2018 um 10:25:19 Uhr zu
Bewertung: 12 Punkt(e)
Indem ich im Rennweg spazieren gehen will, auf eine Zigarettenlänge nur, bemerke ich, dass der Callshop unten im Haus geöffnet hat, obwohl Ostersonntag, dass also eine rasche Internet-Inspektion möglich ist. So kann ich in aller Kürze mitteilen, dass Adrian, mein Donnerstagsbub, mich einen unaufmerksamen Menschen genannt hat, einen, den man erst an der Hand nehmen muss, damit er fühlt, was er längst schon sehen hätte müssen ganz deutlich, nämlich dass er steht schon wieder.
Und schon wieder ist ein ganzer Monat verflogen, also muss dem Wladi, er ist der Callshop-Besitzer, die monatliche Pauschale entrichtet werden. Echte Wiener wie Wladi treten ganz leise an einen heran, von rückwärts, und sagen in einem diskreten Ton, aber deutlich genug: die Flatrate übrigens für den verflossenen Lenz ist fällig bitteschön der Herr.
masXin schrieb am 29.9. 2018 um 17:29:08 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Hat es damit zu tun, dass unser Mittwochssalonprediger Ambros Purpur sich zurückgezogen hat? Seit nämlich beim letzten Mittwochssalon Ende August dem Purpur alles aus dem Ruder gelaufen war. Unsere Obfrau Gerda ist geradezu aufgeblüht seitdem und will selbst Veranstaltungen bestreiten, ob an einem Mittwoch oder an einem anderen Wochentag.
Nun will sie ihre Bridgefreundinnen einladen allesamt, und zwar nicht zu einen Bridge, sondern auf ein geselliges Zusammensein im orientalischen Stil, und wieder wie damals soll Ilyas eine Musik mitbringen und seinen Bauchtanz vorführen, nur dass damals der Purpur einen Bauchtanz keinesfalls hatte vorgesehen.
Auch Donnerstagsbub Adrian kann sich so ein Unternehmen ganz gut vorstellen, indem er dreinschaut wie eine Katze, die Visionen hat.
Andrerseits gefällt ihm gar nicht, mir ebensowenig übrigens, dass auch Meister Regow, der Elfenbeinschnitzer, zugegen sein wird, um den Ilyas beim Bauchtanzen abzumalen, indem er Buddhas schnitzen will, welche dann den Buddhisten Wiens (das sind gar nicht wenige) teuer verkauft werden sollen.
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