Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Donnerstagsbeichte«
masXin schrieb am 15.7. 2018 um 12:10:18 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Herr Purpur, unser kaum je anwesender Mitmieter, ist gestern Abend eingetroffen, und wieder hat Gerda ihm vorgehalten, dass er nicht Bescheid gegeben hat. Das Zimmer hätte sie gelüftet, auch mehr Essen eingekauft für den zusätzlichen Gast.
Ich zahle Miete, ob ich da bin oder nicht, verehrte Frau Gerda. Sie dürfen gern jeden Tag mein Zimmer lüften! So Purpur. Und: Was das Speisen angeht, so bin und bleibe ich der Allerbescheidenste, wie Sie sehr wohl wissen!
Erstaunlich war, dass er meinen Donnerstagsbuben nicht wiedererkannt hat. Dann aber, zögernd, zweifelnd, lang hat er müssen nachdenken jedenfalls: Ah! Adrian! Bist du nicht der Adrian?
Kommenden Mittwoch also ist wieder Salon. Gerda würde ja gern Einladungen noch verschicken, handschriftliche, dafür ist es natürlich wieder einmal zu spät. Herumtelefonieren also muss sie, das hat doch keinen Stil. Manche haben ja nicht einmal Telefon! Viele nehmen gar nicht ab erst! Was denn jetzt das Thema ist überhaupt.
Purpur: Dynamik. Sagen Sie einfach: mein Vortrag wird sein über Dynamik. Mehr wüssten Sie auch nicht.
Adrian, später: wie merkwürdig! Damals hat er den Namen vergessen gehabt und sagt zu mir Andreas. Jetzt weiß er den Namen, mich aber erkennt er nicht wieder!
masXin schrieb am 7.9. 2018 um 12:13:51 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Gerda hat in ihrem Schlafzimmer in einer Nische - früher stand dort ein Kachelofen - hinter einem Vorhang verborgen so etwas wie ein Boudoir sich eingerichtet, und warum führt sie mich dorthin? Weil gestern abend der Ilyas vorbeigekommen ist, und was hat er ihr gebracht? Ein Geschenk! Ein Flascherl Boucheron Place Vendôme!
Er hat sich nämlich Mittwoch letzter Woche in Gerdas Schlafzimmer umziehen dürfen, indem ein Salon angesagt war, da hat Ilyas das Buffet anrichten und servieren helfen. Umziehen hat er sich müssen, indem nach dem Vortrag er einen Bauchtanz hat vorführen wollen, im passenden Gewand natürlich. Da muss er entdeckt haben, dass Gerdas Boucheron Place Vendôme aufgebraucht war bis auf einen winzigen Rest.
»Ist er nicht ein ganz reizender Bub!« sagt Gerda immer wieder, und jetzt zeigt sie mir noch einen niedrigen Kasten mit zwei Flügeltüren. Darinnen war noch alte Männer-Leibwäsche, erfahre ich, jetzt ist diese heraußen und Ilyas darf dort die goldenen Sandalen und alles, was für einen stilechten Bauchtanz notwendig ist, aufbewahren. Auch eine ganz schlichte Pappschachtel kriege ich gezeigt, darin allerlei goldene Kettchen, Ringe mit Halbedelsteinen, Ohrringe sogar, die hat doch Ilyas gar nicht getragen damals.
Ja ist denn jetzt an jedem Mittwochssalon Bauchtanz? frage ich erstaunt.
»Wir werden unseren Salon umgestalten müssen etwas«, sagt Gerda, »ich weiß noch nicht so recht, wie. Jedenfalls wird Ilyas vorbeischauen einfach so von Zeit zu Zeit, ich habe das angeregt nämlich, und bauchtanzen will er nur für uns beide und deinen Donnerstagsbuben.«
masXin schrieb am 9.1. 2018 um 15:26:37 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Absichtlich und unabsichtlich, oder soll ich sagen bewusst und unbewusst? es ist nicht immer unterscheidbar, indem mein Donnerstagsbub, wir waren schon zu Bett, ich glaubte ihn bereits eingeschlafen, auf einmal gestand, dass er mit einem Älteren schon einmal geschlafen habe. Ein einziges Mal, schon lange her. Dieser sei 17 bereits gewesen. Der John. Der habe dann aber eine gleichaltrigen Freund gefunden, den Alexander. Ja, in seiner Schule werde über solche Dinge ganz offen geredet. Nichts besonderes sei das.
Dann war lange Zeit Ruhe, wir mussten beide eingeschlafen sein.
Dann ein Krachen und lautes Gelächter.
Sogleich war auch Gerda, die Zimmerwirtin an der Tür, indem sie ein Unglück und Wehgeschrei vermutete.
Indes hatte sich nur Adrians Notlagerstatt zerlegt, welche aus 6 Stühlen zusammengefügt gewesen war. Das war für die Gerda ein unmöglicher Umstand. Warum denn der arme Adrian nicht in meinem Bett schlafe! Das sei doch wahrlich breit genug!
masXin schrieb am 6.8. 2018 um 14:03:28 Uhr zu
Bewertung: 20 Punkt(e)
„Doch nicht Großmutter!“ so Ilyas über diese alte Dame nämlich, die ihn gesalbt und eingekleidet hatte neulich, und die meiner Meinung nach hätte seine Großmutter sein können. Nach allem, was ich erfuhr, ist sie eine Haussklavin eigentlich, indem sie vermutlich illegal in Wien lebt und ganz von des Ilyas Verwandtschaft abhängig ist. Nada heißt sie, und es ist wohl einzig Ilyas, von dem sie etwas Zuneigung erfährt, indem sie all seine Launen erträgt. Dieser hat, ganz unzusammenhängend übrigens, dies und jenes über sie und den Haushalt überhaupt mitgeteilt, wovon mir manches sehr komisch erschien, umso mehr, als er alles ganz ernst vorträgt. So ist die Nada für ganze Batterien von Tages- und Nachtcremes zuständig, derer des Ilyas empfindliche Haut bedarf, und die sachgemäß aufzutragen sie in all den Jahren immer noch nicht gelernt hat. Aber er ist nun einmal auf die Nada angewiesen, und für ihn ist sie gut genug, sagen alle immer. Ja, man hat schon gedroht, die nichtsnutzige Nada aus dem Haushalt zu entfernen und sie dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommt, was ein ganz unbedeutendes Kaff in Ägypten sein muss, und er ist doch gelenkig genug, sich selbst überall einzucremen, womit auf eine Dienstleistung der Nada angespielt wird (das einzige, was sie wirklich gut kann, gab Ilyas zu), nämlich den Ort zu pflegen, dessen Eingang und Tiefe einem selbst nur mit Mühe und Überwindung zugänglich ist. Indem ich nicht alles sofort begriffen habe, glaubte Ilyas, ich hätte Zweifel, und sagte, was er schon ein paar Mal meinte bekräftigend sagen zu müssen: „so wahr ich meiner Mutter Sohn bin!“
masXin schrieb am 3.7. 2018 um 16:08:45 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Ich weiß genau, was du gerade denkst!
So heute Adrian. Dass Buben nicht mehr ihre Beine zeigen wollen bis ganz oben hin heutzutage. Ach, wäre sie doch ein Bub.
Adrian: Wenn ich nur auch so schöne Beine hätte, das denkst du auch!
Nein, eben nicht. Er hat das eine und andere Buch von mir gelesen, mein Donnerstagsbub, und meint jetzt, er weiß alles von mir.
Ich: Was mich echt begeistert, das steht noch in keinem Buch von mir. Nämlich, das weiß ich erst seit kurzem. Hab ich erfahren dürfen durch dich. Wird auch in keinem Buch je zu lesen sein. Hast mir ja verboten ein für allemal, darüber zu schreiben.
Aufgefallen ist dem Adrian das Mädchen auch immerhin. Eine Bildschöne.
Und sagt: In der Schule bei dem Wetter sind die alle auch so umeinand flaniert, die patscherten Madln. Froh bin ich, dass Ferien sind endlich.
masXin schrieb am 2.7. 2018 um 12:29:29 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
»Indem ein Bub in seinem Alter nicht alles zur Sprache bringt, gar reflektiert, es sei denn etwas dem spontanen Fauchen oder Schnurren eines Katers vergleichbares...«
- das habe ich, gar nicht lange her, behauptet, und bin nun einigermaßen beschämt.
Hat nicht, erstens, Hochleitner, der Deutschlehrer, Adrians Aufsätze besonders gelobt seinerzeit?
Und zweitens - dass ich darauf ganz vergessen habe! - durfte ich selbst doch erleben, wie mein Donnerstagsbub übersprudeln kann vor Beredsamkeit, und zwar in ganz klaren Worten, indem ich ihm ein einziges Mal einen einzigen Zug erlaubt habe an meiner Geheizten, einer mit Cannabis angereicherten Zigarette also.
Nun hat er doch neulich in der Nacht, nur aus einem überfließenden Herzen heraus, so schön gesprochen wiederum! Hat auch aus einem Buch von mir zitiert, den Memoiren eines Neffen, zu meiner allergrößten Überraschung, indem ich selbst kein Exemplar davon mehr besitze (ich bin ein zu unbedenklicher Ausleiher von Büchern), und auch mein Buchhändler in der Garbergasse hat einen Nachdruck angefordert zum wiederholten Mal bereits. Es muss der Adrian ein Exemplar versteckt haben unter seinen Sachen, die ich aber nicht anrühren will.
masXin schrieb am 17.9. 2018 um 12:23:13 Uhr zu
Bewertung: 17 Punkt(e)
Mein Buchhändler in der Garbergasse hat dringed angemahnt: 20 Exemplare vom Tod in Venedig, indem der Arcadia Opera Shop diesen anbieten will! Sogleich bin ich zu meinen Copyshop im Rennweg gegangen, es war gestern, indes, beim Nachdruck ist fast mir alles misslungen, was mit meiner wohl verständlichen Aufgeregtheit zu tun hat. So ist alles heute erst geglückt und ist in der Garbergasse abgeliefert.
Man muss bedenken, dass die Hauptperson in meinem Werk »Marimbaphon - ein Tod in Venedig« ein gewisser Alexander ist, ein Freund meines Donnerstagsbuben, indem beide auf dieselbe Schule gehen. Der Alexander wird kommendes Frühjahr maturieren übrigens und von der Schule abgehen. Er hat ja den Tadzio gespielt in einer Szene aus diesem Stück von Benjamin Britten, welche Ende 2014 in der Staatsoper aufgeführt wurde probeweise. Der Aschenbach wurde von einem gewissen Hans X. dargestellt, auch im wahren Leben der Lover des Alexander. Dieser Hans hat auf der Bühne keinen dargestellten, sondern seinen wahren Tod erlitten und ist im Jänner 2015 bestattet worden.
masXin@gmx.at schrieb am 20.2. 2018 um 08:37:50 Uhr zu
Bewertung: 19 Punkt(e)
Während ich noch grübelte, ob ich meinem Donnerstagbuben Adrian Mitteilung machen will oder nicht, dass nämlich sein Vater hiergewesen war und ihn wieder zu sich hat nehmen wollen, fiel mir auf, dass Gerda für das Abendbrot 4 Gedecke auflegt und gleich fällt mir wieder ein, dass Adrian einen Freund für heute einbestellt hat, den John nämlich, den Ballettänzer, und schon höre ich ein fröhliches Gelächter draußen, ein wildes Geklingel, und da sind sie, der Adrian, der John.
Was ist der John für ein hübscher Bursche, bräunlich etwas, indem seine Mutter Äthiopierin ist, und eine Fröhlichkeit scheint ihm angeboren zu sein geradezu. Ich muss mich nun all meiner Bedenken schämen und froh sein, dass Adrian einen solchen Freund hat. Auch hat dieser mich gleich umarmt sogar und geduzt indem er »servus Xaver« sagte und »ich weiß alles von dir!« Indem Angst in Zuversicht sich verwandelt hat in so kurzer Zeit, war es mir wie im Traum, und auch jetzt noch anderntags ist mir so.
masXin schrieb am 12.2. 2018 um 23:42:25 Uhr zu
Bewertung: 17 Punkt(e)
Das Abendmahl wollte heute kein Ende nehmen, indem Gerdas anderer Mieter, Herr Purpur, wieder anwesend ist. Dieser Herr, Gerda nennt ihn bei seinem Vornamen, Ambros, pflegt leider ohne Ende zu monologisieren, beachtete auch nicht meines armen Donnerstagsbuben Adrian vor Müdigkeit zufallende Augen. Es gelang mir zwar endlich, mit einem »der Bub muss morgen sehr früh aufstehen« Herrn Purpurs Redefluss zu unterbrechen, und erhob mich auch selbst, damit Adrian hinter dem Küchentisch hervor sich winden konnte. »Und du willst wohl auch schon gehen?« tönte Herr Purpur. Das hatte ich nicht im Sinn gehabt, nun ging ich aber doch auch und wünschte gute Nacht und folgte Adrian. »Man ist wohl zu oft hier und langweilt«, so Purpur, »aber keineswegs, keineswegs!« beteuert Gerda.
In unserem Zimmer umarmten wir uns und atmeten auf und seufzten. Dann musste ich doch ein Wort für Purpur einlegen, indem dieser niemals leichtfertig daherredet und jedes Wort von ihm Gewicht hat. Und hatte er nicht auch jedes Wort von ihm, Adrian, der doch mit Lust sogar an am Gespräch sich beteiligt hatte anfangs, unbedingt ernstgenommen, war es nun gut überlegt oder nicht.
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