Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Donnerstagsbeichte«
masXin schrieb am 11.8. 2018 um 15:41:48 Uhr zu
Bewertung: 14 Punkt(e)
Er weiß ja selbst nicht recht, wie und wo, mein Donnerstagsbub. Ein Zimmer für sich hätte er schon gern, bei seinem Vater nämlich, aber mit dem Essen wiederum ist da ein Problem, er muss alles selbst besorgen, indem der Vater ganz patschert ist, was Essen angeht, und einen Papp anrichtet in der Küche meistens, immer eigentlich.
Unsere Gerda ist da eben unübertroffen. Ist überhaupt eine sehr Aufmerksame, ich kann ihr doch nicht vorwerfen, dass sie mir nicht alles berichtet stantepede, was ich ja selbst auch hätte bemerken können, die Sache mit dem Schlüssel meine ich. Wie hat er immer Sturm geklingelt an der Wohnungstür! indessen aber selbst geöffnet und ist hereingekommen.
Neulich aber, war es nicht Dienstag erst? wo er kurz nur geklingelt hat, und warten hat müssen, bis Gerda ihm aufmacht, indem er ihr die Schlüssel zurückgegeben hat vor geraumer Zeit bereits.
Habe es doch auch gehört, das schüchterne Klingeln, hätte alles sofort begreifen können, indes, begriffen habe ich viel später erst. Ergriffen hat es mich, so müsste ich sagen, als ein plötzlicher Schmerz.
masXin schrieb am 16.5. 2018 um 16:58:38 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
Indem mitgeteilt wurde, dass meines Donnerstagsbuben 3D-Abbild – sagen wir doch einfach Fotoplastik – vollendet ist und abholbereit, machten wir uns auf sogleich zu den Stadtbahnbögen und zur dort befindlichen „3D-Lounge“. Ich zeigte noch hinüber zum Gebäude dieser Zaha Hadid, irgend ein Urteil, eine Verurteilung erwartend, aber es ging zügig weiter. Zu sehr verlangte es Adrian, den Karton entgegenzunehmen, zu öffnen, sich selbst in Noppenfolie gewickelt und auf strohartigem Füllmaterial gebettet herauszunehmen, zu enthüllen, so, wir wir es vor 4 Wochen eine Kundin haben tun sehen, aber viel vorsichtiger, indem diese Kundin in unbeherrschter Eile einem Hündchen ein Bein abgebrochen hatte.
„Ganz schön aufregend“ bemerkte Adrian im Weitergehen, in einem beiläufigen und verächtlichen Ton. Mir fiel ein: das Bauwerk könnte auch einen Lärm machen, eine unaufhörliche Knallerei – wäre das nicht noch aufregender? Auch zuckende Blitze könnten installiert sein, ohne dass es Bau- und Unterhaltskosten erheblich belasten müsste.
So ist es doch nur eine in Stummheit erstarrte Katastrophe, indem, was eigentlich stürzen muss, mitten im Fall einfach stehenbleibt.
In solche Gedanken war ich versunken, und nahm kaum wahr, wie Adrian sein Ebenbild, im Maßstab 1:10 etwa, in seine Hände nahm und voll Freude betrachtete.
masXin schrieb am 12.2. 2018 um 11:46:44 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Indem Sonntag kein Fußball-Match stattfand, besuchten wir das Brigittenauer Bad, und mit einer großen Begeisterung, aber einer für mich am Ende unerträglichen Beharrlichkeit, spielte mein Donnerstagsbub Adrian mit mir das Spiel: ich kenne Sie nicht! Aufs genaueste hat er erfasst, wie er mich anschauen muss, um selbst aus der Ferne einen Schauer von Begehren in mir auszulösen. Aber eben Erinnerungen auch, Angst vor Erpressern, Angst vor Denunzianten, Angst vor diesen im Grunde Spießgesellen, welche als Beschützer sich organisiert haben und somit sich immer wieder durch Anzeigen glaubhaft machen müssen. Fast auch Angst, mein lebenslang durch solche Eskapaden ohnehin angegriffenes Herz könnte aussetzen. Das Spiel also abbrechen wollte ich, aber Adrian hatte die Lust am Springen, Tauchen, Schwimmen so erfasst, dass er meinte, ich wolle den Schwimmgenuss überhaupt abbrechen und entzog sich mir immer wieder. Dann, endlich, nach über 2 Stunden, schlenderte er zu den Kabinen, da endlich flüsterte er mir zu: wenn Sie mich zu McDonald einladen, dann bin ich zu allem bereit.
masXin schrieb am 15.7. 2018 um 12:10:18 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Herr Purpur, unser kaum je anwesender Mitmieter, ist gestern Abend eingetroffen, und wieder hat Gerda ihm vorgehalten, dass er nicht Bescheid gegeben hat. Das Zimmer hätte sie gelüftet, auch mehr Essen eingekauft für den zusätzlichen Gast.
Ich zahle Miete, ob ich da bin oder nicht, verehrte Frau Gerda. Sie dürfen gern jeden Tag mein Zimmer lüften! So Purpur. Und: Was das Speisen angeht, so bin und bleibe ich der Allerbescheidenste, wie Sie sehr wohl wissen!
Erstaunlich war, dass er meinen Donnerstagsbuben nicht wiedererkannt hat. Dann aber, zögernd, zweifelnd, lang hat er müssen nachdenken jedenfalls: Ah! Adrian! Bist du nicht der Adrian?
Kommenden Mittwoch also ist wieder Salon. Gerda würde ja gern Einladungen noch verschicken, handschriftliche, dafür ist es natürlich wieder einmal zu spät. Herumtelefonieren also muss sie, das hat doch keinen Stil. Manche haben ja nicht einmal Telefon! Viele nehmen gar nicht ab erst! Was denn jetzt das Thema ist überhaupt.
Purpur: Dynamik. Sagen Sie einfach: mein Vortrag wird sein über Dynamik. Mehr wüssten Sie auch nicht.
Adrian, später: wie merkwürdig! Damals hat er den Namen vergessen gehabt und sagt zu mir Andreas. Jetzt weiß er den Namen, mich aber erkennt er nicht wieder!
masXin schrieb am 11.7. 2018 um 15:54:06 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Da versteckt Gerda also Briefe von Adrians Vater und reicht sie ihm heimlich weiter. Und viel später erst fasst sich mein Donnerstagsbub ein Herz und berichtet mir davon. Du willst es mir ja schonend beibringen, sage ich ihm, aber ich will nicht geschont werden!
Indem ich den Verdacht habe hegen müssen, er wolle zu seinem alten Freund John ziehen, ist es ja fast beruhigend für mich, dass er lieber zu seinem Vater ziehen will, als zu John.
Es ist ja der John viel jünger als ich und nur wenig älter als er. Das Getue von dem John aber gefällt ihm nicht. Oder, wie Gerda sagt: der John ist so nett im Grunde und ganz normal schwul. Aber mit denen Personen vom Ballett, mit diesen seinen Freunden, da ist dann gleich dieses Getue. Sie hat es ja erlebt neulich, in der Oper, während der Pause.
Und was ist mit dem Vater. Dem hat erstens die Generali das Gehalt aufgebessert, und zweitens hat er sich von seiner Gefährtin getrennt. Wir haben die ja einmal erleben dürfen, hier im Rennweg. Und er ist dabei, drittens, sich eine andere Wohnung zu suchen. Jedenfalls, die Welt dreht sich weiter. Ich aber will, dass für alle Zeit alles so bleibt, wie es ist.
masXin schrieb am 5.3. 2018 um 11:16:50 Uhr zu
Bewertung: 18 Punkt(e)
Vor dem sonntäglichen Fußball-Match bereits hatte mein Donnerstagsbub Adrian mit Ilyas vereinbart, dass er hinterher mit uns kommen werde. Ilyas ist der Name, nicht Elyas. Während Ilyas sich unerschütterlich als Tormann bewährte, hatte Adrian noch nie so schlecht gespielt, indem sicherlich in ihm, ebenso wie in mir, eine Vorfreude und Erregung immer mächtiger anstieg. Bereits auf dem Weg zu uns in den Rennweg bekam uns die Lust, mit Ilyas in irgend einen Hauseingang zu verschwinden, dieser aber wehrte alle voreiligen Zugriffe entschieden ab. Weigerte sich auch, sich mit uns in den Aufzug zu zwängen. Allerdings, bis wir oben angekommen waren, war es auch um Ilyas geschehen, und ich weiß nicht, was Gerda sich hat denken müssen, als sie zwei heftig atmende Buben, auch ich war wohl sichtlich außer mir, zu der Jause an den Küchentisch bat, die sie vorbereitet hatte.
Sie hat einen heftigen Streit vermutet eventuell, den die Buben nun, der Höflicheit wegen, auf Eis gelegt hatten vorübergehend. Ilyas saß neben mir auf der Küchenbank, und als dieser sich tief atmend, mit geschlossenen Augen, und nach hinten sinkendem Kopf, gegen mich sich lehnte, da sagte Adrian mit heiserer Stimme: nun wird es mir zu viel, und verschwand in unserem Zimmer. Die genaue Reihenfolge der nun folgenden Ereignisse weiß ich nicht mehr, jedenfalls, als wir wieder klar denken konnten, befanden wir uns alle drei ineinander verschlungen teils auf, teils neben dem Bett, eigentlich angezogen noch bzw. kaum mehr als notwendig ausgezogen. Wir brachten uns und überhaupt alles wieder in eine Ordnung, und saßen schließlich alle vereint wieder am Küchentisch, den Gerda in der Zwischenzeit aufs schönste angereichert hatte und neu gedeckt. Wie sehr wünsche ich mir eine Wiederholung von alldem, indes, ohne jegliche Überstürzung.
masXin schrieb am 1.7. 2018 um 08:52:51 Uhr zu
Bewertung: 16 Punkt(e)
Indem neuerdings Adrians Kameraden vom FC Torpedo Frühsport betreiben wollen sonntags immer, haben wir heute ein sehr frühes Frühstück eingenommen.
Nach Adrians Verabschiedung kam Gerda nochmals auf den Ballettabend vom Freitag zurück. Wie sie in der Pause den Gesprächen der Freunde von John zugehört hat, John zuliebe, dem sie doch die Freikarte verdankt. Seine Freunde sind wohl alle auch vom Ballett, und ehrlich, in ihrer eigenen Welt leben die ja, und selten hat sie ganz begriffen, worum es ging. Eifersüchteleien wohl meistens, indem der eine in seiner Karriere sich behindert glaubt, während ein anderer einer ganz unverdienten Beförderung verdächtigt wird. Oder geht es da um Liebschaften? Ist da überhaupt ein Unterschied? Auch die Affäre John - Alexander wurde beleuchtet. Und ein gewisser Adrian wurde einmal erwähnt - ob mit diesem mein Donnerstagsbub gemeint gewesen sein könnte? oder irgend ein anderer Adrian?
Nein danke, liebe Gerda, sagte ich, keinen Kaffee mehr. Vielleicht muss ich noch ein Stündchen ausschlafen.
Gerda: irgendwie hast du ja den Adrian richtig verliebt in dich gemacht. Das ist mir neuerdings aufgefallen. Wenn er sich von dir verabschiedet - Schule vorgestern, heute Sport - als ob es für immer wäre!
masXin schrieb am 12.1. 2018 um 14:11:21 Uhr zu
Bewertung: 13 Punkt(e)
So ließ ich denn, wohlversorgt wie ich nun bin, die gestrige Donnerstagbeichte ausfallen. Hingegangen wenn ich wäre, hätte ich mich kaum zurückhalten können, und geradeswegs mein Glück allen gebeichtet, was nur allzubald wäre zu bereuen gewesen sicherlich. Andrerseits hatte ich mich zwar keiner Beichte, aber doch einer Inquisition zu unterziehen, indem eine Tante meines Donnerstagsbuben Adrian (nun kenne ich ihn schon über eine Woche!), welche ich bereits am Sonntag kennenlernen durfte (Fußball-Match FC Torpedo, Mittelstürmer Adrian), ihres Neffen neuen Wohnsitz aufsuchte. Genauestens hat die Bianca, so der Name, die Wohnung meiner Hausherrin Gerda inspiziert, (Adrian selbst war noch in der Schule). Anfänglich sehr kühl gegen Gerda. Später, am Küchentisch beim Häferlkaffee, fast herzlich.
Dann fiel ihr ein, dass das Schlafzimmer noch gar nicht kontrolliert worden war. Zum Glück hatte ich inzwischen dort einiges noch zurechtgerückt, insbesondere die Kopfkissen weiter auseinander geschoben, und Adrians ganz neue Kadetten-Uniform ins rechte Licht gerückt.
Tante Bianca ließ noch eine mit allerlei gefüllte Tasche für Adrian zurück und versprach, in Zukunft öfters nach dem Rechten zu sehen.
»Aber bitteschön, meine Liebe, herzlich gern!« sage Gerda in schöner Betonung, aber mit missmutigem Gesicht, indes, Bianca war schon draußen und sah nicht zurück.
masXin schrieb am 7.9. 2018 um 12:13:51 Uhr zu
Bewertung: 24 Punkt(e)
Gerda hat in ihrem Schlafzimmer in einer Nische - früher stand dort ein Kachelofen - hinter einem Vorhang verborgen so etwas wie ein Boudoir sich eingerichtet, und warum führt sie mich dorthin? Weil gestern abend der Ilyas vorbeigekommen ist, und was hat er ihr gebracht? Ein Geschenk! Ein Flascherl Boucheron Place Vendôme!
Er hat sich nämlich Mittwoch letzter Woche in Gerdas Schlafzimmer umziehen dürfen, indem ein Salon angesagt war, da hat Ilyas das Buffet anrichten und servieren helfen. Umziehen hat er sich müssen, indem nach dem Vortrag er einen Bauchtanz hat vorführen wollen, im passenden Gewand natürlich. Da muss er entdeckt haben, dass Gerdas Boucheron Place Vendôme aufgebraucht war bis auf einen winzigen Rest.
»Ist er nicht ein ganz reizender Bub!« sagt Gerda immer wieder, und jetzt zeigt sie mir noch einen niedrigen Kasten mit zwei Flügeltüren. Darinnen war noch alte Männer-Leibwäsche, erfahre ich, jetzt ist diese heraußen und Ilyas darf dort die goldenen Sandalen und alles, was für einen stilechten Bauchtanz notwendig ist, aufbewahren. Auch eine ganz schlichte Pappschachtel kriege ich gezeigt, darin allerlei goldene Kettchen, Ringe mit Halbedelsteinen, Ohrringe sogar, die hat doch Ilyas gar nicht getragen damals.
Ja ist denn jetzt an jedem Mittwochssalon Bauchtanz? frage ich erstaunt.
»Wir werden unseren Salon umgestalten müssen etwas«, sagt Gerda, »ich weiß noch nicht so recht, wie. Jedenfalls wird Ilyas vorbeischauen einfach so von Zeit zu Zeit, ich habe das angeregt nämlich, und bauchtanzen will er nur für uns beide und deinen Donnerstagsbuben.«
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