Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Blumenverkäufer«
Diethelm P. Krause schrieb am 8.9. 2003 um 21:35:19 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
»Ich habe immer noch schwerste Bedenken unser kommendes Auftreten auf der Geburtstagsfeier meines Chefs betreffend«, flüstert der Kunde dem Blumenverkäufer mit kleinlauter Stimme zu. »Aber Ihre Bedenken sind sicherlich unbegründet und rühren nur von Ihrer übertriebenen Vorsicht her«, versucht der Blumenverkäufer seinen Kunden zu beruhigen. »Nein, bedenken Sie nur, daß es drei Fehltritte geben wird, die meinen Chef an meinem Verstand und dem Respekt an seiner Person zweifeln lassen könnten: Wir fahren mit einem nicht hinreichend gereinigten Auto vor, die in dieses Fliederpapier gewickelte Flasche Schnaps befindet sich in einem fragwürdigen geöffneten Zustand und Ihr Auftauchen als eines nicht geladenen Gastes könnte leicht als übermütige Dreistigkeit erscheinen«, begründet der Kunde seine Zweifel. »Für die Flasche Schnaps wird zuletzt der Inhalt sprechen, der Ihrem Chef eine Freude bereiten wird, welche der Strauß der von Ihnen als Geschenk geplanten Blumen niemals hätte erreichen können. Und was meine Person betrifft, so werde ich mich soweit im Hintergrund halten, daß von einer Störung der Feierlichkeiten nicht die Rede sein wird«, beginnt der Blumenverkäufer die Skrupel des Kunden auszuräumen. »Aber das Fahrzeug ist und bleibt ein schmutziger Dorn im Auge jedes Geburtstagsgastes, nachdem unser Besuch in der Waschstraße nun so kläglich gescheitert ist«, setzt der Kunde seine Rede fort. »Darüber habe ich nun schon die letzten Minuten unserer Fahrt mit aller Kraft nachgedacht und bin zu einer Lösung gekommen, die Ihre Bedenken ein für alle Mal ausräumen wird«, kündigt nun der Blumenverkäufer an. Der Kunde schaut ihn voller Erwartung und neu geschöpfter Hoffnung an, während der Blumenverkäufer fortfährt: »Wir werden nämlich nicht vor dem Haus Ihres Chefs parken, sondern in einer Seitenstraße, die der Aussicht aus seinem Fenster entzogen ist.« Der Kunde wendet sich enttäuscht wieder der Straße zu: »Nein, das ist ganz unmöglich. Wir müssen vor dem Haus meines Chefs parken.« »Aber warum denn?«, fragt der Blumenverkäufer. »Er wird aus dem Fenster schauen und einen Blick auf das parkende Auto werfen wollen«, entgegnet der Kunde. »Aber wozu? Er kennt Ihr Auto doch bestimmt und hat keinen Anlass, zu seinem Geburtstag an ihm eine Veränderung zu erwarten«, erwidert der Blumenverkäufer. »Aber ich bin Prokurist«, wirft der Kunde ein. »Ach so«, staunt der Blumenverkäufer. »Sie müssen wissen, daß mein Chef unter allen Umständen ein standesgemäßes Verhalten erwartet, das ohne ein repräsentierendes Fahrzeug niemals sichergestellt werden kann. Er wird daher nicht einmal mit der bloßen Anwesenheit meines Autos sich zufrieden geben können, sondern es vielmehr in einem Zustand vorfinden wollen, in dem sich die Position widerspiegelt, die er mir mit allerhöchstem Vertrauen zugewiesen hat«, erläutert der Kunde seine Ablehnung des Vorschlags des Blumenverkäufers. »Gewiss hat Ihr Chef die allergrößte Veranlassung, gerade Ihnen sein Vertrauen entgegen zu bringen«, wirft der Blumenverkäufer ein. »Eben darum habe ich unbedingt jeder Enttäuschung über diese Entscheidung entgegen zu wirken«, antwortet der Kunde. »Doch befinden wir uns nun in einer Zwickmühle«, beginnt der Blumenverkäufer und fährt fort, »denn die Anwesenheit Ihres Fahrzeugs vor dem Haus Ihres Chefs wird ihn dessen schmutzigen Zustand bemerken und Zweifel an Ihrer Sorgfalt, ja noch schlimmer, an der Sorgfalt aufkommen lassen, mit der Sie das Amt besorgen, das er Ihnen anvertraut hat. Die Abwesenheit des Fahrzeugs aber wird ihn in eine Verwunderung stürzen, worauf dieser Umstand nur zurückzuführen ist. Jedoch bedenken Sie: Am verschmutzten Zustand Ihres Autos ist nun nichts mehr zu retten, wenn wir nicht eine Verspätung riskieren wollen...« »Undenkbar!«, ruft der Kunde entsetzt dazwischen. »Sehen Sie«, fährt der Blumenverkäufer fort, »uns bleibt also nur der Ausweg, das Auto in einer Seitenstraße zu parken und einen überzeugenden Grund für die Abwesenheit des Autos vor dem Haus Ihres Chefs zu finden«, beendet der Blumenverkäufer seine Schlussfolgerungen. Die Stirn des Kunden hatte sich während der ganzen Rede des Blumenverkäufers immer mehr in Falten gelegt, als er gewahr wurde, in welchem Dilemma er sich nun tatsächlich befand. »Einen solchen Grund kann ich mir überhaupt nicht denken, zumal mein Chef mit äußerster Genauigkeit unserer Argumentation folgen wird«, wirft der Kunde nun ein. »Wir könnten ihm sagen, der Parkplatz vor dem Haus sei belegt gewesen«, schlägt der Blumenverkäufer vor. »Aber wenn es nun nicht der Fall ist?«, fragt der Kunde zurück. »Dann sagen wir, der Parkplatz sei belegt gewesen, als wir vorfuhren, so daß wir in eine Seitenstraße gefahren sind, und als wir zu Fuß vom Parkplatz aus das Haus Ihres Chefs erreichten, sei das dort parkende Fahrzeug gerade davon gefahren«, verfeinert der Blumenverkäufer nun seinen Vorschlag. »Aber mein Chef wird sich fragen - ob er dies nun äußert oder nicht - warum wir nicht nach Freiwerden des Parkplatzes zu unserem Fahrzeug zurückgekehrt sind, um schleunigst die Lücke vor seinem Haus zu belegen und so den Anforderungen, die er an mich und meine Position stellt, gerecht zu werden«, sagt der Kunde. »Wir werden in dem Fall antworten, daß wir die Gefahr gesehen haben, daß nach unserer Rückkehr der Parkplatz von neuem belegt sein könnte«, versucht der Blumenverkäufer, dem Einwand des Kunden zu begegnen. »Glauben Sie, ich könnte mir erlauben, diese Gefahr zu scheuen, wo es um die berechtigten Interessen meines Chefs geht? Außerdem hätten Sie den Platz vor dem Haus freihalten können, während ich das Fahrzeug von seinem unmöglichen Parkplatz hole. Das würde auch gleichzeitig ein Stück Ihrer gesamten ungebetenen Anwesenheit auf der Geburtstagsfeier meines Chefs rechtfertigen«, erwidert der Kunde. Noch bevor der Blumenverkäufer antworten kann, fügt der Kunde als vermeintlich letzten Schlag gegen die Vorschläge des Blumenverkäufers hinzu: »Und bedenken Sie, daß es nicht nur einen Parkplatz vor dem Haus meines Chefs gibt!« »Aber in dieser Hinsicht ist es ganz klar, daß Ihrer Stellung entsprechend für Sie nur der beste Parkplatz - natürlich nach dem Parkplatz Ihres Chefs selbst - in Frage kommen kann. Das wird Ihr Chef keinesfalls anders sehen. Es kann daher doch nur ein möglicher Parkplatz vor dem Haus für Sie übrig bleiben«, antwortet der Blumenverkäufer prompt. »Das kann in der Tat nicht anders sein, was aber die Absurdität Ihres Vorschlags nicht mindert. Wir müssen des weiteren damit rechnen, daß mein Chef schon jetzt, während wir sein Haus noch gar nicht erreicht haben, am Fenster steht und unsere Ankunft erwartet, in jedem Fall also alle Parkplätze in Beobachtung hat und über ihre Belegung im Stillen und für sich längst Buch führt. Ihm also vorzugaukeln, der mir allein gemäße Parkplatz sei belegt gewesen, kann sich für ihn als niedrige Lüge entpuppen, was es ja auch tatsächlich ist. Über die Folgen dieser Erkenntnis wage ich hier gar nicht nachzudenken«, führt der Kunde verzweifelt aus. »An dieser Stelle muss ich einräumen, daß Ihre Bedenken nicht von der Hand zu weisen sind«, gibt der Blumenverkäufer zu und denkt ein paar Sekunden schweigend nach, während der Kunde kopfschüttelnd seine Fahrt fortsetzt. »Wir sagen einfach, wir wollten den Parkplatz für die Frau Ihres Chefs freilassen«, sagt der Blumenverkäufer plötzlich. »Sie wohnt doch bei ihm und braucht keinen eigenen Parkplatz«, weist der Kunde die neue Idee des Blumenverkäufers sofort zurück. »Haben Sie denn keinen gebrechlichen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen?«, fragt der Blumenverkäufer. »Nein«, antwortet der Kunde. »Denken Sie nach!«, fordert der Blumenverkäufer. »Nein, nein, nur unser Oberbuchhalter ist sehr schwerfällig«, entgegnet der Kunde. »Aha«, ruft der Blumenverkäufer aus. »Er ist sehr dick«, sagt der Kunde. »Da haben wir es doch!«, freut sich der Blumenverkäufer und fährt fort, »wir werden Ihrem Chef angeben, aus Rücksicht vor der hinderlichen Schwerfälligkeit Ihres Oberbuchhalters den Parkplatz direkt vor dem Haus nicht belegt zu haben, um ihm den Zugang ins Haus zu erleichtern.« »Aber er ist nur Oberbuchhalter und nicht Prokurist«, wirft der Kunde ein. »Aber Ihr Chef wird Ihre Rücksichtnahme als Tugend zu schätzen wissen«, sagt der Blumenverkäufer. »Das ist sehr fragwürdig«, entgegnet der Kunde. »Sie müssen eben während der Geburtstagsfeier Ihrer Stellung durch eine kleine Gemeinheit gegen den Oberbuchhalter Geltung verschaffen, welche als Ausgleich dient gegen Ihr Zurückstecken bei der Belegung des Parkplatzes«, schlägt der Blumenverkäufer vor. »Das kann ich nicht«, sagt der Kunde. »Seien Sie nicht zu zaghaft!«, fährt der Blumenverkäufer dazwischen und setzt seine Rede fort, »außerdem erheben Sie sich schon durch die bloße Rücksicht über den Oberbuchhalter, dessen Leibesfülle Sie damit zur Gebrechlichkeit stempeln«. »Das ist doch widerlich!«, ruft der Kunde entsetzt aus. »Ja, Sie haben recht, aber es scheint mir in Ihrer Lage der einzige Ausweg zu sein«, stimmt ihm der Blumenverkäufer zu. Inzwischen nähern sie sich der Siedlung, in welcher der Chef wohnt. »Dem Oberbuchhalter möchte ich tatsächlich den besten Platz vor dem Haus meines Chefs überlassen, um ihm den Gang ins Haus nicht zu beschwerlich werden zu lassen«, spricht der Kunde leise vor sich hin. »Sehen Sie!«, freut sich der Blumenverkäufer über die sich nun ankündigende Entscheidung. »Ich werde genau die Reaktion meines Chefs über dieses Verfahren beobachten müssen. Bei den leisesten Zweifeln an meiner Person und meinem Amt werde ich mich an seine Seite stellen und mich über den Oberbuchhalter erheben müssen. Dabei werde ich jedoch von seiner Schwerfälligkeit keinen Gebrauch machen, sondern mich nur gegen seine buchhalterische Tätigkeit wenden«, spinnt der Kunde seine Pläne fort. »Die plötzliche Klarheit, mit der Sie alles vorauszusehen wissen und sich auf jede überraschende Situation vorzubereiten scheinen, freut mich«, begeistert sich der Blumenverkäufer über die nun gefundene Vorgehensweise. Dann biegen der Kunde und der Blumenverkäufer von der Hauptstraße ab und fahren in die Siedlung, in welcher der Chef wohnt, ein.
Diethelm Krause schrieb am 11.10. 2003 um 15:51:14 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Der Blumenverkäufer und sein Kunde hören, wie von innen zweimal ein Schlüssel im Schloss der Tür gedreht wird. Als sich die Tür einen Spalt weit öffnet, schaut ein kleiner Mann mit grauen gescheitelten Haaren aus dem Dunkel der Diele hinaus und mustert den Blumenverkäufer, auf den sein Blick zuerst fällt. »Ja, bitte?«, fragt er ihn ernst und blinzelt nervös mit den Augen, während er die Antwort abwartet. Der Blumenverkäufer sieht zum Kunden hinüber, zieht die Schultern hoch und macht mit den Händen eine hilfesuchende Geste. Nachdem der Kunde einen Schritt zur Seite gemacht und sich noch weiter gestreckt hat, um einen Blick in den Türspalt zu werfen, sagt er: »Ich bin der Prokurist.« Der Mann hinter der Tür hat sich anscheinend etwas erschrocken, als der Kunde plötzlich auftauchte, den er bisher nicht wahrgenommen hatte, und zieht den Kopf ein Stück vom Türspalt zurück. Als sein Gesicht wieder auftaucht, fragt er: »Kommen Sie wegen des Geburtstags?« »Ja, natürlich! Wie gesagt, ich bin der Prokurist«, entgegnet der Kunde, nun etwas ungehalten über die Mühseligkeiten mit jenem Mann. Als dieser der Flasche Schnaps in den Händen des Kunden gewahr wird, scheint er endlich vollständig von dessen Glaubwürdigkeit überzeugt zu sein, öffnet die Tür nun ganz und macht mit einem offensichtlich neben der Tür befindlichen Schalter Licht im Eingangsbereich der Diele. Der aufmerksam prüfende Blick des Mannes und die plötzliche Beleuchtung haben den Kunden an sein fragwürdiges Geschenk für seinen Chef erinnert; schnell verschränkt er seine Arme mit der Flasche Schnaps in den Händen hinter seinem Rücken. Im Licht sieht der Blumenverkäufer nun, daß der kleine Mann eine schwarze Anzugjacke und eine Krawatte trägt. Seine dunkelgraue Korthose ist über den schwarzen Schuhen etwas zu weit und schlackert mit jedem Schritt ausladend hin und her. Als der Blumenverkäufer einen Kragen der Anzugjacke bemerkt, der unvorteilhaft geknickt ist, wirft er wieder einen ratlosen und verunsicherten Blick auf seinen Kunden. »Und wer sind Sie?«, fragt der Kunde den Mann in der Diele. Über das Gesicht des Blumenverkäufers läuft ein Ausdruck des Staunens, dann der Erleichterung und anschließend der Strenge, mit der er schließlich, ebenso wie der Kunde, den Mann fixiert. »Ich bin der Hausdiener«, antwortet der Mann kleinlaut, als fühle er sich bei einem Verbrechen ertappt. »Ah«, ruft der Kunde langgezogen und plötzlich ganz gelöst, indem sich seine steinerne Miene in einem Lächeln auflockert. »Bitte warten Sie einen winzigen Augenblick«, sagt der Hausdiener und verschwindet im hinteren Bereich der Diele, die immer noch im Dunkeln liegt. Der Kunde schaut den Blumenverkäufer an und zieht die Augenbrauen hoch. »Sehen Sie! Ich habe Ihnen doch gesagt, daß es ganz unmöglich ist, vom Zustand des Gebäudes auf die beschädigte Würde und eine niedere Lebensart meines Chefs zu schließen«, flüstert er ihm voller Genugtuung zu und fährt fort: »Immer müssen Sie zuviel denken und wissen doch gar nichts richtig.« Der Blumenverkäufer ist ohne Worte und starrt immer noch verblüfft in die Diele, in welcher der Hausdiener verschwunden ist. Der Kunde kann gerade noch hinzufügen: »Ein Hausdiener! Das sagt doch alles!«, als dieser wieder mit einer Fußmatte in der Hand auftaucht und sie vor der Tür ausbreitet. »Kommen Sie bitte herein«, fordert der Hausdiener den Blumenverkäufer und den Kunden auf, die bisher immer noch vor der Haustür gestanden hatten. Zur Rechten führt eine gewundene mit einem hellbraunen Teppich überzogene Holztreppe hinauf, an deren oberem Ende eine schwache Flurbeleuchtung zu sehen ist. Als sie eintreten, erkennen sie am anderen Ende der Diele eine geschlossene Tür, durch deren untere Ritze ein heller Lichtstreifen schimmert. Gelegentlich sind leise Stimmen zu hören, ohne daß einzelne Worte zu verstehen gewesen wären. Als der Blumenverkäufer und der Kunde in der Diele stehen, geht der Hausdiener eilig an ihnen vorbei, tritt auf die Türschwelle und beugt sich vor. Nachdem er einmal nach links und nach rechts geblickt hat, zieht er sich schnell wieder zurück, schließt die Tür und dreht den von innen steckenden Schlüssel zweimal herum.
Diethelm Krause schrieb am 10.9. 2003 um 21:49:14 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
»Was für ein Ärger!«, ruft der Blumenverkäufer aus, als er gerade das Auto des Kunden verlässt, und schaut zu Boden. »Was haben Sie denn nur?«, fragt der Kunde, gestört vom Aufbrausen des Blumenverkäufers. »Sie haben unmittelbar neben einer Pfütze geparkt, in die ich nun unachtsam hineingetreten bin. Sehen Sie nur! Das Hosenbein ist nass geworden«, antwortet der Blumenverkäufer. Der Kunde weigert sich, auf die Seite zu gehen, auf welcher der Blumenverkäufer ausgestiegen ist, und entgegnet ihm: »Ihre Ungeschicklichkeit dürfen Sie nicht mir vorwerfen. Diese Pfütze kann den herausragenden Wert dieser Parklücke nicht mindern.« »Wie bin ich nun gezwungen, bei Ihrem Chef aufzutreten!«, stöhnt der Blumenverkäufer. »Das trocknet sicherlich schnell, zumal es nun nicht mehr regnet und wir auch noch zu Fuß ein kleines Stück des Weges zurückzulegen haben«, versucht der Kunde den Blumenverkäufer zu beruhigen. »Dieses Pech gefährdet nun meine ganze Funktion als unterstützende Kraft für Ihren anstehenden schweren Gang zum Geburtstag Ihres Chefs«, lamentiert der Blumenverkäufer unbeirrt weiter. »Sie sind für mich schon jetzt eine sichere Bank, die nie und nimmer durch ein nasses Hosenbein zusammenbrechen kann«, tröstet der Kunde den Blumenverkäufer und fährt fort: »Kommen Sie, wir machen uns auf den Weg!« Der Kunde geht - immer noch voller Verärgerung - hinter dem Fahrzeug her auf den Bürgersteig, als sich plötzlich die Tür des Hauses öffnet, die sich neben dem parkenden Fahrzeug befindet, und ein ausgewachsener Hund bellend herausstürmt und sich auf den Kunden und den Blumenverkäufer stürzt. »Es reißt uns in Stücke, das Ungeheuer!«, schreit der Blumenverkäufer entsetzt auf und läuft auf die Straße zurück, um hinter dem Fahrzeug Schutz zu suchen. Der Kunde ist starr vor Schreck und wagt sich nicht zu bewegen, während der Hund mit den Vorderpfoten an ihm hinaufspringt. »So tun Sie doch etwas!«, stammelt er leise mit erhobenen Armen. »Was soll ich denn tun?«, flüstert der Blumenverkäufer zurück. »Irgendetwas! Lassen Sie mich nicht so zurück! Nicht so!«, stottert der Kunde, vom Bellen des Hundes mehrfach unterbrochen. »Er will doch nur mit Ihnen spielen«, entgegnet der Blumenverkäufer hinter dem sicheren Schutzwall des parkenden Autos. »Warum verstecken Sie sich dann und ergreifen die Flucht?«, fragt der Kunde, ohne zu wagen sich umzublicken. »Er hat Sie nun einmal ausgewählt und wird Sie ohne Frage auch in meinem Beisein als Gefährten vorziehen«, antwortet der nun mutiger werdende Blumenverkäufer. »Wie können Sie diesen Angriff, der meine Gesundheit aufs äußerste bedroht, so verharmlosen?«, erwidert der Kunde, während er den Hund, der nun schwanzwedelnd vor ihm steht und unablässig bellt, fest im Blick hält. Der Blumenverkäufer hat sich inzwischen um das Fahrzeug halb herumbewegt und beobachtet die Szene immer noch aus der Deckung. »Sehen Sie, er macht doch gar nichts«, spricht er dem Kunden Mut zu. »Das nennen Sie 'Nichts machen'?«, entgegnet der Kunde mit nach wie vor gedämpfter Stimme und stammelt weiter: »Ich befinde mich kurz vor meiner Zerfleischung und Sie wissen nichts als nutzlose Kommentare zu meinem Unglück...« »Kommst Du wohl her!«, ist plötzlich eine laute energische Stimme aus dem Dunkel des Hausflurs zu hören. Ohne zu zögern dreht sich der Hund um und läuft zur Tür zurück, in der gerade eine junge Frau mit einer Umhängetasche erscheint. »Du sollst nicht allein auf die Straße laufen«, ermahnt sie den Hund, während sie ihn gleichzeitg an eine Leine legt, die sie schon bereitgehalten hat. Der Kunde macht zwei Schritte zurück und entspannt sich, nachdem der Blumenverkäufer sich schon vorsichtig auf den Bürgersteig zurückgewagt hat. Beide beobachten schweigend die immer noch beschäftigte Hundebesitzerin in der Haustür. »Entschuldigen Sie! Er ist sehr temperamentvoll«, nähert sie sich dem Kunden und dem Blumenverkäufer auf dem Bürgersteig, während sie die Leine kurz hält und der Hund aufgeregt zu ihr hinaufschaut. »Das macht doch gar nichts. Wir haben...«, beginnt der Blumenverkäufer, unterbricht aber seine Rede, vom strengen Blick des Kunden getroffen, der sich sofort der Hundebesitzerin zuwendet. »Sie sind verpflichtet, Ihren Hund in einer derart bewohnten Siedlung an der Leine zu halten, schon bevor Sie ihm die Tür öffnen, damit er sich gar nicht erst die Freiheiten nehmen kann, wie es jetzt zu unserem Nachteil längst geschehen ist«, redet der Kunde die Hundebesitzerin an, die ihm erwidert: »Ja, Sie haben bestimmt recht. Der Hund wird Sie, der Sie vielleicht unerfahren im Umgang mit Tieren sind, geängstigt haben, was aber - das versichere ich Ihnen - ganz und gar unnötig und unbegründet war.« »Es steht Ihnen nicht zu, über unsere Erfahrenheit mit Tieren zu urteilen, da Sie uns gar nicht kennen. Ich möchte Ihnen nur soviel sagen, daß mein Begleiter hier Blumenverkäufer ist, dem die tägliche Begegnung mit Pflanzen aller Art mehr als vertraut ist«, erwidert der Kunde, indem er gleichzeitg auf den Blumenverkäufer zeigt. »Ich hatte allerdings auch den Eindruck, daß mehr Sie es waren, dem mein Hund wenig Freude bereitet hat, während Ihr Begleiter anscheinend und in der Tat meinem Hund mit etwas Interesse begegnet ist«, sagt die Hundebesitzerin etwas verwundert über die Worte des Kunden. »Nun fällen Sie sogar ein Urteil über mich persönlich, nachdem Sie zunächst nur sich über uns als Gruppe und ganz im Anonymen geäußert haben«, entgegnet der Kunde verärgert und fügt hinzu: »Ich bin Prokurist.« »Ach so«, bringt die Hundebesitzerin zögernd und verunsichert hervor, während sie den Blumenverkäufer gleichzeitg fragend anschaut. »Sie müssen wissen, daß wir sehr in Eile sind und uns auf dem Weg zu einer sehr wichtigen Veranstaltung befinden, die schon bis jetzt eine ausführliche Vorbereitung gefordert hat«, schaltet sich nun der Blumenverkäufer ein und fährt fort: »Wir können uns daher keine Ablenkung erlauben, wie Sie uns Ihr Hund leider nun beschert hat, der mir im übrigen trotz seines Temperamentes keine ernstliche Gefahr zu sein scheint.« »Es tut mir leid, wenn ich und mein Hund Sie aufgehalten haben sollten, und möchte diese ungelegene Unterbrechung Ihrer dringenden Pflichten auf keinen Fall weiter fortsetzen«, sagt die Hundebesitzerin, dem Blumenverkäufer zugewandt. Mit einem Blick zum Kunden, der argwöhnisch zwischen dem Hund und seiner Besitzerin hin und her schaut, verabschiedet sie sich und geht die Straße hinunter. Nach einigen Schritten lockert sie den engen Griff Ihrer Hundeleine. Der Hund nutzt diese neu gewonnene Freiheit sofort aus und läuft einige Schritte vor ihr her. Der Kunde und der Blumenverkäufer blicken schweigend hinter ihnen her, bis sie im Dunkel hinter der ersten Straßenlaterne verschwinden. »Sie nimmt die gleiche Richtung der Straße, in die wir nun auch gehen müssen«, unterbricht der Kunde die Stille. »Wir können ihr zur Sicherheit einen kleinen Vorsprung lassen«, erwidert der Blumenverkäufer. »Vielleicht auch einen etwas größeren«, fügt der Kunde dem Vorschlag des Blumenverkäufers hinzu, bevor sie sich langsam auf den Weg zum Haus des Chefs machen.
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