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Karl V., römischer Kaiser, König von Spanien, beider Sicilien, Herr der neuen Welt u. s. w. (geb. zu Gent 25. Februar 1500, gest. im Hieronymitanerkloster St. Just 21. September 1558). Enkel des Kaisers Maximilian I., Sohn des Erzherzogs Philipp des Schönen, Königs von Castilien, aus der Ehe mit Johanna, Erbtochter Ferdinand’s des Katholischen von Spanien und Isabellens von Castilien. Geschwister: Ferdinand I. (nachmaliger Kaiser), Eleonore, erst Emanuel’s, Königs von Portugal, dann Franz I., Königs von Frankreich, Gemalin, Isabella, Gemalin Christierns, Königs von Schweden, Dänemark und Norwegen, Maria, Gemalin Ludwig’s II., letzten Königs von Ungarn und Böhmen aus dem Hause der Jagellonen, Katharina, Gemalin Johann’s III., Königs von Portugal. Gemalin. Seit 10. Juni 1526 Isabella, Tochter Emanuel’s, Königs von Portugal (gest. zu Toledo am 1. Mai 1539) [s. Nr. 69]. Kinder: Philipp II., Nachfolger des Vaters in Spanien, Maria, Gemalin Johann’s, Infanten von Portugal,[WS 1] Ferdinand und Johann, beide in der Kindheit verstorben. Wahlspruch. Zwei Säulen (jene des Herkules) mit der Umschrift: Plus ultra. Hervorragende Lebensmomente. Der frühe Tod Don Juan’s, einzigen Sohnes Ferdinand’s des Katholischen und Isabellens von Spanien, und ihrer ältern Tochter Isabella, Gemalin Alphons VI. von Portugal, sowie die [339] letztwilligen Anordnungen Ferdinand’s des Katholischen (gest. 23. Jänner 1516) machten Karl zum Erben des größten Reiches, welches seit Karl dem Großen jemals ein Fürst besessen. Als Karl 6 Jahre alt war, verlor er durch den Tod seinen Vater Philipp den Schönen (gest. 25. September 1506), nachdem 3 Monate früher dieser und seine Gemalin Johanna (s. d. Nr. 120) als König und Königin von Castilien, und ihr Sohn Karl als Prinz von Asturien ausgerufen worden waren. Die erste Erziehung des Erzherzogs leiteten zwei Fürstinen, Tante Margaretha von Oesterreich und Margaretha von York, dritte Gemalin und Witwe Karl’s des Kühnen von Burgund, zwei Frauen von seltenen Geistesgaben, von denen zwar die letztere schon starb, als Karl nur erst 3 Jahre alt war, erstere aber des Erzherzogs Erziehung bis zu ihrer Vollendung überwachen konnte. Als nach Philipp’s Tode die Flammänder den Kaiser Maximilian zur Regentschaft beriefen, übergab dieser seinen Enkel dem Herrn Wilhelm Croy de Chievres, unter dessen Oberaufsicht Hadrian Florent von Utrecht (gest. 1523), nachmals Papst Hadrian VI., Karl Cernio von Antwerpen und der Castilianer Antonio Vacca die Ausbildung des Prinzen besorgten. Vor seinem 16. Jahre sprach Karl sechs Sprachen: italienisch, spanisch, englisch, flammändisch, französisch und deutsch, und zwar wie er selbst sagte: „französisch, um mit sich selbst zu reden; deutsch, damit er Kaiser werden könne“. In den übrigen Wissenschaften machte er gleichfalls treffliche Fortschritte, und in den ritterlichen Uebungen schon im Alter von 10 Jahren hervorragend, war er seinem Großvater Maximilian vollkommen ähnlich. Als Ferdinand der Katholische gestorben war, nahm Karl auf den Rath der Flammänder, die seinen Hofstaat bildeten, den Königstitel als Karl I. an, ehe ihm derselbe von den Cortes war übertragen worden. Nach den Grundgesetzen des Landes gehörte aber dieser Titel nur der Königin Johanna und war dieß bisher in keiner Art widerrufen worden. Die Spanier betrachteten nun diesen Vorgang als eine Verletzung ihrer Rechte und jener der Königin Mutter; aber der Einfluß des Cardinals Ximenes, dem Ferdinand während Karl’s Minderjährigkeit die Regentschaft übertragen hatte, führte es durch, daß Karl’s Rechte auf die Krone feierlich anerkannt wurden (13. April 1516). Die ersten Jahre seiner glorreichen Regierung waren stürmisch. Ein Aufstand der Landleute gegen den Adel wurde von Ximenes unterdrückt, der diese Gelegenheit benützte, den übermüthigen Adel zu beugen. 1517 begab sich Karl selbst nach Spanien, landete am 13. September bei Villaviciosa in Asturien und hielt im folgenden Jahre seinen Einzug in Valladolid, wohin er die castilischen Cortes berufen hatte. Die Anhänglichkeit dieser Letzteren für Isabella’s Tochter war aber so groß, daß sie ihn nur im Vereine mit seiner Mutter zum Könige ausriefen und ihr Name in allen Staatsacten vor dem seinigen stehen mußte; in Aragonien hatte Karl noch heftigeren Widerstand zu besiegen. Unter diesen Ereignissen erfolgte der Tod des Kaisers Maximilian (12. Jänner 1519). Obgleich auch Franz I. von Frankreich um die deutsche Kaiserwürde sich bewarb, wurde doch Karl von den Churfürsten zum Kaiser gewählt (28. Juni 1519). Diese Wahl mißfiel den Spaniern, welche weder ihr Geld noch ihr Blut in auswärtigen Kriegen opfern wollten; nur mit vielen Mühen [340] gelang es dem Könige, die nöthigen Summen zu seiner Reise nach Deutschland zu erhalten. Nachdem er seinem Erzieher Hadrian von Utrecht während seiner Abwesenheit von Spanien die Regentschaft übertragen hatte, schiffte er sich am 22. Mai 1520 ein, um über Belgien sich nach Deutschland zu verfügen. Karl fühlte es nur zu wohl, daß die andern Fürsten Europa’s mit Eifersucht und Besorgniß die Vereinigung so vieler Kronen auf Einem Haupte sehen werden und war bestrebt, sich Verbündete zu verschaffen. So verband er sich, indem er Cardinal Wolsey gewann, und Franz I. von Frankreich von der Allianz mit England trennte, zunächst mit Heinrich VIII. von England, mit welchem Karl schon im vorigen Jahre im October, erst zu Dover, dann auf dem wegen der Pracht dieser Begegnung camp de drap d’or genannten Felde zwischen Guisnes und Anders und zu Gravelingen eine Zusammenkunft hatte. Nun setzte Karl seine Reise fort, ließ sich am 23. October 1520 zu Aachen krönen und berief auf den Anfang des nächsten Jahres einen Reichstag nach Worms, dessen Aufgabe sein sollte, die Mittel zu berathen, welche der durch Luther’s Lehre gekräftigten neuen Richtung des Geistes am erfolgreichsten Widerstand leisten könnten. Der Kaiser erschien in Person auf diesem Reichstage, auf welchem nur die Reichsacht gegen den Reformator erlassen, und die erste Theilung der österreichischen Besitzungen zwischen den Brüdern Karl und Ferdinand festgestellt wurde. Die Verträge darüber datiren vom 28. April 1521 aus Worms, vom 30. Jänner, 1. und 18. Mai 1522 aus Brüssel. Seit dieser Theilung schied sich das Haus Habsburg in zwei Linien, in die österreichische und spanische, von denen erstere die letztere nur um 40 Jahre überlebte, da die spanische mit Karl II. am 1. November 1700, die österreichische aber im Mannsstamme mit Karl VI. (siehe d. Folg.) am 26. October 1740 erlosch. Die Verhältnisse in Deutschland mahnten den Kaiser, sich noch nach einem zweiten Verbündeten umzusehen, und Don Manuel, sein Gesandter in Rom, unterhandelte mit Papst Leo X. Indessen mehrten sich im Westen die Verwicklungen. Von Franz I. gestachelt, fiel in des vertriebenen Königs Johann d’Albret Namen Andreas von Foix in Spanien ein, überschwemmte mit seiner Heeresmacht Navara, nahm Pampelona, bei dessen Vertheidigung der biscayische Edelmann Don Ignazio Loyola verwundet wurde, welcher dann während seiner Heilung den Gedanken faßte, den Jesuitenorden zu stiften. Die Gefangenschaft Foix’ bei Lagrogno (30. Juni 1521) vereitelte die Absichten Frankreichs, welches mit diesem Handstreich nur Menschenleben geopfert und nichts gewonnen hatte. In den Niederlanden machte Robert von der Mark, gleichfalls von Franz überredet, in Luxemburg einen Einfall. Da aber Kaiser Karl die Pläne des französischen Königs, der ihm einen Gegner um den andern warb, durchschaute, befahl er seinem General, dem Grafen von Nassau, in Frankreich einzufallen. Die Vermittlung Englands endete den Kampf, Heinrich VIII. veranstaltete eine Zusammenkunft zu Calais (5. August 1521), auf welcher Wolsey, Heinrich’s VIII. Minister, der wie die übrigen englischen Minister große Summen von Seite des Kaisers bezog, die Verhandlungen leitete. Jedoch dieser Congreß ging erfolglos auseinander, und in Brügge, wo Wolsey mit dem Kaiser zusammentraf, wurde die Allianz Englands mit Karl V. gegen Franz I. [341] von Frankreich geschlossen. Beide Fürsten sollten Frankreich zugleich angreifen; Heinrich von der Picardie aus, Karl von der spanischen Grenze mit 40.000 Mann, und um diesen Bund zu festigen, sollte Karl mit Marie, der einzigen Tochter des englischen Königs, sich vermälen. Wolsey, welcher längst nach der Tiara strebte, waren vom Kaiser Hoffnungen gemacht worden, die sich jedoch nicht erfüllen sollten. Während diese Bündnisse für die Zukunft geschlossen wurden, ward das Mailändische Schauplatz des Krieges. Lautrec, welcher das französische Heer commandirte, operirte mit aller Gewandtheit, konnte aber nicht verhindern, daß die kaiserlichen Truppen im Vereine mit den päpstlichen Mailand besetzten, welches ihnen die Partei der Ghibellinen übergeben hatte. Parma und Piacenza erhielt der Papst und zu Ende des Feldzugs besaßen die Franzosen nur mehr Cremona, das Mailänder Castell und einige unbedeutende Forts. Obwohl der im folgenden Jahre erfolgte Tod Leo’s X. (2. December 1522) die Liga auflöste, waren die Erfolge der Franzosen nicht glücklicher; Lautrec wurde bei Bicocca (22. April 1522) von Colonna geschlagen und zog sich nach Frankreich zurück, worauf unmittelbar nach seinem Abzug sich Alles, Cremona ausgenommen, den Kaiserlichen ergab. Die weiteren Erfolge der kaiserlichen siegreichen Waffen wurden durch den Ausbruch neuer Bürgerkriege in Spanien unterbrochen. Toledo und die anderen castilischen Städte hatten sich gegen den Adel erhoben und Juan de Padilla an die Spitze gestellt. Segovia, Burgos, Zamora thaten ein Gleiches und endlich auch Valladolid. Hadrian von Utrecht, der in des Kaisers Abwesenheit die Regentschaft führte, war zu schwach um den Aufstand zu bändigen, dessen einzelne Gemeinden sich verbündeten und die santa junta schlossen. Karl V., zu jener Zeit in den Niederlanden, gab den Admiral Fedrique Enriquez und den Connetable von Castilien, Junigo de Velasca, mit aller Machtvollkommenheit Hadrian an die Seite. Aber erst mit Padillas Fall nahm der Aufruhr ein Ende, der für Spanien traurige Folgen hatte; denn die Städte, welche daran Theil genommen, verloren ihre Privilegien und mit diesen ihren Handel und ihre einstige Blüthe, und konnten nimmer wieder sich erholen. Als bei der Rückkehr des Kaisers nach Spanien (October 1522) der Aufruhr überall gedämpft war, konnte jetzt erst Karl auf ein neues Bündniß gegen Frankreich und die Fortsetzung des unterbrochenen Krieges denken. Der Connetable, Karl Herzog von Bourbon, war von Franz I. beleidigt und von Kaiser Karl V. für seine Zwecke gewonnen worden. Der Krieg begann wieder zuerst im Mailändischen, wo der unfähige Höfling Gouffier, Admiral von Bonnivet, den Oberbefehl des französischen Heeres führte. Bonnivet erlitt mehrere Niederlagen, aber die von den Kaiserlichen gewonnenen Vortheile wurden durch das Mißgeschick an anderen Puncten beeinträchtiget, indem die englische Armee von La Tremouille, die Spanier aus La Guienne und die Reichstruppen aus Burgund gedrängt wurden. Schon hatte Gouffier Mailand verloren und der Kaiser war entschlossen, in Frankreich einzufallen. Bourbon drang auch (August 1524) bereits in der Provence ein, wurde aber zurückgeschlagen. Franz I., von diesem vorübergehenden Erfolge ermuthiget und von der Idee gestachelt, Mailand wieder zurück zu erobern, eröffnete im folgenden Jahre selbst den [342] Feldzug, stellte sich an die Spitze des Heeres und schlug die denkwürdige Schlacht von Pavia, wo er nebst der Schlacht auch seine Freiheit verlor (25. Februar 1525). Die wachsende Uebermacht Karl’s V. erweckte nun Heinrich’s VIII. von England Mißtrauen, und auf Wolsey’s Zureden, der nach der Reihe zwei neue Papstwahlen vor sich gehen und sich getäuscht sah, löste England den Bund mit dem Kaiser; dieser stellte nun dem französischen Könige schwere Bedingungen; als aber der gefangene König Franz zu Gunsten seines Sohnes auf die Krone verzichten wollte, wodurch Kaiser Karl alle Früchte der Schlacht von Pavia verloren hätte, ermäßigte Karl seine Forderungen, es wurde der Friedensvertrag zu Madrid (14. Jänner 1526) geschlossen. Als aber Franz frei geworden, erklärte er, durch Papst Clemens VII., der als das Haupt eines gegen den Kaiser bestehenden Bundes galt, seines gegebenen Wortes entbunden, daß er diese nur unter dem Eindrucke der Gewalt zugestandenen Bedingungen nicht erfüllen werde. Ein indessen im Mailändischen von dem Kanzler Hieronymus Morone angesponnener Verrath, durch welchen Karl V. seine Eroberungen wieder verlieren sollte, wurde durch Pescara, den Feldherrn des Kaisers, den Morone zu seinen Zwecken gewonnen glaubte, dem Kaiser entdeckt, und Morone vor das Kriegsgericht gestellt. Indessen hatte der Papst wieder eine Liga gegen den Kaiser geschlossen, zu welcher König Franz, Herzog Franz Sforza, Venedig und Florenz gehörten und welche die Wiederherstellung der Freiheit Italiens anstrebte. Der treulose Urheber dieses neuen Krieges, Papst Clemens VII., wurde nun in seiner eigenen heiligen Stadt zweimal in einem Jahre belagert, Rom erobert (das erste Mal 29. September 1526) und der Papst gefangen und nach Spanien gebracht. Als Doria selbst mit seinen Galeeren auf die Seite des Kaisers trat, neigte sich die Schale zum Vortheile Karl’s V. Unter solchen Wirren wurde das Verlangen nach Frieden allgemein. Margaretha von Oesterreich, des Kaisers Tante, und Louise, Franz I. Mutter, hatten mehrere Zusammenkünfte, deren Folge endlich der sogenannte Damenfriede von Cambrai (5. August 1529) war. Im folgenden Jahre kam Karl selbst nach Italien, gab überall Beweise seiner Mäßigung, setzte die Medicis wieder in den Besitz von Florenz ein, vergab dem Herzoge Franz Sforza, ihn mit seiner Nichte Christine, der Tochter des Königs Christiern von Dänemark und seiner Schwester Isabella [s. Nr. 68], vermälend; dann ließ er sich zu Bologna von Clemens VII. zum Könige der Lombardie krönen. Alle Anzeichen auf einen dauernden Weltfrieden waren vorhanden, wenn nicht die Religionswirren in Deutschland Alles vereitelt hätten. Die Aussöhnung mit dem Papste war schon (29. Juni 1529) zu Barcelona erfolgt, die mit England erfolgte bald darauf (am 5. August), im folgenden Jahre (4. Juli 1530) vollzog Franz seine Vermälung mit Karl’s V. Schwester Eleonore [s. d. Nr. 52]; und als des Kaisers Tante Margaretha zu Mecheln (1. November 1530) starb, hatte sie Tags vorher in mütterlicher Liebe an ihren Neffen Karl geschrieben: Friede mit Frankreich, Friede mit England. Bisher war Karl’s Aufmerksamkeit durch seine Kriege mit Frankreich und Italien von Deutschland abgelenkt worden, nun aber konnte er sich den immer verwickelter [343] werdenden deutschen Angelegenheiten zuwenden. Im Jahre 1530 erschien der Kaiser in Person auf dem Reichstage zu Augsburg. Melanchthon hatte die Confession der Protestanten in eine möglichst versöhnende Form gebracht, diese wurde nun am 19. November 1530 auf dem Augsburger Reichstage übergeben, vier Städte: Straßburg, Memmingen, Lindau und Constanz, der Lehre Ulrich Zwingli’s zugethan, reichten ein anderes Bekenntniß ein. Die katholischen Theologen lasen ihre Confutation ab. Der Zwiespalt war offenbar. Nur die Versicherung eines allgemeinen Concils hielt die Gemüther noch zurück. Die deutschen Fürsten aber, als der Kaiser die Wahl seines Bruders Ferdinand zum römischen Könige, ohngeachtet des sächsischen Widerspruches (5. Jänner 1531), durchgesetzt hatte, dem Bedürfnisse, sich aneinander zu schließen, folgend, schlossen den Bund von Schmalkalden (27. Februar 1531), um der Macht des Kaisers ein Gegengewicht zu bieten. Die Ruhe in Deutschland setzte den Kaiser in die Lage, seinem Bruder Ferdinand, den die Türken unter Suleyman bedrängten, hilfreichen Beistand zu leisten. Suleyman hatte einen kühnen Abenteurer, Hayredin Barbarossa, der sich mit seinem Bruder Horus zum Herrn Algiers und Tunis gemacht und seither die spanischen, portugiesischen und italienischen Küsten auf die verwegenste Weise beunruhigte, zum Großadmiral seiner Flotte ernannt. Karl unternahm nun in eigener Person den im Epos unseres Sängers Ladislaus Pyrker gefeierten Zug nach Tunis, wo er Barbarossa und sein Heer schlug (30. Juli 1535), so daß er nur mit genauer Noth durch die Flucht entging, worauf Kaiser Karl Tunis als Lehen Spaniens erkannte. Am 17. August landete Karl wieder in Sicilien. Als bald nach seiner Rückkehr Franz Sforza, Herzog in Mailand, starb (24. October 1535), nahm Leyva, des Kaisers General, Mailand als eröffnetes Reichslehen in Besitz. Karl’s Schwager, König Franz, erhob aber auch Ansprüche darauf. Nach sechsjähriger Ruhe begannen die Feindseligkeiten von Neuem. Leyva drang mit einer mächtigen Armee, in welcher der Marquis de Guasto, der Herzog von Alba und Ferdinand Gonzaga dienten, in die Provence ein. An Marschall Montmorency und dem Könige fand er ebenbürtige Gegner, denen gegenüber er nichts auszurichten vermochte. Ebenso resultatlos ging der Feldzug des Jahres 1537 vorüber. Wieder boten Fürstinen die Hände zur Versöhnung. Eleonore, Franzens Gemalin und Karl’s Schwester, und Maria, verwitwete Königin von Ungarn und Böhmen, Statthalterin der Niederlande, vermittelten eine Waffenruhe, anfänglich nur für 10 Monate, dann legte sich der Papst in’s Mittel, und zu Aix, wohin beide Fürsten, Karl und Franz, in Person sich begaben, aber sich nicht sahen, wurde (18. Juni 1538) ein 10jähriger Waffenstillstand geschlossen. Später trafen der Kaiser und der König zu Aigues mortes in Nieder-Languedoc zusammen und versöhnten sich. In Deutschland war indessen ein neuer Bund zu Schmalkalden (Februar 1537) von den Protestanten geschlossen worden, auf welchem die Competenz des von Karl in Aussicht gestellten Concils, weil der Papst in dieser Sache kein unparteiischer Gegner sein könne, verworfen ward. Die Hoffnung Karl’s also, durch eine Kirchenversammlung die getrennten Gemüther zu vereinigen, war vernichtet. Die Katholischen schlossen sonach zu Nürnberg einen Gegenbund (10. Juni [344] 1538), dessen Mitglieder der Kaiser, sein Bruder Ferdinand, die Herzoge von Bayern, Churmainz, Salzburg, Herzog Georg von Sachsen und Erich mit Heinrich dem Jüngern von Braunschweig waren. Die Plünderungen der algierischen Seeräuber, welche ihr altes Unwesen trieben, insbesondere des Kaisers aus Amerika nach Spanien segelnde, reichbeladene Schiffe beraubten, veranlaßten Karln zu einem zweiten Zuge gegen Algier, wo er am 22. October 1541 landete, aber dießmal vereitelten die Elemente sein Gelingen, heftige Stürme und Regengüsse hinderten nicht nur einen Angriff, sondern machten das Heer kampfunfähig, am 1. December kam der Kaiser, auf seiner Rückkehr begriffen, in Karthagena an. Kaum zurückgekehrt, trat wieder die italienische Frage in den Vordergrund. Franz I. wollte nun einmal seine Ansprüche auf Mailand nicht fallen lassen. Die Ermordung zweier geheimen Agenten Franzens, welche von Karl’s General Guasto, dem Nachfolger Leyva’s, in Mailand aufgefangen und im Kampfe erschlagen worden waren, gab die äußere Veranlassung zum Kriege, denn da man bei ihnen keine Papiere gefunden, welche ihnen erst nachgesendet werden sollten, so gab sie König Franz als Gesandte aus, an denen von Seite des Kaisers das Völkerrecht auf das schreiendste verletzt worden wäre. Von fünf Seiten zugleich griff nun Franz des Kaisers Staaten an, aber nur in Piemont nahm sein Heer einige feste Plätze weg und den größten Theil von Luxemburg brachte es in Frankreichs Besitz. In dieser Lage fand Karl an Heinrich VIII. von England wieder einen Bundesgenossen (11. Februar 1543), und so standen sich nun Karl mit England vereint und Frankreich mit der Türkei, dessen Flotte Hayredin Barbarossa befehligte, gegenüber; der Krieg wurde mit wechselndem Glücke in Italien, in den Niederlanden und in Frankreich geführt und schon war der Kaiser (im September 1544) bis über Chateau Thierry, zwei Tagereisen von Paris, vorgedrungen, als der Friede von Crespy (18. September 1544) zu Stande kam. Dessen Bedingungen zu Folge verbanden sich Franz und Karl zum Zwecke einer Religionsvereinigung und gegen die Türken, und der Herzog von Orleans sollte sich entweder mit Karl’s Tochter Maria, oder mit seines Bruders Ferdinand’s Tochter Anna vermälen und zum Brautschatze dieser die Niederlande, jener aber Mailand gegeben werden. Aber der Herzog von Orleans starb vor der Vermälung (8. September 1545), somit blieb der wichtigste Punct des Friedensschlusses unerfüllt und der Friede war also wieder nicht mehr als ein Waffenstillstand. Die deutschen Angelegenheiten riefen nun den Kaiser nach Worms auf den Reichstag. Die Hoffnungen der Protestanten, welche in den Niederlanden verfolgt wurden, waren tief gesunken, das Concil zu Trient wurde (am 13. December 1545) eröffnet, aber schon wenige Wochen nach seiner Eröffnung starb Luther in seinem Geburtsorte Eisleben (18. Februar 1546), keinen Nachfolger hinterlassend, der gleich ihm vorwiegendes Ansehen und den Eifer auf Erhaltung des Friedens besessen hätte. Die Erbitterung zwischen den Religionsparteien, durch Sectenhaß und falschen Ehrgeiz genährt, hatte zugenommen. Der Kaiser schloß nun zu Regensburg mit dem Papste ein Vertheidigungsbündniß (15. Juli 1546) und erklärte den Churfürsten von Sachsen und Landgrafen von Hessen in die Acht. Diese rückten nun gegen den Kaiser vor, der mit einer ganz [345] kleinen Macht von nur 10.000 Mann bei Landshut stand, während das Bundesheer, 50.000 Mann zu Fuß, 12.000 Reiter und 130 Kanonen stark, ihm entgegenrückte. Aber bald stießen zum Kaiser Verstärkungen. 15.000 Mann päpstliche Truppen, 25.000 Mann aus den Niederlanden, 6000 Spanier aus Mailand und 12.000 Oesterreicher und Tiroler, und da die Verbündeten den rechten Zeitpunct zum Angriffe versäumt hatten, waren sie jetzt außer Stande, dem mächtigeren kaiserlichen Heere die Stirne zu bieten. Die Verbindung des Herzogs Moriz von Sachsen mit Karl, die Ersterer zu Regensburg (19. Juni 1546) schloß, gab den Protestanten den Todesstoß. Jedoch in der Verfolgung seiner Vortheile wurde Karl V. durch Fiesco’s Verschwörung in Genua aufgehalten. Dieser Staatsstreich Fiesco’s war mit solcher Kühnheit ausgeführt, daß Karl glaubte, Fiesco werde von dem Herzoge von Parma, dem Papste und dem Könige von Frankreich unterstützt. In der That stand auch Fiesco in Unterhandlungen mit den Protestanten, mit Soliman, dem Papste, den Venetianern, den Königen von Dänemark und England, aber Alles bekam eine andere Wendung, als Karl’s beständiger Nebenbuhler, Franz I., die Seele aller dieser Bündnisse, zu Rambouillet am 31. März 1547 starb, zwei Monate früher war Heinrich VIII. von England (28. Jänner) gestorben. Jetzt konnte Karl den Kampf in Deutschland energisch führen. In der That dauerte er auch nicht lange. Die Schlacht bei Mühlberg (24. April 1547) wurde geschlagen und in weniger denn drei Stunden der Sieg gewonnen und der Churfürst gefangen. Der Kaiser verurtheilte den Churfürsten zum Tode, verwandelte aber auf Zureden mehrerer Reichsfürsten das Urtheil in die sogenannte Wittenberger Capitulation, der zu Folge der Churfürst des Kaisers Gefangener blieb, seine Länder an den Herzog Moriz abtrat und dafür ein Zehrgeld erhielt. Auf diese Art ist die Chur Sachsen von der ältern ernestinischen an die jüngere albertinische Linie gekommen. Wie der Churfürst, kam auch der Landgraf Philipp von Hessen in des Kaisers Gefangenschaft. Nun gebot noch der Kaiser auf dem Reichstage zu Augsburg bis zur Entscheidung des allgemeinen Kirchenrathes, das Interim (15. Mai 1548), welchem aber Moriz von Sachsen, der mit einem Male vom Kaiser abfiel, jenes von Leipzig entgegensetzte. Als der Kaiser dieser Forderung nicht nachgab, fiel Moriz, der schon früher (am 5. October 1551) zu Friedwald mit Heinrich II. von Frankreich, mit dem Sohne des gefangenen Landgrafen von Hessen und den Herzogen von Mecklenburg ein Offensivbündniß geschlossen, überdieß den Kaiser geschickt getäuscht und Truppen in aller Stille gesammelt hatte, in Tirol ein, erstürmte den Grenzpaß Ehrenberg (19. Mai 1552[WS 2]) und traf am folgenden Tage in Innsbruck ein. Karl, welcher in Innsbruck das Concil überwachte und an heftigen Gichtschmerzen litt, rettete sich noch zu rechter Zeit mit seinem Bruder Ferdinand in einer Sänfte über Villach nach Kärnthen. Erst der Passauer Religionsfrieden (31. Juli 1552) machte diesen Streitigkeiten ein Ende und hatte des Churfürsten Johann Friedrich und des Landgrafen Philipp von Hessen Freilassung zur Folge. Im folgenden Jahre raffte der Tod auch Moriz, diesen gefährlichen Gegner des Kaisers, dahin. Er war, erst 33 Jahre alt, an den Folgen einer im Treffen bei Sievertshausen, wo er einen Sieg über Albrecht [346] von Brandenburg erfochten hatte, erhaltenen Wunde zwei Tage nach dem Siege (11. Juli 1553) gestorben. Auch der Krieg, den Karl mit Frankreich führte, nahm keine glückliche Wendung für den Kaiser, die Belagerung von Metz mußte der Kälte und im Heere ausgebrochenen Seuchen wegen aufgegeben werden. Der in der Abtei Vaucelles bei Cambrai (5. Februar 1556) abgeschlossene Waffenstillstand brachte Metz, Toul und Verdun in französischen Besitz. Plötzlich änderte sich die politische Sachlage durch des Kaisers freiwilligen Entschluß, der Regierung zu entsagen. Am 26. October 1555 schon hatte er seinem Sohne Philipp zu Brüssel die Niederlande übergeben, früher noch (1554) Mailand und beide Sicilien, um seine Vermälung mit Heinrich’s VIII. Tochter Maria, die einst dem Kaiser selbst verlobt gewesen, zu erleichtern. Am 16. Jänner 1556 übertrug ihm Karl auch die spanischen Staaten und ließ seine Entsagung der römischen Kaiser- und deutschen Königswürde feierlich bekannt geben. Von Rammekens im Seelande segelte Karl am 17. September 1556 mit seinen beiden Schwestern, den verwitweten Königinen Maria und Eleonore ab. Als er zu Laredo in Biscaya landete, stieg er der Erste aus dem Schiffe, küßte die Erde und sprach. „Nackt bin ich aus meiner Mutter Leib gekommen, nackt kehre ich wieder dahin zurück“. Nur 10 Tage blieb er in Valladolid und betrat am 14. October das kleine Gartenhaus, welches er sich schon drei Jahre früher in dem Hieronymitanerkloster St. Just in Estramadura hatte herstellen lassen. Dort bewohnte er sechs Gemächer und seine ganze Dienerschaft bestand aus 12 Personen, er bebaute daselbst seinen Garten, verrichtete in Gemeinschaft mit dem berühmten Mechaniker Turriano, der bei ihm war, mechanische Arbeiten, richtete seine 100 Uhren, die er in den wenigen Gemächern hatte, und als es ihm nicht gelingen wollte. zwei Uhren vollkommen gleich gehen zu machen, rief er einst voll Wehmuth aus: „O ich Thor, und ich wollte die Gemüther von Millionen über die verwickeltesten und geheimnißreichsten Gegenstände gleich stimmen!“ Geplagt von seinem Gichtleiden, geschwächt von der Strenge des mönchischen Lebens, verfiel sein Körper immer mehr. Kurz vor seinem Ende (30. August) hatte er den unheimlichen Gedanken, sein eigenes Leichenbegängniß zu feiern. Jedoch haben neuere Forschungen, und vornehmlich jene des Engländers Stirling, die alte Tradition, daß der Kaiser sich in den Sarg gelegt habe, beseitigt. Nach dieses Forschers Darstellung, welche übrigens aus neuen Quellen geschöpft ist [vergleiche die Quellen], habe der Kaiser dieser Feier nur als Zuschauer und Theilnehmer, nicht aber als Leichnam beigewohnt. War es, daß ihn diese Ceremonien so erschüttert, merklich nahmen seitdem seine Kräfte ab. Am 21. September 1558 fühlte er sein Ende nahen. Gegen 2 Uhr Morgens rief er. „Es ist vorbei“, ließ sich die Litanei für Sterbende vorbeten, und die Todtenlichter anzünden, dann mußte ihm der Erzbischof das Crucifix geben, welches die Kaiserin in ihren letzten Augenblicken in den Händen gehalten, dieses führte er an seine Lippen und preßte es zweimal an seine Brust. Dann in der rechten Hand die Todtenkerze haltend, die Linke gegen des Crucifix ausstreckend, welches der Erzbischof erfaßt hatte und ihm gegenüber hielt, rief er aus: „Der Augenblick ist da“, hauchte noch leise den Namen „Jesus“, stieß zwei oder drei Seufzer aus und war nicht mehr. – Karl der V. war ein großer Fürst. Als er starb, zählte er 58 Jahre und etwas über 6 Monate; seine Regierung, nur in den letzten Lebensjahren von einigen ungünstigen Erfolgen begleitet, war glorreich. Voll Würde in seiner Erscheinung, fein in seinen Sitten, ließ er seine Entschlüsse langsam reifen, um sie dann rasch auszuführen. Sein Geist bot ihm alle Hilfsmittel, um den vielen und mächtigen Verwickelungen seiner Zeit die Stirne zu bieten. In allen, auch den widrigsten Verhältnissen bewahrte er seinen Gleichmuth; je größer das Mißgeschick war, das ihn heimsuchte, um so größere Fassung stellte er ihm entgegen. Ein großer Kenner der Menschen, verstand er es, sie zu seinen Zwecken zu benützen. Achten mußte man ihn im ersten Anblicke, dann bewundern, aber es war nöthig ihn genau zu kennen, um ihn zu lieben. Einer seiner Biographen unterscheidet treffend in seinem Leben drei Epochen, die seiner werdenden, wachsenden und sinkenden Größe; die erste geht von seiner Kindheit bis auf seines Mentors, Croy de Chievres, Tod (27. Mai 1521, die zweite bis auf die Trennung des schmalkaldischen Bundes (1537), die dritte endet erst mit seinem Tode. Aber diese letzte ist noch reich an solchen Thaten, daß sie mancher andere Fürst, den die Schmeichelei den Größten nennt, nicht aufweisen kann. Er hatte mit drei mächtigen Gegnern zu kämpfen, mit dem ruhelosen Franz I. von Frankreich, mit Soliman und mit Luther. Mit den zwei ersten war er fertig geworden, den Kampf mit dem Letztern hinterließ er den künftigen Jahrhunderten. Unter den Männern, die ihm zunächst standen, sind außer den schon genannten noch anzuführen der Graf von Gattinara, ein Piemontese, ein Mann von seltenem und gediegenem Charakter, dann Cardinal Granvella, der sich vom Sohne eines Eisenschmiedes zum Cardinale und Staatsmanne emporgeschwungen, und Wilhelm Graf von Nassau, Prinz von Oranien, der unter dem Dolche des Meuchlers Gerard (10. Juli 1584) im Augenblicke fiel, als ihm Holland, Seeland und Friesland als Herrn huldigten. Außer den schon im Eingange erwähnten Kindern besaß Karl noch zwei natürliche: Don Juan d’Austria [s. d. Nr. 128] und Margaretha, Letztere 1522 von dem flandrischen Fräulein Vomgeest geboren. Margaretha, eine Amazone von hoher Klugheit und Kraft, war zweimal vermält, zuerst (1535) an den 1537 ermordeten Alexander Medicis, Herzog von Florenz, zum andern Male (1538) an Ottavio Farnese, Herzog von Parma und Piacenza, der im nämlichen Jahre, wie sie, starb (1586).
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