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Delargo schrieb am 27.4. 2003 um 18:23:46 Uhr über

Islam

Der Islam - Geschichte und heute I

Prozentzahlen = Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerungszahl des betr. Landes.

1.Indonesien: 163 Mio., 87%
2.Pakistan: 115 Mio.; 97%; Staatsreligion
3.Bangladesch: 98 Mio., 87%; Staatsreligion
4.Indien: 97 Mio., 11%
5.Iran: 59 Mio., 99%; Staatsreligion
6.Türkei: 59 Mio., 99%
7.Ägypten: 50 Mio., 90%; Staatsreligion
8.Nigeria: 46 Mio., 45%
9.Algerien: 26 Mio., 99%; Staatsreligion
10.Marokko: 26 Mio., 99%; Staatsreligion
11.Afghanistan: 22 Mio., 99%
12.Äthiopien: 22 Mio., 45%
13.China VR: 20 Mio., 0,2%
14.Usbekistan: 20 Mio., 98%
15.Sudan: 20 Mio., 77%; Staatsreligion
16.Irak: 18 Mio., 96%; Staatsreligion
17.Saudi Arabien: 16 Mio., 98%; Staatsreligion
18....

(Für die zentralasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion liegen zum Teil keine verläßlichen Zahlen vor.)

D.h. die Länder mit der in absoluten Zahlen größten muslimischen Bevölkerung liegen alle In Südostasien und Südasien, eine
Tatsache, die oft auch von Islamkundigen übersehen wird.

Regionale Verteilung:

1.Asien: 637 Mio.
2.Afrika: 278 Mio.
3.Ehemalige Sowjetunion: 39 Mio.
4.Europa: 13 Mio.
5.Nordamerika: 3 Mio.
6.Lateinamerika: 1 Mio.

Weltweit: knapp 1 Milliarde.

Der Islam ist also nicht nur seinem universalen Anspruch nach, sondern auch seiner Verbreitung nach, eine Weltreligion.

Weitere Staaten, in denen der Islam Staatsreligion ist (in alphabetischer Folge):

Brunei
Jemen
Katar
Kuwait
Libyen
Malaysia
Malediven
Mauretanien
Oman
Somalia
Tunesien



Die »fünf Farben des Islam«



Nach sprachlichen und kulturellen Zusammengehörigkeiten kann man »fünf Farben des Islam« unterscheiden:

1.arabischer Islam: Nordafrika, Vorderer Orient
2.türkischer Islam: Türkei, Zentralasien, China
3.irano-indischer Islam: Iran, Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Indien
4.malaiischer Islam: Indonesien, Malaysia, Philippinen
5.schwarzer Islam: Schwarzafrika, USA



Begriff »Islam«



»Islam« bedeutet »Hingabe, Annahme, Übergabe, Unterwerfung«. Ein Muslim, ein den Islam Ausübender, zu sein, bedeutet die
Überantwortung der eigenen Person an den Willen des unbeschränkten göttlichen Herrschers, dessen Willen in allen Aspekten
des Lebens zu folgen man sich vorgenommen hat.

Da der Wille Gottes in Gesetzen festgelegt ist, ist der Islam eine Gesetzesreligion. Diese Gesetze richten den Menschen nicht
nur auf ein Jenseits aus, sondern sie gestalten das ganze Diesseits. Da Gott der Herrscher über alles ist, kennt der Islam auch
keine Trennung von geistlich (Religion) und weltlich, er ist totalitär, die Totalität der menschlichen Wirklichkeit bestimmend.
Deshalb kennt der Islam auch keine Trennung von Religion und Staat, und es ist konsequent, daß der Islam in vielen Staaten
Staatsreligion ist.

Führung ist es, was der Muslim von seiner Religion erwartet, Führung durch Verweis

auf die Tradition
auf das Wort Gottes
auf das Vorbild des Propheten

Erlösung kommt im Islam nicht vor.

Abkehr von der Welt wäre falsch: das Ideal ist nicht der Mönch, sondern der Verheirate. Auch Asketen hatten meist eine
Familie: Askese bedeutet oft skrupelhafte Beachtung der Reinheitsvorschriften.



Die Kategorien des religiösen Gesetzes



Das religiöse Gesetz gilt nur für Muslime. Nichtmuslime sind dadurch nur insofern betroffen, als sie den Muslim an der
Ausübung des religiösen Gesetzes nicht hindern dürfen.

Hauptkategorien des religiösen Gesetzes sind

Verbotenes (harâm)
Erlaubtes (halâl)
Gebotenes (fard)
individuell Gebotenes, z.B. Fasten, für dessen Erfüllung der einzelne Lohn erwarten darf,
dessen Nichterfüllung Strafe nach sich zieht
kollektiv Gebotenes, z.B. Angriffskrieg, Totengebet, dessen Nichterfüllung Strafe nach sich
zieht
Angeratenes (mustahabb), dessen Erfüllung Lohn, dessen Nichterfüllung keine Strafe nach sich zieht
Gestattetes (mubâh), was weder Lohn noch Strafe nach sich zieht
Abgeratenes (makrûh), wobei aber keine Strafe für die Tat vorgesehen ist

Daneben gibt es noch die Kategorien:

gültig
ungültig

Eine rituelle Waschung mit gestohlenem Wasser, ist zwar verboten, aber nicht ungültig, sondern gültig.



Die fünf Grundpfeiler des Islam



Die fünf Grundpfeiler des Islam sind

1.Glaubensbekenntnis (Shahâda):

»Ich bezeuge: Es gibt keinen Gott außer DEM Gott. Muhammad ist der Gesandte Gottes.« (Schiiten fügen
oft hinzu: »Alî ist der Freund Gottes«)

2.Gebet (Salat): fünfmal täglich:

1.bei Sonnenaufgang
2.zur Mittagszeit
3.am späten Nachmittag
4.bei Sonnenuntergang
5.nach Sonnenuntergang

3.Abgabe (»Armen«-Steuer) (Zakat)
4.Fasten (Saum) im Monat Ramadan
5.Pilgerreise (Haddsch) zur Ka´ba in Mekka

FAQ:

11) The five pillars of Islam ????



Erster Pfeiler: Glaube



Grundelemente des islamischen Glaubens



Sure 4,136:

"Ihr Gläubigen! Glaubt an Gott und seinen Gesandten und die Schrift, die er auf seinen Gesandten
herabgeschickt hat! wer an

Gott
seine Engel
seine Schriften
seine Gesandten
und den jüngsten Tag

nicht glaubt, ist (damit vom rechten Weg) weit abgeirrt."

Eine Folge des Abirrens vom rechten Glauben ist: wer vom Islam weg konvertiert, kann nur emigrieren; bis vor einiger Zeit
wurde Abfall vom islamischen Glauben mit dem Tode bestraft.



Abb.: Kalligraphie: Galeere des Glaubens: in arabischer Schrift:

Segel: »Es gibt keinen Gott außer Allah und Muhammad ist sein Prophet«

Rumpf und Ruder: "Ich glaube an Gott und an seinen Engel, seine Bücher, seine Propheten, an den Jüngsten Tag, die
Vorherbestimmung, das Gute und Böse und an die Wiederauferstehung nach dem Tode."

[Vorlage der Abbildung: Robinson, Francis: Der Islam. -- Augsburg : Bechtermünz, 1998. -- ISBN 3-86047-799-4. --
(Bildatlas der Weltkulturen). -- S.203. -- {Wenn Sie HIER klicken, können Sie dieses Buch direkt bei amazon.de
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Erster Glaubensartikel: Gott



Die wesentlichen Eigenschaften Gottes sind:

Einzigkeit Gottes: Gott ist absolut einzig, deshalb wird die christliche Dreifaltigkeitslehre abgelehnt und erst recht die
christliche Vorstellung von der Gottessohnschaft Christi.
Absolute Transzendenz und deshalb nächste Nähe Gottes: Gott wird im Islam in vollkommener Transzendenz gezeigt.
Gott wird deshalb auch nicht als personifiziert aufgefaßt. Um die Transzendenz Gottes nicht zu relativieren und zu
nivellieren, gibt es keine Sakramente, keine Kultbilder, keine Kirchenmusik. Gerade wegen seiner Transzendenz ist
Gott völlig nahe (immanent): er ist dem Menschen näher als seine Halsschlagader.
Gott der Schöpfer: Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Die Schöpfung ist in erster Linie für den Menschen bestimmt.
Man kann Gott aus der wunderbaren Schöpfung erkennen.
Gott der Richter: Gott ist der gerechte Richter des Jüngsten Tages.
Gott der barmherzige Erbarmer: Fast jede Sure des Koran beginnt mit: "Im Namen Gottes, des barmherzigen
Erbarmers". Das Erbarmen ist notwendig, da Gott ein gerechter Richter ist: jeder fromme Muslim weiß, daß er oft
Gottes Anforderungen nicht entspricht und deshalb auf Gottes Erbarmen angewiesen ist. Voraussetzung, daß Gott
gegenüber dem Menschen Erbarmen zeigt ist aufrichtige Reue auf Seiten des Menschen.

In der islamischen Mystik wurde die Einzigkeit Gottes bis zum Extrem durchdacht: Es gibt nichts außerhalb Gott. Die
Orthodoxie betrachtete dies als pantheistische Ketzerei und verfolgte diese »Ketzerei« mit der Todesstrafe.

Der syrische Sufi (Mystiker) Schihabbadin Yahya as-Suhrawardi (1191 wegen Ketzerei hingerichtet) beschreibt folgende fünf
Grade des Bekenntnisses der Einzigkeit Gottes:

1.Es gibt keine GOTTHEIT außer GOTT
2.Es gibt kein ER außer IHM
3.Es gibt kein DU außer DIR
4.Es gibt kein ICH außer MIR
5.SCHWEIGEN



Zweiter Glaubensartikel: Engel



Engel sind hauptsächlich Wesen, die Gott loben und preisen. Im Auftrag Gottes bewachen und schützen sie auch die
Menschen, verzeichnen deren Taten und sind für den Empfang der Seelen der Toten zuständig. Der Mensch steht über den
Engeln.

Wichtige Engel sind:

Gabriel, der Muhammad den Koran überbrachte
Iblîs: der gefallene Engel, der aus dem Paradies vertrieben wurde, weil er sich weigerte, vor dem von Gott geschaffenen
Menschen in Verehrung niederzufallen.



Dritter Glaubensartikel: Heilige Schriften



Heilige Schriften vor dem Koran



Vor der Offenbarung des Koran gab es folgende Schriften echter Offenbarung:

1.Die Tora = Pentateuch = fünf Bücher Mosis
2.die Psalmen Davids
3.die Evangelien Jesu

Mit der Offenbarung des Koran wurden diese Offenbarungsschriften aber unnötig, denn der Koran ist jener Teil der
himmlischen Offenbarungsschrift, den Gott für ausreichend erachtete, die Menschen zu führen.



Der Koran



Der Koran ist die niedergeschriebene Sammlung der Offenbarungen, die der Erzengel Gabriel dem Propheten Muhammad in
einem Zeitraum von über zwanzig Jahren nach und nach eingegeben hat. Dabei glaubt man an die Verbalinspiration
Muhammads: der Koran ist wortwörtlich Gottes Wort. Der Muslim erlebt Gott deshalb in der Koranrezitation. Der Koran gilt
deshalb auch für grundsätzlich unübersetzbar. Denn Gott spricht Arabisch. Deshalb ist das Arabisch des Koran auch für alle
Zeiten Norm dafür, was Arabisch ist.

Der Koran ist in 114 Suren (Kapitel) eingeteilt. Die Anordnung der Suren mit Ausname der ersten Sure geschieht einfach nach
ihrer Länge: Sure 2 ist die längste, Sure 114 die kürzeste.

Ein besonders hohes Verdienst ist es, den Koran auswendig zu lernen. Dazu dienen die Koranschulen. Es kommt dabei nicht
darauf an, den Inhalt zu verstehen, sondern die Laute auswendig zu können, sie sind ja Gottes Worte.

Koranverse werden als Amulette gegen Bösen Blick, Krankheit und sonstige Übel verwendet.

Die Hochschätzung des Koran findet ihren sichtbarsten Ausdruck in der islamischen Schriftkunst.

Koranhandschrift, Medina, 19. Jhdt. (233 KB)



Koran und Überlieferung: Quellen des Rechts



Um wirklich Leitung in allen Situationen des Lebens zu erhalten, war es nötig den Koran aus weiteren Quellen zu ergänzen.
Dazu berief man sich auf die mündliche Tradition, die man auf den Propheten Muhammad selbst zurückführte. Diese Tradition
besteht aus Hadîth, Überlieferungen über Handlungen und Aussprüche des Propheten. Im Gegensatz zum kanonisierten Koran
gibt es keinen allgemein akzeptierte Festlegung, welche Hadîth echt sind und welche nicht. So betrachten muslimische Gelehrte
viele, unterschiedliche Hadîth als unecht. Auch verschiedene Rechtsschulen betrachten unterschiedliche Hadîth als echt bzw.
unecht.

Jeder Hadîth versucht sich selbst dadurch zu rechtfertigen, daß er die ganze Überlieferungskette von Gewährsmännern bis
zurück zum Propheten angibt. Die Untersuchung der Glaubwürdigkeit der einzelnen Gewährsmänner ist deshalb ein wichtiger
Zweig islamischen »Wissenschaft«: Die Wahrheit eines sogenannten Hadîth erkennt man nicht aus seinem Inhalt, seiner inneren
Logik oder der Übereinstimmung mit dem islamischen System, sondern aufgrund der Glaubwürdigkeit der Personen, die den
Hadîth überliefert haben.

Bezüglich der Hadîthe unterscheiden sich Schiiten und Sunniten fundamental: Die Schiiten sind ja der Ansicht, daß schon die
muslimische »Urgemeinde« in der Entscheidung über den Nachfolger des Propheten falsch entschieden hat. Deshalb
beschränkt man die Tradition auf die Mitglieder der Familie des Propheten, die Alî unterstützten, und auf die Imâme.

Wegen dieser schwierigen Verhältnisse bezüglich der echten und unechten Tradition und wegen der Schwierigkeiten der
Rechtsauslegung waren de facto die eigentlichen Nachfolger des Propheten die Rechtsgelehrten: die Ulamâ der Sunniten, die
Mollas und Ayatollahs der Schiiten. Dabei muß man im Auge behalten, daß es im Islam kein zentrale Lehrautorität (wie den
Papst bei den Katholiken) gibt.

Beispiele von Hadîthen:

"Bukhari ... [Traditionskette] ... von Ibn Abbas: Der Prophet verdammte alle Männer, die sich wie Weiber
verhalten, und umgekehrt Frauen, die sich wie Männer verhalten, und forderte: »Jagt sie aus euren HäusernEr
vertrieb solche Leute und Omar desgleichen."

"Bukhari ... [Traditionskette] ... von Anas ibn Malik: Einst kamen drei Männer zu den Behausungen der Frauen
des Propheten, um Genaueres über seine religiösen Übungen zu erfahren. Sie fanden das, was man ihnen
berichtete eigentlich etwas zu wenig und sagten: "Worin unterscheiden wir uns vom Propheten? Ihm hat Gott alle
vergangene und zukünftige Schuld vergebenUnd einer von ihnen meinte: «Was mich betrifft, ich werde alle
Nächte hindurch betenEin anderer: «Ich werde unausgesetzt jeden Tag fastenUnd ein Dritter: «Ich werde
mich von allen Frauen fernhalten und niemals heiraten." In diesem Augenblick trat der Gesandte Gottes zu ihnen:
"Seid ihr diejenigen, welche sich gerade nach diesem und jenem erkundigt haben? Ich fürchte Gott mehr als ihr
und verehre Ihn mehr. Ich faste, aber trotzdem beende ich das Fasten wieder; ich bete, aber ich schlafe auch;
und ich heirate mehrere Frauen. Wer immer sich von meiner Übung (Sunna) wendet,, der ist keiner von den
meinen."

"Bukhari ... [Traditionskette] ... von Abu Said-al-Khudri: Wir haben mit gefangenen Frauen den coitus
interruptus (Herausziehen des Penis aus der Scheide vor dem Samenerguß) getrieben, um keine Nachkommen
von ihnen zu haben. Da sagte der Gottgesandte dreimal: "Jede Seele, die dazu bestimmt ist, für den Tag der
Auferstehung geboren zu werden, wird geboren."

(Diesen Hadîth führt man an, um die Erlaubheit von Geburtenkontrolle zu rechtfertigen.)

"Muslim ... [Traditionskette] ... von Abu Dharr: Einige der Gefährten des Propheten sagten zu ihm:
Gottgesandter, die reichen Leute treiben Wucher für die Belohnung im Jenseits. Beten, das tun sie wie wir, sie
fasten wie wir, aber darüber hinaus können sie vom Überfluß ihres Vermögens Almosen geben!" Da antwortete
er: "Hat Gott euch etwa nicht die Möglichkeit verliehen, Almosen zu geben? Zu sagen Ehre sei Gott! ist ein
Almosen; zu sagen Gott ist der Größte! ist ein solches Almosen; und ebenso Gelobt sei Gott, es gibt keinen
Gott außer Gott! Sooft ihr euch um das Gute bemüht, ist es ein Almosen und ebenso, wenn ihr das Schlechte
zurückweist. Jedesmal, wenn ihr den ehelichen Akt vollzieht, ist dies auch ein Almosen-- «Was", staunten sie,
»wir könnten unsere Lust befriedigen und würden dafür noch belohnt?« -- »Macht sich nicht derjenige«, erwiderte
er, "der seine Begierde auf unerlaubte Weise stillt, einer Sünde schuldig? So gewinnt daher der, welcher dies auf
erlaubte Weise tut, im Jenseits eine Belohnung."

Zitate aus:
Williams, John Alden:
Der Islam. -- Genf : Editio Service, 1973. -- (Die großen Religionen der Welt). -- S. 104-106.



Fiqh, Sharia



Fiqh bzw. Sharia sind Bezeichnungen für das islamische Rechtssystem.

Die Muslime betrachten "die Sharia in erster Linie als ein allumfassendes Rechtssystem, das ideell wohl alle Bereiche
islamischen Lebens beherrschen sollte. Aus Gründen der öffentlichen Wohlfahrt billigten die Rechtsgelehrten den muslimischen
Herrschern jedoch die Befugnis zu, die Anwendung bestimmter Teile dieses allgemeinen Rechts außer Kraft zu setzen und
dafür weltliches Recht anzuwenden. Dies galt besonders für das Strafrecht. Die Sharia ist hierdurch jedoch keineswegs
aufgehoben oder widerrufen -- göttliches Gesetz ist nicht widerrufbar, es wird lediglich nicht geltend gemacht, weil es aus
zeitbedingten Gründen vielleicht jetzt und hier nicht durchführbar sein mag."

Innerhalb des sunnitischen Islam haben sich vier allgemein anerkannte und zulässige Rechtsschulen herausgebildet. Jeder
Sunnite muß sich für eine dieser vier Schulen entscheiden

Hanafi
Maliki
Shafiior
Hanbali

Die Lehren der Rechtsschulen "schreiben dem einzelnen vor, wie er seine religiösen Pflichten erfüllen und wie er das Gesetz
auszulegen hat."

Zitate aus:
Williams, John Alden:
Der Islam. -- Genf : Editio Service, 1973. -- (Die großen Religionen der Welt). -- S. 116ff.



Vierter Glaubensartikel: Gottes Gesandte



Muhammad wird als letzter der Propheten gesehen, als Ende, Bekräftigung und Höhepunkt in der Reihe der Propheten.
Neben Muhammad genießt vor allem Abraham bei den Muslimen hohes Ansehen, da Abraham der erste Monotheist war.

Muhammad:

geboren 569/70 in Mekka
622 Emigration (Hidschra) von Mekka nach Medina
gestorben 632 in Medina

Für traditionsbewußte Muslime ist Muhammad nicht nur Sprachrohr Gottes, sondern auch Vorbild für den Muslim. Man
nimmt an, daß Gott jede der Handlungen Muhammads von Irrtum bewahrte. So ist alles, was der Prophet tat, Teil seiner
Sunna, seiner autoritativen Überlieferung: wie er mit Kindern umging, wie er das Fasten beendete, wie er sich die Zähne
reinigte, wie er seinen Bart herrichtete, alles ist des Studiums und des Nacheiferns wert.



Fünfter Glaubensartikel: Jüngster Tag



Nach dem Tode des Menschen nehmen Engel seine Seele in Empfang und bringen sie zu Gott. Dort findet ein Zwischengericht
statt. Bei diesem Gericht wird die Seele nach Gott, dem Propheten, ihrer Religion und der Gebetsrichtung befragt. Aufgrund
der Antworten wird dem Menschen das Paradies oder die Hölle angekündigt. Darauf folgt eine lange Wartezeit bis zum
Endgericht. Nach Anbruch der Endzeit erfolgt eine allgemeine Auferstehung der Toten. Gott weckt die Toten auf und
erscheint als Richter der Welt. Die Propheten werden als Zeugen über die Völker befragt, zu denen sie einst gesandt wurden.
Die Gesandten und die Engel dürfen mit Erlaubnis Gottes Fürsprache einlegen. Dann spricht Gott sein Urteil aufgrund der
Taten und des Glaubens der Menschen.

Die Höllenqualen für die Ungläubigen und Gottlosen sind fürchterlich. Das Paradies dagegen ist wirklich paradiesisch schön
mit allem, was ein Menschenherz erfreut.

Nach dem Glauben der meisten Muslime werden alle, die die Einzigkeit Gottes bezeugen nach der Vergeltung für ihre Taten in
einer Art Fegefeuer aus dem Feuer befreit. Keiner von den Gläubigen wird ewig im Feuer verbleiben, sondern wer auch nur
ein Körnchen wahren Glauben im Herzen hat, wird aus dem Feuer errettet.



Zweiter Pfeiler: Gebet (Salat)



Im Folgenden wörtlich Auszüge aus:

Das Gebet in [!] Islam. -- Cairo : Das al-Kitab al-Masri, [o.J.]. -- 34 S. -- Kostenlos verteilt von: La Ligue du Monde
Islamique.



Das Gebet



»Unser Prophet Mohammed sagte: «Bete auf deinen Knien, stehend, liegend oder sitzend, bei Tag oder bei Nacht -- aber
bete."

Ihr -- Kinder, die den rechten Weg folgen wollt -- müßt zu den bestimmten Zeiten beten, und wenn ihr nicht beten könnt,
dann könnt ihr euer Gebet bis zu einer anderen Zeit verschieben, aber geht nie schlafen ohne Gott zu preisen."



Die fünf Gebete



"Du mußt wissen, daß es fünf tägliche Gebete gibt, nämlich:

Sobh -- Dohr -- Asr -- Maghrib -- Ischa

welche aus Rumpfbeugungen und Prosternationen bestehen, die Rakaa genannt werden. Jedes Gebet besteht aus einer
bestimmten Zahl von Rakaas:

1.Sobh besteht aus zwei Rakaas
2.Dohr besteht aus vier Rakaas
3.Asr Dohr besteht aus vier Rakaas
4.Maghrib besteht aus drei Rakaas
5.Ischa besteht aus vier Rakaas."



Was du vor dem Gebet tun mußt



"Bevor du betest, mußt du die vier folgenden Anordnungen erfüllen:

1.Dein Körper und deine Kleider müssen sauber sein, sowie der Platz an dem du dich entschieden hast, zu beten.
2.Du mußt bescheiden gekleidet sein, so dein Körper bedeckt ist (der Mann muß seinen Körper vom Nabel bis zu den
Knien und die Frau den ganzen Körper außer ihren Händen und Füßen bedecken).
3.Du mußt dich nach Mekka, dem Heiligen Land, zuwenden, wo Gottes Haus Al Kaaba steht.
4.Du mußt deine Seele durch das Waschen der folgenden Körperteile gereinigt haben:
1.dein Gesicht
2.deine Hände bis zu den Ellbogen
3.einen Teil deines Kopfes
4.deine Füße

In einigen Fällen mußt du deinen ganzen Körper waschen."



Die für jedes Gebet bestimmten Zeiten



"Sobh: Dieses Gebet wird in der Morgendämmerung, bei Tagesanbruch verrichtet. Es beginnt in dem Moment, in dem
das Tageslicht erscheint, und geht zu Ende bis kurz vor dem Sonnenaufgang. Der letzte Teil deines Gebets »Tahiyyat«
muß im Moment der Erscheinung der Sonne gemacht werden.
Dohr: Dieses Gebet beginnt wenn die Sonne sich von der Mitte des Himmels senkt und wenn Schatten beginnen sich
auszudehnen. Seine Zeit endet, wenn ein Ding und sein Schatten gleich sind.
Asr: wird in der Zeit verrichtet, in der die Zeit des Dohr beendet ist. Oder, genauer gesagt, nachdem die Sonne am
Meridian vorbeigeht und bis zur Zeit des Maghrib.
Maghrib: wird nach dem Sonnenuntergang verrichtet (1). Wir können sagen, daß seine Zeit ungefähr anderthalb
Stunden nach dem Sonnenuntergang beträgt.
Es ist erwünscht, daß du mit anderen das Maghribgebet verrichtest. Natürlich ist Gebet mit andern Menschen bei den
anderen Gebetszeiten wichtig, aber es ist vor allem beim Maghribgebet erwünscht.
Ischa: wird verrichtet nachdem das Tageslicht vom Himmel verschwindet, ca. anderthalb Stundem nach dem Ende der
Maghribzeit. Seine Zeit endet mit dem Beginn des Fagrgebets. Der letzte Teil des Gebets muß vor der Erscheinung der
Sonnenstrahlen verrichtet werden.

(1) In der islamischen Religion darf der Mensch das Gebet weder im Moment der Sonnenerscheinung verrichten, noch wenn sie im Zenit steht,
noch im Moment ihres Untergangs, damit es deutlich gemacht wird, daß der Mensch Gott und nicht die Sonne anbetet."



Wie das Gebet verrichtet wird



"Dein Herz ist voll von Liebe und Unterwerfung Gott gegenüber. In deinem Hirn formst du die Idee, dieses oder jenes Gebet
zu verrichten und mußt die folgenden Worte leise aussprechen, die von dem Führer oder dem Imam eines Gebetsversammlung
ausgesprochen werden.

Al-Iqama:


Allahu akbar -- GOTT ist der Größte
Allahu akbar -- GOTT ist der Größte

Aschhadu alla ilaha illa llah -- Ich bezeuge, daß es keinen Gott außer GOTT gibt
Aschhadu anna muhammadan rasulu illah -- Ich bezeuge, daß Muhammad der
Gesandte GOTTES ist

Hayyi ala ssalah -- Komme zu beten
Hayyi ala lfalah -- Das Gebet ist verrichtet

Allahu akbar -- GOTT ist der Größte

La ilaha illa llah -- Es gibt keinen Gott außer GOTT

Danach hebst du deine Hände zu der Höhe deines Gesichts, und während du sie an
deinen Seiten niedersenkst, sagst du in einer leisen Stimme »Takbirat al-Ihram«, d.h.



Allahu akbar -- GOTT ist der Größte

Während deine Augen gesenkt und dein Herz unterwürfig ist (in diesem Moment
wirst du nämlich mit Gott sprechen), mußt du die Fatiha aussprechen.


Al-Fatiha:

Bismi llahi rrahmani rrahiem -- Im
Namen GOTTES, des Erbarmers,
des Barmherzigen

Alhamdu lillahi rabbi laalamien --
Lob sei GOTT, dem Weltenherrn,

Arrahmani rrahiem -- dem
Erbarmer, dem Barmherzigen,

Maliki yaumi ddien -- dem König
am Tage des Gerichts!

Iyyaka na´budu wa iyyaka
nasta´ien -- Dir dienen wir und zu dir
rufen um Hilfe wir.

Ihdina ssirata lmustaqiem -- Leite
uns den rechten Pfad,

Sirata lladiena an amta alayhim --
den Pfad derer, denen du gnädig bist,

Ghayri lmaghdubi alayhim wala
ddallien -- nicht derer, denen du
zürnst, und nicht der Irrenden.

Amien -- Amen.


Zur al-Fatiha in Ton (!) und Bild

Dann wirst du eine andere Sure vorlesen: [z.B.]

Bismi llahi rrahmani rrahiem -- Im Namen GOTTES, des
Erbarmers, des Barmherzigen

Qul huwa llahu ahad -- Sprich: Er ist der eine Gott

Allahu ssamad -- GOTT, der Alleiniger

Lam yalid wa lam yulad -- Er zeugt nicht und wird nicht
gezeugt

Wa lam yakun lahu kufuwan ahad -- und keiner ist ihm gleich.

Nachdem du die al-Fatiha und die anderen Suras gelesen hast, mußt du sagen:



Allahu akbar -- GOTT ist der Größte

Es ist nötig, daß du deinen Rücken und deine Knie nicht beugst und daß du deinen Kopf
nicht hebst.

Beuge dich nur von deiner Hüfte an vor und dann presse deine Hände an deine Knie.
Behalte diese Position lange genug, um dreimal sagen zu können:



Subhana rabbiya l'adiem -- Gepriesen sei mein größter Gott

Dann mußt du aufstehen und sagen:


Sami´a llahu liman hamidah -- GOTT hört jedem zu, der ihn
preist

Allahu akbar -- GOTT ist der Größte

Du mußt einen kurzen Augenblick stehen bleiben und dann dich auf den Boden niederbeugen
und ihn mit deiner Stirn und Nase berühren während du deine geöffneten Hände auf den
Boden neben den Ohren tust.

Dann mußt du dreimal sagen:


Subhana rabbiya la´la -- Gepriesen sei mein oberster Gott
Du hebst deine Hände und sagst:


Allahu akbar -- GOTT ist der Größte

Dann mußt du dich aufsetzen, der linke Fuß unter dem linken Hinterteil, der auf dem Boden
ist, deine Hände flach auf deinen Oberschenkeln.



Du behältst dann diese Position bis du vollkommen bewegungslos bist; dann mußt du dich ein
zweites Mal auf dem Boden niederbeugen und sagen:



Allahu akbar -- GOTT ist der Größte
Während vorgebeugt, mußt du in leiser Stimme dreimal sagen


Subhana rabbiya la´la -- Gepriesen sei mein oberster Gott

Schließlich stehst du mit Hilfe deiner Hände auf und sagst gleichzeitig:



Allahu akbar -- GOTT ist der Größte


Alle diese Bewegungen (Verhalten und Lesung) sind eine Rakaa.

Wer zwei Rakaas beten will, tut diese Bewegungen zweimal, aber statt am Ende der zweiten Rakaa aufzustehen, wie es am
Ende der ersten Rakaa geschieht, behältst du die Position:



mußt du deine rechte Hand schließen und deinen Zeigefinger ausstrecken, während du Tahiyyat Attaschahhud sagst.


Attaschahhud -- Glaubenszeugnis

Attahiyyatu lillah, azzakiyyatu lillah -- Die
Begrüßungen seien GOTT, die guten Tätigkeiten
seien GOTT

Assalawatu attayyibatu lillah -- Die guten Gebete seien GOTT Assalamu aliaka ayyuha nnabiiyyu wa rahmatu
llahi wa barakatuh -- Friede sei mit Dir, o Prophet,




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