Charch schrieb am 31.8. 2000 um 03:23:03 Uhr zu
Bewertung: 8 Punkt(e)
Hier mal eine aktuelle Sammlung von kirchlichen und
nichtkirchlichen »Bünden«, wurzelnd auf ritterlichen und anderen
Verbindungen!
AMORC
(Antiquus Mysticus Ordo Rosae Crucis) Eine zur Zeit des
Ersten
Weltkrieges entstandene Rosenkreuzergruppe, die von den
USA ausgehend
(Zentrum: San José Kalifornien, "Rosicrucian Park) sich über die
Welt
verbreitet hat. Mit Graden (1-5. Grad = Neophytgrade; 6.-16.
Grad =
Tempelgrade), Paßworten und Schurz (dreieckig) der
Freimaurerei
nachgebaut. Angeblich soll die Tradition des AMORC "bis in
die
Grabkammern der Pyramiden zurück" gehen. Diese Kultlegende
ist unecht.
Als Lehrinhalt wird eine Mischung aus Okkultismus und
Popularphilosophie
geboten. Mitgliederstärkste Rosenkreuzergruppe. Nimmt Frauen
auf.
AMOS
"Alter und Mystischer Orden der Saturnbruderschaft AMOS
OMS", 1965
innerhalb der »Fraternitas Saturni« gegründeter Geheimorden,
dem nur
neun der führenden Mitglieder angehören dürfen.
ANCIENT ORDER OF FORESTERS
(friendly Society) Seit 1813 in England nachweisbarer
Geheimbund. Nimmt
auch Frauen auf. Ein auf bruderschaftlicher Grundlage
Unterstützungsverein
(cf. ODD FELLOWS, zu denen Beziehungen bestehen). In
England und den
USA stark verbreitet. Wahlspruch: "Unitas, Benevolentia et
Concordia".
DROIT HUMAIN
Abkürzung von "Ordre maconnique mixte international Le Droit
Humain".
1893 gegründeter »gemischter Freimaurerorden« (nimmt Frauen
auf). Von
Frankreich aus verbreitet Hochgradsystem (33 Grade). Keine
Beziehung zur
regulären Freimaurerei. Uneinheitliche Tendenz.
DRUIDEN
1781 in London gegründete, in der Ordensideologie an das
keltische
Priestertum anknüpfende, der Freimaurerei. nachempfundene
Bruderschaft.
3 Grade (Barde, Ovate, Druide), ein Hochgrad; Versammlungen
werden
»Haine« genannt; Paßwörter und Erkennungszeichen;
besondere
Kultkleidung. Seit 1872 in Deutschland. Der heutige D. legt
besonderen
Wert auf Geselligkeit.
EBDAR
»Ermächtigte Bruderschaft der Alten Riten«. In den 20er Jahren
unseres
Jahrhunderts gegründete nichtmaurerische
Geheimbruderschaft, die auf das
Wirken von Bô Yin Râ (Josef Schneiderfranken, 1867-1943)
zurückgeht.
Sieben Grade; kein Großmeister; »Superiore« (Landesleiter) sind
nur
Primus inter pares der »Sakralmeister«; gnostische,
christlich-esoterische
Lehrinhalte. Ebdar hat ihre (geheimgehaltenen) Riten "aus alter
Mystrienzeit neu aufgefunden durch Bô Yin Râ" bekommen.
Die frühere
Bezeichnung »Großorient von Patmos« wurde aufgehoben.
F.L.O.R.A.
»Fraternitas Luminis Ordo Regina Adeptoruin«, um 1965
gegründte
Absplitterung der »Fraternitas Saturni«. Wie diese magisch
arbeitend.
FRATERNITAS ROSICRUCIANA ANTIQUA
Mit der »Psychosophischen Gesellschaft« verbundene,
magisch arbeitende
Rosenkreuzervereinigung.
FRATERNITAS SATURNI
1926 aus der "Panosphischen Loge der lichtsuchenden Brüder
im Orient
Berlin" hervorgegangene, nichtmaurische, magisch arbeitende
Geheimloge.
Schwarze Magie und Sexualmagie werden stark betont. Der
Gründer war
der Berliner Buchhändler Gregor A. Gregorius (Eugen Grosche).
Mehrgradsystem, den maurerischen Hochgraden nachgebaut,
jedoch andere
Lehrinhalte.
FRATERNITAS URANI
Unbedeutende Absplitterung der »Fraternitas Saturni«.
GOLDEN DAWN
»Hermetischer Orden des Golden Dawn«; Ende des 19.
Jahrhunderts in
England gegründeter magischer Orden, der auf eine aus
Nürnberg
stammende Rosenkreuzerüberlieferung zurückgehen soll. Die
Ordensnamen
der Mitglieder sind programmatische Aussagen: »Sapere aude«
(Wage es,
weise zu sein), ,,Sapiens dominavitur astris" (Der Weise
beherrscht die
Sterne) etc. Aus dem Golden Dawn sind die ähnlich
ausgerichteten Orden
,,A. A. = Astra Argentea» (Silberner Stern) und «Stella
Matutina"
hervorgegangen. Der Orden ist mehrfach erloschen und
wiedergegründet
worden.
ILLUMINATEN
1776 von dem Ingolstädter Gelehrten Adam Weishaupt (1748
bis 1830)
gegründeter Orden. Sollte der Aufklärung dienen. Wurde
fälschlich als
Urheber des Terrorismus der Französischen Revolution
bezeichnet. Der
Freimaurerei nachempfunden war das Gradsystem (9 Grade) mit
einer
Vorstufe (Novizen). 1784 durch kurfürstlich bayerisches Edikt
aufgehoben.
1785 aufgelöst. Goethe hatte dem Orden angehört (Ordensname
,,Albaris").
1906 Neu- und Nachgründung durch den Historiker Leopold
Engel; 1912
Errichtung eines ,,Instituts der Illuminaten-Freimaurer"; 1928
Gründung
eines ,,Weltbundes der Illuminaten" in Berlin, der sich 1934
auflöste. Nach
Willen des letzten Großmeisters Julius »Marius« Meyer
(1877-1953)
erfolgte nach 1945 keine Neugründung mehr. Alle sogenannten
Nachfolgeorden, darunter die ,,Psychosophische Gesellschaft",
der
,,Illuminaten-Orden" in Frankfurt, ein weiterer in Wien, haben
keine
autorisierte Tradition des ,,Weltbundes..." Es bestand weder
beim alten
noch bei den neueren Illuminaten-Orden eine Beziehung zur
Freimaurerei,
auch wenn eine solche immer wieder (vor allem durch die neuen
Orden)
behauptet wurde.
KIWANIS
Nichtfreimaurerische Organisation von ,,Service Clubs"
(Dienst-Klubs). Der
Name bedeutet ,,Ausdruck einer eigenen Persönlichkeit" (vom
indianischen
,,nunc keewanis" abgeleitet). Humane und geistige Werte sollen
den
Vorrang vor materiellen haben, dauernde Freundschaften,
uneigennütziger
Dienst am Nächsten und der Aufbau einer gesunden
öffentlichen Meinung
gehören zu den Zielen. Gründung 1915 in Detroit. Erst 1961
wurde der
Beschluß gefaßt, außerhalb des nordamerikanischen
Kontinents tätig zu
werden. Neumitglieder werden vom Club ausgesucht. Niemand
kann von
sich aus beitreten. Besondere soziale und kulturelle Aktionen
werden von
besonderen Komitees getragen; jedes Clubmitglied soll einem
oder
mehreren Komitees angehören.
LIONS
Internationale Vereinigung zur gegenseitigen Verständigung.
Nichtmaurerisch. Der Name entstand aus "Liberty, Intelligence,
Our
Nations' Safety"; 1917 gegründet. Zusammenschluß von
Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens. Zentrale Chicago.
MARTINISTEN
Es gibt mehrere Martinisten-Orden. Die ursprüngliche Tradition
geht auf
Don Martinès de Pasqualis (oder de Pasqually), gestorben 1774,
zurück.
Dieser hatte 1754 einen Orden der »Elus Coens« (mit neun
Graden)
gegründet. Sein Nachfolger im Ordenshochamt, Louis Claude
de Saint
Martin (1743-1803), ein Böhme-Verehrer, verändert den Orden
stark, so
daß es eigentlich zu einer Spaltung kommt (Abschaffung der
magischen
Praktiken, Hinführung zum Wege »der inneren Erleuchtung«).
Beide werden
ihres Namens wegen häufig verwechselt. Die Orden wurden als
,,Martinistenorden" bezeichnet und ebenfalls oft vertauscht.
Der spätere
M.-Orden des Magiers Papus (Dr. Gerard Encausse, 1365-1916),
mit vier
Graden und gnostisch- magischen Ritualen, will zwar auf den
ursprünglichen
Orden zurückgehen, ist jedoch ebenfalls eine eigenständige
Gründung. Auch
spätere M.-Orden, darunter auch die kabbalistisch-magische
,,Association
des Elus Cohes Les Stephanios - Ass. Martiniste
Internationale" (15 Grade,
Mitgliederzahl pro Land auf 100 beschränkt), haben keine
wirkliche
Verbindung zu den Martinistenorden des 18. und frühen 19.
Jahrhunderts.
Keine Beziehung zur Freimaurerei.
MEMPHIS-MISRAIM
Mischritus, aus dem ,,Memphis-Ritus (95 Grade, 1814 in
Frankreich
entstanden) und dem ,,Misraim-Ritus" (90 Grade, 1305 in Italien
entstanden, die drei letzten Grade den »unbekannten Oberen«
vorbehalten)
zusammenkomponiert. Illegitimes System. Rudolf Steiner, der
Gründer der
Anthroposophie, soll Memphis-Misraim-Großmeister gewesen
sein. Die
Riten sollen später wieder getrennt worden sein und heute als
,,Memphis-Ritus» und ,,Misraim-Ritus« getrennt agieren.
ODD FELLOWS
Freimaurerähnliche angelsäschsische
Unterstützungsgesellschaft. Der
Name bedeutet ,,sonderbare Gesellen". Der Orden will auf die
Kaufmannsgilden des 14. Jahrhunderts in England zurückgehen
(Kultlegende). Der Ursprung liegt wahrscheinlich in den
Handwerker- und
Kaufleuteunterstützungsgilden des späten 18. Jahrhunderts.
Thomas
Wildey, geistiger Vater des heutigen Ordens, gründet 1819 die
erste
US-Loge. Ursprünglicher, heute in den USA noch tragender
Sinn des Ordens
ist die Kranken- und Altersversorgung der Mitglieder (auch
Frauen). In den
USA starke Öffentlichkeitsarbeit. Nicht so in Deutschland, wo
er sich von
dem Verbot von 1933 kaum erholt hat. ,,Was in unserer
geweihten Halle
geschieht, gehört nicht an die Öffentlichkeit." Tragende
Ordensidee:
,,Anerkennung der Vaterschaft Gottes und der Bruderschaft der
Menschen." Gott wird (ähnlich wie in der Freimaurerei) als
,,höchstes
Wesen" verstanden.
ORA
,,Ordo Rosae Aureae", 1956 in München gegründete rosen-
kreuzerisch-pythagoräische Vereinigung, die sich der
Forschung auf den
Gebieten der Ritualistik, Hamonikalik, Symbolik und Mythologie
widmet.
Ein Zusammenhang mit der Freimaurerei besteht nicht.
ORDEN MENTALISCHER BAUHERREN
Gnostischer Geheimbund, von ,,Rah Omir" (Wilhelm)
Quintscher in den
20er Jahren in Berlin gegründet. Bald erloschen.
Nichtmaurerisch, wie alle
anderen Gründungen Quintschers, die ebenfalls maurerisch
aufgezogen
waren (u. a. ,,Arbeiter-Freimaurerbund, Großloge von Europa",
,,Afrikanische Bauherrenloge», «Johannisbrüder" etc.).
ORDER OF THE EASTERN STAR
Der Eastern-Star-Orden ist eine eigenständige, weltweite
Organisation mit
etwa drei Millionen Mitgliedern, in den die Ehefrauen, Töchter,
Mütter,
Witwen, Schwestern, Halbschwestern, Enkeltöchter,
Stiefmütter,
Stieftöchter und Stiefschwestern von Freimaurermeistern
aufgenommen
werden, um sich in freimaurerischer Haltung Tätigkeiten zu
widmen, ,,die
dem Wesen der Frau entsprechen, nämlich Nächstenliebe und
Wohltätigkeit." Der Orden vermittelt nach eigenem Ritual
freimaurerisches
Gedankengut. Er ist kein Bestandteil der Freimaurerei. Der
Amerikaner Dr.
Rob Morris gründete den Orden 1867.
ORIENTALISCHER TEMPLERORDEN (OTO)
Schwarzmagischer Geheimorden; Sexualmagie, satanistisch
orientiert,
verbunden mit der ,,psychosophischen Gesellchaft".
P2
Im Mai 1981 ging eine Meldung über eine angebliche
italienische
Freimaurerloge mit dem Namen ,,P 2» (,,Propaganda 2«) durch
die Presse,
die in der Süddeutschen Zeitung vom 22. 5. 81 folgende
Überschrift fand:
"Skandal um Freimaurerloge in Italien. Minister, Politiker,
Generäle,
Bankiers im Verdacht der Geheimbündelei". Um einen gewissen
»Großmeister« Licio Gelli hatten sich etwa 1000 Militärs,
Wirtschaftsmänner und Politiker geschart Auch Bankleute mit
engen
Verbindungen zur römischen Kirche waren unter den
Mitgliedern der
angeblichen Freimaurerloge. Daß es sich nicht um eine
Freimaurerloge,
sondern einen knallharten, politisch und wirtschaftlich auf
Einflußnahme
ausgerichteten Geheimbund ohne Kontakte zur Freimaurerei
handelte, ging
in den Pressemeldungen unter. Im Juli 1984 wurde der
Abschlußbericht
vorgelegt, in dem nichts mehr über die angebliche Freimaurerei
der ,,P 2"-
Geheimbündler zu finden war. "Der in die Schweiz ge flüchtete
Gelli wurde
am 17. Februar 1988 an Italien ausgeliefert, wo er wegen
betrügerischen
Bankrotts im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der
Mailänder
Privatbank Ambrosiano unter Anklage gestellt werden sollte."
(,,Der
Tagesspiegel" vom 18. Februar 1988.)
PSYCHOSOPHISCHE GESELLSCHAFT
Konglomerat magisch-gnostischer Gruppierungen (OTO,
Fraternitas
Rosicruciana Antiqua, Illuminaten-Orden, Ecclesia Gnostica
Catholica),
Gründer ,,Fra Paragranus" Joseph H. Metzger (*1918), der eine
,,Abtei
Thelema" (Gasthaus Rose) in Stein, Appenzell, zum Mittelpunkt
seiner
Geheimbündelei gemacht hat (Zweigniederlassung in Zürich).
Historisch
gesehen ist beispielsweise eine Verbindung von Illuminaten
und
Rosenkreuzern unsinnig. Mit einem ,,Freimaurermuseum"
versucht M.
seinen Bemühungen einen maurerischen Anstrich zu geben.
Seitens der
Freimaurerei distanziert man sich von ihm und seinen
Betätigungen.
ROSENKREUZER
Sammelname für neugnostische Gruppierungen. Hypothetischer
Ahnherr:
,,Christian Rosenkreuz", der bei den ,,Arabern von Dakmar
(Damaskus)"
das ,,liber mundi" (Buch der Welt) kennengelernt haben soll. R.
hat nie
gelebt. Die Rosenkreuzerei hat ihren Ursprung in zwei symboli
schen
Schriften des beginnenden 17. Jahrhunderts. Heute besteht eine
Unzahl
rosenkreuzerischer Gruppierungen deren bedeutendste sind:
AMORC,
Lectorium Rosicruicianum, Rosenkreuzergemeinschaft
(Heindel),
Esoterische Gemeinschaft Sivas etc.
ROTARIER
Nichtfreimaurerische Bruderschaft, 1905 in Chicago unter der
Devise des
,,Dienens im privaten, geschäftlichen und Gemeinschaftsleben"
sowie der
,,Förderung gegenseitigen Verstehens" gegründet. Der Name
,,Rotary
Club" entstammt dem Prinzip, die Sitzungen reihum (rotierend)
bei den
Mitgliedern zu halten. In jedem Ort darf von jedem Beruf nur
eine Person
Mitglied werden. Wer an den regelmäßigen Sitzungen öfters
nicht teilnimmt,
wird ausgeschlossen. Der Club hat keine Lehre und hat mit
Freimaurerei
nichts zu tun.
SCHLARAFFIA
Nichtmaurerische ,,Gemeinschaft gleich gesinnter Männer,
deren Zweck die
Pflege von Humor und Kunst nach bestimmten Formen, unter
Beobachtung
eines gewissen Zeremoniells, und deren Grundprinzip die
Freundschaft ist".
1859 in Prag gegründet, in der NS-Zeit aufgelöst, nach dem
Krieg
wiedergegründet. Geheimnisse gibt es keine, die Ortsgruppen
werden
,,Reyche» genannt, Versammlungen «Sippungen", Gäste
,,Pilger". Symbol:
der Uhu.
SHRINERS
,,Ancient Arabic Order of Nobles of the Mystic Shrine",
Geselligkeits- und
Wohltätigkeirsvereinigung amerikani- scher
Hochgradfreimaurer. Der
Orden, der keine maurerische Organisation im eigentlichen
Sinne ist, hat
sich besonders der Fürsorge für verkrüppelte Kinder
verschrieben, für die
er Millionenbeträge aufbringt (Errichtung von Spitälern,
Finanzierung von
Forschungsprogrammen).
STRIKTE OBSERVANZ
Im 18. Jahrhundert durch den Freiherrn Karl Gotthelf von Hund
(1778-1837)
zusammengebautes ,,templerisches" Hochgradsystem (sieben
Grade).
Angeblich seien die ,,klerischen Brüder" (Fratres Clerici Ordinis
Templariorum) im Besitz der »templerischen Geheimnisse«
gewesen, die
der durch Hund vertretene Orden verwalte. Hund gilt als
Erfinder des
unheilvollen Begriffs der ,,unbekannten Oberen", vermutlich
dem
angeblichen ,,Geheimoberen» (,,Baphomet« -Symbol) des im 14.
Jahrhundert erloschenen Templerordens nachgedichtet. Einen
solchen
»geheimen Oberen« hat es jedoch nie gegeben. Die ,,Strikte
Observanz"
lebt noch im Genfer ,,Rektifizierten Ritus" fort und hat auch
einige
maurerische Hochgradsysteme befruchtet. Das
Freimaurerlexikon
bezeichnet sie als ,,trauriges Kapitel" der deutschen
Freimaurerei, an dem
,,vieles unklar" sei Die strikte Observanz ist jedoch das beste
Beispiel für
eine Abenteuergründung, die in bewegten Zeiten der
Freimaurerei
erheblichen Einfluß erlangen konnte. Einen historischen
Hintergrund hat sie
nicht, obwohl sie selber zu einem solchen geworden ist.
Zitator schrieb am 17.10. 2003 um 14:59:12 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Frühe Befürworter einer Weltregierung - Die Illuminaten
Von Rolf Cantzen
Sie gelten bis heute als geheimnisvoll-unheimlich, männerbündisch, als Hort von Verschwörungen. Freimaurerlogen haben keinen guten Ruf. Dabei waren sie in den Zeiten ihrer Entstehung vor 200-300 Jahren oftmals Vereinigungen, in denen aufklärerischer Geist wehte. Zu diesen eigenartigen Vereinigungen zählten auch die Illuminaten, die schon früh forderten, dass es eine Weltregierung geben müsse.
Wir schreiben das Jahr 1785.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Kurier der »Illuminaten« mit geheimen Plänen für die Französische Revolution.
Ein Blitz zuckt hernieder, trifft den reitenden Boten – Exitus.
Auf diese Geschichte können nur die wenigsten Verschwörungstheorien verzichten. Wir auch nicht:
Der Chef des mächtigen Geheimordens der Illuminaten, Adam Weishaupt, hatte den nächtlichen Reiter von Ingolstadt zum Großmeister einer Pariser Freimaurer-Großloge gesandt. Die geheimen Pläne fallen der Polizei in die Hände. Doch die warnt den König von Frankreich vergeblich.
Verschwörungstheoretiker sind sich sicher: Die Illuminaten hatten bereits den Pariser Regierungsapparat infiltriert, ließen dann 1789 die Bastille stürmen und später den König nebst family - auf Befehl des Oberfinsterlings Weishaupt! - einen Kopf kürzer machen.
Nichts ist so, wie sie es dir sagen!
Dr. Hermann Schüttler: So richtig aufmerksam wurde die bayrische Staatsregierung durch einen Unfall: Weishaupt war damals schon im Exil. Nun bekommt er Besuch von einem Ordensmitglied, von Pfarrer Lanz aus Freisingen. Man spaziert vor den Toren Regensburgs und Lanz wird vom Blitz getroffen und stirbt. In den Papieren des Pfarrers Lanz findet man Mitgliedslisten des Illuminatenordens und andere Papiere. Durch diesen Zufall, Blitzschlag, gelangte die Bayrische Staatsregierung zum aller ersten Mal in den Besitz von Originaldokumenten. Und dann konnte man auch ganz gezielt Hausdurchsuchungen machen.
Dr. Hermann Schüttler weiß alles über die Illuminaten. Er ist Historiker, arbeitet in einem Forschungsprojekt an der Universität Halle, fahndet seit Jahren in vielen Archiven und Bibliotheken nach Protokollen, Programmentwürfen und Briefen der Illuminaten.
Dr. Hermann Schüttler: Welche Leute waren das denn?
Die prominentesten Illuminaten: Goethe, Knigge, Herder, Pestalozzi.
Mehr als 1.500 Illuminaten konnte Hermann Schüttler aus den Quellen identifizieren.
Dr. Hermann Schüttler: Als die Gefährlichkeit der Illuminaten aufgrund der Radikalität ihres theoretischen Ansatzes bekannt geworden war, sahen plötzlich konservative Kräfte in den Illuminaten die Auslöser der Revolution – eben gegründet auf dieser Reise, die Bode nach Paris unternommen hat.
Irgend etwas ist dran an den Verschwörungstheorien – manchmal: Ein Blitz sorgte tatsächlich dafür, dass die Illuminaten bekannt wurden und ein führender Illuminat, Christoph Bode, reiste tatsächlich nach Paris, warb tatsächlich einige Freimaurer in Paris für die Illuminaten.
Nichts ist so, wie sie es dir sagen!
Richtig ist auch, dass Freimaurer an der Französischen Revolution beteiligt waren – übrigens: Auch an der Amerikanischen. Ob diese Freimaurer von den Illuminaten gesteuert waren ...
Dr. Hermann Schüttler: Das ist natürlich Blödsinn.
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein: Die Freimaurerei war ein ganz wesentlicher Bestandteil der Aufklärung. Das war eine große Mode. Und sie war vielleicht die wichtigste Organisationsform der Aufklärung. Sie hat sich von England über ganz Europa verbreitet.
Die gesellschaftlichen und politischen Zustände machten es notwendig, dass sich interessierte Männer – es waren und sind bis heute nur Männer - ... dass sie sich privat beziehungsweise heimlich trafen, um Geselligkeit zu pflegen, um nützliche Kontakte für Karriere und Geschäft zu knüpfen - und: um über die damaligen gesellschaftlichen Zustände zu diskutieren. Öffentliche Diskussionen in Zeitungen, Zeitschriften, an Universitäten und in Vortragsveranstaltungen, ließen »Thron und Altar«, die Stützen der damaligen Feudalgesellschaft, nicht zu. In den Freimaurerlogen war das möglich.
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein: Die Freimaurerei wurde ein Modewesen und es gab unheimlich viele Bünde: Die Rosenkreuzer, die Schottischen Ritter, die Tempelritter und da wurde also viel Mumpitz getrieben.
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein ist Freimaurer-Experte und arbeitet an der Universität Bielefeld.
Die Freimaurerei basiert auf Handwerkerbruderschaften, die ihr Wissen um den Bau von Domen und anderen Gebäuden nur an Eingeweihte weitergaben, die sich gegenseitig unterstützten, eine geheime Gemeinschaft bildeten.
Nichts ist so, wie sie es dir sagen!
Sie hatten Erkennungszeichen, bestimmte Rituale und Symbole. Die offene Atmosphäre innerhalb der geschlossenen Gesellschaft wurde zu Beginn der Aufklärung auch für Intellektuelle interessant: für Professoren, Beamte, Kaufleute; für Adlige und auch für das aufstrebende Bürgertum. Innerhalb der Logen verstand man sich zunächst als Freie und Gleiche.
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein: Die Ideologie ist aber durch das Newton’sche Weltbild bestimmt, dass Welt also rational erfassbar und gestaltbar ist. Man hatte die Vorstellung, es geht immer vorwärts.
Die Freimaurerei verbreitete sich.
Friedrich der Große und viele Adlige waren Freimaurer; Geistliche waren Freimaurer, Schriftsteller wie Lessing, Revolutionäre wie George Washington, Mozart war Freimaurer ..
... und die Zauberflöte ist eine Freimaureroper ...
Das wenig scharfe Humanitätsideal der Freimaurer wurde zunehmend auch antiaufklärerisch interpretiert.
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein: Da war viel Ungenügen in der Gesellschaft auch unter den seriösen Freimaurern.
Doch es war auf Grund der politischen Situation notwendig, sich im Geheimen zu treffen, um aufklärerische Ideen diskutieren zu können.
Dr. Hermann Schüttler: Am 1. Mai 1776 gründet Weishaupt mit 5 seiner Studenten diesen Orden, der erst später den Namen »Illuminatenorden« bekommen hat. Er hat also einen Studentenorden gegründet.
Weishaupt – er lebte von 1748 bis 1830 - war in Ingoldstadt Professor für Kirchenrecht und wollte ausgewählte Studenten erziehen, damit sie in wichtigen gesellschaftlichen Positionen im Sinne der Aufklärung aktiv würden. Weishaupt schrieb in seiner programmatischen Anrede an die angehenden Illuminaten:
Fürsten und Nationen werden ohne Gewalttätigkeit von der Erde verschwinden, das Menschengeschlecht wird dereinst eine Familie und die Welt der Aufenthalt vernünftiger Menschen werden.
Dr. Hermann Schüttler: Wenn man sich die Literaturlisten anschaut, die die Organisation ihren Zöglingen vorgeschrieben hat, dann liest sich das wie ein Who is Who der Aufklärung.
Weishaupt war ein radikaler Aufklärer, ein Atheist, Kosmopolit und ein entschiedener Kritiker der damaligen Herrschaftsverhältnisse. Und:
Dr. Hermann Schüttler: Man könnte so weit gehen und sagen, Weishaupt ist einer der aller ersten Sozialisten.
Diese Gesellschaft freier und gleicher Menschen glaubt Weishaupt gleichsam als Entwicklungsprogramm in der Geschichte angelegt. Am Ende stünde eine friedliche, aufgeklärte Weltgesellschaft ohne Herrn und ohne Knechte. Motor der Geschichte ist – auch hier denkt Weishaupt »materialistisch« wie die radikalen Aufklärer - ... Motor ist die Bedürfnisentwicklung und:
... das dem Menschen innewohnende Streben nach Wissen, Freiheit, Wohlstand und Gerechtigkeit.
Doch so sehr vertraute Weishaupt – sein Deckname lautete übrigens Spartakus - diesem Geschichtsmotor doch nicht.
Man muss um die Mächtigen der Erde her eine Legion von Männern versammeln, die unermüdet sind, alles zu dem großen Plan, zum Besten der Menschheit zu leiten und das ganze Land umzustimmen; dann bedarf es keiner äußeren Gewalt.
Kurzum: Aufgeklärte, in Geheimlogen verschworene Männer sollten Staat und Gesellschaft unterwandern und gleichsam unterirdisch zum Guten steuern.
Nichts ist so, wie sie es dir sagen!
Weishaupt, alias Spartakus, perfektionierte die damals üblichen konspirativen Bünde:
Der Orden hat ein doppeltes Geheimnis zu beobachten; ein äußeres ...
... über Ziele, Organisation und Personen soll nichts nach außen dringen ...
... und ein inneres Geheimnis, wodurch einem jeden Mitglied gerade so viel von den Ordenssachen und Personen eröffnet wird, als der Grad seiner Zuverlässigkeit fordert.
Die unteren Chargen müssen sich gehorsam fügen.
Dr. Hermann Schüttler: Und das ist natürlich genau der Punkt, an dem man stutzig wird, an dem wir von heute aus stutzig werden: Was soll das für eine seltsame Gesellschaft sein, die einerseits die Leute zur Freiheit, zur Gleichheit, zur Brüderlichkeit erziehen will und auf der anderen Seiten mit Geheimnis und Gehorsam operiert?
Die Illuminaten sind der Prototyp einer Geheimgesellschaft ...
... resümieren Historiker. Die Praxis der Illuminaten war weniger stringent als die Organisationstheorie.
Dr. Hermann Schüttler: Man kann sagen, diese Geschichte, die wir verfolgen können von 1776 bis zu den letzten Ausläufern 1788/89 – das war die ganzen Jahre über ein work in progress und was die Jungens gemacht haben, das war ein learning by doing.
Die Freimaurer wurden gezielt unterwandert. Illuminaten dominierten in Logen, deren Mitglieder teilweise selbst nicht wussten, dass sie für Illuminaten tätig waren. Illuminaten gründeten auch selbst Freimaurerlogen, um unverdächtig agieren zu können.
Nichts ist so, wie sie es dir sagen!
Als die Illuminatenverschwörung aufflog, war Weishaupt bereits von Ingolstadt nach Regensburg geflohen und lebte dann in Gotha.
... als die Pläne der Illuminaten bekannt wurden, stellte man fest, dass bereits maßgebliche Stellen in der bayrischen Verwaltung und Universität mit Illuminaten besetzt waren. Freiherr von Knigge – der mit dem guten Benehmen – hatte Adlige, Beamte und aufgeklärte Geistliche für die Illuminaten geworben, Bode in Norddeutschland und im Ausland. Die antiaufklärerischen, die konservativen und katholischen Kräfte machten mobil:
Nichts ist ihnen heilig, nichts bleibt unangetastet!
Die zuvor zerstrittenen Hüter des Bestehenden einigten sich in der Polemik gegen die Illuminaten, aus denen man zusammen mit den Philosophen, Aufklärern, Freimaurern und Reformern einen inneren Feind konstruierte ...
... eine Brut von Schurken im Staat. Ihr Gift schleicht sich nach und nach in die allgemeine Denkungsart ...
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein: Man hat festgestellt, dass sich in Deutschland erstmals so etwas wie politisch-ideologische Fronten gebildet haben.
Aus den Illuminaten wurde nach der Revolution in Frankreich eine Art Sündenbock. Nicht die unhaltbaren sozialen und politischen Zustände hätten zur Revolution geführt, sondern die Illuminaten. Und die gefährden nun die ganze Welt ...
Vor allem Kirchenleute konstruierten eine Verschwörungstheorie, die bis heute wirksam geblieben ist. Nach Bedarf peppte man die Verschwörungstheorien antisemitisch und antikommunistisch auf:
Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein: Um die noch mehr zu diffamieren, die Illuminaten, hat man dann auch den Weishaupt ... zu einem Juden gemacht. Im Ersten Weltkrieg wurde dann die Verschwörerthese aktiviert, immer in Krisen wird die Verschwörerthese aktiviert ...
... nicht von christlichen Gegenaufklärern und Rechtsradikalen. Churchill, der spätere britische Premier, schrieb:
Diese Bewegung ist unter den Juden nichts Neues. Von den Tagen des Spartakus-Weishaupt bis zu den Zeiten von Karl Marx und weiter zu Trotzki (Russland), Rosa Luxemburg (Deutschland) und Emma Goldmann (USA) hat diese weltweite Verschwörung zum Umsturz der Zivilisation und zur Umformung der Gesellschaft auf der Grundlage einer unmöglichen Gleichstellung ständig zugenommen.
Auch in heutigen Verschwörungstheorien tummeln sich die Illuminaten:
Wer hat Hitler an die Macht gebracht? Wer Lenin die Revolution organisieren lassen?
Wer hat die Flugzeuge ins World-Trade-Center gelenkt?
Die CIA?
Die CIA ist längst von den Illuminaten unterwandert.
Dr. Hermann Schüttler: Wer will, findet überall eine Verschwörung.
Nichts ist so, wie sie es dir sagen!
Eine Woche vor unserem Interview mit dem Illuminatenexperten Hermann Schüttler wurde in sein Büro eingebrochen, alle Computer und Unterlagen wurden gestohlen. Die Polizei ermittelt.
http://www.dradio.de/cgi-bin/es/neu-merkmal/203.html