Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Traumspeicher«
mcnep schrieb am 2.2. 2003 um 12:50:02 Uhr zu
Bewertung: 15 Punkt(e)
Traum vom 2. 2. : Ich lasse mich in einem Taxi kreuz und quer durch eine abendliche Stadt fahren, die Züge von Köln, Stuttgart und Iserlohn aufweist. Andauernd steigen kleine Grüppchen gutgelaunter Herren meist mittleren Alters hinzu, die stets vor mir aussteigen und trotz unterschiedlicher Haltepunkte alle dasselbe Ziel zu haben scheinen. Ich bin unsicher, ob es sich um eine Konferenz, ein Geschäftsessen oder einen Betriebsausflug handelt, vermute aber letzteres. Schließlich lasse auch ich mich in einer Kneipe am Berg absetzen, die mir aufgrund des schlechten Wetters und ihrer windschiefen Anmutung wie eine deutsche Version des 'Gasthaus Jamaica' aus dem gleichnamigen Film erscheint. Als ich die stickige und überfüllte Schankstube betrete merke ich, daß sich hier alle Männer versammelt haben, mit denen ich zuvor im Taxi gefahren bin. Sie sind immer noch sehr aufgeräumt, aber keiner von ihnen scheint mich wiederzuerkennen. Der Umschwung vom Kalten in die Kneipenwärme reizt meine Blase, und ich suche die Toilette auf. Die erkenne ich als die recht ungepflegte Örtlichkeit des Düsseldorfer Lokals 'Rheinpark' wieder, und an den Urinalen stehen zwei Herren mit offensichtlichem Interesse füreinander, jedoch ebenfalls in dieser bei solchen Anlässen eher unüblichen kumpelhaften Geschwätzigkeit. Selbstredend nicht schockiert, aber aufgrund meines Harndrangs auch nicht näher interessiert, baue ich mich einige Becken weiter auf, als aus dem Vorraum eine fürchterliche Schimpfkanonade über 'widerwärtige Unzucht', 'die Sünde Sodoms' und so weiter ertönt. Die beiden Herren zu meiner rechten knöpfen sich hastig zu und sind schon verschwunden, als der Urheber dieses Geschreis eintritt: es ist, wie ich an seinen Schläfenlocken, Tefillin, dem Hut und der krähenartigen Umkuttung sofort erkenne, ein orthodoxer Jude, etwa Mitte zwanzig. Komischerweise fängt auch er während seines Geschäfts an, mit mir zu reden, wobei er noch einmal die Sündhaftigkeit unkeuschen Verhaltens betont, mich jedoch, in diesem Falle zu Recht, in keinem Verdacht zu haben scheint. Im Gegenteil, er wird sehr vertraulich, und im Waschraum vertraut er mir ein kleines Päckchen an, mit der Bitte, es auf meiner nächsten Urlaubsreise »einfach ins Meer zu werfen, Sie wissen schon, wo«. Der Nachwuchschassidim geht ab, und ich bleibe mit der schwarzen Schachtel in der Hand einigermaßen verdattert zurück.
Die Versatzstücke des Traums sind alle vergleichsweise leicht aufzuschlüsseln, ihre Deutung selbst vorzunehmen widerstrebt mir fast ein wenig, so eindeutig scheint mir das ganze. Hervorheben möchte ich nur, daß mir dieser genau so stattgehabte Traum den zweifelsfreien Beweis erbracht hat, daß ich in Farbe träume: noch jetzt steht mir wie eine Filmeinstellung das Bild des jungen Juden in seiner schwarzen Einrahmung hinter einer gelben Kachelwand vor Augen, auf dessen Gesicht aus dieser Nähe rötliche Flecken zu erkennen waren, ob es sich um eine ausheilende Akne oder eine Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörung handelte, konnte ich nicht herausbringen; das sind auch Dinge, die man orthodoxe Juden nicht im Waschraum einer deutschen Bierkneipe fragen sollte.
mcnep schrieb am 11.9. 2006 um 13:28:39 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Belastender Traum, in dem ich durch die Gänge einer alten Klinik (Augusta–Krankenhaus Rath?) gehe und dort zuguterletzt in einem Zimmer auf den quietschfidelen Konrad treffe. Er sieht aus wie immer - von einem unschönen hellblauen Schlafanzug abgesehen - und erzählt mir ausgesprochen zuversichtlich davon, es sei alles gar nicht so schlimm, man hätte den Lungenkrebs jetzt in den Griff gekriegt, in ein paar Tagen, Wochen, sei er wieder raus etc. Ich höre konzentriert zu, während zugleich in meinem Kopf ein Mühlwerk losgetreten ist, zwischendrin der Gedanke an Kriegsheimkehrerwitwen im allgemeinen und Fassbinders 'Ehe der Maria Braun' im besonderen. Ich beschließe, klartraumhaft, mich der irritierenden Situation zu stellen und fixiere Konrads liebes Gesicht, dass ich so lebendig seit seinem Tode nicht mehr vor mir gesehen habe, auf das Intensivste, wobei ich die schon bei seiner Aufbahrung zu erkennenden Leichenflecken an den Ohren bemerke. Geradezu beruhigt verlasse ich das Krankenbett, ihn weiterhin im Rückwärtsgang fixierend und hierbei, wie in einem Exorzismus, die mir stets präsente Schlusspassage aus Poes 'Der Fall Valdemar' murmelnd. Tatsächlich bäumt sich hierauf K. auf, beginnt fratzenhaft zu mutieren, Verwesungsprozesse durchlaufend, ich gehe geschockt, aber ohne Hast ganz aus dem Zimmer und höre dann plötzlich beim Heruntergehen in einem völligen Umschwung der Atmosphäre K. sagen: »Bringst Du mir morgen bitte auch ein paar frische Socken mit?« Diesen Satz habe ich früher oft gehört und er war es auch, wegen dem mich G. nach dem Erwachen in Tränen aufgelöst fand. Und dennoch war es ein guter, ein heilsamer Traum, wenn ich meine Empfindungen abgleiche. Fast so, als hätte K. eine Abschiedsvorstellung ohne Gram gegeben.
mcnep schrieb am 23.8. 2004 um 15:35:17 Uhr zu
Bewertung: 5 Punkt(e)
Also, was war das gerade für ein deppenhafter Mikrotraum im Nachmittagsschlaf? Jemand hätte im Blaster einen Text eingegeben, so das übliche Gejammer von wenig zu wenig Niveau und Alledoofnurichnicht und hätte darin gefordert (sich offenbar selbst damit meinend) es würde langsam Zeit, daß ein 'Blaster–Rüttler' auftauchte. Ich nun hätte mich über diese typisch unbedarft–naßforsche Art geärgert und beschlossen, das Wort 'Rüttler' tatsächlich zu verstichworten, jedoch mit einem aus dem Weinlexikon exzerpierten Artikel über die méthode champagnoise (wobei ich - im Traum - sogleich den Phantomschmerz einer Schnittverletzung am linken Daumen bekam, dort, wo man sich gemeinhin beim Entfernen einer Champagner–Metallkapsel zu verletzen pflegt), weil, so meine Begründung im Traum, die doch so possierlich klang, daß sie das Festhalten dieses Kuddelmuddels rechtfertigt, »ich mir schließlich nicht jeden Tag frische Gedanken machen muß«.
mcnep schrieb am 11.8. 2003 um 15:57:19 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Ein perfider Traum während meines heutigen Mittagsschlafes:
Ein Passagierflugzeug war, aus Cordoba mit Ziel Dushanbe startend, entführt worden und in den Eiffelturm gelenkt worden. Nein, ich war nicht an Bord, sondern erlebte das ganze so, wie man derlei Katastrophen nunmal erlebt: Vor dem Fernseher, mit eben den müden, mir immer aufs Neue zufallenden Augen, die mich kurz zuvor ins Bett getrieben hatten. Bilder vom brennenden Paris, Bilder der geschockten Angehörigen am Flughafen, Funkverkehrfetzen, eine staatstragend analysierende Diskussionrunde mit der schönen Überschrift: 'Krieg - aber gegen wen?', die eingeblendete Laufschrift 'Alle ausgedruckten Sendungen verschieben sich auf unbestimmte Zeit' K.'s Gemaule, weil ich es gewagt hatte einzuflechten, so schön hätte ich den Eiffelturm nie gefunden, das war alles so ungut echt, selbst das Datum stimmte, so echt, wie Medien nun einmal sind, daß ich mich irgendwann selbst aus dem Schlaf riß und nun einigermaßen durchgeschüttelt im Yukata vor dem Blaster sitze und mir das ganze von der Seele schreibe. Das frustrierendste war nämlich weniger das geträumte Unglück, sondern das schon während des Traumes aufscheinende Gefühl, ich könne hinterher nicht wie im Falle 11/9 mich mit den anderen in einer Kommunion der Bewältigung austauschen, die berühmte Frage 'Wo warst du am elften September' stellend, sondern ich würde, wenn die Frage an mich gestellt werden sollte »Wo warst du am elften August 2003?« antworten müssen »Da ist mir gerade ein Flugzeug in den Eiffelturm gerast.«
tootsie schrieb am 19.9. 2008 um 14:55:08 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Erste Sequenz:
Ich befinde mich auf einer Familienfeier in der Wohnung meines Onkels und meiner Tante. Das eine Glas Wein habe ich nicht vertragen. Die anderen sind betrunken. Es ist sehr, sehr spät. Ich befinde mich allein in der Küche und arbeite an einem Puzzle. Ein Ägyptisches Motiv. Rätselfragen dazu...
Meinem Onkel helfe ich beim Abwasch. Er ist freundlich und zugänglich. Angeheitert spricht er von einem Fernseher. Ich folge ihm, und unten im Keller läuft ein bizarrer Porno. Im Grunde befindet sich dieses Kellergeschoss unter dem anderen Kellergeschoss, was den Bauplan etwas verwirrend macht. Unten sind Matratzen, und Wasser tropft. Im TV läuft dieser abgefahrene Kunstporno. Irgendwas psychedelisches, was nicht mal pornographisch ist.
Ich schlafe mit meinem Onkel. Es ist super!
Zweite Sequenz:
Ich befinde mich in Langendorf. Es scheint der Morgen nach der Nacht mit meinem Onkel zu sein. Die Sonne scheint. Opa liegt nackt auf dem Hof und lässt sich von Onkel W. einen blasen. Ich bin nicht einmal besonders irritiert, weil ich zumindest ahne, dass ich träume. Es ist Hochsommer. Onkel W. paukt mit einem mir unbekannten Mädchen Algebra. Das kommt mir sehr, sehr seltsam vor. Ich bin am Gartenteich. Da ist ältere Verwandschaft. Die Katze schwimmt und taucht durch den Teich. Sehr elegant. Sara ist da. Sie spricht mit dem Algebra-Mädchen und gibt Schminktips.
Wir müssen los. Irgendwo hin fein essen. Ich seile mich ab. Meine Kleidung ist schmutzig - überall Wasserlinsen. Der Hund des Algebra-Mädchens haut ab. Ich fange ihn wieder ein und lege ihn an die Leine. Ich drücke ihn mit dem Hals nach unten und hake die Leine ein. Mir gefällt das nicht und ich habe Angst, mich in die Erziehungsangelegenheiten anderer Leute einzumischen.
Dritte Sequenz:
Ich bin im Vogtland und erfahre, dass unser Haus nur fünfzehn Minuten von der Küste weg ist. Ich ärgere mich über meinen Vater und darüber, dass ich das erst jetzt erfahre.
Haide schrieb am 6.2. 2005 um 00:30:41 Uhr zu
Bewertung: 7 Punkt(e)
Mitten hineingeworfen in eine niederrheinische Banallandschaft mit Kühen. Sofort bemerke ich ihr viel zu lautes Wiederkäuenkiefergeräusch, ein schmergelndes Knerschen, krempiges Getriebe, daß die gesamte Ebene erfüllt wie das langsame, zeitverzögerte Zerbrechen eines Atomkraftwerkes. Es ist kalt. »Eiskalt aber klar« [ASchmidt]. Wie ich so traumgeworfen vor dieser Szenerie stehe, wird mir klar, daß Schmidt Träume zu seherischen Possen verarbeitet hat und umgekehrt. Ich habe den Eindruck, ich könnte eines der Viecher anschreien und mit Sicherheit würde sie mir in ASchmidtschem Tonfall so etwas antworten wie: »n Suppenteller konnte man nicht kaufen, aber wenn man die Totenmaske der inconnu de la Seine, 38 Mark 50, umdrehte, konnte man sie als solchen verwenden.«
Dadurch erscheinen plötzlich diese Rinder als wahrhaftige Personifikation des Todes. Das Wiederkäuen als Leichenpumpe. Sie sind mir mit einem Mal sehr, sehr, sehr unheimlich. Ihre vermeintliche »Bäuerlichkeit«, ihre Tarnung als »zu Schlachtendes« verbirgt ihr Geheimnis. Wir essen den Tod und inkorporieren ihn so: als Boef Bourgignon oder Schlichtmett. Ich kann aber nicht fliehen und ekle mich gleichzeitig vor der Banalität dieser überwältigenden Erkenntnis und nehme mir vor, ASchmidt daraufhin nochmal genauer zu lesen. Daß ich wie diese schwarzweißen Todesrinder Gras konsumiere, winkt wie ein Grinsekatzengrinsen zu mir ´rüber. Die schwarze Milch der Frühe kommt mir in den Sinn. Die Psylos, die auf Rindershit wachsen, die Verehrung der Rinder durch Inder und während ich entsetzenklar auf dieser Weide stehe, denke ich mich schon im Totenland. Und die Bauern und Metzger sind die Hadesarbeiter. Und Heidi ist die Lindenstraßen-Jeanned´Arc des Todes. Ich wache auf.
mcnep schrieb am 12.5. 2004 um 14:59:34 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Traum der gestrigen Nacht: Ich bin deutlich jünger, etwa Oberschüler und von einem Lehrerehepaar zu einer Vernissage eingeladen, die in einer Art historischem Kellergewölbe stattfindet, das ein wenig an den Dresdner Sophienkeller erinnert. Drinnen der übliche artifizielle Smalltalk, laute Leute, die gescheit wirken wollen, und ich bemühe mich nach Kräften, es ihnen gleich zu tun, da ich mich durch die Einladung auch irgendwie geehrt fühle, es die erste Veranstaltung dieser Art für mich zu sein scheint und ich meine deutlich ältere Begleitung nicht blamieren will. Schließlich werde ich einer Person vorgestellt, die ein Künstler ist und dort ausstellt - sich selbst. Dieser Künstler, obwohl ich ihm recht ungezwungen gegenübertrete und ihn auch sofort als Mensch (und Künstler) betrachte, hat sich nämlich in ein Objekt modulieren, umformen, operieren lassen und sieht jetzt aus wie eine Mischung aus einem Putzeimer mit Wringautomatik und einem Paket Spülmaschinensalz und ist nicht einmal einen Meter groß. In der Mitte dessen, wo bei anderen Leuten das Gesicht ist, ist eine kleine Öffnung in Form einer Schütte, dahinter schwappt eine rosa Flüssigkeit, die wohl die eigentliche Person ausmacht; auch sein völlig normales Sprechen kommt aus dieser Öffnung. Plötzlich stelle ich fest, daß auch einige ehemalige Mitschüler, offenbar uneingeladen, den Weg in die Ausstellung gefunden haben, unter ihnen mein guter Freund C.. Sie alle benehmen sich jedoch völlig rüpelhaft, spotten über die Objekte, die Gäste und vor allem den kleinen Kanisterkünstler. Ich will sie gerade, alle Freundessolidarität vergessend, zornig zur Rede stellen, da nimmt C. mit den Worten 'Jetzt trinkst du erstmal was richtiges!' eine Flasche Petroleum, es ist vermutlich Lampenöl, zur Hand und flößt die dem armen Künstler durch seine Schütte ein. Es gluckert fürchterlich und ich renne entsetzt raus und veranlasse irgendwie, daß ein Arzt geholt wird. Nach kurzer Zeit (ich stehe am Fuß der Treppe, die raus auf die Straße führt) kommt ein etwa achtjähriges Kind in Rettungssanitäterkleidung. Ich sage ihm, wo er hin muß und was passiert ist (der Aufruhr auf der Vernissage ist aber sowieso nicht zu überhören) und denke noch na, hoffentlich kommt da noch ein größerer nach. Und tatsächlich kommen noch drei, vier 'normale' Hilfskräfte hinterhergerannt, sie machen sich an die Arbeit und ich höre, wie einer sagt, da käme leider jede Hilfe zu spät. Ich bin furchtbar schockiert weil es das erste Mal war, daß ich Zeuge eines Mordes wurde und dieser auch noch von einem Freund begangen wurde und wache auf.
mcnep schrieb am 9.4. 2004 um 15:17:44 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Gerade während des Mittagsschlafs träumte ich von zwei jungen Mädchen, die Anne und Petra hießen, aus Bremerhaven stammten und zu uns ins Rheinland gefahren waren, um dort ein Wochenende lang Party zu machen. Das erzählten sie mir beim gemeinsamen Aussteigen am Hauptbahnhof meiner Heimatstadt (ich war gerade von einer Gammeltour aus ihrer Gegend zurückgekommen) und es war herzerfrischend, wie unverklemmt und fröhlich die beiden wirkten. Die eine trug einen sehr sommerlich wirkenden Wickelrock, der aufgrund eines gewagten Schnitts beim Gehen hinten den Blick auf ihren weißen Baumwollschlüpfer ermöglichte, was mir nicht vulgär oder aufreizend, sondern eher wie ein liebenswertes Zeichen unschuldiger Provinzialität erschien. Ich glaube, die beiden hätten es gerne gesehen, wenn ich sie noch ein Stück ihres Weges begleitet hätte und ihnen vielleicht die eine oder andere angesagte Kneipe gezeigt hätte, aber ich war müde von der Reise und weder vom Alter noch den Interessen her der geeignete Cicerone für sie. Daher trennten sich unsere Wege an der Tür eines großen Hochhauses, wo sie für das Wochenende in einem leerstehenden Appartement zu übernachten planten. Als sie durch die Glastür traten, wobei ich noch einmal einen Blick auf den Schlüpfer der einen zu werfen genötigt war (es war Anne, blond und mit einem Pferdeschwanz), in dem Moment wußte ich genau, daß sie dieses Haus nie wieder lebend verlassen würden. Ich weiß nicht mehr, ob die Vorahnungen konkreterer Natur waren, ob ich ihren Tod in Gestalt eines psychopathischen Vergewaltigers oder eines Wohnungsbrandes voraussah - zumindest Petra, brünett und mit einer Art Mittelscheitel versehen, hatte wie ich nach dem Verlassen des Bahnhofs eine Zigarette geraucht - ich weiß nur, daß ich sicher war, der letzte Mensch gewesen zu sein, der die beiden gesehen hätte. Dieser Gedanke erfüllt mich mit einer unbestimmten Trauer, aber ich kam nicht auf die Idee, die beiden vom Betreten des Hauses abzuhalten, indem ich etwa doch auf ihren Vorschlag, zunächst direkt in die Innenstadt zu fahren, einging, denn ich war, wie gesagt, ziemlich müde und hatte auch nicht das Empfinden, daß es meine Aufgabe sei, in ein offensichtlich unabänderliches Schicksal einzugreifen, eine Einstellung, die mich, weitaus mehr noch als der kommende Tod der beiden, schon im Rest meines Schlafes entsetzte und auch jetzt noch ein wenig irritiert.
Ugullugu schrieb am 10.2. 2003 um 17:10:35 Uhr zu
Bewertung: 9 Punkt(e)
Gestern hab ich mir vielleicht einen Scheiß zusammengeträumt. Ich will mal versuchen, es aufzuschreiben, bevor es mir ganz entfällt. Also:
Ich bin wieder in Oklahoma, wo ich für ein Jahr diesen Schüleraustausch gemacht hab. Genauer gesagt bin ich in dieser Wohnsiedlung bei Tulsa, mit den modernen, flachen Einfamilienhäusern, die alle die gleiche Garage haben. Es ist früher Abend oder möglicherweise auch Nacht, und die Zikaden machen Lärm. Ohne Zikaden hätte es eigentlich auch Sylt sein können, sieht genauso aus. Ich bin draußen. Irgendwoher weiß ich nun, daß die Neighbourhood Watch in der Nähe herumfährt und mit dem Scheinwerfer in die Fenster leuchtet, und die hätte eigentlich auch alle Hände voll zu tun gehabt: ich bin nämlich so eine Art bemoostes, grünes Comic-Monster, dem frühen swamp thing nicht unähnlich, bin zwar nicht sehr groß, habe aber ein großes Maul (harhar) und eine rostige Kette, mit der ich auf irgendwas einzuschlagen gedenke. So laufe ich also als grünes Monster draußen in der Nacht an den front porches vorbei und plane, irgendwo einzubrechen und ein bißchen Radau zu machen. Ich will keinem was tun, nur halt in so eine ordentliche kleine Wohnung einbrechen, die Leute erschrecken und mit meiner rostigen Kette auf die Möbel einschlagen. Ein bißchen komme ich mir vor wie das »alte Europa«.
Dann finde ich endlich ein Haus, in dem noch Licht brennt (keine Ahnung, wieso ich ein erleuchtetes Haus gesucht habe). Ich walke also up zur Garagentür, die offen steht, weil ich weiß, daß von der Garage eine Verbindungstür ins Wohnhaus führt. Der Bewegungsmelder reagiert offensichtlich auch auf grüne Schlammmonster, die Außenbeleuchtung geht an und bei den Scheinwerfern wuseln Insekten herum. In der Garage steht kein Auto, aber in der Tür zum Wohnhaus steht plötzlich der Hausherr. Er hat einen hellen Schnurrbart und dummerweise eine Pistole. Ich glaube, er hat gar nichts gesagt, jedenfalls war die Sache klar: ich hab hier nichts verloren und geh jetzt besser. Enttäuscht ziehe ich also mitsamt meiner Kette ab und hocke mich auf den Rasen vor dem Haus. Ende erster Teil (scheiße wird das lang).
Ich hocke also auf dem Rasen herum. Da bekommt der schnauzbärtige Waffenträger erneut Besuch: von rechts brettert ein roter Golf III Europe heran, fährt die Einfahrt hoch und langsam in die Garage. Durch die Scheiben sehe ich, daß überraschenderweise zwei Freunde von mir in dem Wagen sitzen. Der Wagen hält, die Türen gehen auf. Ein wahrer Wasserfall ergießt sich aus dem VW, als wäre er vorher bis zum Dachhimmel mit Wasser gefüllt gewesen! Helge und Markus, meine Freunde, werden mit hinausgespült. Jetzt haben sie sich aber überraschend in zwei völlig andere Menschen verwandelt, die ich nie zuvor gesehen habe, aber ich weiß, daß sie ein Ehepaar und zu Besuch beim Schnauzbart sind (der steht immer noch da, die Waffe ist glaube ich weg).
Die ganze Garage steht ein paar Zentimeter tief unter Wasser. Das macht aber weder dem Amerikaner noch seinen beiden Gästen etwas aus, noch der Frau des Amis, die jetzt überaschend aus dem Haus getrippelt kommt. Die Frau ist sehr dünn. Die vier Leute in der Garage begrüßen sich herzlich, im Wasser stehend. In der Garage liegt jetzt plötzlich ein schwarz-rot-weißer Teppich, ebenfalls unter Wasser, unter den Füßen der Leute, unter dem Golf.
Dritter Teil, jetzt wird es wirklich bescheuert. Aus dem Nichts taucht plötzlich ein Mann mit einem dunklen Anzug auf. Er ist sehr groß und hat ein Mikrofon in der Hand und geht damit zu der dünnen Frau. Er fragt sie, ob ihr das gar nichts ausmache, daß ihre ganze Garage unter Wasser stehen würde, und das halbe Wohnhaus. Damit lenkt er die Aufmerksamkeit aller auf die Verbindungstür zum Wohnhaus. Die ist halb geöffnet, und man kann sehen, daß auch da schon das Wasser steht. Drinnen sind weiße Fliesen. Die Frau antwortet, das mache ihr nichts aus, denn sie besitzt ein spezielles System zur Hausentwässerung. Der Mann im Anzug fragt erneut: Was ist denn das wirklich Tolle an diesem System?, und er fragt es in so einem konspirativen Ton, und die Frau antwortet darauf wie aus der Pistole geschossen, und plötzlich kippt alles um, und mir ist klar: Das ist Werbung! Ich bin in einem Fernsehwerbespot für eine hausinterne Anlage, die den Wasserkreislauf eines Wohnhauses reguliert. Das wurde in den letzten Augenblicken, die der Traum noch dauerte, bis ins kleinste Detail erklärt, aber leider habe ich es wieder vergessen. Gut möglich, daß mir im Traum die Lösung für alle eventuell anstehenden Trinkwasserprobleme der Menschheit offenbart wurde. Es war wirklich toll, die unteren Zimmer des Hauses waren zum Beispiel alles Naßräume, und das Auto, der rote Golf, fuhr auch mit Wasser, und daß er beim Reinfahren die ganze Garage unter Wasser setzt, ist so gewollt und hat etwas mit Wiederaufbereitung zu tun. Dann bin ich aufgewacht, und mußte ganz dringend pissen.
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